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Bis zu 16 Milliarden Dollar: Ehemalige FTX-User werden fast vollständig entschädigt

Sam Bankman-Fried, Gründer und Geschäftsführer von FTX. Bild von Bybit via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Im Herbst soll die Entschädigung der ehemaligen FTX-User beginnen. Mit bis zu 16 Milliarden Dollar könnte dies eine schöne Liquiditätsspritze für den angeschlagenen Markt abgeben. Die US-Börsenaufsicht SEC legt der Auszahlung aber womöglich noch Steine in den Weg.

Was den Preis von Bitcoin und anderen Kryptowährungen angeht, sieht es derzeit nicht so rosig aus. Doch nun bahnt sich eine gute Nachricht an – und zwar ausgerechnet von FTX, jener Börse, die mit ihrer Pleite Ende 2022 den Bullenmarkt endgültig abgewürgt hatte.

Denn der Konkursverwalter von FTX hat ungefähr 14-16 Milliarden Dollar geborgen und plant, diese ab dem oder im Herbst und Winter 2024 an die User auszuzahlen. Und zwar nicht, wie bei Mt. Gox, in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen, die den Markt belasten würden, sondern in „Cash“, also US-Dollar.

Wo bei Mt. Gox ein Verkaufsdruck droht, weil Bitcoins auf den Markt strömen, verspricht es bei FTX eine Kauforgie, weil die Leute Dollar erhalten.

Den Plan der Rückzahlung erschwert nun jedoch die amerikanische Börsenaufsicht, die SEC. Die Konkursverwaltung von FTX hatte vor, die Milliarden entweder durch Banküberweisungen oder Stablecoins auszuzahlen. Die SEC bezweifelt nun, dass dies legal ist.

Der Grund dafür ist, dass nach den bestehenden Wertpapiergesetzen die Legalität solcher Transaktionen in Stablecoins unklar ist. Es ist nicht eindeutig, ob Stablecoins lediglich eine Art von digitalem Cash sind – also schlicht Dollar – oder ob sie als eine Art von Wertpapier gelten, das anders reguliert werden muss.

Dieser Einspruch der SEC könnte die Rückzahlung der Guthaben verzögern oder verkomplizieren. Denn es ist bei einer weltweiten Kundschaft um ein Vielfaches schwieriger, Auszahlungen in Dollar vorzunehmen als in Stablecoins. Aufhalten wird dies die Auszahlung aber nicht.

Im Mai hat der Konkursverwalter einen Plan vorgelegt, um den Großteil der Kunden zu entschädigen. Die Auszahlungen bemessen sich am Barwert der Krypto-Bestände zum Zeitpunkt des Kollapses im November 2022 einschließlich 9 Prozent Jahreszinsen. Für viele Nutzer bedeutet dies dennoch einen Verlust, da sich der Preis von Bitcoin seitdem verdoppelt oder verdreifacht hat.

Das Vermögen, auf das FTX nun zugreifen kann, stammt aus einer „außergewöhnlich diversen Kollektion von Assets“, welche FTX und die Schwesterfirma Alameda hielten. Manche dieser Assets, wie etwa die eigenen FTT-Token, haben rapide an Wert verloren oder sich nahezu aufgelöst. Doch andere Assets, etwa Anteile an KI-Startups oder Solana-Token, die FTX wohl reichlich hielt, sind stark im Wert gestiegen. Diese Wertsteigerung einzelner Token ermöglicht es FTX, entgegen der ursprünglichen Erwartungen, alle Kunden auszuzahlen.

Für den Markt ist das insgesamt eine ziemlich gute Nachricht. Manche fürchten zwar, dass FTX zunächst einmal die Krypto-Bestände verkaufen muss, um die Dollar auszuzahlen, und dass dies den Markt erst einmal auf Talfahrt schicken wird.

