Gerät die Bitcoin-Akzeptanz ins Stocken?

Gewöhnlich kündigen wir hier regelmäßig neue Akzeptanzstellen an. In letzter Zeit gibt es aber auffällig wenig zu berichten. Ist Bitcoin dabei, als Währung fürs Online-Shopping zu scheitern? Oder ist es vielmehr ein Erfolg, dass Bitcoin nicht im Mainstream verwendet wird, sondern in seiner Nische erfolgreich bleibt?

Ich würde gerne mal wieder etwas ankündigen wie “Ein Edeka akzeptiert Bitcoins”. Oder “Bei Steam Spiele mit Bitcoins bezahlen”. Oder “Pizza mit Bitcoins bestellen.” Tatsächlich aber ist es schon ein Weilchen her, dass eine große Firma Bitcoins akzeptiert.

Es führt kein Weg um die Tatsache herum: Bitcoin spielt, auch sieben Jahre nach seiner Geburt, im normalen Online-Handel in Deutschland kaum eine Rolle. Auf statista gibt es eine Liste mit den 100 umsatzstärksten deutschen Onlineshops 2013/2014, und keiner davon steht in unserer Shopping-Liste. Keiner.

Anstatt dass ich hier endlich einmal ankündige, dass man bei Amazon, Otto, Zalando, Notebooksbilliger, Cyberport, Tschibo, bonprix, Conrad oder Alternate (das sind die Top-9 2015) mit Bitcoins bezahlen kann, scheint die Akzeptanz eher rückläufig. Kaum neue Shops. WordPress sowie Lieferservice.de kicken die Bitcoin-Zahlungsoption, scheinbar ohne Schmerzen, und obwohl deutsche Payment-Provider wie Computop oder Asknet anbieten, auch Bitcoins zu prozessieren, scheint es unter den Shops nur wenig Nachfrage danach zu geben.

Die Alpaca-Ökonomie

Bei meiner aktuellen Recherche habe ich schon einige Shops gefunden, die Bitcoins akzeptieren, aber noch nicht auf meiner Liste stehen. Sie passen allerdings fast durchwegs in die typischen Muster der Alpaca-Gutschein-Drogen-Nerd-Ökonomie, die es schon seit drei bis vier Jahren gibt:

  • Rauchwaren oder -zubehör (wie der niederländische Hanfsamen-Versandshop Nirvana oder der Headshop Smokejoker)
  • Potenzmittel (wie bei der rezeptfreien “Online-Apotheke” Ed-Versand)
  • Polenböller: “die stärksten Böller der Welt” bei Pyro Effects
  • Ein Webinterface für einen Server sowie 3D-Drucker gibt es beim TekLab
  • Zubehör für den japanischen Verkleidungstrend cosplay beim Schweizer Shop CosplaySchmiede
  • “Ernährungshippster-Kram”: Pizza kann man mit Bitcoins nicht bestellen, aber Kuchen bei kuchen-macht-glücklich (in Berlin) und Potful Power, der “Superfood Vital Shake” (bundesweit).
  • Gutscheine der verschiedensten Art bei Govost
  • Einige Online-Casinos sowie Anbieter von Sportwetten.

Die einzige Ausnahme, die nicht ins Schema passt, ist Dealbanana. Hier gibt es preisreduzierten lustigen Krimskrams für Drinnen und Draußen, wie Tischlampen mit Lautsprecher, ultrastarke Magnete, Wunderschwämme oder Duschköpfe mit LED.

Alles andere passt ins Schema: Keine normalen Medikamente, sondern Potenzmittel; keine normalen Klamotten, sondern Cosplay-Verkleidungen; keine Laptops, sondern 3D-Drucker, keine Pizza und kein Schnitzel, aber Superfood-Milchshakes und Kuchen, und so weiter. Die wenigsten Shops sprechen die Mainstream-Kunden an, sondern Nerds, Hippster und alle, die etwas zu verbergen haben.

Nicht, dass ich etwas gegen diese Gruppen habe – nicht im geringsten – aber das Spektrum ist dasselbe wie 2013, als ich begonnen habe, die Shopping-Liste zu führen. Bitcoin ist weiterhin Alpaca-Cash, und es gibt kaum Hinweise, dass sich das ändert. Stagniert unsere Lieblingswährung also?

Nicht geeignet für den Mainstream – oder ist der Mainstream einfach nur zu doof?

