Stablecoin-Herausgeber Circle geht mit sensationeller Fehlbewertung an die Börse
"Earth Revealed 3" von daryl_mitchell via flickr.com. Lizenz: Creative Commons
Circle Internet Financial, die Herausgeberin des Stablecoins USDC, wurde zur Aktiengesellschaft. Am 5. Juni begann der Handel an der New Yorker Börse. Das Unternehmen holte fast 1,15 Milliarden Dollar ein – doch der Markt wäre bereit gewesen, viel mehr zu geben. Der Börsengang könnte ein Wendepunkt der Geldgeschichte sein.
In gewisser Weise hat Circle-CEO Jeremy Allaire von MicroStrategy-Boss Michael Saylor gelernt. Denn mit dem Börsengang macht Circle nun das, was MicroStrategy mit Bitcoin macht, mit Staatsanleihen: Die Aktie verspricht, durch eine zunehmende Anzahl an Staatsanleihen gedeckt zu sein.
Am 5. Juni gab Circle 39 Millionen von insgesamt 199,97 Millionen Aktien aus zu einem Preis von 31 Dollar je Stück. Die Bookrunner – also diejenigen, die zu diesem Preis kaufen und dann die Aktien auf der Börse verkauften – waren J.P. Morgan, Citigroup, Goldman Sachs, Barclays, Deutsche Bank Securities und SOCIETE GENERALE.
Mit diesen rund 20 Prozent der Aktien, die auf der New Yorker Börse gehandelt werden, nahm Circle rund 1,145 Milliarden Dollar ein – was offenbar eine groteske Unterbewertung war.

Die Mathematik ist eigentlich simpel: Circle hält 51,3 Milliarden Dollar im „Circle Reverse Funds„, einem von Blackrock verwalteten, derzeit mit 4,23 Prozent verzinsten Fonds. Dies entspricht je Aktie 256 Dollar in gut verzinstem Kapital. Und wenn die Anzahl der USDC im Umlauf weiter steigt, ohne dass Circle neue Aktien ausgibt, wird diese Quote weiter steigen.
Für den Markt waren 31 Dollar natürlich ein Schnäppchen. Der Preis sprang noch am ersten Handelstag auf 88 Dollar, um rund 180 Prozent, was der größte Sprung war, den eine Aktiengesellschaft seit 1980 am Tag des Börsengangs hingelegt hatte. Heute steht die Aktie bei 94 Euro, gestern hatte sie noch ein Hoch von fast 120 Euro.

Gut für die Bookrunner und institutionellen Investoren, die für 31 Dollar kaufen konnten – und nicht so gut für Circle. Das Unternehmen hätte durch die Börsenausgabe auch drei oder vier Milliarden Dollar einholen können. Damit gehört Circle zu den Unternehmen, die beim Börsengang am meisten „auf dem Tisch liegen ließen“.
Circle hat als einziger großer Stablecoin-Herausgeber eine Lizenz für den europäischen Markt nach MiCA. Auch in den USA dürfte Circle bereit sein, der Regulierung nach GENIUS zu folgen, während Tether, Herausgeber des größten Stablecoins, bereits angedeutet hat, sich weder MiCA noch GENIUS direkt zu unterwerfen.
Kurzum – Circle hat gute Aussichten, sowohl den amerikanischen als auch europäischen „weißen“ Markt für Stablecoins zu dominieren, was mit Sicherheit in die Bewertung der Aktie einfließt.
Bemerkenswert ist zudem, dass Circle mit dem Börsengang nicht nur grünes Licht von der Wertpapieraufsicht bekommen hat, sondern auch die Unterstützung einiger der größten Banken der Welt. Es kommt langsam an, was Stablecoins sind: „Fiatgeld mit Superkräften“, schreibt Finextra anlässlich des Börsengangs.
Der tatsächliche Wettbewerb, zitiert das Magazin einen ehemaligen Berater der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), „besteht nicht zwischen Krypto und Fiat, sondern zwischen programmierbarem und statischem Geld.“ Das Finanzmagazin begreift, was auf dem Spiel steht, und rät daher „Unternehmern, die mit digitalen Finanzen arbeiten“:
„Dieser Börsengang sollte als Direktive gelesen werden: Sei nicht nur disruptiv – integriere. Tokenisiere nicht nur – institutionalisiere. Die Gewinner im nächsten Zyklus werden nicht die lauten Anarchisten oder passiven Entwickler sein. Es werden die Architekten eines neuen monetären Stacks sein – diejenigen, die regulatorisch konforme, Zinsen generierende Real World Assets an Schatzkammern, DAOs und Staatsfonds anbieten können, die nach stabilen Erträgen in einer programmierbaren Welt suchen. Das ist, wohin die echte Liquidität fließen wird.“
Anders gesagt: Das Upgrade unserer Technologie für Geld läuft bereits – und mit dem Börsengang von Circle hat die US-Finanzwelt ihren Champion gekürt. Das europäische Drama um Kreditkarten, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken wiederholt sich vor unseren Augen.
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Für mich sieht das weniger nach einem „Wendepunkt der Geldgeschichte“ aus, als vielmehr nach einer Wiederholung in der Geldgeschichte, bei der diejenigen, die das Geldsystem kontrollieren, die anderen gnadenlos über den Tisch ziehen…
Die Investmentbanken machen beim IPO Milliardengewinne, VC-Firmen, Insider und Management wahrscheinlich ebenso in den nächsten Monaten.
Der Staat freut sich, dass er eine neue Kundengruppe gewonnen hat, die ihm aus dem nichts gedruckte Staatsschulden abnimmt.
Die Aktionäre besitzen nun eine Firma, die nichts produziert, sondern auf der Aktivseite Staatsanleihen (mit Verzinsung) hält und auf der Passivseite USDC-Token (ohne Verzinsung) ausgibt.
Fallen die Zinsen z.B. von 4% auf 2%, halbiert sich der „Gewinn“. Steigen die Zinsen z.B. von 4% auf 6%, verliert die Aktivseite vermutlich 10% an Wert und Circle ist technisch insolvent. Wenn die USA einen Schuldenschnitt braucht (nicht unwahrscheinlich), ist Circle unmittelbar pleite.
Man kann das natürlich als „Fiatgeld mit Superkräften“ bezeichnen, sollte sich dann aber nicht wundern, wenn es die Beteiligten mit Superkräften in den Abgrund reißt.
Nun, Geld bleibt Geld, und das bedeutet, dass es (auch) ein Werkzeug der Abzocke bleibt. Die Tokenisierung des Dollars als Stablecoin ist aber dennoch ein monumentales technisches Upgrade.
Sofern man Bitcoin, etheteum in stablecoins tauschen möchte, investiert man dann in us-staatsanleihen. Trump wird das freuen ! Christoph, gerne würde ich mehr drüber erfahren, wie andere „Euroe“ oder „eurc“ bei coinbase einschätzen, oder die Gold-gedeckten stablecoins.