Die China-Regulierung – wie es nun mit dem Bitcoin-Handel in China weitergeht

Wenn China etwas weiß, dann wie Ordnung geht. Eingang zum verbotenen Palast in Beijing. Foto von: Yiannis Theologos Michellis via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Chinesische Zentralbank PBOC meint es diesmal ernst mit der Regulierung der Bitcoin-Börsen. Die drei großen Chinesischen Börsen stoppen unisono das Margin Trading und verhängen ab morgen Handelsgebühren. Insgesamt hilft die PBOC dabei, klarer zu erkennen, welche Rolle China im globalen Bitcoin-Handel wirklich spielt.

Wie bereits berichtet hat die Chinesische Volksbank (People’s Bank of China, PBOC) die Neujahrs-Rally des Bitcoins abrupt unterbrochen, indem sie begann, eine Untersuchung der Chinesischen Bitcoin-Börsen einzuleiten. Die Zweigstellen der Zentralbank in Shanghai und Beijing haben Delegationen zu den drei großen Börsen des Landes, BTCChina, OKCoin und Huobi, geschickt, um vor Ort die Geschäfte der Börsen zu untersuchen und die Regulierung durchzusetzen.

Nun gibt es einen ersten Zwischenstand. Die gute Nachricht ist: Bitcoin wird in China nicht verboten. Die schlechte Nachricht: Bitcoin wird in China strenger reguliert. Wie es weitergeht, wird man sehen müssen. Zunächst ist es beeindruckend, wie koordiniert die drei großen Börsen Neuigkeiten umsetzen.

Kein Margin Trading mehr

Im Laufe der vergangenen Woche sind mehrere Nachrichten von den Chinesischen Börsen an die Öffentlichkeit getrudelt. Den Anfang machte es, dass eine von den großen Börsen nach der nächsten ankündigte, Margin Trading zu stoppen. Erst BTCChina, dann Huobi, dann OKCoin, kurz nacheinander, mit mehr oder weniger denselben Ankündigungen.

Eine nach der anderen gab über das Chinesische twitter Weibo oder die Webseite bekannt, künftig keinen Handel mehr mit Hebel auf Kredit zu erlauben:

BTCChina:

Huobi:

OKCoin:

Margin Trading bedeutet, dass man nur einen Teil des Preises bezahlt und ansonsten auf Kredit kauft. Oder verkauft, indem man eine Wette auf das Fallen des Preises eingeht. Auf den chinesischen Börsen fand ein lebhafter Handel mit “Longs” und “Shorts” statt, bei dem Trader auf das Steigen oder Fallen von Bitcoin setzen konnten. Nur wenn diese Wetten finalisiert wurden, fand ein echter Handel statt. Da aber Margin Trading bedeutet, dass die Börse Kredite vergibt, und da die PBOC bestimmt hat, dass die Börsen dies nicht tun dürfen, mussten sie das Margin Trading aussetzen.

Aber der Stopp des Margin Tradings war erst der Anfang. Nur wenige Tage später platzte die wahre Bombe.

Chinesische Börsen werden Gebühren verhängen

Die drei großen Börsen haben am 22. Januar eine mehr oder weniger identische Mitteilung an ihre Kunden versendet: Um Spekulationen einzudämmen und die wilden Fluktuationen des Bitcoin-Preises einzuebnen, wird man ab Dienstag, den 24. Januar, Handelsgebühren von 0,2 Prozent des Volumens verhängen. Kurz darauf folgte die viertgrößte Chinesische Börse, Yunbi, mit derselben Ankündigung.

Dass die drei Börsen zeitgleich eine identische Nachricht herausgeben, zeigt, dass dieses Vorgehen entweder unter strenger Aufsicht der PBOC orchestriert wurde oder dass sich die drei Börsen abgesprochen haben.

Bisher war es üblich, dass die Chinesischen Börsen keine Gebühren erhoben haben. Der Handel war umsonst, weshalb die geringsten Kursschwankungen getradet und jedes Stückchen Spread ausgenutzt wurde. Das Ergebnis war, dass der Unterschied zwischen Kauf und Verkauf nirgendwo so gering ist – war – wie auf diesen Börsen, und dass das Handelsvolumen durch den Hochgeschwindigkeitshandel in eine Höhe getrieben wurde, die alle anderen Börsen der Welt winzig erscheinen lässt. Rund 98 Prozent des täglichen Handelsvolumens findet – fand – auf OKCoin, Huobi und BTCChina statt. Wieviele Bitcoins aber tatsächlich verkauft und gekauft werden, ist – war – ob dieses gigantischen Volumens überhaupt nicht mehr auszumachen.

