Der Mangel an Wallets macht den Sturz noch schlimmer

Keine guten Aussichten: Smog in Beijing. Foto von McKay Savage via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Pünktlich zur China-Krise meldet sich unser China-Autor Zhang Weiwu zurück. Diesmal erklärt er, was das Schließen der Börsen für den Markt bedeuten kann. Wegen mangelnder Wallets und womöglich auch mangelnder Coins bei den Börsen fällt seine Prognose eher pessimistisch aus …

Vor zweieinhalb Jahren schrieb ich den Artikel “Wenn Bitcoin klein bleibt, wird er leben dürfen.” Darin habe ich prophezeit, dass Bitcoin entweder klein und langweilig bleibt, oder dass die Zentralbank ihn verbieten wird.

Um ehrlich zu sein, habe ich nicht erwartet, dass die Partei Bitcoin so lange tolerieren wird. Ich habe kurz nach dem Artikel China verlassen, weshalb ich aufgehört habe, über China zu schreiben. Der neue Crash hat mich jedoch veranlasst, wieder grundsätzliche Informationen über China für Investoren und Spekulanten auszubreiten. Die Information, über die ich heute schreibe, scheint mir sehr wichtig zu sein, um eine Strategie zu bilden.

Chinesen vertrauen ihren Computern nicht

Raubkopierte Software, die von den Raubkopierern mit einer eigenen Adware ausgestattet wurde, und invasive Freeware wie wechat für Android haben in China eine Atmosphäre geschaffen, in der die Leute ihren eigenen Computern oder Mobiltelephonen nicht mehr vertrauen.

2015 habe ich einen großen Investoren getroffen, ein paar hundert Coins schwer, der sich ein MacBook Pro gekauft hat und es vom Internet getrennt hielt, nur um eine Wallet laufen zu lassen und einen öffentlichen Schlüssel zu erzeugen. Ich habe dem Investoren erklärt, dass ein normaler, vom Internet getrennter Computer es auch täte, und er kein MacBook Pro braucht. Doch er glaubte mir nicht und sagte, dass die Windows-Version, die mit Computern von Dell oder Lenovo ausgeliefert wird, von Anfang an manipuliert ist. Tatsächlich ist sein Argument nicht von der Hand zu weisen.

Kleinere Investoren, oder solche, denen es an Zeit mangelt, machen es anders. Sie halten ihr Geld gewöhnlich auf einer Börse. Wenn es Gerüchte über Sicherheitslücken gibt, überweisen sie es einfach auf eine andere Börse.

Als die große böse Nachricht eintraf, waren die meisten also nicht darauf vorbereitet, eine eigene Wallet zu benutzen. Ich vermute, dass diejenigen, die es versucht haben, sich nicht damit vorbereitet haben, ihren Seed aufzuschreiben. Da sie nicht in der Lage sind, ihr eigenes Vermögen zu schützen oder wenigstens einen Trezor zu kaufen, müssen sie Bitcoins gegen Fiat verkaufen. Das treibt den Preis weiter herunter. Wir haben damit die gegenteilige Situation von Mt. Gox. Monate, bevor Mt. Gox schloss, als es schwierig war, Fiat abzubuchen, aber nicht Krypto, war Mt. Gox voll mit Bitcoin-Käufern, was dazu führte, dass die Bitcoins auf Mt. Gox 20 Prozent teurer waren.

Die gegenwärtige Preisdifferenz zwischen BTCChina und den internationalen Börsen veranschaulicht, dass wir nun die gegenteilige Situation erleben: Es ist schwierig, Krypto auszuzahlen.

Einer Schätzung zufolge macht der chinesische Handel mindestens 20 Prozent des Bitcoin-Marktes aus. Eine einfache Rechnung wäre es nun, zu sagen, dass der Markt nur um 20 Prozent fallen wird. Tatsächlich aber wird die Schließung der Börsen die Investoren zwingen, auf die Märkte zu gehen und zu verkaufen, da sie nicht die Gefäße haben, um ihre Coins selbst aufzubewahren. Es gibt eine Gegenkraft: Der Preis wird einige, vor allem westliche, gut informierte Investoren anziehen – doch diese Leute haben keine Deadline und werden den Preis in den kommenden Wochen weniger beeinflussen.

Sind chinesische Börsen überhaupt liquide?

