Puertopia: Wohin die ICO-Milliardäre flüchten

Des einen Schrecken, des anderen Freud': Ein Dorf in Puerto Rico nachdem der Hurricane Maria zugeschlagen hat.

Der unglaubliche Kursanstieg von Bitcoin und Co. hat zahlreiche Reiche, Superreiche und Megareiche hervorgebracht. Gut 20 davon wollen nun aus dem Silicon Valley nach Puerto Rico ziehen, um dort eine Krypto-Utopie zu gründen.

In der New York Times erschien vor kurzem ein spannender Artikel: “Sie bauen eine Krypto-Utopie auf Puerto Rico.” Der Artikel erzählt von einer Gruppe von Millionären und Milliardären um Brock Pierce, die derzeit ihre Häuser und Grundstücke in Kalifornien verkaufen und nach Eigentum auf dem karibischen Inselstaat Puerto Rico suchen. Wenn Sie englisch können, sollten Sie den Original-Artikel lesen. Ich gebe ihn hier nur für diejenigen wieder, die das nicht können oder nicht wollen.

“Und diese Männer – denn es sind fast ausschließlich Männer – haben einen Plan, was sie mit Ihrem Reichtum anstellen,” schreibt die Autorin Nellie Bowles, ” Sie wollen eine Krypto-Utopie bilden, eine neue Stadt, wo das Geld virtuell ist und die Verträge alle öffentlich sind, um dem Rest der Welt zu zeigen, wie eine Krypto-Zukunft aussehen kann. Die Blockchain, ein digitales Kontobuch das die Basis von virtuellen Währungen bildet, hat das Potenzial, Gesellschaft neu zu erfinden – und die Puertopianer wollen das beweisen.”

Die Gruppe von Krypto-Baronen hat schon seit einiger Zeit nach einer solchen neuen Heimat gesucht, und die Idee, einen eigenen Staat zu gründen, kursiert in der Bitcoin-Szene schon lange. Nachdem der Hurricane Maria die Infrastruktur von Puerto Rico dezimiert hat und der Preis für Kryptowährungen so extrem in die Höhe geschossen ist, bot sich die Insel förmlich an. Mit den Coins kann man ziemlich viel Land kaufen.

Also haben sich die Krypto-Millionäre und -Milliardäre auf Puerto Rico versammelt. Sie suchen nach Grundstücken, auf denen sie Flug- und Seehäfen bauen können, kaufen sich Hotels im historischen Zentrum der Hauptstadt San Juan und verhandeln mit Partnern, um eine Krypto-Bank zu gründen. Einem Gesprächspartner der New York Times zufolge sucht die Gruppe nach Grundstücken mit 250.000 Acres. Ein Acre entspricht 4047 Quadratmeter oder gut 40 Ar. Mit rund 1.000 Quadratkilometern wäre dieses Grundstück rund 4 Mal so groß wie die Fläche von Stuttgart und würde etwa 10 Prozent der Fläche Puerto Ricos einnehmen.

Natürlich werden die Puertopianer massiv Steuern sparen, wenn sie auf die Insel auswandern, die in dieser Hinsicht relativ großzügige Regeln hat. Ganz offenherzig erklärt dies auch Reeve Collins gegenüber dem Times-Reporter. “Nein, ich will keine Steuern bezahlen … als Brock sagte, ‘wir ziehen wegen der Steuern nach Puerto Rico und bauen unsere eigene Stadt auf’, war ich sofort dabei.” Collins hat durch die BlockV-ICO mehr als 20 Milionen Dollar eingenommen und ist ein Ko-Gründer von Tether, jenen Dollar-basierten Krypto-Token, die gelegentlich Sorgen verursachen.

Die meisten der Puertipianer geben sich aber als roßzügige Kapitalisten. Ein Mister Clemenson, gerade einmal 34 Jahre alt und Gründer von Lottery.com (eine Lotterie, die Blockchain benutzt), verspricht, die Gruppe werde Puerto Rico retten und dort eine großartige Wirtschaft aufbauen. Und Brock Pierce, das Zentrum der Bewegung, meint dass es um “Leidenschaft, Respekt, finanzielle Transparenz” gehe.

Pierce ist der Direktor der Bitcoin Foundation und Gründer einer Menge Crypto-Unternehmen, etwa einem Investmentfond, dem Startup Block.One, das 200 Millionen Dollar durch den Verkauf der eigenen Währung eingenommen hat, oder EOS, einem der erfolgreichsten Initial Coin Offerings. Pierce war schon sehr früh bei Bitcoin dabei. Der ehemalige Kinderschauspieler, der in mehrere nicht eben ehrenvolle Skandale verwickelt war, dürfte in Geld schwimmen. Bei den Puertopianern ist er eine Art spirituelles Zentrum, das als Inspiration für eine neue Lebensweise dient. Einer der Männer sagt, dass Pierce “über das Geld hinaus ist”, was eine recht steile These ist, nachdem Pierce, der schon seit mehreren Jahren vielfacher Millionär sein dürfte, im Jahr 2017 gleich mehrere ICOs durchgezogen hat.

