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Jeder siebte Kanadier besitzt Bitcoins

Eine große Spinneninstallation in der Hauptstadt Kanadas, die da heißt ... Bild von mathiasbaert via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Zentralbank Kanadas veröffentlicht einen Bericht über Umfragen zu Bitcoin zwischen 2016 und 2021. Die Ergebnisse werfen ein interessantes Licht auf Bitcoin in Kanada – und bestätigen Trends, die auch hier wahrnehmbar sind.

Ein Bericht der kanadischen Zentralbank, der Bank of Canada, fasst die Ergebnisse von Umfragen zu Bitcoin und Kryptowährungen seit 2016 zusammen. Es geht dabei vorrangig darum, wie viele Menschen in Kanada Bitcoin kennen und besitzen.

Das Paper dient als exzellente Quelle, um die „Adoption“ in Kanada nachzuvollziehen. Die Analysten haben konsistent und über mehrere Jahre hinweg statistische Daten zu Einstellung zu und Besitz von Bitcoin in Kanada erhoben.

Ein paar Absätze zur Methode

Bevor wir zum interessanten Teil kommen – zu den Ergebnissen – arbeiten wir uns durch das Gestrüpp von Datenbestand und Methode durch.

Die Bank of Canada führt seit 2016 die „BTCOS“-Umfragen durch („Bitcoin Omnibus Survey“). Eine weitere Quelle ist die Umfrage der Zentralbank zu Alternative zu Bargeld („Cash Alternative Survey“, CAS) von Ende 2020.

Die Teilnehmer wurden bei beiden Studien durch zwei Quellen rekruiert: Eine Gruppe macht freiwillig und in Eigeninitiative als Teil eines Panels wiederholt mit und erhält dafür eine Belohnung. Der andere Teil fand über Online-Werbung den Weg zu den Umfragen, war aber nicht Teil eines Panels.

Die ermittelten Daten wurden dann durch eine etablierte Methode hochskaliert. Dabei verglichen die Forscher die sozioökonomischen und demographischen Faktoren ihres Samples mit der des kanadischen Zensus, um ihre Ergebnisse dann so zu gewichten, dass sie den kanadischen Durchschnitt möglichst gut repräsentieren.

In den BTCOS Umfragen von 2016-2021 haben zwischen 1.974 und 2.623 Personen teilgenommen, bei der CAS-Umfrage waren es mit 3.893 fast doppelt so viele.

Und damit genug der Methode!

Ein hartnäckiger Teil bleibt hinterm Mond

Die Forscher haben sich seit 2016 nach der „Awareness“ von Bitcoin erkundigt, also dem Wissen, dass es diese Sache namens Bitcoin gibt. Das ist im folgenden Diagramm die gestrichelte Linie.

Die Awareness hat offenbar bereits 2018 eine Spitze erreicht hat. 2016 wussten 62 Prozent der Kanadier von Bitcoin, 2018 waren es 89. Auf diesem Stand blieb die Awareness seitdem. Der Großteil der Menschen in Kanada weiß von Bitcoin, aber rund 10 Prozent leben hartnäckig hinter dem Mond. Das wird vermutlich noch lange so bleiben.

Dabei ist die Awareness unter Kanadierinnen etwas geringer. Sie lag noch 2016 mit 54 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt, holte aber bis 2021 auf 87 Prozent auf. Die Lücke der Awareness zwischen den Geschlechtern hat sich fast vollständig geschlossen.

Die üblichen Klischees bestätigen sich

Die essenzielle Frage ist aber: Wie viel Prozent der Kanadier besitzt Bitcoin?

Hier zeigt sich wesentlich mehr Dynamik als bei der Awareness. 2016 besaßen gerade mal 3 Prozent Bitcoin, 2018, 2019 und 2020 etwa 5. Doch Ende 2021 war die Anzahl auf 13 Prozent gesprungen!

Im Detail reproduziert dieser Teil der Umfrage die üblichen Klischees: Männer besitzen mit 19 Prozent häufiger Bitcoin als Frauen mit 7 Prozent. Die Bitcoin-Besitzer sind in der Regel jünger als die generelle Population, Schwerpunkte liegen in den Kohorten von 18 bis 34 und von 35 bis 54 Jahren, und das Bildungsniveau ist überdurchchnittlich hoch. Das haben auch unsere Umfragen wieder und wieder erbracht.