Und es kommt noch schlimmer. Ich erwarte, dass einige Börsen in China seit Jahren per Fractional Reserve wirtschaften. Einige der arroganten Bosse von großen Börsen haben gewiss Feinde um sich herum, die in der Lage sind, sich an den Wallets zu bedienen. Wir wissen, dass Börsen die Rolle von “Bitcoin Banken” in China einnehmen, da ihre User sie als Wallet benutzen. Einige Diebstähle aus den Hot Wallets würden daher nicht die Reserven leeren. Aber die erzwungene Schließung wird womöglich Insolvenzen enthüllen.

In den Tagen von Mt. Gox hat Mark Karpeles die Auszahlungen von Fiat verzögert, um die Enthüllung, dass er nicht genügend Geld hatte, hinauszuschieben, und um Zeit zu kaufen, um die Lücke zu schließen. Verantwortlich gemacht hat er dafür die Anti-Geldwäsche-Gesetze seiner Bankenpartner. Die Situation in China verhält sich anders herum. Wenn eine Börse die Auszahlung von Fiat erschwert, riskiert sie, als diejenige dazustehen, die die finanzielle Stabilität erschüttert – während es ein Rennen darum gibt, “den Anschein zu erwecken, vor den Augen des Herrn das Richtige zu tun.”

Um ein wenig Zeit zu kaufen, ist es die beste Entscheidung für die Börsen, die Auszahlungen von Krypto richtig schwierig zu machen. Ich habe bereits bemerkt, dass die Krypto-Auszahlungen von manchen Börsen sehr langsam sind, und dass mehr Prozeduren verlangt werden als gewöhnlich. Wenn insolvente Börsen die Auszahlung von Krypto schwierig machen, werden Leute Bitcoins verkaufen, wie es der Fall Mt. Gox demonstriert hat.

Und das ist noch längst nicht alles …

In allen diesen Szenarien habe ich noch nicht die folgenden Punkte erwogen:

– die Webseiten von ausländischen Börsen können blockiert werden (China blockiert bereits mehr als die Hälfte des Internets). Das würde Wellen von negativen Nachrichten bedeuten.

– Die Große Firewall von China kann so konfiguriert werden, dass sie Blöcke blockiert. Das wird dem Preis weniger Schaden zufügen als die Nachricht, dass jemand einen Double-Spent ausführt, während sich die Chain reorganisiert.

– Eine Aktion dieser Reichweite wird gewöhnlich von mehreren Ministerien getragen. Mehrere Ministerien zu mobilisieren braucht Zeit, das MIIT (Ministry of Industry and Information Technology) braucht etwa Zeit, um die Firewall neu zu konfigurieren. Der akuteste Einfluss auf den Preis kann jedoch vom Ministerium für Propaganda ausgehen. Ich wäre nicht überrascht, wenn bereits jetzt Stories in Umlauf gesetzt werden, wie ehrliche Familien ihr ganzes Vermögen verloren haben, weil sie in Bitcoin geglaubt haben; und während ihre einzige Tochter nun krank ist, können sie sich nicht die dringend notwendige Medizin leisten, da die Bitcoins nun weniger wert sind. Jeden Tag, um 7:30 Uhr, darf man in China ein solches Drama erwarten.

Über all das werde ich mehr berichten, sobald ich von meinen guten Landsleuten ein Update bekomme. Ich bin schon zu lange nicht mehr im Land meiner Vorfahren.

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23 Comments on Der Mangel an Wallets macht den Sturz noch schlimmer

  1. thomasfranken2013 // 22. September 2017 at 9:01 // Reply

    So ärgerlich und bedauernswert (tut mir sehr leid für die Chinesen) dies für die Chinesen ist,für die weitere Entwicklung des bitcoin ist dies kein Beinbruch.Zumal Japan und USA das Handelsvolumen bestimmen

    • Es würde aber demonstrieren das bitcoin eben doch verboten werden kann. Sollte dieser also wirklich eine revoution auslößen, wird er auch von anderen ländern in die dunkelheit verbannt. Das könnte also Wellen schlagen.

  2. Sehr interessanter Bericht, danke!

  3. China hält höchsten 20% von Bitoins und 20% Volatilität in Bitcoin erleben wir nicht erstes mal

    • 20% des Stacks oder des Handelsvolumens entscheiden am Ende nicht über 20% eines eventuellen Preisverfalls.
      Falls beispielsweise panikartig verkaufen und die (außerchinesischen) Börsen mit Ihren Bitcoins fluten würden, würde das bedeuten, dass 3,3 Millionen Bitcoin (und es sind ja auch andere Coins) einen Käufer finden müssen… Der Preisverfall wäre dann deutlich mehr als 50%.

