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Für Telegram wurden Kryptowährungen zur Haupteinnahmequelle

Ein Papierflugzeug. Bild von Garry Knight via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Man kennt Telegram vor allem als Messenger. Doch die integrierte Wallet ist mittlerweile die wichtigste finanzielle Säule des Unternehmens. Wurde der Messenger mittlerweile zur Bank und Börse?

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Im Grunde genommen ist Telegram gar kein Messenger, sondern einen Kryptobörse. Zumindest zeigen das die nun bekannt gewordenen Einnahmequellen des ehemals russischen Unternehmens.

Die Financial Times hat Einblick in eine bisher private Bilanz der Jahre 2022 und 2023 erhalten. Diese nennt einen Gesamtverlust von 108 Millionen Dollar bei Einnahmen von 342,5 Millionen. Unter den Einnahmen finden sich mehrere Posten, die mit Krypto zu tun haben.

Am geringsten fällt dabei ein „Gewinn auf die Reevaluierung von digitalen Assets“ aus, welcher jedoch nur 500.000 Dollar beträgt. Sehr viel mehr brachte mit 17,8 Millionen Dollar der Verkauf von „Collectibles“ ein, also NFTs. Mit weitem Abstand der größte Posten ist jedoch die „Integrierte Wallet“, die 130 Millionen Dollar einspielte. Zusammen stelle Krypto mehr als 40 Prozent der Einnahmen von Telegram.

Die Wallet wurde 2023 noch vor Premium-Abonnements und Werbung zur wichtigsten Einnahmequelle von Telegram. Sie ging bereits im April 2022 live, allerdings nur für TON und Collectibles, und sorgte unter Usern für eher schlechte Stimmung. Erst im September 2023 hat Telegram die Wallet offiziell allen Usern zur Verfügung gestellt, im April 2024 hat es Tether-Dollar (USDT) integriert.

Man kann die Wallet über das Suchfeld aktivieren, indem man „wallet“ eingibt und dann den Kanal @wallet öffnet. Die Wallet besteht wie ich es sehe aus zwei Teilen: Die normale Wallet und TON Space.

Die normale Wallet erlaubt es, mit TON, Bitcoin und USDT zu hantieren, verlangt aber eine Verifizierung, um Geld einzuzahlen. Sie ist vermutlich treuhänderisch und ermöglicht es, die Coins per Bankkarte oder P2P zu kaufen. TON Space dagegen ist nicht treuhänderisch und erfordert eine Verifizierung, unterstützt aber nur TON, USDT und NFTs auf der TON-Blockchain. Kaufen kann man keine Coins, aber per Swap wechseln. Mit „Wallet Earn“ kann man seine Dollar-Einlagen zudem reichlich verzinsen.

Die Telegram-Wallet

Über die Option, Coins zu kaufen oder zu wechseln, dürfte Telegram starke Einnahmequellen erschlossen haben. Seit es USDT eingeführt hat, wurde es unbemerkt zu einer Dollar-Bank – die jedoch zunächst nur auf der TON-Blockchain läuft. Den Einnahmen im Jahr 2023 hat dies aber keinen Abbruch getan.

Weniger lukrativ waren dagegen die Collectibles. Während sie 2022 noch fast 92 Millionen Dollar einbrachten, sanken die Erlöse auf unter 18 Millionen. NFTs sind zwar ein mächtiges Instrument, um im richtigen Moment viel Geld zu erhalten – aber für eine dauerhafte Finanzierung sind sie offenbar zu unbeständig.

Die TON-Blockchain bildet das Rückgrat der Wallet. Sie wurde ursprünglich bei Telegram entwickelt, nach regulatorischen Problemen jedoch ausgelagert. Inwieweit Telegram selbst TON-Coins hält, ist nicht klar. Jedoch machen „digitale Assets“ mittlerweile den größten Anteil der Kapitalreserven des Unternehmens aus. Während sich die Cash-Reserven – also Fiatgeld auf Bankkonten – nur auf 170,9 Millionen Dollar summierten, hielt das Unternehmen Ende 2023 „digitale Assets“ im Wert von fast 400 Millionen Dollar – noch vor Immobilien, Fabriken, Datenzentern und sonstiger Ausrüstung. Die digitalen Assets können Kryptowährungen wie Bitcoin oder TON meinen, aber auch Dollar-Token wie USDT.

Für Telegram dürften die Einnahmen durch Kryptowährungen nun wichtiger sein als je zuvor. Eigentlich hatte das Unternehmen gehofft, durch einen Börsengang im Laufe der nächsten zwei Jahre die immensen Ausgaben zu decken. Noch im März hatte der Gründer Pawel Durow der Financial Times gesagt, er habe von potenziellen Investoren bereits Zusagen für eine Bewertung von mehr als 30 Milliarden Dollar. Nach seiner Verhaftung in Frankreich dürften diese Pläne jedoch zunächst auf Eis liegen; die Anleihen, die Telegram herausgegeben hat, sind erheblich eingestürzt.


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