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„Es tut uns leid, dass wir die Lichter auf Ethereum vorübergehend ausgeschaltet haben.“

Landtypen in Otherside. Bild von der Webseite otherside.xyz

Yuga Labs, die Herausgeber des NFT-Hits Bored Ape Yacht Club, haben mit dem Otherdeed-Mint Ethereum mehr oder weniger lahmgelegt. Die Gebühren erreichten neue Rekorde, was bei Ethereum ziemlich viel bedeutet.

Wer von euch das Pech hatte, am Sonntag, den 1. Mai, irgendetwas mit Ethereum zu machen, ist vielleicht über unerhört hohe Gebühren gestolpert. Es kam wieder vor. Es gab wieder eines dieser Ereignisse, die so weite Wellen schlagen, dass Ethereum darin kurzzeitig ertrinkt.

Diesmal ging es um die Otherdeed-Mint mit APE-Token von Yuga Labs. Und da ihr das wahrscheinlich ebensowenig aus dem Stand heraus versteht wie ich, muss ich ein kleines Stückchen ausholen, um euch – und mir – das alles zu erklären.

Das Ökosystem der Affen

Es beginnt mit dem Bored Ape Yacht Club (BAYC), einer Kollektion von 10.000 NFT-Avataren, die, nun ja, gelangweilte Affen im Urlaub darstellen. Man kann diese NFTs auf OpenSea kaufen, und mit einem Floor-Preis von 128 Ether haben die BAYC es sogar geschafft, die CryptoPunks vom NFT-Thron zu stoßen.

Bored Apes Yacht Club NFTs bei Opensea.

Yuga Labs, die Herausgeber von BAYC, haben sich allerhand einfallen lassen, um die BAYC-Besitzer bei der Stange zu halten. So haben sie etwa einen weiteren Coin entwickelt, den ApeCoin (APE), der kein NFT ist, sondern fungible Token, welche zum Teil an Besitzer der BAYC-NFTs ausgeschüttet wurden.

Diese Token sind der Grundpfeiler einer APE-DAO und eines von Yuga Labs noch zu entwickelnden Ökosystems um NFTs, Affen und virtuelle Welten – das Metaverse. APE sind eine der wenigen erfolgreichen neuen Token der letzten Monate.

Nun hat Yuga Labs am Wochenende mit dem Otherdeed-Mint nachgelegt. Es gab bereits Avatare, und es gibt bereits fungible Token. Was noch fehlte, sind NFTs, die Land und Items in einer virtuellen Welt darstellen.

Die andere Seite …

Dazu hat Yuga Labs die virtuelle Welt Otherside geschaffen: „Das Metavers soll alles sein außer langweilig. Die Welt soll dynamisch sein, gewürzt mit Geschichten, und eure Aktionen sollen Konsequenzen nach sich ziehen. Betreteten die Otherside, wo normale Regeln nicht länger gelten.“ Die Otherside sei „zum Teil Galaxy und zum Teil Archipel, wo Inseln sich vom Biogenetischen Sumpf zum Zentrum hinstrecken uns sich in die Unendliche Ausdehnung hinziehen …“

In dieser Welt gibt es mehrere Arten von Land, auf dem man etwas bauen kann (oder auch nicht), zahlreiche Elemente der Umgebung, Ressourcen, die man finden und abbauen, seltene Objekte, die man einsammeln kann und vieles mehr.

Die Otherdeeds, um die es hier geht, sind nun Landrechte in Otherside (im Englischen ist das Wortspiel verständlicher, da dort „title deed“ Besitzurkunde heißt). Sie sind „dein Schlüssel zur Otherside. Otherdeed-Besitzer können daran teilnehmen, Prototypen oder Demos zu bilden, und das finale Design des Spieles mitgestalten. Jedes Otherdeed ist darüber hinaus ein dynamisches NFT, gebildet als Kollektion von Elementen […] und wird sich weiterentwickeln […]“.

Eine Prägung mit strengen Regeln

Am 1. Mai wurden diese Deeds auf der Ethereum-Blockchain geprägt. Die Regeln für die Prägung waren bemerkenswert klar und streng: Um ein Otherdeed zu erschaffen, musste man 305 ApeCoins bezahlen. Diese Anwendung hat den Preis der ApeCoins übrigens im Lauf der vergangenen Woche von 17 auf gut 24 Dollar angehoben; nach der Prägung fiel er aber wieder auf ungefähr 15 Dollar.