  4. Super Bericht, danke!!
    Sind die Börsen in China schon geschlossen,oder wann soll das ganze beginnen?

  5. Für Technikafine mag es eine Herrausforderung sein, für andere ein Ärgernis, sich mit Blockchain, CryptoCurrency, IOTA und Tangle zu beschäftigen. Alle haben jedoch Eines gemeinsam, sie wollen sich nicht ausrauben lassen und belauscht werden. Dieses Katz- und Mausspiel gewinnt jedoch jener, der die Mittel dazu hat. Und genau Jene sind es, die uns bestehlen und bespitzeln. Die Regierungen nennen es Steuern, die Bevölkerung nimmt es immer häufiger als Diebstahl war. Die Regierungen nennen es beschützen, die Bevölkerung nimmte es immer häufiger als Schutzgelderpressung war. Und hinter allem stehen die Greys. Jene grauen Eminenzen, die auf Grund ihrer empathielosen Ausprägung, so viel Leid über die Menschen bringen. Zur Zeit gelingt es den Jongleuren noch ganz gut, die Menschen in diesem Hamsterrad gefangen zu halten, weil die Technikaffinen sich herrausgefordert fühlen und es ein wenig ihr Ego kitzelt, wenn sie einen kleinen Sieg erringen. Sie merken jedoch nicht, das es ein Spiel ist, das man Ihnen geschickt aufdrängt. So bleibt das wahre Potenzial auf der Strecke.

    Jeder Mensch muß sich einfach nur im Klaren darüber werden, das keiner das Recht hat, ihm etwas weg zu nehmen oder seine Privatheit zu verletzten. Es ist Diebstahl, und nimmt man es mit Gewalt, ist es Raub, auch wenn es der Staat ist. Aber dann hört man immer: Aber wer baut dann die Straßen. Ja, wer baut sie denn? Ist es der Staat oder sind es die Unternehmer, die die Straßen baut?

    Ihr merkt, es geht mir hier um grundsätzliche Fragen. CryptoCurrency und Blockchains sind zwar sehr nützlich, bringen uns aber in Sachen Selbstbestimmung und Freiheit nicht weiter.

    Wenn ich mir die Letzten Beiträge über IOTA ansehe, bestärkt mich das immer mehr, das es hier um eine gelenkte und bezahlte Auftragstätigkeit handelt. Wenn Dinge im Netz untereinander kommunizieren, und dies auch ohne Steuern geht, warum soll man dann diesen Vorgang besteuern? Und wo gehen diese Steuern hin?

    Den Nichtkaufleuten sei gesagt, das Steuern für Unternehmer nur ein durchgehender Posten ist und an die Kunden weitergeleitet wird. Der Unternehmer ist also, neben der Steuerbehörde, ein für den Staat, kostenloser Steuereintreiber. Sorry an die ehrlichen und hart arbeitenden Unternehmer aus den Klein- und Mittelbetrieben, die selbst die höchste Steuerlast von allen ertragen. Wollte aber nur mal so technisch darstellen. Also werden die Steuern der “Dinge im Internet” von den Verbrauchern bezahlt. Es fallen also keine Steuern vom Himmel.

    YouTubeChannel TangleBlog:

    ca. 26. Min
    Ein Messgerät für beispielsweise Geschwindigkeiten. Das permanente Kontrolle mit gleichzeitiger Abbuchung von Strafgelder bei Verkehrsübertretung. Nicht falsch verstehen, ich bin für die Einhaltung der Verkehrsregeln!

    ca. 41. Min befürwortet der Redner die Regulierung der CryptoCurrency.

    Ich dachte immer, Cryptoaner wären gegen Regulierung. Warum also die Anstregungen überhaupt, CryptoCurrency zu erstellen.

    Erst wenn wir uns von diesen Zecken befreit haben, haben Blockchains und Croptos Potenzial.

    Schlaft gut.

