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Ukrainischer Vizeminister: Krypto „rettet buchstäblich das Leben unserer Soldaten“

Kein Bezug zum Krieg, aber ein schönes Foto aus der Ukraine. Bild von Denis Bondariev via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Ukraine hat mehr als 100 Millionen Dollar durch Krypto-Spenden empfangen. Alex Bornyakow, stellvertretender Digitalminister, preist nun Kryptowährungen als „essenzielles Mittel der Verteidigung der Ukraine“.

Alex Bornyakow ist stellvertretender Minister für die digitale Transformation in der Ukraine – und offiziell ein Anhänger von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen. Das unterstreicht er mit diesem Tweet:

Ungeachtet des „Bärenmarktes“ seien Kryptowährungen ein essenzielles Mittel der ukrainischen Verteidigung geworden, indem sie durch Flexibilität und Geschwindigkeit buchstäblich die Leben der Soldaten retten. Auf jeden „Kryptowinter“ folge ein „Kryptofrühling“; die Branche sei hier, um zu bleiben.

Bornyakov verweist auf einen Artikel im Kyiv Independent vo 25. Juli, der ausführlich über die Kryptospenden berichtet. Dieser Artikel ist enorm interessant, weil er zumindest einen Hinweis gibt, wie Kryptowährungen im „echten Leben“ funktionieren – wenn man einen Krieg so nennen mag.

125 Millionen Dollar für 45 Organisationen

Seit dem Beginn der russischen Invasion haben ukrainische Wohltätigkeitsorganisationen mehr als 125 Millionen Dollar in Kryptowährungen eingesammelt. Der Kyiv Independent beruft sich bei dieser Zahl auf Crystal Blockchain, einen Blockchain-Analysten. Dessen letzte Untersuchung zum Thema ist allerdings von Ende Mai. Zu den direkten Spenden kommen noch 1,2 Millionen Dollar aus dem Verkauf von NFTs.

Laut Crystal Blockchain emfangen 45 verifizierte Organisationen Spenden in Kryptowährungen. So sammeln etwa die Regierung selbst, das Gesundheitsministerium, die Return Alive Foundation, die Cyberpolice der Ukraine, Binance und viele andere. In der Regel werden die Coins getauscht und für Waffen, Munition oder andere militärische Ausrüstung verwendet, etwa Funkgeräte, Verbandskästen oder kugelsichere Westen.

Vor allem in den ersten Wochen des Krieges seien Kryptowährungen hilfreich gewesen. Sie hatten es ermöglicht, ausländische Lieferungen von Waffen und Ausrüstung zu bezahlen, während die Zentralbank der Ukraine ein- und ausgehende Zahlungen begrenzt hatte. „Dank der Krypto-Spenden konnten wir rasch Ausrüstung kaufen und an die Front senden,“ erklärt Bornyakow.

Der Bärenmarkt und NFTs

Natürlich leiden die Organisationen unter der starken Volatilität. Der Großteil der Spenden ging im Frühjahr ein; ihr Wert hat sich seitdem etwa halbiert.

Die meisten Organisationen sind davon allerdings nur wenig betroffen. In der Regel bemühen sie sich, das Geld rasch wieder auszugeben, oder sie wechseln die Kryptowährungen in Stablecoins. So hat etwa die offizielle Wallet der Regierung fast 600 Bitcoins empfangen, hält aber aktuell weniger als 0,05.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Die Cyberpolice der Ukraine hat noch gut einen Bitcoin in ihrer Wallet, die Return Back Alive Foundation sogar 127. Dies ist aber vermutlich nur für wenige Organisationen eine Option. Den meisten dienen Stablecoins als effiziente Werkzeuge, um sich gegen die Volatiltät abzusichern.

Stärker leiden die Wohltätigkeitsorganisationen aber darunter, dass die Spendenströme langsam austrocknen. Sie gehen, so Bornyakov, sehr viel seltener ein als noch zu Beginn des Krieges. Es sei schwierig, die Ströme wiederzubeleben, da der globale Krypto-Markt eingestürzt sei und die Kriegsmüdigkeit einsetze.

Die Regierung der Ukraine versucht dem abzuhelfen, indem sie NFTs gegen Kryptowährungen verkauft. Die Erlöse sollen militärische Ausrüstung und humanitäre Hilfe finanzieren, und helfen, Museen, Theater und andere kulturellen Institutionen wieder aufzubauen. „Wir benutzen die neuesten Technologien, um die Ukraine näher zum Sieg zu bringen,“ schrieb Boryakows Boss, der ukrainische Digitalminister Mykhailo Fedorow auf Telegram.

Zwar sind NFTs noch volatiler als Kryptowährungen, und das Volumen dieses Marktes sinkt noch rapider als das des Restes. Dennoch ist etwa das digitale Museum „Meta History“, das NFTs zum Ukraine-Krieg verkauft, optimistisch, hilfreiche Finanzmittel einzuholen. Es hat für die ersten 36 Tag des Krieges je ein oder mehrere NFTs aufgelegt, die an bestimmte Ereignisse erinnern und je 0,15 Ether kosten.

Schon zuvor hatten die „Avatars for Ukraine“ mit NFTs fast 13 Ether eingeholt – relativ kleiner Betrag, der aber laut dem Independent auch half, medizinische Materialien zu kaufen.

Über Christoph Bergmann (2415 Artikel)
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