Dabei setzte YugaLabs strenge Limits je Wallet. Zunächst konnte man mit einer Wallet nur zwei Otherdeeds erschaffen, später sollte sich die Anzahl um vier weitere erhöhen. Um an der Prägung teilzunehmen, musste man seine Wallet zuvor bei Blockpass verifizieren lassen. Blockpass verifiziert die Identität von Wallet-Besitzern und schafft ein KYC-Ökosystem (Know your Customer), sicherlich auf eine innovative Art, vielleicht auch durch KYC-Token, aber auf die schnelle fand ich das nicht heraus.

Daneben können Besitzer eines BAYC- oder MAYC-NFTs (Mutant Ape Yacht Club) je ein Otherdeed je NFT beanspruchen. Dafür benötigen sie keine durch Blockpass verifizierte Wallet.

Trotz dieser strengen Begrenzungen und Anforderungen wurde die Otherdeeds-Prägung zum bisher größten Ereignis auf der Ethereum-Blockchain im Jahr 2022. Auf Twitter fühlt sich YugaLabs genötigt, sich zu erklären.

Nicht ohne Stolz

„Uns war klar, dass die Otherdeed-Prägung eine einzigartig große, stark nachgefragte NFT-Kollektion ist, und dass dies spezielle Herausforderungen mit sich bringen würde.“ Die Herausgeber hatten gehofft, diesen Herausforderungen ausreichend zu begegnen duch „einen rigorosen Gating-Mechanismus in der Form von on-chain KYC, der maximalen Prägung von 2 [Token] je KYC-Wallet, und einem signifikanten Preis von 305 ApeCoins“.

Doch diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, dass die Otherdeed-Mint „in mehrfacher Beziehung zur größten NFT-Prägung der Geschichte wurde.“ Und „das während der Prägung verbrauchte Gas“ – das meint die Gebühren bei Ethereum – „zeigt, dass die Nachfrage die wildesten Erwartungen bei weitem übertraf. Die Reichweite der Prägung war so weit, dass sogar Etherscan abstürzte.“

Die Spitze der Gaspreise ganz rechts zeigt, dass es besonderes Ereignis geschah. Quelle: etherscan.io

Etherscan ist der älteste und größte Blockexplorer von Ethereum. Eine Institution und Instanz. Damit sie kollabiert, muss schon einiges passieren. Während die Charts von Etherscan zwar ein klar sichtbares, aber nur für das bisherige Jahr beispielloses Ereignis zeigen, sprechen die bezahlen Gebühren eine deutlichere Sprache: Innerhalb von nur einer einzigen Stunde hat der Otherdeed-Smart-Contract 26.000 Ether – 72 Millionen Dollar – an Gas verbrannt. Berichten zufolge fielen kurzfristig Gebühren in Höhe von tausenden von Dollar an, wenn man mit Smart Contracts interagierte.

Seit der letzten Hardfork wird durch EIP-1559 ein Teil der Ether, die die User als Gebühren bezahlen, zerstört, anstatt an die Miner zu fließen, wodurch die Gesamtzahl an Ether-Token weniger stark steigt oder sogar sinkt. Und eine solche Menge verbrannter Ether ist tatsächlich ohne Beispiel. Daher schwingt auch etwas Stolz mit, wenn sich YugaLabs für den Ärger entschuldigt: „Es tut uns leid, dass wir die Lichter auf Ethereum vorübergehend ausgeschaltet haben.“

… aber erst der Ausschlag der Menge verbrannter Ether zeigt, WIE speziell das Ereignis war. Quelle ebenfalls etherscan.io

Der Vorfall mache sehr eindeutig eine Sache klar: „ApeCoin muss auf eine eigene Chain migrieren, um ordentlich zu skalieren. Wir wollen“, wenden sich die Entwickler an die Ape DAO, „die DAO dazu ermutigen, in diese Richtung zu denken.“

Zunächst aber möchte YugaLabs sich darum kümmern, was mit all den gescheiterten Transaktionen passiert und beispielsweise die Gebühren ersetzen, die User bezahlt haben, ohne dass der Smart Contract ausgelöst wurde. Sie müsse eben all das machen, was man machen muss, wenn man für die erfolgreichste NFT-Mint aller Zeiten gesorgt hat.

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