Allerdings ist erstens nicht klar, um welche Kryptowährungen es dabei geht. Bitcoin und Ethereum dürften es nicht sein, da FTX nur einen Bruchteil der Bestände in den Accounts hielt, wahrscheinlicher wäre Solana. Zweitens weiß man auch nicht, ob FTX diese Token bereits verkauft und in Cash umgewandelt hat. Die relativ präzise Angabe von „14-16 Milliarden Dollar“ spricht dafür, dass zumindest der Großteil des Geldes nicht mehr in volatilen Kryptocoins vorliegt.

So werden vermutlich ab Herbst und Winter bis zu 16 Milliarden Dollar ausgezahlt, ohne dass dem ein allzu massiver Verkaufsdruck vorher geht. Diese 16 Milliarden Dollar werden sicherlich nicht vollständig in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum investiert werden – aber mit großer Wahrscheinlichkeit ein nicht geringer Teil davon. Fragt euch einfach selbst, was ihr tun würdet.

Die Kryptomärkte werden eine gewaltige Liquiditätsspritze bekommen, deutlich größer als die Bitcoin-Verkäufe durch Sachsen, deutlich größer als die Auszahlungen des Mt. Gox-Konkursverwalters. Dies könnte durchaus die lange ersehnte Startrampe für den nächsten Bullenmarkt werden – passend dazu, dass dieser laut den bisherigen Zyklen für 2025 zu erwarten ist.


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4 Kommentare zu Bis zu 16 Milliarden Dollar: Ehemalige FTX-User werden fast vollständig entschädigt

  1. Ich vermute, der Bull-Run ist vorbei, auch die paar Milliarden, die jetzt ankommen sollten werden das Ruder nicht mehr reißen. Alle, die kaufen wollten, haben bereits gekauft, mit ETFs hat die Wall-Street eh übernommen und bei jedem kleinsten Hick-Up an der Börse werden zuerst die liquidesten Mittel verkauft, eben ETFs… Bitcoin mit Gold gleichzusetzen ist töricht, denn Gold kann nicht eben so liquidiert werden. Aber jeder muss selbst wissen, was er tut, die Gambling Wahrscheinlichkeit ist wahrscheinlich weiterhin höher als beim Lotto.

    • Würde ich nicht sagen. Wie bei allen Investment-Produkten ist „Kaufen“ niemals abgeschlossen. Man akkumuliert. Wir hatten jetzt die BKA-Coins, die verkauft wurden, dann die 140k Mt.Gox-Coins, aus denen alte Holder sicherlich hier und da ein paar Millionen rausziehen. Das zehrt, wird aber auch mal vorbei sein, so dass sich Angebot und Nachfrage wieder einpendeln. Außer von FTX kommt ein Nachfrageschock. Könnte mir vorstellen, dass derzeit die letzte Chance ist, noch an Bitcoin gut zu verdienen. Aber ich gebe niemals irgendwelche Ratschläge.

    • Kann sein, dass der Bullrun solange nicht vorbei ist, bis BTC die $200k-Marke geknackt hat, vielleicht so bis Mitte 2026. Mal schauen.

  2. Sharavanabhava // 14. September 2024 um 14:52 //

    Ich gehe auch stark davon aus, dass der Bullenlauf erst kommt. Ich habe mir lange vor dem letzten (4ten) Halvening mal folgendes aus einer Webseite kopiert weil es mir wahr erschien:

    > In each of these cycles, the halving effect on the Bitcoin price was
    > similar and displayed a pattern: a substantial rally leading up to
    > the halving, followed by a brief correction and period of
    > consolidation before the major bull run and blow-off top. The peak
    > occurred approximately 18 months after the halving each time. This
    > is a highly simplified yet accurate description of the last three
    > cycles.

    Demzufolge sind wir momentan im „brief correction“ Muster und der Bullenlauf wird sich über das nächste Jahr hinziehen. Aber das lässt sich ja überprüfen und dann kann man spekulieren ob es bei deisem Halvening wieder passiert.

    Wer wenig BTC hat und diese plant zu verkaufen kann möglicher Weise einen guten Gewinn machen da der „blow-off top“ dann mit etwas Glück außerhalb der Einjahresfrist liegt. Nachdem Top kann man übrigens auch gut verkaufen da ja nun die Kurse stetig fallen.

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