Die Volatilität ist zurück und das Europäische Parlament mag Bitcoins

"Wonnemonat Mai" von jodage via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das Wochenende und der Wonnemonat stehen vor der Türe, und von uns gibt es noch die Bitcoin News der Woche: Der Preis hüpft, das Europäische Parlament verabschiedet einen wohlwollenden Bericht zu Bitcoin, und eine Studie zeigt, dass 44% der Deutschen wissen, was Bitcoins sind. Außerdem haben wir eine Anwendung von BIP47, was in Sachen Privacy ein großer Schritt ist, sowie eine Handvoll neuer Akzeptanzstellen. Viel Spaß!

Der Preis und andere spannende Charts

Für Trader war die letzte Woche spannend. Denn die Volatilität, die im Lauf der letzten zwei Monate im Winterschlaf lag, ist erwacht. Seit Anfang März hat sich der Preis um die 370 Euro herum bewegt. Nun stieg er an, sprang auf die 415 Euro, bemerkte dort, dass er etwas übertrieben hatte – und stürzte ein. In einem energischen Klein-Crash verlor der Bitcoin Mittwoch und Donnerstag rund 5%, um sich bei etwa 395 Euro einzufangen. Endlich passiert mal wieder etwas!

Der Bitcoin-Kurs im 7-Tages-Chart. Quelle: Bitcoin.de

Der Bitcoin-Kurs im 7-Tages-Chart. Quelle: Bitcoin.de

Die Aufregung auf den Börsen hat ihre Spuren in der Blockchain hinterlassen. Die Anzahl der Transaktionen ist nach oben geschnellt und hat an einigen Tagen mehr als 250.000 erreicht. Die Blöcke waren im Durchschnitt bis zu 0,9 Megabyte groß, womit das Bitcoin-Netzwerk einmal mehr am Rande seiner Kapazität gearbeitet hat.

Die durchschnittliche Blockgröße in den letzten 30 Tagen. Quelle: blockchain.info

Die durchschnittliche Blockgröße in den letzten 30 Tagen. Quelle: blockchain.info

Wenn man sich aber nun den Mempool – also den Pool von Transaktionen, die es noch nicht in die Blöcke geschafft haben – anschaut, wird man feststellen, dass dieser zwar durchaus von dem hohen Aufkommen betroffen war, aber in der Lage blieb, damit umzugehen.

Die Größe des Mempools in den letzten 7 Tagen. Quelle: tradeblock.com

Die Größe des Mempools in den letzten 7 Tagen. Quelle: tradeblock.com

Der Mempool war fast die ganze Woche größer als 5 MB und erreichte Spitzenwerte von mehr als 16 MB. Zeitweise haben sogar 16.000 Transaktionen darauf gewartet, endlich bestätigt zu werden. Ein markanter Anstieg der Gebühren war jedoch nicht zu erkennen, und der Stau auf der Blockchain scheint sich derzeit wieder aufzulösen.

Wir arbeiten zwar am Limit, doch das Bitcoin-Netzwerk ist durchaus in der Lage, mit kleinen, auch mehrere Tage andauernden Spitzen umzugehen.

Europäisches Parlament findet, dass Bitcoin auch Vorteile hat

Das Europäische Parlament beschäftigt sich seit einigen Monaten mit Bitcoin und Blockchains. Nun gibt es erste Ergebnisse – nämlich einen offiziellen Bericht und deutliche Meinungsäußerungen.

Jakob von Weizsäcker (SPD), der an dem nun verabschiedeten Bericht mitgearbeitet hat, meint: “Die Anwendung dieser Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. In diesem frühen Stadium setzen wir auf intensive Beobachtung und nicht auf Detailregulierung. So können sich Innovationen entwickeln, während der Staat die Risiken im Blick behält.” Wie Weizsäcker berichtet, fordert die Arbeitsgruppe “die EU-Kommission auf, eine horizontale Task Force einzurichten, um die erforderliche technische Expertise auf europäischer Ebene zu bündeln. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um regulatorisch rasch und kraftvoll einzugreifen, wenn dies einmal erforderlich wird”. Der SPD-Politiker fordert darüber hinaus, dass die Anti-Geldwäsche-Regularien sowie der Verbraucherschutz auf virtuelle Währungen ausgeweitet werden.

Im Gegensatz zu vorhergegangenen Berichten auf europäischer Ebene (zum Beispiel von der Europäischen Bankenaufsicht) betont das Parlament stärker die Chancen als die Risiken. So erkennt es “die potenziellen Vorteile von virtuellen Währungen und der dahinterstehenden Technologie für Konsumenten, Unternehmen, Wohltätigkeitsorganisationen und die Wirtschaft insgesamt. Dazu gehört eine höhere Geschwindigkeit und Effizienz bei reduzierten Kosten im Zahlungswesen, insbesonderer grenzübergreifend, sowie eine Verbesserung der finanziellen Inklusion und des Zugangs von kleinen und mittleren Unternehmen zu finanziellen Ressourcen.”

