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Changpeng Zhao von Binance ist der reichste Mann in Krypto – und vielleicht von ganz Asien

Der Börsendienst Bloomberg hat recherchiert, wer der reichste Bürger im Lande Krypto ist. Dies ist der Binance-CEO Changpeng Zhao. Mit einem Vermögen von geschätzt mindestens 96 Milliarden Dollar steigt der 44-Jährige in die Klasse der reichsten Menschen der Welt auf. Aber angeblich ist ihm das ziemlich schnuppe …

Manchmal entstehen gewaltige Vermögen fast über Nacht. Etwa das von Changpeng Zhao. Der in China geborene und mit 12 Jahren nach Kanada migrierte Professorensohn hatte ab 2013 für mehrere Krypto-Unternehmen gearbeitet, etwa blockchain.info und OKCoin, und, so sagt es die Geschichte, sein Appartement verkauft, um mehr Bitcoins zu erwerben.

2017 gründete Zhao die Börse Binance, die er durch die ICO des BNB-Coins finanzierte. Binance wurde innerhalb kurzer Zeit zur weltweit größten Börse, was vermutlich daran liegt, dass das Team in der Lage war, extrem schnell viele neue Coins aufzunehmen. Schon die Rally 2017 machte den als „CZ“ bekannten Geschäftsführer zum Milliardär und zu einem der reichsten Menschen in Krypto.

Doch 2017 war, wie wir heute wissen, erst die Vorspeise. Binance hat seitdem die Stellung als eine der größten Börsen erhalten und jeden Trend und jeden Hype-Coin mitgenommen. CZ profitiert gleichermaßen von den Handelsgebühren wie von seinen Krypto-Beständen. So stieg sein „Binance Coin“ (BNB) von 1,40 Dollar Ende 2017 auf heute gut 430 Dollar.

Es war jedem klar, dass CZ sehr viel Geld besitzt. Aber das, was Bloomberg nun schätzt, erstaunt doch. Es wird sogar denkbar, dass er zu den fünf reichsten Menschen der Welt gehört.

Ungefähr 96 Milliarden Dollar – oder noch viel mehr

Aber von vorne: Wie Bloomberg gestern berichtete, nahm der Börsendienst CZ in seinen Milliardärs-Index auf. Bloomberg hat sein Vermögen auf 96 Milliarden Dollar geschätzt. Es „übersteigt das der reichsten Person Asiens, Mukesh Ambani, und konkurriert mit Tech-Titanen wie Mark Zuckerberg und den Google-Gründern Larry Page und Sergej Brin.“ Auf Bloombergs Liste der reichsten Menschen positioniert ihn dies hinter Oracle-Gründer Larry Ellison und vor dem indischen Unternehmer Makesh Ambani auf Platz 11.

Allerdings hat Bloomberg offenbar nur CZs Vermögen als Binance-CEO geschätzt. Da seine privaten Krypto-Bestände nicht in diese Berechnung eingeflossen sind – darunter Bitcoins und BNBs — „kann Zhaos Vermögen erheblich größer sein“. Es ist nicht unrealistisch, von 20, 30, 40 oder 50 weiteren Milliarden Dollar auszugehen, was Zhao in die Top-5 katapultieren würde, womöglich noch vor Bill Gates. Dass er aber Elon Musk, Jeff Bezos oder Bernard Arnault überholt, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

Zhao verweigerte Bloomberg einen Kommentar zur Schätzung seines Vermögens. Die Pressestelle von Binance immerhin antwortete, dass die Krypto-Märkte noch immer jung und wachsend und einer starken Volatilität unterworfen seien. Jede Zahl, die man heute höre, könne schon morgen komplett anders sein. Vielleicht hat Bloomberg ihn wegen dieser großen Unsicherheiten wider vom Milliardärs-Index entfernt. In jedem Fall findet man ihn dort heute nicht mehr.

Ein merkwürdiger Megareicher, eine merkwürdige Börse

Changpeng Zhao unterscheidet sich deutlich von den anderen Milliardären seines Kalibers, schon allein dadurch, dass er sein Unternehmen nicht, wie etwa Jeff Bezos, über Jahrzehnte hin aufgebaut hat. Er stieg, schreibt Bloomberg „praktisch über Nacht in die Ränge der reichsten Menschen der Welt auf.“

Für die neue Klasse der Krypto-Reichen ist dies typisch. Sie verdienten ihr Vermögen in viel kürzerer Zeit als die klassischen Milliardäre, in vier oder fünf, maximal zehn Jahren. Wo das Reichwerden für die klassischen Milliardäre ein langer Prozess ist, der sie selbst verändert, ist es für die Krypto-Reichen ein Schleudersitz, der dieselbe Person in einen gewaltigen Haufen Gold wirft. Viele der Krypto-Reichen hatten noch gar nicht die Zeit, zu realisieren, wie reich sie wirklich sind, und stecken weiterhin in dem Lifestyle, den sie zuvor gepflegt haben.