    Tester

  6. So, die Börsenschließungen werden also Insolvenzen aufdecken. Das ist doch aufschlußreich! Ab sofort vermute ich darin das eigentliche Motiv. Irgendwie ist es unlogisch, daß Russland eine beherrschende Stellung auf dem Kryptowährungsmarkt anstrebt, aber ein strategischer Partner wie China ein Verbot durchzieht. Aber wollte sich China auch selbst strategisch günstig positionieren, dann wäre es sinnvoll neben den korrupten auch die insolventen Unternehmen loszuwerden. China würde anschließend einige Jahre warten und dann auf den Bitcoin-Markt zurückkehren, vielleicht stattdessen mit einer eigenen Kryptowährung oder einem Bitcoin-Fork.

    Wenn die Great Firewall einzelne Blöcke blockiert, ermöglicht das dann neue Angriffsmöglichkeiten auf den Bitcoin?
    らんま

    • Womöglich wird die russische Reaktion im Westen Missverstanden, Putin sagte Sinngemäß ‘ein industrieller Betrieb zum Minen in Nordostsibirien (gute Wärmeableitung) mit russischem Strom ist effektiv’.
      MMn ist der BTC, ob von Anfang an oder erst später übernommen, ein Projekt des Deep State in Ami-Land. Schätze die Superreichen 0,1% sehen den baldigen $-Niedergang und wollen ihre Privilegien nicht missen. Russland andererseits möchte das gerade diese 0,1% die Rechnung für, vorallem das Ausrauben der 90er Russlands, ihre Gaunereien begleichen.
      Daher war es eher ein Wink mit dem Zaunpfahl, wenn WIR WOLLTEN dann versenken wir euer Rettungsboot.
      Naja wir werden sehen und fleißig traden, übrigens für AvaTrade hab ich mich entschieden, wird wohl kein Exit Kandidat.

      • So ist das völlig nachvollziehbar. Nur ist es nicht die russische Art, etwas anzudrohen und es dann doch sein zu lassen. Außerdem würde genau das nicht dazu führen, daß die Superreichen die Rechnung bezahlen. Also wird Russland doch Bitcoin und andere Kryptowährungen attackieren müssen. Wenn man in Sibirien so gut Full Nodes betreiben kann, dann dürfte das mindestens die Ankündigung einer 51%-Attacke sein.
        らんま

    • Die große Firewall kann vieles, sie ist mit Sicherheit eines der mächtigsten Filterinstrumente Weltweit wenn es um Datenverkehr geht. Allerdings gibt es zu viele Möglichkeiten, sie doch zu umgehen (womöglich nicht für Laien…).

      Dennoch ist sich die Chinesische Regierung lange klar, wo Bitcoin Minen lokalisiert sind und kann diese gezielt von Strom oder Internet abkappen, wann sie nur möchte. Auch kann sie dort z.B. sämtlichen verschlüsselten Traffic blockieren, dann bleibt nur noch eine Verschleierung (Stenographie), um den Traffic aussehen zu lassen, als ob er nicht verschlüsselt ist, aber z.B. in den Metadaten verschlüsselten Text zu transportieren.

      Die Frage ist jedoch: Wer wird sich dem Risiko aussetzen, welche Strafen werden gefordert? Wenn es wie mit Drogen ist und man ggf. mit jahrelangen Gefängnisstrafen rechnen muss oder gar der Todesstrafe? Wahrscheinlich überspitzt, aber wer weiß…

  7. Einige haben es immer noch nicht verstanden das Bitcoin nicht dafür gemacht wurde um damit zu handeln. Seine vornehmliche Aufgabe ist es das Fiat-Geldsystem zu beseitigen. Das geht nur wenn man Bitcoin dazu benutzt um Arbeit zu bezahlen bzw um das Ergebis von Arbeit auf zu bewahren. Wenn man das endlich begreift kann auch in China der Bitcoin flächendeckend benutzt werden. Wenn das Fiat-Geldsystem verschwindet verschwinden auch zentralisierte Machtstukturen wie Regierungen, Banken und Konzerne. Außerdem wird dadurch auch der Handel mit Bitcoin obsolete. Was wir gerade erleben ist der War on Crypto, dessen Sieger jetzt schon fest steht. Eine zentral gesteuerte inflationäre Währung die immer zu Investoren fließt hat keine Chance gegen eine ungesteuerte deflationäre Währung die immer dort hin fließt wo Arbeit geleistet (Wohlstand für alle erzeugt) wird. Der Bitcoin wird alle Fiat Währung aufgrund seines Charmes in sich aufsaugen und in den Mülleimer der Geschichte spucken.

