Die NSA überwacht Bitcoin-User bereits seit 2013

Gibt's gratis mit dem Bitcoin-Wallet dazu: Die Überwachung durch die NSA. Bild von Eric Pesik via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wenn Sie dies lesen, ist es recht wahrscheinlich, dass Sie von der NSA überwacht werden. Denn der IT-Geheimdienst der USA nimmt sich seit Anfang 2013 Bitcoin-User vor. Dies zeigt eine Analyse der Leaks von Edward Snowden.

Eine Recherche des Magazins Intercept hat in den Dokumenten, die Edward Snowden Mitte 2013 geleakt hat, Hinweise dafür gefunden, dass sich die NSA bereits in dieser Zeit mit Bitcoin beschäftigt hat.

Einem internen Dokument der NSA vom März 2013 zufolge versucht die Behörde, Sender und Empfänger von Bitcoins aufzuspüren. Dazu benutzt sie nicht nur Analysen der Blockchain, sondern auch ihre eigenen, gut entwickelten Instrumente, um den rohen, globalen Internetverkehr zu sammeln und auszuwerten. “Die Verfolgung beinhaltet wohl auch, dass intime Details der Computer der User gesammelt werden. Die NSA sammelt Informationen zu Passwörtern, der Internet-Aktivität sowie eine einzigartige Nummer, um das Gerät zu identifizieren, die MAC-Adresse.” Weiter gibt es Hinweise, dass die Analysten auch die Internet-Adressen, Netzwerk-Ports sowie Zeitstempel der “BITCOIN-Ziele” erfassen.

Die Daten über die User werden in einer .csv-Datei gespeichert und mit Informationen aus anderen Programmen, etwa XKeyScore, verknüpft. Ein Dokument weist darauf hin, dass die Daten auch Informationen zu Rechnungen und der IP-Adresse enthalten, womit die NSA die Identität des Users leicht mit einer Bitcoin-Adresse verbinden kann.

Um Bitcoin-User auszuspionieren benutzt die NSA ihre Möglichkeiten, im Zuge des Programms OAKSTAR den Datenverkehr des Internets direkt aus den Kabeln abzusaugen. Mit einem Unterprogramm namens MOKEYROCKET, wohl eine Art browserbasierte VPN- oder andere Anonymisierungssoftware, die vor allem in China und im Iran eine signifikante Menge an Anwendern gehabt habe, wurden wohl gezielt Bitcoin-spezifische Daten abgeschöpft. Das Ziel war es, frühzeitig zu erkennen, wenn Terrororganisationen wie Al-Quaida Kryptowährungen benutzen.

Es ist nicht so, als sei das überraschend. Wer hat schon erwartet, dass die NSA Bitcoin nicht beobachtet? Erschreckend ist jedoch, dass der Geheimdienst bereits ab 2013 versucht, Bitcoin-User zu identifizieren und wohl auch über die Mittel verfügt, um damit Erfolg zu haben. Es ist anzunehmen, dass die Methoden seitdem erheblich verschärft und verbessert wurden. Die allgemein durch die Gesetzgeber verordneten Anti-Geldwäsche-Gesetze sorgen dafür, dass die Identitäten von Usern in weitaus größerem Umfang in Datenbanken stehen, auf welche die NSA potenziell Zugriff hat.

Im Zweifel sollte man davon ausgehen, dass man nicht nur mit einem Bein in einem Datensatz der NSA steht. Gegenüber dem Intecept erklärte Emin Gun Sirer, Forscher an der Cornell Universität, dass man “wirklich seine Erwartungen an die Privatsphäre des Netzwerks senken sollte. Wenn die NSA unter den Angreifern ist, verschwindet jede Pseudonymität.” Sirer erwartet, dass die auf Privatsphäre fokusierten User auf andere, stärker anonyme Kryptowährungen umsteigen werden. Der Kryptograph Matthew Green stimmt ihm dabei zu. Die Technologien der NSA machten alle Verbesserungen der Privatsphäre bei Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple “absolut wertlos”, wenn man im Fadenkreuz der Behörde stehe.