Die Statistik zur finanziellen Bildung ist dagegen überraschend. Sie bildet eine umgekehrte Glockenkurve: Der Anteil der Bitcoin-Besitzer ist unter den finanziel hoch- und niedriggebildeten am höchsten, im Bereich der „Normalbildung“ am tiefsten. Dies trifft sich mit vergleichbaren Ergebnissen für Japan von 2020. Entweder kauft man Bitcoin, weil man nichts von Finanzen versteht – oder weil man sehr viel davon versteht.

40 Prozent der kanadischen Bitcoiner haben keine Ahnung

Danach ziehen die Forscher weitere Erkenntnisse aus den Umfragen.

Beispielsweise haben sie mit einem sehr kurzen Fragebogen den Wissensstand zu Bitcoin erhoben. Die Teilnehmer mussten bewerten, ob drei Aussagen richtig oder falsch waren, etwa dass die Menge aller Bitcoins begrenzt ist.

Im Lauf der vergangenen fünf Jahre zeigt sich ein klarer Trend bei den Bitcoin-Besitzern: Auf der einen Seite stieg der Anteil derjenigen, die ein starkes Wissen besitzen, von 27 auf 32 Prozent. Wer Bitcoins besitzt, informiert sich. Doch auf der anderen Seite verdoppelte sich der Anteil derjenigen mit einem tiefen Wissensstand von 19 Prozent (2018) auf 40 Prozent.

Wenn man sich die Fragen anschaut, ist das schockierend. Die drei Fragen sind wirklich sehr einfach. Ein hohes Wissen hat, wer sie alle beantwortet, ein geringes, wer mindestens so viele Fragen falsch wie richtig beantwortet. 40 Prozent der kanadischen Bitcoin-Besitzer haben nicht die geringste Ahnung, worin sie investiert haben.

Die Forscher erklären das relativ plausibel: Leute, die langfristig halten, lernen mehr über die Technologie, während die Blase 2020/21 neue Investoren in den Markt gespült habe, die noch nicht viel über Bitcoin wissen.

Zugleich stieg der Anteil derjenigen, die kaum etwas über Bitcoin wissen, unter den Nicht-Besitzern. Das intellektuelle Niveau in dieser Gruppe sinkt leicht, es gibt eine Art Braindrain hin zu Bitcoin, und nur 5 Prozent unter ihnen wissen wirklich, worin sie nicht investieren.

Investment up, Zahlungsmittel down

Aber warum halten Kanadier Bitcoin – und warum nicht? Dieser Frage widmet sich der nächste Block der Umfrage.

Die Teilnehmer hatten vier Gründe für Bitcoin zu Auswahl: Zahlungen, Investment, Anonymität, Technologie. Dabei stieg der Anteil derer, die sich für „Investment“ entscheiden, dramatisch: 2019 waren es 39, 2021 schon 60 Prozent. Der Anteil derjenigen, die Bitcoin für Zahlungen verwendet, sank im selben Zeitraum von 15 auf 9 Prozent.

Je reifer der Markt wird, desto geringer offenbar die Rolle von Bitcoin als Zahlungsmittel. Zumindest in den satten westlichen Ökonomien ist dies ebenfalls ein Trend, der weithin zu beobachten ist.

Auf der anderen Seite geben 39 Prozent der Kanadier, die keine Bitcoins besitzen, an, ein Mangel an Wissen sei der Grund dafür. Das deckt sich mit den Daten zum Wissensstand und klingt gut: Erst kommt die Awareness, dann die Bildung, und schließlich das Investment. Der Bitcoin-Markt in Kanada ist, könnte man folgern, noch längst nicht erschöpft.

Newbies vs Alte Hasen

Zuletzt reisst die Zentralbank noch eine spannende Frage an: Worin unterscheiden sich Leute, die schon lange Bitcoins halten von denen, die erst vor kurzem eingestiegen sind?