    • „Einige haben es immer noch nicht verstanden das Bitcoin nicht dafür gemacht wurde um damit zu handeln. Seine vornehmliche Aufgabe ist es das Fiat-Geldsystem zu beseitigen.“

      Eher um es zu ersetzen. Daher ist Bitcoin wirklich noch ziemlich uninteressant für den chinesischen Staat. Der hat die Grenzen seines Wirtschaftswachstums nämlich noch lange nicht erreicht und muß sich daher nicht vor etwas erzwungenem Wachstum fürchten.

      „Das geht nur wenn man Bitcoin dazu benutzt um Arbeit zu bezahlen bzw um das Ergebis von Arbeit auf zu bewahren.“

      Der Versuch, das Ergebnis von Arbeit aufzubewahren, ist immer zum scheitern verurteilt. Mir fällt gerade auf, daß das eine elegante Formulierung des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik ist, also ein Naturgesetz. Um Arbeit zu bezahlen, könnte man Bitcoin natürlich verwenden. Aber aufgrund seiner Beschaffenheit ist der Bitcoin dann doch besser zum handeln und spekulieren geeignet.

      „Wenn das Fiat-Geldsystem verschwindet verschwinden auch zentralisierte Machtstukturen wie Regierungen, Banken und Konzerne.“

      Genau deswegen sind diese mächtigen Mitspieler daran interessiert, das Fiat-Geldsystem zu erhalten.

      „Was wir gerade erleben ist der War on Crypto, dessen Sieger jetzt schon fest steht.“

      Dann steht also fest, daß es nicht Bitcoin sein wird.

      „Eine zentral gesteuerte inflationäre Währung die immer zu Investoren fließt hat keine Chance gegen eine ungesteuerte deflationäre Währung die immer dort hin fließt wo Arbeit geleistet (Wohlstand für alle erzeugt) wird.“

      Hier ist erstmal Nachhilfe in Sachen Makroökonomie angesagt: Es existiert keine zentral gesteuerte, inflationäre Währung, die immer zu Investoren fließt. Die Zentralbanken versuchen die Fiat-Währung mühsam über Zinssätze zu steuern. Das gleicht mehr einer langen Leine als einem Steuerrad und steuern ist eher ein Euphemismus für das, was die Zentralbanken tun. Außerdem sind Fiat-Währungen deflationär und fließen nicht zu Investoren, sondern zu Spekulanten. Es existiert auch keine ungesteuerte, dezentrale Währung, die immer dorthin fließt, wo Wohlstand für alle erzeugt wird. Auch der Bitcoin ist deflationär. Gerade DESHALB fließt auch der immer zu den Spekulanten. Ungesteuert sind Kryptowährungen nur zu Anfang, während es sich noch lohnt, sie auf handelsüblichen Computern zu schürfen. Bei ansteigender Schwierigkeit verlagern sich die Full Nodes mehr und mehr auf Rechenzentren und dort können dann zentrale Instanzen entscheiden, was geschehen soll. Diese eingebaute Selbstsabotage ist es, die bald dazu führen kann, daß Russland die Steuerung des Bitcoins übernimmt.

      „Der Bitcoin wird alle Fiat Währung aufgrund seines Charmes in sich aufsaugen und in den Mülleimer der Geschichte spucken.“

      Zu Beginn deines Kommentares meintest du noch, das könne nur funktionieren, wenn man den Bitcoin dafür verwende, Arbeit zu bezahlen. Den Charme hat er jedoch nur für Spekulanten. Also wird daraus nichts. Vielmehr ist der Bitcoin noch zusätzlich durch seine Abhängigkeit vom Stromnetz und vom Internet gefährdet, so daß die mächtigen Mitspieler ihn jederzeit loswerden könnten.
      らんま

      • Wieso gibt es eigentlich unter den vielen Projekten mit Bitcoin-Bezug keine, die sich um die sichere Verfügbarkeit des Stromnetzes, des Internets und einer großen Anzahl Full Nodes kümmern? Bitcoin-Spekulanten haben wohl eine ganz besonders kurzfristige Perspektive?
        らんま

      • Es ist wirklich erstaunlich mit welcher Unlogik man das betrachten kann – aber letztendlich muss man sich auch nicht unbedingt deswegen streiten, denn der Bitcoin wird die von mir beschriebe Wirkung zeigen oder auch nicht..
        Trotzdem möchte ich auf einen Punkt noch etwas näher betrachten.
        Du meinst also wirklich allen Ernstes das der Bitcoin für die chinesische Regierung und für alle anderen kein Problem darstellt? Das ist lächerlich. Da klaffen Deine Aussage und das was man sehen kann einfach zu weit auseinander.
        Man kann den Bitcoin zwar ausschalten wenn man auch den Strom ausschaltet – aber ehrlich gesagt – das möchte ich sehen was dann passieren wird.

