27 Länder, keine Bank

Felix Weis ist mit Bitcoin einmal um die Welt gereist. Auf Banken und Kreditkarten hat der Berliner konsequent verzichten. Er hat damit bewiesen, dass Bitcoin schon jetzt mehr Weltwährung ist als jede andere Währung.

Den vielleicht glücklichsten Moment seiner Reise hat Felix Weis in der Türkei erlebt. Ihm gelang es, eine Tauchlehrerin und ihren Freund, einen Reiseveranstalter, zu überzeugen, Bitcoins zu akzeptieren. „Danach habe ich meine Kreditkarte zerschnitten. Ab da an gab es kein Zurück mehr!“

Felix Weis ist freiberuflicher Programmierer. „Dass ich von überall aus arbeiten kann und daher viel reise, ist eine der angenehmen Begleiterscheinungen meines Jobs,“ erzählt der 27-Jährige, „als ich zum ersten Mal von Bitcoin gehört habe, hatte ich sofort den Traum im Kopf, mit der Kryptowährung um die Welt zu reisen.“

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Anfang 2015 hat Felix Weis dann sein Erspartes genommen und sich daran gemacht, diesen Traum zu verwirklichen. Von Berlin nach Osteuropa, über die Türkei und Äthopien nach Fernost, über San Franzisko und New York in die Karibik und nach Südamerika, und vor dort aus weiter nach Helsinki und wieder Berlin.

Und all das nur mit Bitcoin. „Ich habe drei Regeln aufgestellt. Erstens: Keine Karte oder Überweisung. Zweitens: kein Bargeld von der Bank abheben. Und drittens: Kein Bargeld, das ich für Bitcoins getauscht hatte, gegen anderes Bargeld wechseln.“ Unter diesen Bedingungen ist Felix Wess, man glaubt es kaum, durch 27 Länder gereist.

Grexit, Hyperinflation und eine weltweite Community

Der einfachste Teil war das Buchen von Flügen und Hotelzimmern. „Manche Hotels, in San Franzisko, New York, Austin, Sofia oder in der Türkei konnte ich direkt mit Bitcoins bezahlen. Ansonsten gibt es Portale wie expedia.com und cheapair, über die man Flüge und Hotels mit Bitcoins buchen kann.“

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Schwieriger war es, für das Essen zu sorgen und etwas zu erleben. „Ich habe viele Leute überredet, Bitcoins anzunehmen, wie Tauchlehrer oder Reiseveranstalter.“ Meist hat Felix Weis aber localbitcoins genutzt, um Leute zu treffen, bei denen er Bitcoins gegen Bargeld getauscht hat. „Das hat in 27 Ländern funktioniert und ging fast immer gut. Ich habe dabei nette Leute kennengelernt; die Community war sehr präsent.“

In Griechenland brach just zu der Zeit, als Felix Weis dort war, die Grexit-Krise aus. Er erlebte, wie die Leute kein Geld mehr abheben konnten. „Ich habe mich etwa mit einer Frau getroffen, die nach Tschechien ausreisen wollte. Da sie ihr Erspartes nicht über die Grenze bringen konnte, hat sie es gegen Bitcoin getauscht, um es zu transportieren.“

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Noch extremer war die Situation in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela. „Ich wurde dorthin eingeladen, nachdem ein spanisch-sprachiges Bitcoin-Magazin über meinen Aufenthalt auf Kuba geschrieben hatte.“ In Venezuela erlebte Felix Weis, was Hyperinflation und Mangel bedeuten: die Leute stehen vor Geschäften Schlange, und die Geldscheine sind kaum das Papier wert, auf das sie gedruckt sind. „Der größte Schein, den es derzeit gibt, ist etwa 8 cent wert. Ich habe mir eine Pizza bestellt und dafür mit einem großen Bündel Scheine, 10.000 Bolivar, bezahlt.“ Die Zahl 10.000 ist symbolisch, da die erste Pizza, die jemals mit Bitcoin bezahlt wurde, damals, 2010, noch 10.000 Bitcoin gekostet hat.

Warum machst du das?“

In manchen Momenten fragte sich Felix auch, „warum machst du das?“ So hat er sich etwa mit jemandem in Bulgarien verabredet, um Bitcoins gegen Bargeld zu tauschen, und wurde versetzt. „Ich hatte keinen cent mehr, nur noch anderes Geld, aber das durfte ich nicht tauschen. Also habe ich zwei Tage lang nur das Hotelfrühstück gegessen.“ Schließlich hat er von einem Freund erfahren, dass es in Bulgarien eine Webseite gibt, auf der man Gutscheine für Bitcoins kaufen kann. „Danach konnte ich fast überall einkaufen gehen.“

Ähnlich erging es ihm in Miami: „Ich hatte noch eine Stunde Zeit, um zum Flughafen zukommen, wurde aber auf localbitcoins versetzt und hatte kein Geld fürs Taxi.“ Die Rettung brachte die foldapp, eine App, mit der man mit Bitcoins bei Starbucks bezahlen kann. „Ich habe mich also an die Theke gestellt, den Leuten gesagt, gebt mir Dollar, ich bezahle euch dafür den Kaffee.“ Auf diese Weise hat er genügend Dollar gesammelt, um zum Flughafen zu kommen.

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Auch die berüchtigte Volatilität des Bitcoins hat dem Berliner kurzzeitig zu schaffen gemacht. „Als ich losfuhr, hatte ich meine ganzen Ersparnisse in Bitcoin dabei und habe geschätzt, dass sie für ein Jahr reichen.“ Aber schon einen Tag später, am 15. Januar 2015, stürzte der Preis um 20 Prozent ein. „Ich dachte mir, ok, dann reicht es wohl nur für 9 Monate.“ Da der Preis 2015 aber wieder begann, kräftig zu steigen, konnte Felix Weis am Ende nicht nur ein Jahr, sondern sogar 18 Monate mit dem Geld auskommen.

Doch auch 1,5 Jahre gehen einmal zu Ende. Nun gewöhnt sich Felix Weis wieder an das Leben in Deutschland. Warum er all das getan hat, ist ihm aber klar: Um zu erfahren, ob es möglich ist, mit Bitcoin, der Weltwährung, eine Weltreise zu machen. Die Antwort ist nun bekannt.

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4 Comments on 27 Länder, keine Bank

  1. respekt!

  2. Klasse Aktion, das war für ihn sicher sehr bewegent und wird ihn noch lange beschäftigen. Ganz nebenbei zeigt es aber auch das die ganzen “Bitcoin-Nerds” sich nicht unbedingt alle irren.

  3. Supercool, Respekt Felix!

    In 10 Jahren kann hoffentlich jeder DAU ohne zusätzlichen Aufwand mit BTC um den Globus reisen. 🙂

  4. Und sie bewegt sich DOCH.
    frei nach Gallileo Gallilei

1 Trackback / Pingback

  1. bitcoin-immer Geld bezahlen geht überall,weil Geschäfte auf Ihn setzen

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