Fünf Gründe, warum Coinbase Lunar fliegen wird

"Super Moon" von davejdoe via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Oder: warum der Preis heute nacht gehüpft ist und wir schon wieder über Coinbase reden müssen. Die umtriebige Firma aus San Francisco zeigt seit gestern einen Countdown mit einer Rakete, die zum Mond fliegt. Der Countdown endet heute um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Was dahinter steckt, kam schon in den frühen Morgenstunden heraus. 

Ok, raus damit: Coinbase hat alle überrascht. Es wurde spekuliert, dass die Firma einen ETF herausgibt, dass sie eine Kooperation mit SpaceX eingegangen ist und vieles mehr. Aber keiner hat geahnt, dass Coinbase, wie das Wall Street Journal noch in der Nacht auf heute berichtet hat, eine Börse eröffnen wird. Und zwar schon heute nachmittag um 15 Uhr. Der Name wird wohl phantasieloserweise Coinbase Exchange heißen, die Dokumentation der API ist bereits online. Damit gibt es sie, die US-based-Börse, die langersehnte und erste ihrer Art. Oder?

Für manche Leute dürfte die Aufregung um den geschickt inszenierten Börsenstart ziemlich ärgerlich sein. Zum Beispiel für die Winklevoss-Twins, die erst vor einigen Tagen angekündigt haben, die Bitcoin-Börse Gemini in New York zu eröffnen. Oder für Jaron Lukasiewicz, den Geschäftsführer von Coinsetter, einer Börse, die sich auf die Fahnen schreibt, die erste legitime Börse in den Staaten zu sein, weil sie ein Büro in New York betreibt. Auch eine Handvoll weiterer, kleiner Börsen, die seit Monaten versuchen, im Bitcoin-Dollar-Markt Fuß zu fassen, dürften etwas vor den Kopf gestoßen sein, dass die Community sie lange ignoriert hat, aber nun in eine Jubelexstase verfällt, weil Coinbase eine Börse aufmacht.

Es kommt oft eben nicht darauf an, was gemacht wird, sondern wer etwas macht. Der Markt hat auf die Nachricht heftig reagiert und den Preis über Nacht um 50 Dollar nach oben geschoben. Die Euro-Märkte haben mit 270-280 Euro sogar ein Januar-Hoch gesehen – was aber eher am schwächelnden Euro liegt.

Der 48-Stunden-Chart: Von 210 auf 275 Euro. Bildquelle: Bitcoin.de

Der 48-Stunden-Chart: Von 210 auf 275 Euro. Bildquelle: Bitcoin.de

Also: warum ist die Coinbase-Börse anders? Warum bekommt sie die Aufmerksamkeit, die andere Börsen nicht bekommen? Und welches Potenzial hat sie? Ich habe dazu eine kleine Liste geschrieben:

  • Coinbase hat Kohle. Mit den vor kurzem eingesammelten 75 Millionen Dollar verfügt die Firma nun über 106 Millionen Dollar Investmentkapital. Genug, um nicht nur eine Prima-Börse zu bauen, sondern auch zu betreiben.
  • Coinbase kann Bitcoin. Die Firma ist schon seit Jahren ein verlässlicher Partner in der Bitcoin-Branche, die ihre Online-Wallet immer wieder durch innovative Produkte wie das sichere Vault oder diverse andere Services aufgewertet hat. Zudem wurde Coinbase wohl noch nie gehackt.
  • Coinbase kann KYC und AML. Oft zur Unzufriedenheit der Kunden hat Coinbase ähnlich wie PayPal einen relativ restriktiven Ansatz gefahren und es den Kunden gelegentlich verboten, Bitcoins zu Adressen zu senden, die man für zwielichtig halten könnte. Kann man gut finden oder schlecht, aber Fakt ist: Für den Betrieb einer Börse ist Erfahrung in den Anti-Geldwäsche-Regeln ein Must-Have.
  • Coinbase hat Connections: Mit dem Partner Silicon Valley Bank, mehreren großen Banken unter den Investoren und nun auch der New Yorker Börse hat Coinbase mächtige Verbündete – oder das Vitamin B, das notwendig sein könnte, um die Wall Street zu überzeugen, mitzuspielen.
  • Coinbase hat viele Kunden. Als Broker ist Coinbase bereits für viele Amerikaner die erste Anlaufstelle, um Bitcoins zu kaufen oder zu verkaufen. Indem Coinbase nun die bestehenden Kunden auf eine Börse einlädt, wo diese zu deutlich geringeren Gebühren Bitcoins kaufen oder verkaufen können, muss man sich um die Liquidität auf der Coinbase-Börse keine Sorgen machen.

Keine schlechten Voraussetzungen, oder? Selbstverständlich kann und sollte man skeptisch sein, ob es gesund ist, wenn das Super-Unternehmen Coinbase Broker, Online-Wallet, Zahlungsdienstleister und nun auch noch Börse in einem ist. Das ist ein wenig so, als hätte google plus facebook überholt. Eine solche Dominanz eines einzigen Unternehmens in den Vereinigten Staaten ist etwa das glatte Gegenteil von dem, wofür Bitcoin eigentlich steht. Aber sei’s drum – die Wege des Bitcoin zum Mond sind unergründlich. Wir jedenfalls sind wahnsinnig gespannt, was heute nachmittag geschehen wird.

About Markus Städler (24 Articles)
Ist freier Journalist und Autor. Er beschäftigt sich überwiegend mit technologischen und wirtschaftlichen Themen. Seit er Ende 2013 den Bitcoin kennengelernt hat, ist die Kryptowährung sein absolutes Lieblingsthema geworden.

3 Comments on Fünf Gründe, warum Coinbase Lunar fliegen wird

  1. Verkauft, Ihr Narren!

  2. Wer hätte mal vor einigen Jahren gedacht, dass die angebliche Nerd-Währung Bitcoin mal in einer offiziell anerkannten und regulierten Börse mündet.
    Sicherlich geht es etwas am Geiste des Bitcoin vorbei, wiederum schafft Coinbase damit die Rahmenbedingungen für eine Reihe größerer institutioneller Investoren.
    Mit dieser Börse kann man sagen, hat der Bitcoin einen riesigen Schritt zum Mainstream gemacht.

    Fehlt meiner Meinung nach nur noch die breite Akzeptanz der großen Händler im Netz wie z.B. Amazon. Aber auch dies wird nur eine Frage von Quartalen sein.

    Alles in allem meiner Meinung nach ein ganz klares STRONG BUY!

  3. Wenn die Börse dann irgendwann mal in Deutschland verfügbar ist, dann hat bitcoin.de aber ein Problem 😉

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