Indem die Börsen nun Gebühren erheben, wird sich ab morgen zeigen, welche Rolle China für den globalen Bitcoin-Handel tatsächlich spielt. Ob dies nun weitere, gute oder schlechte, Nachrichten auf den Markt an sich mit sich bringt, wird sich hingegen zeigen.

Und nun – wie geht es weiter?

Ob sich die PBOC mit dem Stopp von Margin Trading und der Erhebung von Handelsgebühren zufrieden geben wird, wird man sehen. Das chinesische Bitcoin-Magazin 8BTC bezweifelt dies: “Ein anderer Fokus der PBOC is, ob die Börsen den Anti-Geldwäsche-Gesetzen folgen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es der nächste Schritt der PBOC ist, zu verlangen, dass die Börsen ausreichende interne Kontrollsysteme implementieren, um Geldwäsche zu bekämpfen. Dabei ist es wieder möglich, dass die Börsen den Betrieb unterbrechen müssen, bis allen Regularien Genüge getan wurde.”

Die ersten Berichte von Tradern, dass Börsen wie OKCoin die Auszahlung von Coins bis zur vollständigen Identitätsverifizierung aussetzen, scheint dies zu bestätigen. Jedem, der China kennt, dürfte klar sein, dass die Regierung, wenn sie einmal beginnt, zu regulieren, sich nicht dami zufrieden geben wird, den Markt zu beherrschen, sondern stets auch versucht, das Handeln der Bevölkerung in geordnete, kontrollierte Bahnen zu leiten.

Wie schon das Verhängen von Gebühren kann auch dies sein Gutes haben – dass man nämlich erkennt, welche Rolle die berühmt-berüchtigte Flucht des Kapitals über die Kapitalkontrollen der Volksrepublik wirklich spielen.

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6 Comments on Die China-Regulierung – wie es nun mit dem Bitcoin-Handel in China weitergeht

  1. Hmm..

    20fache Hebel auf Bitcoin und das Waschen von Geld mit Bitcoin wird demnach schwerer.
    Stört mich persönlich nicht.

    Schön auch, dass der Kurs einfach mal nach der Korrektur nach 1100$+ auf einem ordentlichen Niveau verharrt und auch noch positive Signale sendet.

    Stimmt mich alles noch bullisher. 🙂

    • Name required // 23. January 2017 at 16:10 // Reply

      Zitat:
      “Schön auch, dass der Kurs einfach mal nach der Korrektur nach 1100$+ auf einem ordentlichen Niveau verharrt und auch noch positive Signale sendet. ”

      Ja, man sieht schon jetzt, dass der Kurs nicht mehr so einfach manipulierbar ist, wenn das Margin-Trading wegfällt. Dann sind Übertreibungen und die damit einhergehenden zeitlichen Phasen von Übertreibungen (in beide Richtungen) nämlich seltener und schwerer von einzelnen Marktteilnehmern zu beeinflussen, die durch ihr Handeln entweder Panik oder Euphorie auslösen (was die vielen kleineren Marktteilnehmer dann oftmals fehlleitet).

      • Das heißt, die nächste Rallye endet bei über 2000 US-$?

        Okay, warten wir es ab. 🙂 Stimme unbedingt zu, dass Kursmanipulation (bzw. das Induzieren von Kursbewegungen durch gehebelte Käufe/Verkäufe) nicht mehr so einfach ist.

      • Name required // 23. January 2017 at 23:40 //

        @ JensK:

        3.300 Dollar 😉

  2. Wie man sieht, ist der Bitcoinkurs nicht weiter eingebrochen, so dass bereits jetzt erkennbar ist, dass die Rolle Chinas gern überschätzt wird.

  3. Sieht man jetzt die Umsätze auf exchangewar.info , dann war diese Bedeutung, die man China vorher beigemessen hat, wohl nur eine Illusion.

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