Immer mehr Bitcoin-Börsen haben Probleme mit Dollar-Transaktionen

Skyline von Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan. Bild von David Hsieh via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die USA ziehen die Anti-Geldwäsche-Regeln für globale Dollar-Transaktionen an. Betroffen sind auch die großen Banken Taiwans, auf die viele internationale Bitcoin-Börsen setzen, um Dollar zu prozessieren. Daher kam in den letzten Wochen der Fluss von Dollar zunehmends ins Stocken. Der Fall zeigt, um wie wenige Flaschenhälse der globale Devisenstrom organisiert ist.

In den letzten Tagen und Wochen haben sich die öffentlichen Beschwerden gemehrt, dass Bitcoin-Börsen keine Dollar-Transaktionen mehr ausführen. Nachdem BitFinex zuerst Auszahlungen und dann Einzahlungen per Bank in Dollar ausgesetzt hat, folgten Börsen wie OKCoin, BTC-E, Xapo und andere Firmen. Den Ursachen geht ein hervorragendes Blogpost von Whalecalls auf den Grund.

Alle Dienstleister, die Banküberweisungen in Dollar aussetzen, haben gemein, dass sie ein Konto bei einer der acht großen Banken Taiwans haben. Die Banken in Taiwan haben sich angeboten, weil sie auf der einen Seite professionell genug sind, um Geschäfte mit den großen US-Banken betreiben zu können, aber auf der anderen Seite weniger streng reguliert sind als Banken an vielen anderen Orten. Nach einem massiven Geldwäsche-Skandal im vergangen Jahr hat die New Yorker Finanzaufsicht jedoch die in Staatsbesitz befindliche taiwanesische Mega-Bank zu einer Strafe von 180 Millionen Dollar verurteilt. Dies führte dazu, dass Taiwan began, die Anti-Geldwäsche-Regeln zu verschärfen. Ende März dieses Jahres wurde ein Büro zur Bekämpfung der Geldwäsche gegründet, welches das Ziel hat, Taiwan aus der Beobachtungsliste der Asiatisch-Pazifischen Gruppe gegen Geldwäsche zu entfernen, auf der Land seit 2011 steht. Allerdings bislang ohne Erfolg. Auch die USA führt Taiwan weiterhin auf der Beobachtungsliste für Finanztransaktionen.

Im April hat die US-Finanzaufsicht nun angekündigt, neue Regeln für internationale Überweisungen aufzustellen und diese gründlicher in einer Datenbank zu erfassen. Dies soll vor allem die Remittance-Wirtschaft betreffen, also jene Firmen, die internationale Überweisungen im Auftrag ihrer Kunden ausführen. Damit erhöht sich der Druck sowohl für Banken in den USA als auch in Taiwan, die beide zu Agenten der US-Finanzaufsicht werden und dafür sorgen müssen, dass diejenigen, die am Ende einer Transaktion stehen, sämtliche Regularien einhalten. Solange die Kryptowährungs-Unternehmen dies nicht leisten können, werden sie wohl vom Dollar-Strom abgeschnitten bleiben.

Falls es den Börsen nun gelingt, die strengen regulatorischen Vorgaben der New Yorker Regulierer einzuhalten, haben sie die Möglichkeit, wieder Zugang zu Dollar-Transaktionen zu bekommen. Allerdings zeigt sich hier, wie dünn der Flaschenhals internationaler Devisen-Überweisungen ist. Laut Whalecalls gibt es lediglich 13 Clearing-Banken für den globalen Dollar-Transfer. Um Dollar über die taiwanesische Bank zu einer US-Bank zu senden, müssen die Börsen bzw. ihre Banken erneut die Clearing-Banken überzeugen, diese Transaktionen zu prozessieren. Falls dies jemals geschieht, ist zu erwarten, dass es einige Zeit brauchen wird.

Nicht betroffen sind hingegen Börsen mit Sitz in den USA. Diese haben von vorneherein strengere Anti-Geldwäsche-Regeln verhängt, um die Erlaubnis für den Börsenbetrieb in den USA zu er- bzw. zu behalten. Zudem laufen ihre Überweisungen nicht durch jene Intermediäre, welche derzeit offenbar im Fokus der US-Finanzaufsicht stehen. WhaleCalls empfiehlt Tradern daher, sich nach Möglichkeit entweder in anderen Währungen auszahlen zu lassen – etwa Schweizer Franken, Hongkong Dollar oder Euro – oder die Dollar auf den betroffenen Börsen in Kryptowährungen zu wechseln, diese auf den inländischen US-Börsen zu verkaufen und von dort aus auszahlen zu lassen.

Insgesamt ist diese Blockade von Dollar-Transaktionen von Bitcoin-Börsen ein harter Schlag gegen den generellen Bitcoin-Dollar-Handel. Zusammen mit der weiterhin nicht gelockerten Sperre von Auszahlungen von Kryptowährungen auf den chinesischen Börsen zeigt dies, dass das etablierte Finanzsystem bzw. die Finanzaufsicht den Druck auf Kryptowährungen möglicherweise erhöht.

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7 Comments on Immer mehr Bitcoin-Börsen haben Probleme mit Dollar-Transaktionen

  1. “… und am ende gewinnst Du” – DURCHHALTEN!

  2. Banken schalten langsam in Panik-Mode

  3. Der Dollar verabschiedet sich langsam vom Status der unangefochtenen Leitwährung Nr. 1

  4. Nixgeschenkt // 26. April 2017 at 6:51 // Reply

    Gehört zwar nicht hier rein, aber kann mir jemand erklären warum der BTC $ Kurs auf Poloniex durchweg 100$ hoher liegt als überall sonst? Jetzt gerade 1366$.

  5. orokosaki // 26. April 2017 at 7:01 // Reply

    “First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you.”

  6. Serpens66 // 29. April 2017 at 18:30 // Reply

    sieht beim Euro leider nicht viel anders aus. Bei USD ists nur populärer geworden, weil ne große börse wie bitfinex getroffen wurde.
    In Euro schließen ständig weitere kleine Börsen ihre Tore, weil die Bank die Kooperation verweigert. Zuletzt muss Spacebtc nun den Fiat Handel einstellen und auf Altcoinhandel umschwenken.
    Andere Fälle waren Yacuna, Clevercoin, Justcoin und viele weitere.

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