Mit dem Satelliten-Programm strahlt Blockstream die Blockchain an jeden Satellitenempfänger aus

Satellite Propulsion. Bild von mmmntz via flickr.com. Lizenz: Öffenliche Domain

Blockstream hat einen Satellitenservice gestartet, um die Blockchain vom Orbit aus auszustrahlen. So soll Bitcoin an jeden Winkel der Erde kommen, auch dahin, wo es noch kein Internet gibt. Das Projekt hat seine Schwächen, ist aber ein großer Schritt hin zu einer bemerkenswerten Zukunft.

Um große Worte ist Blockstream nicht verlegen – was angesichts der Neuigkeit auch nicht notwendig wäre. Das gestern offiziell gestartete Satellitenprogramm der Firma, so Blockstream CEO Adam Back, “ist der erste Service der Welt, der in Echtzeit Bitcoin Transaktionen und Blöcke von einer Gruppe von Satellliten aus dem Weltraum heraus sendet. Mit diesem Service wird jeder freien Zugang zum Bitcoin-Netzwerk haben, in jeder Ecke der Welt, einschließlich der vier Milliarden Menschen, die derzeit noch nicht mit dem Internet verbunden sind.”

Bis gestern hat Blockstream über das Projekt geschwiegen. Gestern, zum Zeitpunkt der offiziellen Ankündigung, waren die Satelliten bereits live. Es ist möglich, Blockchain-Daten aus dem Weltall zu empfangen. Rein theoretisch kann man nun, inmitten der Sahara, auf dem weiten Ozean oder in einem Winkel des Himmalaya, eine Bitcoin-Transaktion mit einem Satellitenempfänger prüfen.

Nun alles, was man braucht, um neue Blöcke zu bekommen: eine Satellitenschüssel. Bild von Sarah Joy via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Heute erreicht das Satellitenprogramm von Blockstream zwei Drittel der Erde, so Adam Backs Ankündigung auf dem Blog der Firma. Bis Ende des Jahres soll der gesamte Planet abgedeckt werden. Dieser Service soll nicht nur Bitcoin an Flecken der Erde bringen, wo die Kryptowährung bisher nicht verfügbar werden. Er soll auch die Redundanz der Blockchain-Quellen erhöhen, einen privaten Download-Kanal abseits der Internet-Leitungen schaffen und die Kosten eines Full Nodes verringern.

3 Satelliten und eine neue Software

Um die Blockchain in die Satellitenschüsseln und -receiver zu bringen, hat Blockstream Bandbreite auf mehreren existierenden Satelliten gemietet. Derzeit sind dies für Nordamerika Galaxy 18, für Südamerika Eutelsat 113 sowie für Afrika und Europa Telstar 11N. Weitere Satelliten sind geplant. Die Satelliten werden von der Erde aus mit einem Blockstream-Node gefüttert und strahlen dann die Blöcke auf die Erde aus.

Blockstream hat eine Software entwickelt, die das FIBRE-Netzwerk benutzt, mit dem eigentlich die Miner ihre Blöcke schnell verteilen, um Latenzen zu verhindern, und dies mit Open Source Software zum Empfang von Satellitenradios verbunden. Um mit dieser Software Blöcke zu empfangen, braucht man lediglich eine kleine Satellitenschüssel sowie eine Schnittstelle zwischen dieser und dem Computer per USB. Beides zusammen kostet laut Blockstream lediglich etwa 100 Dollar.

Zelt mit Satellitenschüssel: Hier trifft man sich, um fern zu sehen – und vielleicht bald auch, um Bitcoin-Transaktionen anzuschauen. Foto von Todd Andersen, aufgenommen in der Mongolei, verbreitet über flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das Projekt ist ein großer Schritt in eine bemerkenswerte Zukunft. Seit gestern strahlen mehrere Satelliten die Blockchain auf alle Kontinente aus, ausgenommen die Antarktis. In gewisser Weise ist genau dort, wo Sie gerade sitzen, ein Block in der Luft bzw. in den Radiowellen, die durch Sie hindurchgehen. Bitcoin erlangt damit ein Stück Unabhängigkeit von zentralen Knotenpunkten des Internets.