Nach allem, was man in dem wirklich sehr lesenswerten Artikel in der New York Times liest, weiß man nicht genau, was man von Puertopia halten soll. Es könnte eine Utopie sein, ein Piratennest für Steuerflüchtlinge, eine Institution, die Puerto Rico reich macht, oder, was vielleicht am wahrscheinlichsten ist: ein Alptraum.

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12 Comments on Puertopia: Wohin die ICO-Milliardäre flüchten

  1. prinzipiell interessante Idee, bin gespannt obs was wird und wann der nächste Hurricane kommt….
    Aber ich finds schon erschreckend wie offen damit umgegangen wird, dass die meisten ICOs tatsächlich reiner Betrug waren/sind. Das Geld wird kassiert, aufgeteilt und privat ausgegeben, obwohl es ja eigentlich ein Projekt finanzieren sollte. Wobei einige ICOs ja immerhin ehrlich waren und direkt in ihre Whitepapers geschrieben haben, dass man nutzlose Tokens kauft…

  2. Fabian Suhr // 6. February 2018 at 1:14 // Reply

    Haha eine hübsche PR Aktion… Hat Brock Pierce nicht den Luke Davenport in diesem Disney Streifen gespielt https://de.wikipedia.org/wiki/Mr._Pr%C3%A4sident_Junior ?

  3. „[…]auf dem pazifischem Inselstaat Puerto Rico[…]“

    Ab da lohnt es sich wohl nicht mehr weiterzulesen. Selbstverständlich steht das auch nicht so im Originalartikel. Den sollte man erstmal gelesen haben, BEVOR man sich an eine Übersetzung macht. Außerdem ist es rätselhaft wie man etwas übersetzen kann, das man nichtmal gelesen hat.
    乱馬

    • Huch, ich habe sogar noch das Zitat versehentlich verbessert. Das darf man beim zitieren natürlich nicht, also hier nochmal genau:
      „[…]auf dem pazifischen Inselstaat Puerto Rico[…]“
      Selbstverständlich muß ich für ein richtiges Zitat nämlich auch noch den Grammatikfehler übernehmen. Als ob die inhaltlichen Fehler nicht schon für sich schlimm genug wären.
      Puerto Rico ist weder ein eigenständiger Staat noch irgendwo im riesigen Pazifik zu finden.
      乱馬

      • Ah, jetzt verstehe ich. Ich habe natürlich karibisch gemeint.

        Staat ist mehrdeutig. Auch Texas ist ein Staat.

      • Dass Christoph bei so einem Arsch noch nüchtern Antwortet finde ich toll!

      • Hast du eigentlich nichts besseres zu tun als auf Oberflächlichkeiten rumzureiten? Das ist mir auch schon bei deinen anderen Posts aufgefallen. Konzentrier dich bitte auf die Inhalte.

      • @Christoph Bergmann:

        Puerto Rico ist nunmal gerade KEIN Staat in dem Sinn, in dem Texas ein Staat ist! Trotz der Narren hier, die das nicht verstehen wollen und mich dumm anmachen anstatt mal nachzudenken, macht doch genau der Status von Puerto Rico die ‚Oberflächlichkeit‘ zu einem wesentlichem Punkt. Die Einwohner Puerto Ricos sind Bürger der USA, aber haben dort KEIN Wahlrecht! Die dürfen nichtmal wählen, klar? Puerto Rico ist also vielmehr eine von den USA besetzte Kolonie. Wenn Bürger der USA nach Puerto Rico ziehen, also entgegen der üblichen Richtung, dann haben die sich vorher gründlich informiert und wollen die seltsame rechtliche Situation dort ausnutzen.
        乱馬

      • Ok, wusste das nicht, dass PR eher Kolonie als Staat ist.

        Bin da kein Experte. Wenn man den Namen bei Google eingibt, taucht rechts oben diese “offizielle” Info auf: “Puerto Rico liegt in der Karibik und ist ein Außengebiet der USA. Die Landschaft des Inselstaats besteht aus Bergen, Wasserfällen und dem tropischen Regenwald El Yunque …”

        Außengebiet ist vermutlich die beste Bezeichnung.

      • Über die Grammatik können wir uns gerne streiten, das war ein Eigenkorb, denn Christophs Schreibweise war richtig – im Gegensatz zu Deiner “Korrektheit”.

  4. “Die Blockchain, ein digitales Kontobuch das die Basis von virtuellen Währungen bildet, hat das Potenzial, Gesellschaft neu zu erfinden – und die Puertopianer wollen das beweisen.”

    ach ne
    wozu machen die vögel das, wenn das eh die zukunft ist und das in gar nicht so weiter ferne.
    haken an der sache, es wird auf keine der inoffiziellen coins beruhen und nix mit freiheit zu tun haben, auch wenn dies nur die wenigsten verstehen können bzw die meisten wollen

    • Darum fand ich es so wichtig auf den Status von Puerto Rico hinzuweisen. Mit Freiheit kann das nichts zu tun haben, sonst würde man woanders hingehen.
      乱馬

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