Slock.it: “Unser Projekt setzt die Blockchain auf die Agenda der Regierung”

Schwer zu glauben, aber wahr: Die Bundesregierung zeichnet mit Dēmos von Slock.it und Innergy ein Blockchain-Projekt aus. Es geht dabei um Elektromobilität.

Konsistenz ist etwas für Loser. Unter Gesichtspunkten der Demokratie darf man es als beruhigendes Zeichen verstehen, dass auch Regierungsinstitutionen nicht immer einer Meinung sind.

Ein starkes Beispiel hierfür haben kürzlich die Europäische Zentralbank (EZB) und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) abgeliefert. Nur wenige Tage, nachdem die EZB die EU-Kommission ermahnt hat, um gotteswillen niemanden versehentlich dazu zu motivieren, Kryptowährungen zu benutzen, hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit voller Absicht die Leute dazu ermutigt, Kryptowährungen zu benutzen.

Das Ministerium hat das Ethereum-Startup Slock.it aus dem sächsischen Mittweida mit dem deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet. Dieser Preis soll “digitale Innovationen für eine intelligente Mobilität öffentlich sichtbar” machen und “die Chancen der Digitalisierung für die Mobilität von morgen aufzuzeigen.”

Gemeinsam mit Innogy, der für Innovationen zuständigen Tochterfirma des Energieriesen RWE, hat Slock.it ein Dēmos genanntes Projekt eingereicht. Das “Democratic Mobility System” nutzt die Blockchain-Technologie, so die Webseite des Wettbewerbs, “um den Usern verschiedener Mobilitätsdienste Souveränität über ihre Daten zu geben und ihnen zu ermöglichen, selbst zum Anbieter zu werden.”

Ok. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Dēmos nur ein Teil eines größeren Plans

Um zu verstehen, was sich hinter Dēmos verbirgt, muss man es in den Kontext setzen. Das Projekt entstand aus einer bereits im Februar begonnen Kooperation zwischen Slock.it und RWE, um die Ethereum-Blockchain für das Laden von Elektroautos zu nutzen. Ein erstes Ergebnis dieser Kooperation ist die Plattform Share & Charge, die es seit September möglich macht,  private Ladestationen zu teilen. Die Bezahlung wird über Token auf der Ethereum-Plattform abgewickelt, was den Vorteil hat, dass man direkt und in Echtzeit bezahlen und zugleich komplexe und sichere Smart Contracts einbinden kann. So lässt sich etwa ohne Zeitverzögerung, Identifizierung und Mittelmann eine Kaution verwalten.

Dēmos geht einen Schritt weiter und konzentriert sich auf die Daten, die nicht nur in der Elektromobilität, sondern in der Sharing Economy im allgemeinen anfallen. “Dēmos gibt seinen Nutzern mit Hilfe von Blockchain-Technologie die Selbstbestimmung über ihre Daten wieder zurück,” so die Webseite des Wettbewerbs, “der Nutzer kann diese überall und jederzeit für seine digitalen Prozesse abrufen und selbst entscheiden, wer auf welche Informationen zugreifen kann.”

Dēmos soll zur Plattform werden, die alle Daten und Transaktionen der verschiedensten Mobilitätsdienstleistungen – Parkplätze, U-Bahnfahrten, Energie für Elektroautos, Carsharing, Mitfahrgelegenheiten – auf die Blockchain bringt. Dies hat den Vorteil, dass einerseits eine direkte und transparente Interaktion zwischen allen Beteiligten stattfindet, die datenspeichernde Mittelsmänner unnötig macht, und andererseits dank Smart Contracts komplexe, rechtssichere und nachweisbare Verträge möglich werden.

Dank Dēmos sollen Privatpersönen “vom Nutzer zum Anbieter werden und eigene Fahrzeuge, Parkplätze oder Ladeboxen auf einem lokalen Markt zur Verfügung stellen” können. So sollen “dynamische, vollständig digitale Märkte direkt zwischen Nachbarn und Firmen ohne Vermittler dazwischen” entstehen.

Regierungs-Gunst dank Energie-Riesen?