Interessant ist dieses Programm für alle, die ein Zahlungsmittel brauchen, aber kein Internet haben. Hochseefischer und Piraten, Soldaten im Auslandseinsatz, Motorradfahrer in der Sahara und deren Entführer, Ethnologen im tiefsten Urwald, Bergsteiger, vielleicht sogar Raumfahrer auf internationalen Raumstationen, aber natürlich auch all diejenigen, die an Orten leben, an denen noch die Fernsehschüssel, und nicht das Internetkabel, die Verbindung zur Außenwelt darstellen.

Was das Satellitenprogramm nicht leisten kann …

Natürlich ist es geil, die Blockchain auf einen Satellit zu bringen. Allerdings sollte man sich auch der Einschränkungen bewusst sein, die Blockstreams Satelliten-Service mit sich bringt:

Die Bandbreite ist mit 64 Kilobit je Sekunde viel zu gering, um einen Full Node zu synchronisieren. Um die 150 Gigabyte zu ziehen, die die Blockchain derzeit groß ist, braucht man 217 Tage oder 7,5 Monate. Bandbreite auf Satellliten ist eben teuer, wie auch Empfänger, die größere Datenmengen tragen können. Doch die von Blockstream gekaufte Kapazität reicht, um einen Node auf dem Laufenden zu halten. Zumindest wenn die Blöcke nicht regelmäßig größer als 4,8 MB sind. Denn damit wäre die Kapazität ebenfalls schon ausgeschöpft.

Klar ist auch, dass die Daten nur in eine Richtung ausgestrahlt werden. Es gibt keine Möglichkeit, mit dem Blockchain-Satelliten zu kommunizieren. Das bedeutet, man kann nicht gezielt bestimmte historische Blocks oder Transaktionen abfragen. Zwar sollen auch historische Blöcke ausgestrahlt werden, doch es könnte sein, dass man dafür warten muss. Wenn man also in der Wildnis einen Block verpasst, ist es möglich, dass man eine Zahlunug nicht wahrnimmt.

Ebenfalls klar sollte damit sein, dass man mit Blockstream Satellite keine Transaktion absenden kann. Da allerdings Transaktionen viel weniger Bandbreite benötigen (in der Regeln weniger als 1 Kilobyte) kann man dies etwa per Internet-Stick oder gar Satellitentelefon machen. Alles, was man dafür braucht, ist die Transaktion, mit der man Bitcoins empfangen hat. Und die wird von den von Blockstream gemieteten Satelliten ausgestrahlt.

Schließlich sollte man sich auch bewusst machen, dass Blockstream Satellite nicht wie Jeff Garziks Mini-Sat-Projekt ist. Garzik hat einmal geplant, einen Full Node per Nano-Satellit ins All zu schießen. Ein solcher Node wäre nur auszuschalten, wenn man den Satellit abschießt. Da Blockstream hingegen lediglich Bandbreite bei existierenden Satellitenanbietern gemietet hat, ist der Node sehr leicht abzuschalten. Der Provider muss lediglich die Verbindung kappen.

Wichtiger als die tatsächliche Satellitenausstrahlung dürfte jedoch die Open Source Software sein, die Blockstream geschrieben hat. Mit dieser kann prinzipiell jeder seinen eigenen Node per Satellit ins Weltall bringen – oder gar seinen eigenen Bitcoin-Node als Satellit starten. Eventuell werden wir dies in den kommenden Jahren sehen. Es wäre aufregend.

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2 Comments on Mit dem Satelliten-Programm strahlt Blockstream die Blockchain an jeden Satellitenempfänger aus

  1. Den ganzen Einschränkungen zufolge also doch nichts weiter als große Worte. Nicht weiter verwunderlich, schließlich hatte zuvor bereits Google sein Projekt Loon aufgegeben. Solche Großprojekte sind im heutigen Wirtschaftssystem einfach nicht machbar.
    Ranma

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