  8. “Wieso gibt es eigentlich unter den vielen Projekten mit Bitcoin-Bezug keine, die sich um die sichere Verfügbarkeit des Stromnetzes, des Internets und einer großen Anzahl Full Nodes kümmern? Bitcoin-Spekulanten haben wohl eine ganz besonders kurzfristige Perspektive?”

    Vertcoin hat zumindest seit jeher den Ansatz die Zentralisierung der Miner zu verunmöglichen.

    • In der deutschsprachigen Wikipedia ist der Eintrag über Vertcoin sehr kurz und zur Löschung vorgeschlagen. Letzteres vor allem, weil Vertcoin nur Platz 98 in der Rangfolge der Marktkapitalisierung einnimmt. Obwohl das ein volatiles und seltsames Kriterium dafür ist. Trotzdem führt das dazu, daß man besser in der englischsprachigen Wikipedia nachschaut. Dort steht unter (nicht vielem) anderem: »On August 10, 2015 (block 347000), Vertcoin forked from Lyra2RE to Lyra2REv2 because a botnet was controlling more than 50% of the hashing power of Vertcoin network.« Das zeugt sicherlich von Zukunftsfähigkeit, wenn man diese Kryptowährung per Botnetz übernehmen kann! Und was ist das anderes als eine Zentralisierung? Außerdem tut auch Vertcoin nichts, um die Verfügbarkeit von Internet und Stromnetz langfristig zu sichern.
      らんま

      • Wobei ich wegen des Hinweises auf Vertcoin wenigstens wieder etwas dazugelernt habe: Für kleinere Kryptowährungen stellen Botnetze eine echte Gefahr dar!
        らんま

  9. Jede Menge keine Ahnung. Ein überflüssiger Artikel ohne actionable facts.

  10. @Herr Bert (@HerrBertLC):

    „Es ist wirklich erstaunlich mit welcher Unlogik man das betrachten kann –“

    Ja, das ist mir auch aufgefallen. Daher die Hinweise von mir, beispielsweise auf den Widerspruch, daß ein Charme für Spekulanten nicht dazu führt, daß Arbeiter bezahlt werden.

    „ aber letztendlich muss man sich auch nicht unbedingt deswegen streiten, denn der Bitcoin wird die von mir beschriebe Wirkung zeigen oder auch nicht..“

    Also dann doch nicht? (Bezieht sich hauptsächlich auf das Streiten)

    „Du meinst also wirklich allen Ernstes das der Bitcoin für die chinesische Regierung und für alle anderen kein Problem darstellt? Das ist lächerlich. Da klaffen Deine Aussage und das was man sehen kann einfach zu weit auseinander.“

    Was man sehen kann hängt hängt nicht zuletzt davon ab, wo man hinschaut. Ich habe mir zum Beispiel die Dokumentation »Wir hacken Deutschland« angeschaut. Es ist echt erstaunlich wie unglaublich anfällig vor allem unser Stromnetz auch gegen primitivste Angriffe ist! Mal abgesehen davon, daß noch keine Regierung einen Markt für Spekulanten je als Bedrohung angesehen hat. Vielleicht zu Unrecht. Vielleicht gab es deshalb die Große Depression. Aber welchen Anteil hat Bitcoin am Gesamtmarkt? Die paar Bitcoin lassen sich wirklich noch leicht ignorieren.

    „Man kann den Bitcoin zwar ausschalten wenn man auch den Strom ausschaltet – aber ehrlich gesagt – das möchte ich sehen was dann passieren wird.“

    Da habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Die gute ist, daß die Chancen ganz gut stehen, daß du das tatsächlich sehen und erleben kannst. Die schlechte ist, daß du dann deine Meinung ändern wirst und es wird das Allerhinterletzte sein, daß du dann je hättest sehen und erleben wollen.
    らんま

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