Ein wenig macht das ganze den Eindruck, als sei Dēmos dasselbe wie Share & Charge, nur eben mit anderem Namen. Es ist aber tatsächlich lediglich ein Baustein in einem größeren Plan. “Das P2P-Sharing von Fahrzeugen ist erst der Anfang”, schreibt Stephan Tual auf dem Blog von slock.it, “Dēmos erlaubt es Usern, zu Prosumern in jedem Markt zu werden, und kann auf das Vermieten und Leihen von Parkplätzen oder Elektrizität im Allgemeinen ausgeweitet werden.”

Dass mit dem Mobilitätspreis für Dēmos erstmals ein Organ der Bundesregierung ein Blockchain-Projekt unterstützt, ist überraschend, dürfte aber in erster Linie der Beteiligung der RWE-Tochter Innogy zu verdanken sein. Schließlich könnte die Elektromobillität das perfekte Instrument sein, um die schwer angeschlagenen deutschen Energieriesen auf Kosten der Ölindustrie wiederzubeleben.

Dennoch trifft zu, was Stephan Tual stolz verkündet: “Unser Projekt setzt die Blockchain auf die Agenda der Regierung. Wir gehen den ersten Schritt, um die Blockchain-Technologie zum Mainstream zu machen, indem wir demonstrieren, wie sie die Erfahrung der Kunden verbessern und die Kosten verringern kann, während die User die vollständige Kontrolle über ihre Daten behalten.”

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9 Comments on Slock.it: “Unser Projekt setzt die Blockchain auf die Agenda der Regierung”

  1. Sehr interessant!

    Hier konnte ich mir das lachen allerdings nicht verzweifeln: “komplexe und sichere Smart Contracts”. Mehr als eine Tankfüllung (oder Batterieladung) würde ich einem Smart Contract von slock.it nicht anvertrauen nach dem ganzen Debakel.

    • … ich wollte nicht darauf herumreiten …

      • ..das ist auch gut so.

        Aber dass ein derartiger Kommentar kommen musste, war klar, oder? 😀

        Eine zweite Chance haben sie grundsätzlich verdient, von der Idee her war die DAO ja genial. Ich habe nicht verfolgt, wie slock.it das Debakel aufgearbeitet hat. Vielleicht hat man ja die notwendigen Konsequenzen gezogen..

  2. lolzentraldummlol // 25. October 2016 at 11:06 // Reply

    “Schließlich könnte die Elektromobillität das perfekte Instrument sein, um die schwer angeschlagenen deutschen Energieriesen auf Kosten der Ölindustrie wiederzubeleben.”

    Wenn Cannabis legalisiert wird und weiter an Nutzhanf geforscht wird (3d Druck, Hanf Graphene, Biokunstoffe etc.Bio Ethanol) dann bedeutet das, dass wir endlich frei leben können. In Verbindung mit der Block chain könnte dass die Welt auf den Kopf stellen und wir erreichen ein Level von Frieden und Gesundheit was wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. (Außer vorher explodieren die Atombomben..)

    Ps:

    “Hanf bindet mehr CO2 als eine vergleichbare Fläche an Wald und hat dabei den selben Brennwert wie Braunkohle; er kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
    Hanf speichert mehr Kohlendioxid als für Anbau, Ernte, Verarbeitung und Transport in die Atmosphäre gelangt.”

    -> Fakt ist die wollen uns verarschen mit ihren Klimaschwindel 😉 Und dazu kommt dass Hanf nicht die Böden durch Monokulturen zerstört, weil Hanf sehr tief wurzelt und den Boden locker hält + über herunterfallenden Blätter Nährstoffe zurück gibt.

    Bless

    • Ich frage mich warum sich solche Inforamtionen nicht verbreiten und durchsetzen, wenn sie wirklich so wertvoll sind.
      In Deutschland kann man doch Hanf anbauen um Baustoffe herzustellen oder ?

  3. Christian S. // 25. October 2016 at 17:37 // Reply

    Ich stelle mir vor, mein Mittagessen bei Nachbarn frisch gekocht zu bekommen. 🙂 Super Idee. Super Entscheidung des Bundesamts!

  4. Nattydraddy // 26. October 2016 at 3:03 // Reply

    Am Anfang steht: Konsistenz ist etwas für Looser.
    Und am Ende: Stephan Tual verkündet: “Unser Projekt setzt die Blockchain auf die Agenda der Regierung.

    Die Blockchain zeichnet sich durch ihre Konsistenz aus. Etwas, was Datenbanken in verteilten Systemen schwer erreichen können:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konsistenz_(Datenspeicherung)#Verteilte_Systeme

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