Die Börse in Luxemburg nutzt die Blockchain. Nicht irgendwann, sondern ab sofort!

Schön schön, aber für eine Finanzmetropole auch etwas behäbig: Luxemburg. Bild von Tristan Schmurr via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Ethereum-Blockchain dient der Börse in Luxemburg seit kurzem als Proof-of-Existence, um regulationsrelevante Dokumente von Herausgebern von Wertpapieren zu signieren.

Alles fängt mal klein an. Die Idee, dass die Blockchain für Börsen in aller Welt interessant ist, geistert seit langem durch die Finanzlandschaft. Während sich jedoch Altcoin-Börsen mit dem Handel von Kryptowährungen dumm und dämlich verdienen und die Initial Coin Distribution (ICO) zum wahnwitzig erfolgreichen Instrument der Projektfinanzierung wird, backen die etablierten Börsen (noch) eher kleine Brötchen.

So ging die Börse Luxemburg vor kurzem mit einer überraschenden Innovation an die Öffentlichkeit: Die Börse führt die Blockchain-Technologie ein, um den “Reporting Service” zu verbessern. Der OAM-Service der Börse hilft den Herausgebern von Wertpapieren, regulationsrelevante Dokumente auszufüllen. Die Dokumente liegen auf den zentralen Servern der Börsen Luxemburg und sind dort für die Öffentlichkeit zugänglich. Nun wird diese zentrale Speicherung durch eine Blockchain-Signatur ergänzt.

“Die Börse Luxemburg hat nun eine weitere Sicherheitsschicht in den Zertifizierungs-Prozess eingeführt, indem eine ‘digitale Signatur’ auf der Ethereum Blockchain gespeichert wird. Diese neue Funktionalität ist bereits aktiv und kostet keine weiteren Gebühren.”

Der Chefinformatiker der Börse, Bernard Simon, kommentiert, dass die Blockchain-Zertifizierung “eine effektive Methode” sei, um “einen Proof-of-Existence in ein Dokument aufzunehmen.” Auf der Blockchain werden dabei nicht die Dokumente selbst gespeichert, sondern nur eine elektronische Signatur, Angaben zum Dokumententyp sowie die URL, durch die das Dokument auf den Servern der Börse abgerufen werden kann.

Ein Beispiel für eine solche Proof-of-Existence-Transaktion kann man hier, bei Etherscan, anschauen. In der Transaktion findet man die URL zu diesem Dokument einer “Notification of Major Holding” sowie die SHA256-Hash des Dokumentes. Ich denke, um die Authentizität des Dokuments zu prüfen, muss man es herunterladen, es mit GPG hashen und die Hashes vergleichen. Die Börse empfiehlt ihren Kunden einen Webhash-Service.

Eine solche Anwendung ist natürlich keine bahnbrechende Neuigkeit, sondern eher ein nettes Feature, um zu beweisen, dass kein Hacker die regulationsrelevanten Dokumente verfälscht hat. Warum man dafür die Ethereum-Blockchain verwendet, anstatt die wesentlich solidere Bitcoin-Blockchain, geht aus der Pressemitteilung der Börse allerdings nicht hervor. Mit dem OP_Return Code kann man auch Informationen begrenzter Länge in die Bitcoin-Blockchain einpflanzen. Aber sofern die Ethereum-Blockchain hilft, die Bitcoin-Blockchain von solcherlei nicht-monetären Daten zu entlasten, klingt dies nach einer wunderbaren Arbeitsteilung.

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5 Comments on Die Börse in Luxemburg nutzt die Blockchain. Nicht irgendwann, sondern ab sofort!

  1. Hans Maulwurf // 21. October 2016 at 11:31 // Reply

    “Warum man dafür die Ethereum-Blockchain verwendet, anstatt die wesentlich solidere Bitcoin-Blockchain,..”

    Aha, wieso ist sie denn “wesentlich solider” die Bitcoin-Blockchain?

    • Ich mag Ethereum sehr, sehe darin auch ein sehr großes Potenzial, aber die letzten Wochen waren nicht unbedingt vertrauenserweckend. Es gab Tage, in denen geth überhaupt nicht mehr in der Lage war, zu synchronisieren und das ganze Netzwerk am seidenen Faden eines einzelnen Clients (parity) hing, es gab Tage, an denen Transaktionen gar nicht mehr durchgingen, und es ist auch jetzt, nach der Hardfork, noch nicht klar, ob eine Blockchain wie Ethereum jemals gegen Spam-Angriffe gefeit sein kann. Die vielen Hardforks zudem, die notwendig sind und zum Update-Prozess gehören, bergen das Risiko, dass ein alter Vertrag / eine alte Adresse einmal ungültig sein wird. Ich halte es bei Anwendungen wie dieser für sehr sehr gering, aber es bleibt ein nicht vollständig wegzukürzendes Restrisiko.

    • Ich denke auch, dass man das “wesentlich solider” durchaus so stehen lassen kann.
      Vermutlich ist es einfach einen Zeit- und Kostenfrage, Bitcoin-TX kosten mehr und dauern länger (zumindest wenn beim ETH sich nun die Lage wirklich wieder normalisiert). Die Blockchain ist hier eben nicht für solche Anwendungen ausgelegt, wenn darauf auch anfangs viele aus waren

  2. Bei dieser Gelegenheit sollte man vielleicht auch mal diese praktische Anwendung für Ethereum erwähnen wo es um Grünstromjetons geht.
    http://stromstunde.de/

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