Die vielleicht wichtigere Frage ist nun: Warum sollte es sich ändern? Gibt es einen Grund, weshalb der Bitcoin plötzlich im Mainstream ankommt?

Ehrlich gesagt, nein. Für die meisten Konsuementen hat Bitcoin zu viele Nach- und zu wenig Vorteile. Man muss sich Bitcoins erstmal kaufen, dann schwanken sie im Wert, man kann sie verlieren, und wenn man mal einen Shop findet, bei dem man damit bezahlen kann, fallen Gebühren an und man besitzt keinen oder kaum einen Konsumentenschutz. Bei amazon findet man alles, man klickt zweimal, um eine Lastschrift einzuleiten, und wenn dabei etwas schief geht, kann man sie später revidieren.

Bitcoin hat nun zwei Vorteile: 1. die Zahlung ist privater. Keine Bank und kein Payment-Provider bekommt Daten, die er weiterverkaufen kann. Wenn man ein digitales Gut kauft, weiß nicht einmal der Empfänger der Zahlung, wer man ist. 2. die Zahlung ist für den Shopbesitzer günstiger – da keine oder kaum Gebühren – und sicherer – da kein Chargeback.

Eigentlich sollten die meisten Online-User die Diskretion des Bitcoins schätzen. Wollen Sie wirklich, dass die NSA prinzipiell weiß, was Sie kaufen? Im Prinzip will das keiner. Jeder findet es vorteilhaft, wenn man so wenig Daten wie möglich preisgibt. Die Frage ist allerdings, was man bereit ist, dafür in Kauf zu nehmen – und ob zutrifft, was der Digicash-Pionier David Chaum Ende der 90er etwas frustriert sagte: “Als das Web wuchs, fiel die durchschittliche Intelligenz der Nutzer. Es war schwierig, ihnen zu erklären, wie wichtig Privatheit ist.”

Solange es nicht sichtbar ist, wenn die Privatsphäre verletzt wird, ist sie dem Mainstream-User weniger wichtig als die Bequemlichkeit. Die Folge ist, dass er Bitcoins nicht verwendet.

In der Nische lebt es sich ganz gut

Auch 2016 gilt, was Bundesbank-Chef Jens Weidmann 2013 über Bitcoins sagte: “Sie sind als Zahlungsmittel ein absolutes Nischenprodukt.” Aber ist das nun wirklich etwas Schlechtes?

Nur für die, die Bitcoins nicht benutzen. Wer mit Bitcoins bezahlen will, macht dies. Per All4btc kann man fast überall bezahlen, man kann Bitcoins gegen Gutscheine eintauschen oder sich eine Debitkarte mit Bitcoins aufladen. Braucht man dafür überhaupt Shops, die offiziell Bitcoins akzeptieren, aber sich tatsächlich lediglich Bitcoins von BitPay gegen Euro wechseln lassen? Macht das wirklich einen Unterschied?

Eigentlich nicht. Trotz der stagnierenden – bzw. nicht vorhandenen – Akzeptanz bei den Top-Online-Shops in Deutschland lässt sich ganz wunderbar mit Bitcoins bezahlen. Und in der Nische, in der Weidmann Bitcoin schon vor drei Jahren gesehen hat, ist die Kryptowährung weiterhin extrem erfolgreich. Wer heute privat im Web bezahlen will, kommt kaum um Bitcoin herum, egal ob der Grund ist, dass etwas illegales gekauft wird, einem eine Bestellung peinlich ist oder man den Datensmog um die eigene Internetaktivität prinzipiell verringern will. Dass Bitcoin diese Option bietet, ist wundervoll und ein Gewinn für alle. Selbst dann, wenn man nicht direkt bei zalando, amazon und otto damit bezahlen kann.

 

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16 Comments on Gerät die Bitcoin-Akzeptanz ins Stocken?

  1. Wir würden ja gern in unseren 2 Shops Bitcoins anbieten, In einem Shop verkaufen wir z.b. Bilder auf Leinwand, Fotopapier, ALU-Dibond, Acrylglas im Auftrag unserer Kunden oder aus unserer Motivgalerie. Problem ist jedoch für Shopware gibt es kein Plugin oder Paymentprovider der Shopware unterstützt.

      • Coinsnap hab ich gesehen 1% Gebühr + 10 Cent pro Transaktion und 200€ fürs Plugin.