Für den Anfang wären da einige sozialdemograpische Feststellungen: So ist der Anteil der Neueinsteiger unter den Über-55-Jährigen mit 69 Prozent am höchsten. Mehr als zwei Drittel aller Bitcoin-Besitzer dieses Alters kamen also erst vor kurzem zu Bitcoin. Bei der üblichen Bitcoin-Zielgruppe der jungen Männer liegt die Rate eher bei 50:50. Dann ist der Anteil der Frauen unter den Neueinsteigern mit 33 Prozent höher als bei den Langzeithaltern mit 24 Prozent.

Kurzum: Bitcoin erreicht in Kanada immer stärker die Frauen und die Über-55-Jährigen.

Dabei ändert sich der Zugang zu Bitcoin im Lauf der Zeit. Wenig überraschend spielt Bitcoin als Zahlungsmittel für Neueinsteiger eine geringere, als Investment dagegen eine höhere Rolle. Ebenfalls wenig überraschend hat ein großer Teil der Neueinsteiger Bitcoin noch niemals für Einkäufe (55 Prozent) und Transaktionen (65 Prozent) an andere Personen genutzt. Bei den Langzeithaltern ist diese Rate mit 29 bzw. 40 Prozent deutlich tiefer (wenn auch erstaunlich hoch).

Schließlich halten Langzeitinvestoren deutlich häufiger Altcoins als Neueinsteiger. Beispielsweise besitzt jeder zweite alte Hase auch Ethereum, und jeder dritte Bitcoin Cash. Dieser Anteil ist bei Neueinsteigern deutlich geringer.

Und damit wären wir beim letzten Block der Umfrage angekommen:

Alternative Kryptowährungen

Grundsätzlich ist die Marke Bitcoin in Kanada sehr viel bekannter als andere Kryptowährungen. Während seit 2018 rund 90 Prozent aller Kanadier wissen, dass es Bitcoins gibt, haben nur 50 Prozent von anderen Kryptowährungen gehört.

Noch weniger kennen spezifische Coins. Am bekanntesten ist verblüffenderweise, den 28 Prozent aller Kanadier Dogecoin kennen, gefolgt von Ethereum mit 26, Bitcoin Cash mit 25 und Litecoin mit 14 Prozent. Das Wissen über Altcoins ist in Kanada noch extrem wenig verbreitet, und dass gerade Dogecoin und Bitcoin Cash bekannt sind, zeigt, wie wichtig eine griffige Marke ist.

Allerdings scheint der Schritt vom Wissen zur Tat bei Altcoins rascher vollzogen zu sein. Während 16 Prozent aller Kanadier Bitcoin oder eine andere Kryptowährung besitzen, halten 10 Prozent sowohl Bitcoins als auch Altcoins. 10 von 13 Bitcoin-Investoren bleiben nicht bei Bitcoin stehen, sondern kaufen auch, in dieser Reihenfolge, Ethereum, Dogecoin und Bitcoin Cash.

Eine weitere häufig gemeldete Kryptowährung ist der Stablecoin Tether. Hier bestätigt die Studie eine gängige Vermutung, indem sie herausfindet, dass 42 Prozent der Tether-Besitzer den Stablecoin sehr häufig verwenden, um etwas zu bezahlen oder Geld zu empfangen. Kryptowährungen sind eher Investment, Stablecoins Zahlungsmittel.

Fazit

Wir können an dieser Stelle ein Fazit ziehen: Fast alle Kanadier wissen von Bitcoin, doch nur jeder Siebte besitzt auch Bitcoin. Denjenigen, die nicht investieren, fehlt es vor allem an Wissen, und nur ein sehr geringer Teil unter ihnen weiß genau, was er nicht kauft. Auch unter Bitcoin-Besitzern fehlt es immer mehr an einem Verständnis für die Grundlagen. Neu-Investoren kaufen sich Bitcoin selten, um damit zu bezahlen, sondern fast ausschließlich, um zu investieren. Andere Kryptowährungen sind in Kanada sehr viel unbekannter als Bitcoin, doch wenn einmal Bitcoin gekauft wurde, ist der Schritt zu Ethereum und Bitcoin Cash nicht weit.

Etwa das. All dies deckt sich weitgehend mit dem, was unsere Umfragen immer wieder gezeigt haben – illustriert und vertieft dies aber hervorragend.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
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