Neben der Anmerkung zu den üblichen Risiken (Verbraucherschutz und Kriminelles) erkennt das Europäische Parlament auch an, “dass Personen, die danach trachten, ihren Wohlstand zu erhalten, unabhängige Währungen wie Bitcoins benutzen könnten, wenn die Zinsen sinken oder ein sicherer Hafen in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität gesucht wird.”

Ob das nun ein Vorteil oder ein Nachteil ist, steht allerdings nicht im Bericht.

44% der Deutschen haben schon mal von Bitcoin gehört

TSYS hat eine Studie zum Zahlungsverhalten deutscher Konsumenten erstellt. Dabei zeigt sich, dass der Deutsche an der Kasse gerne den Überblick behält, Ratenzahlung schätzt und von kontaktlosem Bezahlen wenig wissen will. Der Bitcoin genießt einen “mittleren Bekanntheitsgrad”, wird aber sehr selten benutzt. Auf einer Infografik zu Trends taucht Bitcoin ganz links auf – bei den Innovatoren, dem einen Prozent, das Dinge ausprobiert, die ansonsten keiner macht.

infografik_zahlungsverhalten

Wie eine andere Infografik zeigt, meinen zwar 44 Prozent der befragten Bundesbürger, zu wissen, was Bitcoin ist. Tatsächlich benutzt haben aber nur 1 Prozent der Befragten die Kryptowährung. Gut die Hälfte hat von Bitcoin entweder noch nichts gehört oder weiß nicht, was es ist.

Auf die Frage, wie wahrscheinlich es sei, dass sie im Lauf des kommenden Jahres eine virtuelle Währung benutzen würden, antworteten die meisten Befragten, dies sei eher unwahrscheinlich. Immerhin gaben jedoch 12 Prozent ein “wahrscheinlich” zur Antwort.

Der Bericht schreibt dem Bitcoin zwar eine geringe Wachstumschance im Zahlungsverkehr zu – doch wenn tatsächlich 10-12 anstatt 1 Prozent Bitcoin nutzen, würde sich sein Auftreten im Zahlungsverkehr im kommenden Jahr verzehnfachen.

Erste Anwendung von Reusable Payment Code – ein großer Schritt für die Bitcoin-Privacy

Wie privat Bitcoin-Transaktionen wirklich sind, ist ein schwieriges Thema, über das sich trefflich streiten lässt. Fakt ist, dass die wenigsten Experten außerhalb der Polizei wirklich zufrieden mit den Privacy-Eigenschaften sind. Um beispielsweise Bitcoins zu empfangen, muss ich meine Bitcoin-Adresse mitteilen. Wenn Sie herunterascrollen, finden Sie meine Adresse für Spenden und Kaffeegeld. Wenn Sie diese Adresse nehmen und in einem Blockexplorer betrachten, können Sie dort sehen, was mir bisher gespendet wurde. Sie können sogar herausfinden, wieviele Bitcoins die großzügigen Spender besitzen.

samouraiAber das ist erst der Anfang. Durch bestimmte Verknüpfungen können Sie zudem herausfinden, welche Adresse ich zusätzlich zu dieser in meiner Wallet benutze. Das Ergebnis ist, dass man sich durch die Bekanntgabe einer Bitcoin-Adresse zum gläsernen Kontobesitzer macht. Daher wird allgemein empfohlen, eine Adresse nur ein einziges Mal zu verwenden. Korrekterweise müsste ich also nach jeder eingegangenen Spende eine neue Adresse erzeugen. Ziemlich unpraktisch, oder?

Eine Rettung könnten Reusable Payment Codes (RPC) sein. Diese sind ein Verfahren, um einen Code zu generieren, den man veröffentlichen kann. Wallets, die diesen Code lesen können, erzeugen durch ihn eine Adresse, die demjenigen gehört, der den Code generiert hat. Kurz gesagt: Mit RPC kann man die Zahlungsinfo, wie eine IBAN, publizieren, ohne dabei seine Privatsphäre – oder die derjenigen, die bezahlen – zu beschädigen.

RPC wurden vor etwa einem Jahr mit BIP47 vorgeschlagen. Das Samourai-Wallet, eine sich noch im Alpha-Status befindende Wallet für mobile Geräte, hat nun die Integration von RPC vorgestellt. So wie es geplant ist, funktioniert es jedoch nur, wenn auch die Wallet des Zahlenden RPC unterstützt.

Neue Akzeptanzstellen: Kauf! Kauf! Kauf!