        Ähm….nö. Bei Bitcoin ist ja der Vorteil, dass man keinen Paymentprovider benötigt. Einfach ein Plugin für Shopware, welches Bitcoin an meine Bitcoins Adresse leitet, wenn der Kunde bezahlen möchte. Sind die Bitcoins durch, wird die Bestellung bezahlt markiert. Mehr wollen wir gar nicht. Und so etwas gibt es leider nicht.

        Wir brauchen für Bitcoin keinen Paymentprovider, wenn wir die Bitcoins selbst haben möchten und diese dann selbst auf der Börse eintauschen gegen Euro z.b.

  2. Die Vorteile der geringeren Kosten müssten eigentlich dazu führen das die VERKÄUFER ein Interesse an Bitcoin haben, denn bei ihnen summieren sich ein paar 0.1% eben tatsächlich zu nennenswerten Beträgen, während dem einzelnen Kunden die paar Visa-Gebühren gar nicht auffallen.

    Es müssten also die Shops sein welche BTC forcieren durch Werbe und Rabattaktionen. Aber mit dem schlechten Image und der legalen Unsicherheit ist das eben fraglich.

  3. Ich habe gehört das Apple das iPhone 7 ausschließlich gegen Bitcoin verkaufen wird… Ok – das ist gelogen aber es würde viele Probleme lösen und Apple hätte am Ende so viele Bitcoin, das man davon die Welt kaufen könnte. 🙂

  4. Wo kann man bei ed versand mit Bitcoin zahlen ? Ich sehe nichts.
    Hier bei https://potenzmitteldeutschland.com/ bekommt man auf alle Bitcoin Zahlungen -15% Rabatt und mit dem Gutscheincode “bitcoin” nochmal -10% extra.

  5. Wie bei allen Dingen braucht es eine gewisse kritische Schwelle bis sich solch Dinge großflächtig ausbreiten.
    Auch PayPal brauchte einige Jahre bis man damit neben eBay an mittlerweile beinahe jedem OnlineShop damit bezahlen konnte.

    Onlinehändler die keinen Bitcoin akzeptieren, erleiden im Grunde auch keine nennenswerten Nachteile. Oder anders ausgedrückt, Jene die Bitcoin akzeptieren, spüren dies nur mäßig in ihren Umsätzen.
    Es wird aber irgendwann der Punkt kommen an dem es einen spürbaren Anteil am Umsatz ausmacht und dann werden Onlineshops und Unternehmen nachziehen.

    Für den Bitcoiner sicherlich etwas frustrierend, doch als Zwischenlösung bieten sich u.a. Bitwa.la all4btc, usw. als Dienstleister an, so dass man bereits Heute alle SEPA Überweisungen per Bitcoin bezahlen kann.

    Je mehr Bitwa.la & Co. nutzen, je mehr diese Adressen bei den Onlinehändern in den Kontoauszügen auftauchen, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit einer direkten Akzeptanz.

  6. Die meisten Leute kaufen wohl keine Bitcoins um damit zu bezahlen sondern weil sie diese wieder teurer verkaufen wollen. Ich gehöre selber dazu muss ich gestehen.

  7. Werner Müller // 18. August 2016 at 22:54 // Reply

    Das Hauptproblem des Bitcoins heißt Euro. wird überall akzeptiert, muss man nicht umtauschen usw. Und was soll das NSA Geschwätz. Glauben Sie mir, mein IQ ist verdammt hoch und trotzdem stört es mich nicht, wenn die NSA weiß, dass ich bei Esprit drei Shirts kaufe.
    Was sollte denn so eine Information nützen ? Die Datenschutz Hysterie wird nicht mehr lang funktionieren. Kursziel Bitcoin: Null Euro.

  8. Der Euro wird überall akzeptiert? In Europa vielleicht … Bitcoins sind eine Währung, die tatsächlich “international” ist, prinzipiell grenzüberschreitend, ohne Wechselgebühren bezahlen zu müssen, verwendet werden kann und das mit hoher Geschwindigkeit. Im Gegensatz zum Euro und anderen nicht virtuellen Währungen gewinnt der Bitcoin langfristig gesehen an Wert und wird weder von Banken noch Staaten kontrolliert. Der Besitzer kann ihn selbst “aufbewahren” und ist dadurch vor Bankgebühren geschützt. Dass, wie z. B. in Zypern geschehen, einfach Teile des Bankguthabens auf staatliche Anweisung hin willkürlich einbehalten werden, ist nicht zu befürchten. Dazu kommt die relative Anonymität, was zum nächsten Abschnitt weiterleitet …

