Innovationen aus Schweden, der Schweiz, China und den USA

Die Bitcoin News der Woche

"Spring Moon over Stockholm" von Tobias Lindman via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Einer der beliebtesten schwedischen Zahlungsdienstleister will Bitcoins in 45.000 Online-Shops bringen und ein großes Bitcoin-Unternehmen aus den USA kommt nach Europa, lässt Deutschland aber aus. Außerdem wird eine chinesische Börse zum Bitcoin-Rundumdienstleister, der erste Bitcoin-Swap startet und die größte Uni der Schweiz testet Bitcoin-Zahlungen in der Mensa. Das sind die Bitcoin News der Woche. Aus Deutschland gibt es leider nichts neues zu berichten. Die Wirklichkeit, so scheint es, bestätigt Gerhard Matzings launigen Kommentar in der SZ. Matzing schrieb zur Forderung von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, Deutschland müsse Innovationsweltmeister werden, dass dies so wahrscheinlich sei “wie die Annahme, dass der nächste Fußballweltmeister San Marino heißt.” Allerdings nicht, weil die Deutschen als ganzes rückwärtsgewandt, saturiert, verschlafen und biedermeierisch sind, wie Matzing meint, sondern weil die gegenwärtigen steuerlichen und regulatorischen Rahmenbedingen jedes der hier vorgestellten Projekte unmöglich machen würden. Innovation geht eben dahin, wo sie gestattet ist. Unser Newsrückblick folgt ihnen.

Klarna testet Bitcoin-Zahlungen

Schweden. Klarna könnte so etwas wie das Ikea der Zahlungsdienstleister werden: Erst 2013 gegründet, wickelt das Unternehmen bereits 10 Prozent der schwedischen Online-Zahlungen ab, ist in ganz Skandinavien beliebt und expandiert auch schon nach Deutschland. Das Erfolgsrezept ist die Einfachkeit: Mit dem Klarna-Checkout können Kunden zwischen allen gebräuchlichen Zahlungsmethoden wählen – ohne immer wieder aufs neue ihre Konto- oder Kreditkartendaten einzutippen. Vor allem bei mobilen Shoppern steigert der Klarna-Checkout die Konversionsrate erheblich.

Nun hat der Geschäftsführer Sebastian Siemietkowski die Plattform „Bitcoinlösningen“ vorgestellt, die die Option, mit Bitcoins zu bezahlen, in den Checkout aller 45.000 schwedischen Shops bringen könnte, die Klarna nutzen. Darunter sind etwa der größte schwedische Buchhändler Adlibris und der Sporthändler Amore. Die Anwendung stehe technisch kurz vor dem Start, doch Klarna möchte noch klären, ob sie den europäischen Anti-Geldwäsche-Gesetzen sowie den Regeln zum Verbraucherschutz gerecht wird.

Das Experimentieren mit Bitcoins macht Siemietkowski allerding nicht zum Bitcoin-Enthusiasten. Der Geschäftsführer des Zahlungsdienstleisters hat in einem Bloomberg-Interview im Februar gesagt, er halte Bitcoin für eine Blase ohne weitreichenden praktischen Nutzen. Zur Vorstellung von Bitcoinlösningen sagte er: „Ich habe immer noch Zweifel an der Zukunft dieser Währung. Aber man sollte unsere Lösung aus einer anderen Perspektive sehen: Wir wollen alle beliebten Zahlungsmethoden anbieten, egal ob Invoice, Karten oder Bitcoin. Eben alles, was unseren Kunden hilft, online mehr zu verkaufen.“

Dank einer selbstentwickelten Plattform kann die Firma alle möglichen Zahlungsmethoden günstig testen. „Wenn es uns Millionen gekostet hätte, Bitcoin zu testen, hätten wir es niemals priorisieren können. Aber nun haben wir die technische Flexibilität, die uns Experimente zu vernünftigen Kosten erlaubt.“

Update: Klarna hat sich nach Abwägung von Pros und Contras dagegen entschieden, den Bitcoin zu integrieren. Weitere Infos über die Gründe folgen noch.

KURZ UND BÜNDIG

Coinbase expandiert nach Europa – aber nicht nach Deutschland

USA. Der umtriebige US-Marketmaker mit Wallet und Zahlungsservice kommt nach Europa. Und zwar in folgende 13 Länder: Italien, Spanien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Österreich, Zypern, Finnland, Griechenland, Litauen, Malta, Portugal und die Slowakei. Deutschland ist nicht dabei, vermutlich wegen der möglichen Umsatzbesteuerung von Bitcoin-Einnahmen. Auch wenn Europäer Coinbase nicht benötigen, um einfach Bitcoins zu kaufen, könnte die Expansion des Händlerservices von Coinbase die Akzeptanz des Bitcoins beflügeln.

Huobi baut Service aus

China. In China ist der Bitcoin nicht totzukriegen. Nachdem im Frühjahr die Mahnungen der Chinesischen Volksbank für Panik gesorgt haben, herrscht nun wieder Aufbruchsstimmung. Huobi, eine der Börsen mit dem weltweit höchsten Volumen, hat gleich drei neue Angebote angekündigt: BitYes, eine Dollar-Bitcoin-Börse, die allerdings weder Kunden aus China noch den USA annimmt; DigCoin, ein Provider von hosted Mining, der bereits mit 3573 Terahash aufwartet; sowie DangPu, eine P2P-Crowdfunding-Plattform, die nur virtuelle Währungen akzeptiert.

Schweizer Uni testet Bitcoin in Kantine

Zürich. Die Universität von Zürich (UZH) testet derzeit in ihrer Kantine die von Studierenden entwickelte Bitcoin-Zahlungsapp CoinBlesk. Dank Near-Field-Communication kann man mit der App bezahlen, indem man sein Smartphone an die Kantinenkasse hält. Wegen der Two-Way-Methoden muss der Zahlende dazu nicht einmal eine Internetverbindung haben. Aufladen können die Studierenden ihre Smartphones mit einem in der Kantine installierten Bitcoin-ATM. Zürich scheint mehr und mehr zum europäischen Zentrum der Bitcoin-Forschung zu werden: Neben der UZH beschäftigt sich auch an der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) die Distributed Computing Group mit der virtuellen Währung.

Tera erhält Erlaubnis für Bitcoin-Swaps

USA. Am Freitag hat TeraExchange den bereits im März angekündigten Bitcoin-Swap gestartet. Das Unternehmen aus New Jersey ist das erste, das von der US-Finanzaufsicht die Erlaubnis erhalten hat, Derivate auf Bitcoin-Basis aufzulegen. Mit den Swaps von Tera können Bitcoin-Bestände gehedgt werden. Händler, die Bitcoins akzeptieren, können sich damit gegen Verluste durch die hohe Volatilität der virtuellen Währung absichern.

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