Wikileaks sammelt 100.000 € per Crowdfunding, um geheime Dokumente zu TTIP zu bekommen

… und akzeptiert natürlich auch Bitcoins. Außerdem dürfte die Kryptowährung das perfekte Geld sein, um die Summe an einen Whistleblower auszuzahlen.

TTIP ist das Kürzel für “the Transatlantic Trade and Investment Partnership”, auch bekannt als transatlantisches Freihandelsabkommen. Das einem völkerrechtlichen Vertrag gleichende Abkommen soll sämtliche Handelshemmnisse zwischen den USA und der EU abbauen. Seit Mitte 2013 laufen geheime Verhandlungen, von denen nur das Ergebnis den demokratischen Institutionen zur Abstimmung vorgelegt wird. Die Geheimhaltung der laufenden Verhandlungen geht sogar so weit, dass nicht einmal EU-Parlamentarier, nationale Regierungen oder Mitglieder nationaler Parlamente Einblick in die Verhandlungspapiere erhalten.

Dabei geht ein so weitreichendes Handelsabkommen eigentlich jeden Bürger der EU etwas an. Ohne Zweifel liegen in ihm große Chancen – aber auch große Gefahren. Wenn es gut läuft, wird der Freihandel für die beiden größten Wirtschaftsräume der Welt, die USA und die EU, florieren. Wenn es schlecht läuft, werden die europäischen Standards in Umwelt-, Verbraucher- und Tarifschutz zugunsten der Großkonzerne ausgehöhlt. Daher müssen die Verhandlungen eigentlich in einem demokratischen und öffentlichen Rahmen stattfinden, anstatt hinter verschlossener Türe.

Wikileaks will dafür sorgen, dass dies geschieht. Die Enthüllungsplattform für die anonyme Veröffentlichung von Dokumenten schreibt derzeit ein Preisgeld von 100.000 Euro für denjenigen aus, der geheime Verhandlungspapiere auf der Plattform veröffentlicht. Gesammelt wird die Summe durch ein Crowdfunding, in welchem jeder, der Interesse an einer Veröffentlichung hat, einen sogenannten “Pledge” einreichen kann. Dies stellt ein Versprechen dar, einen vorher ausgewählten Betrag im Falle einer Veröffentlichung zu bezahlen.

Julian Assange, der Gründer von Wikileaks, versteckt sich weiterhin in der Botschaft Ecuadors in London vor der europäischen Polizei. Bild: Assange (work in progress) von a.powers-fudyma via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Julian Assange, der Gründer von Wikileaks, versteckt sich weiterhin in der Botschaft Ecuadors in London vor der europäischen Polizei. Bild: Assange (work in progress) von a.powers-fudyma via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Seit 2011 die Banken Wikileaks blockiert haben, akzeptiert die Plattform auch Bitcoin (und übrigens auch Litecoins). Wiewohl die Bankenblockade mittlerweile aufgehoben wurde, empfiehlt Wikileaks Bitcoins als “sichere und schnelle Alternative”, die nicht so einfach zurückverfolgt werden kann. Es ist zu vermuten, dass die Kryptowährung auch zum Einsatz kommen wird, wenn Wikileaks den Whistleblower auszahlen wird, der es vermutlich vorziehen wird, anonym zu bleiben. Im Prinzip machen Kryptowährungen wie der Bitcoin solche Kampagnen erst möglich, und es ist anzunehmen, dass dies erst der Anfang sein wird.

Die Kampagne begann gestern morgen (am 11. August) und hat heute, am 12. August, ihr Ziel bereits zu 42 Prozent erreicht und gut 45.000 (versprochene) Euro gesammelt. Prominente Unterstützer der Kampagne sind unter anderem der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis, der Journalist Glenn Greenwald, die Modedesignerin und Umweltaktivistin Vivenne Westwood, der Filmemacher und Journalist John Pilger, die Philosophen Evgeny Morozov und Slavoj Žižek und der Filmemacher Terry Gilliam. Wenn nur einer von 5.000 EU-Bürgern nur einen Euro spendet, kommt die Summe für den Whistleblower zusammen.

Eine schon vorher gestartete Kampagne, die 150.000 Euro für Whistleblower sammelt, die Dokumente zum TPP (Transpazifische strategische wirtschaftliche Partnerschaft) sammelt, hat mit etwas mehr als 100.000 Dollar bereits rund 70 Prozent des Wunschbeitrages erreicht.

About Sascha Nierste (34 Articles)
Hat Soziologie studiert und arbeitet unter anderem als freier Autor. Für das Bitcoinblog kümmert er sich mit Vorliebe um Neuigkeiten und Akzeptanzstellen.

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