    Zum Thema “Datenschutz-Hysterie”: Fast jeden stört es, wenn er sich mit jemandem unterhält und dann merkt, dass direkt hinter ihm jemand steht und ihn belauscht. Fast jeder hätte etwas dagegen, wenn der Staat oder sonstwer, eine Kamera samt Mikrofon in seinem Schlafzimmer installierte. Niemand würde diese fiktiven Personen der “Datenschutz-Hysterie” bezichtigen. Deshalb wundere ich mich, wie bereitwillig viele Mitbürger sich im Internet genauso “belauschen” lassen, wie sie es im Alltag niemals zuließen, bzw. diese Tatsache schlicht ausblenden. Mich stört es genauso, wenn jemand direkt hinter mir steht und mich belauscht, wie wenn das die NSA oder jemand anderes im Internet tut. NSA-Geschwätz? Hysterie-Geschwätz! Niemand zwingt dich, deine Privatsphäre zu schützen, aber überlasse es bitte mir selbst, zu entscheiden, was mir wichtig ist.
    Angenommen, die NSA sammelt prophylaktisch Daten von 1000000 Menschen, die alle “nichts zu verbergen” haben (wobei ich es grundsätzlich so sehe, dass jeder seine Privatsphäre guten Gewissens verbergen dürfen sollte), dann ist es äußerst wahrscheinlich, dass, sagen wir zehn Jahre später, ein kleiner Prozentsatz dieser Menschen in Führungspositionen in Wirtschaft oder Politik aufgestiegen sein wird. Das kannst genauso gut dann du, ich und/oder irgendeine andere Person dieser Gruppe sein, obwohl wir es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ahnen. Auch wenn die NSA jetzt noch nicht weiß, wessen Daten sie irgendwann einmal verwenden kann, lohnt es sich für sie, neben der gezielten Überwachung bestimmter “wichtiger” Personen möglichst auch alles andere “abzufischen”, um dann zukünftig zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Personen erpressen zu können (wegen kleinerer Drogendelikte, illegalen Downloads, einer Affäre, Schwarzgeld …), sei es, um politische Ziele durchzusetzen oder Wirtschftsspionage (gerne auch mit Hilfe des BND) betreiben zu können.
    Es gibt also nicht nur den Aspekt der schützenswerten Privatsphäre jeder einzelnen Person, sondern darüber hinausgehende politische Dimensionen der Schnüffelei.

    Und Bitcoin-Kurs 0? Wann, wenn die Menschheit ausgestorben ist?

  9. Ich bin da sehr vorsichtig

  10. Leider ist Deutschland bezüglich Bitcoins das schwierigste Land Europas. Die Banken und die Staatsanwälte kämpfen verbissen gegen jeden BTC der verschoben wird. Die absurdesten Urteile und Anklagen kommen aus Deutschland. Ich bin ein Schweizer Bürger aber in Deutschland darf ich mich nicht blicken lassen, denn ich habe dort “verbotenerweise” ein paar Bitcoins verkauft. Anklage: Wiederholter, gewerbmässiger Handel ohne Bankenlizenz. Für den BTC Verkauf braucht es laut Stuttgarter Staatsanwälte eine Bankenlizenz. Wau!
    Wer also BTC akzeptiert, darf diese nicht weiterverkaufen, denn er hat dafür keine Bankbewilligung!
    Jede deutsche Bank die erfährt, dass der Kunde BTC produziert, handelt oder besitzt, wird ihm sein Konto ohne Angabe von Gründen kündigen. Probiere es mal aus.
    Bankangestellte die BTC minen, kaufen oder verkaufen werden mit fristloser Kündigung belohnt. So steht es in internen Rundschreiben der Commerzbank, den Sparkassen, der Deutschen Bank.
    Dollarzahlungen an die BTC Börsen in EU, Asien oder USA werden von der Deutschen Bank in New York (diese fungiert als Korrespondenzbank fast für alle westeuropäischen Banken) ohne Angaben von Gründen retourniert.

    Dann akzeptiere mal BTC trotz dieser Tatsachen! In Westeuropa ist es überall ähnlich, auch wenn nicht so krass wie in Deutschland.

    Dennoch, BTC wird gestärkt nach Europa kommen. Aus den Ländern für die es bald unentbehrlich wird. Aus China, Indien, Afrika, Nahost, Südamerika.
    Keine Bank oder Regierung wird es stoppen können.

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