Auch Binance, hat wenig mit Amazon, Tesla oder Arnaults Firmengruppe gemein. Wo diese mehr oder weniger langsam, aber doch im Lauf der Zeit wuchsen, katapultierte sich Binance wie aus dem Nichts an die Spitze der Krypto-Märkte. Vor allem aber hat Binance eine wesentlich aufregendere regulatorische Geschichte hinter (oder vor) sich: Eigentlich gründete CZ die Börse in China. Nachdem sie dort verboten wurde – oder vorauseilend geflohen ist – war sie für einige Zeit auf Malta ansässig und ist nun auf den Cayman Inselns angemeldet. CZ liebäugelt derzeit wohl mit Dubai, wo er offenbar wohnt.

Binance kooperiert zwar mit Behörden, etwa wenn es um gehackte Coins oder auch Ransomware geht, versucht aber alles, um sich einer zu strengen Regulierung zu entziehen. Vermutlich nicht, weil CZ in irgendeiner Weise Hacker und Kriminelle und Geldwäscher und Steuervermeider decken will, sondern weil ihm klar ist, dass Regulierung immer zu Lasten der Nutzererfahrung geht und Binance nur an der Spitze bleibt, wenn es eine exzellente Nutzererfahrung bietet. Dafür bezahlt er auch den Preis, mit den Behörden in Konflikt zu geraten. In den USA untersuchen etwa Aufsicht und Steuerbehörde die Börse wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandel, während die Aufsichtsorgane unter anderem in Deutschland, Japan und Großbritannien Warnungen erlassen haben.

Mit dem Binance-Coin und der zugehörige Binance Smart Chain versucht CZ schon seit einigen Jahren, die eigene Börse überflüssig zu machen und durch eine dezentrale Blockchain bzw. eine DAO zu ersetzen. Dies würde Binance dem Zugriff durch die Regulierer vollkommen entziehen und ihn aus der Verantwortung nehmen – denn eine DAO hat keinen Geschäftsführer.

Nur Ablenkung

Immerhin konnte Bloomberg dem CEO am Rande des „Bloomberg New Economy Forum“ in Singapur im November einen Kommentar zu seinem Reichtum abnötigen. Er antwortete, dass er sich nicht „um Reichtum, Geld und Ränge“ schere. Solche Dinge seien eine Ablenkung und er sei darauf vorbereitet, so gut wie sein gesamtes Vermögen zu spenden, bevor er sterbe.

Da dem 44-Jährigen vermutlich noch einige Jahrzehnte beschert sein werden, und da Krypto vermutlich noch längst nicht seinen Höhepunkt erreicht hat, könnte dieses Vermögen bis dahin noch deutlich steigen. Die Chance, dass CZ zum reichsten Mann der Welt wird, stehen relativ gut.

Daher ist es nicht unwichtig, was für eine Art Mensch CZ ist. Über ihn sind einige Details bekannt, die, vielleicht, ein grobes Bild zeichnen, mit wem die Welt es zu tun haben wird. Ich zähle einfach bunt auf, was mir einfällt:ihm

CZ hat sich das Binance-Logo auf seinen Arm tätowieren lassen und ist stolz, wenn seine Mitarbeiter dasselbe machen. Einmal besuchte er ein wichtiges Treffen mit Politikern oder Aufsehern in kurzen Hosen, was auf Twitter viral ging, ein andermal lachte er herzlich darüber, dass das PR-Team von Binance sein Gesicht in ein lustiges Vampir-Bild und andere Grafiken hineinmontiert hat.

Mein Eindruck ist, dass CZ mit großer Leidenschaft hinter Bitcoin und Krypto steht. Er hat unbestreitbar ein goldenes Händchen, um Geld zu verdienen, und weiß dieses auch einzusetzen, ohne dass es für ihn zum Selbstzweck wird. Der immer wieder demonstrierte Idealismus für Bitcoin und Krypto könnte eine PR-wirksame Maske sein, aber auch die Folge seiner regierungskritischen Erziehung und seinem Verhältnis zu China.

Was ihn aber wohl vor allem antreibt ist der Wille, etwas zu schaffen – und das Ego. Er liebt es, sich selbst darzustellen, ob auf Twitter oder in Verhandlungen, wo er auch mal in kurzen Hosen auftritt, um zu demonstrieren, dass er es nicht nötig hat, sich anzupassen. Er mag es offensichtlich, wenn andere ihn gut oder witzig oder ungewöhnlich finden. Darin liegt nichts Böses, im schlimmsten Fall etwas zu viel Selbstherrlichkeit, die aber bei CZ erfrischenderweise mit der Fähigkeit einhergeht, über sich selbst zu lachen, und das auch dann, wenn nicht er, sondern andere den Witz gemacht haben.

Das kann natürlich Blüten tragen. So heißt es, das Buch, das ihm gerade gefalle, liege in den Büros von Binance aus, und die Mitarbeiter werden mehr oder weniger sanft „ermutigt“, es auch zu lesen. Man kann das als Zwang verstehen – aber sich darüber freuen, dass er für Bücher anstatt Apps oder Podcasts oder Blogs wirbt. Insgesamt wirkt CZ so, als würde er nicht der schlechteste Megamilliardär sein, den die Welt bekommen kann.

Über Christoph Bergmann (2257 Artikel)
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