Ein Geld ist da, um Dinge zu bezahlen. Der wichtigste Teil dieser Bitcoin News der Woche ist daher auch die Auflistung neuer Akzeptanzstellen. Wenn etwas dabei ist, das Ihnen gefällt, zeigen Sie dem Shop, das es die richtige Entscheidung war, Bitcoins in die Zahlungsoptionen aufzunehmen. Wenn nichts dabei ist, und Sie dennoch Lust haben, mit Bitcoins zu bezahlen, empfehle ich Ihnen einen Blick in unsere Bitcoin-Shoppingliste.

Kanzlei Mieth

Forchheim in Mittelfranken ist bekannt für eine Schnitzerei an der Fassade des Rathauses aus dem 16. Jahrhundert, in der ein Forchheimer Bürger dem Betrachter seinen Allerwertesten entgegenstreckt. Wer dies nachmacht, handelt sich schnell eine Ordnungswidrigkeit ein und sollte sich einen Anwalt suchen. In Forchheim könnte dies die Kanzlei Mieth sein. Ludwig W. Mieth ist spezialisiert auf Mietrecht, Ordnungswidrigkeiten, Schadensersatz und das Strafrecht. Er bietet sogar einen Verteidigernotruf an. Bezahlen kann man ihn seit neuestem auch mit Bitcoins.

Dokter Online

Will man wirklich wegen Chlamydien zum Doktor, den man seit 15 Jahren kennt? Muss man zum Arzt rennen, weil man mal wieder ein Mittelchen gegen Haarausfall oder Impotenz sucht? Bei Dokteronline.com kann man einen Ärzteservice nutzen, um rezeptpflichtige Medikamente online zu bestellen. Dazu muss man einen Fragebogen ausfüllen, der dann an einen zugelassenen Arz weitergeleitet wird, der im Zweifel weitere Fragen stellt. Das Rezept kann anschließend an eine Versandapotheke geliefert werden, die das Medikament nach Hause schickt, oder direkt zum Kunden zur Selbstabholung in der Apotheke seiner Wahl. Wer diskret bezahlen will, benutzt natürlich Bitcoins.

Fluege.com

Wäre es nicht mal wieder Zeit …? Nach Indien, Alaska, Südafrika, Brasilien? Eine Plattform, um Flüge in die ganze Welt zu buchen, ist fluege.com. Hier kann man seit neuestem auch mit Bitcoins bezahlen. Klasse!

Shipito – Paketweiterleitung aus den USA

Klar macht es am meisten Spaß, direkt in den USA zu shoppen. Aber dorthin fliegen, um eine Kamera / eine Jeans / einen Laptop zu kaufen? Lieber nicht. Mit Shipito kann man von überall aus in den USA bestellen. Die Plattform gibt einem eine US-Adresse und leitet die Pakete weiter. Bezahlen kann man den Service nun auch mit Bitcoins.

Flikto: Elektronik

Roboter, Motoren, Baueile, Transistoren, Chips, Platinen, Kabel, LED, Mikrocontroller – Elektrobastlern wird beim Blick in den Onlineshop Flikto das Herz aufgehen. Bei einem solchen Sortiment versteht es sich eigentlich von selbst – Bitcoins werden akzeptiert!

Und damit verabschieden wir uns ins Wochenende und wünschen allen zusammen einen guten Tanz in den Mai!

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2 Comments on Die Volatilität ist zurück und das Europäische Parlament mag Bitcoins

  1. Hey Christoph, könnten Sie den Bitcoin.de Team ausrichten ob Sie Interesse hätte eine Anhangs Funktion in die Kommunikation unter Bitcoin.de Mitgliedern einzubauen ?

    Man könnte zbs. somit sich Screenshots von Überweisungen schicken.. und müsste nicht auf Drittanbietern (Public File Hoster) angewiesen sein. Nur eine Idee die das Traden erleichtern kann.

    Lg

  2. Nattydraddy // 30. April 2016 at 13:15 // Reply

    “In einem energischen Klein-Crash verlor der Bitcoin Mittwoch und Donnerstag rund 5%, um sich bei etwa 395 Euro einzufangen. Endlich passiert mal wieder etwas!”
    Der Klein-Crash war erstmal nur ein Verkäufer, der Mittwoch um Punkt 12 ordentlich Bitcoin auf den Markt warf. Dadurch viel der Kurs um 2% (von €410 auf €400). Danach zogen die Lemminge mit. Inzwischen sind wir wieder über €400, aber obacht: Sell in May and go away!

    Kann natürlich auch andersrum sein. Die einstige Absicherung, die mir für Kleinanleger einfällt, ist nur stückweise zu kaufen. Halt jeden Tag ein bßchen statt ein Monatsgehalt auf einmal und in der Stunde danach fällt der Kurs um 2%.

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