Ungünstigerweise stehen Kryptowährungen, die mehr Privatsphäre versprechen, derzeit ein wenig unter Beschuss der Regulierer. So hat etwa vor kurzem die japanische Börse Coincheck angekündigt, dass sie Monero, Dash und Zcash aus dem Handel nehmen wird, da diese Währungen wenig kompatibel mit Anti-Geldwäsche-Vorschriften sind. Wie problematisch dies ist, zeigt die Veröffentlichung des Intercepts, die demonstriert, dass herkömmliche Kryptowährungen nicht ausreichend kompatibel mit dem Datenschutz sind. Darauf zu hoffen, dass es einen Zwischenraum zwischen “zu wenig privat” und “zu privat” gibt, scheint ein romantischer Irrglaube zu sein. Eine Freiheit, die nicht von den bösen Jungs ausgenutzt wird, wird auch nicht den Guten uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Wenn Kriminelle mit Kryptowährungen kein Geld waschen können, ist es sehr wahrscheinlich, dass die NSA durch sie die finanzielle Aktivität von allen überwachen kann.

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9 Comments on Die NSA überwacht Bitcoin-User bereits seit 2013

  1. Fabian Suhr // 21. March 2018 at 14:11 // Reply

    War eigentlich fast zu erwarten. Ich hab sowieso schön des Öfteren gedacht, dass mit Hilfe der NSA so manches Internet-Geheimnis der Vergangenheit ein für alle mal 100% aufgelöst werden könnte. Wenn die NSA eines Tages ihre IP-Traffic-Mitschnitt Datenarchive freigeben würde (nach einer Verjährungsfrist von ?? Jahren)…
    Dann erfährt die Welt endlich auch die wahre Identität von Satoshi Nakamoto. Und alle Diskussionen darüber, wer’s nun wirklich war/ist hören einfach auf 😉

    • pebwindkraft // 21. March 2018 at 17:44 // Reply

      und dann wissen wir auch endlich, wer Kennedy erschossen hat – haha ! 🙂

      • Fabian Suhr // 21. March 2018 at 19:10 //

        ja, genau, das werden uns die bisher geheim gehaltenen TCP/IP Pakete aus dem Jahr 1963 sicherlich auch verraten

  2. Ich finde die Information interessant, Danke für’s Aufbereiten.
    Gerne mehr davon 🙂

  3. Christina // 22. March 2018 at 8:41 // Reply

    Wahr sehr wahrscheinlich und deshalb nichts neues was beunruhigt.Das ist doch schon gang und gebe. Viele sind sich gar nicht bewusst worauf überall zugegriffen wird.

  4. gibt es hier ernsthaft noch jemanden, der glaubt btc sei annonym???

    • Fabian Suhr // 23. March 2018 at 8:07 // Reply

      BTC kann m.E. “so gut wie” anonym sein. aber nur dann, wenn du deine Bitcoins durch Solo-Mining am Besten in einem VPN auf eine noch nie vorher benutzte BTC-Adresse einzahlst und die Block Reward anschließend von dort auf einweg-Cold-Wallets verteilst. Bis dahin bleiben deine BTCs noch einigermaßen anonym. Sobald du anfängst, sie für irgendwas auszugeben, ist es vorbei mit der Anonymität. Das ist der Satoshi way…

      • dein beschriebener weg ist korrekt, soweit ich es bisher verstanden habe.
        aber letztendlich geht es bei btc und dem boom ja nicht um den einsatz als “währung” (was coins grundsätzlich ja nicht sind, genau wie em’s) sondern um das naiv glaubhafte annonyme “ausser sichtweite bringen”.
        früher oder später muss das ganze dann ja an welcher stelle auch immer, in offizielle währung gewechselt werden und wie von dir erwähnt, treten spätestens dort die probleme auf, die man ursprünglich (zu recht) versucht hat zu umgehen. da werden noch einige eine mehr als pöse überraschung erleben…

  5. “Das Ziel war es, frühzeitig zu erkennen, wenn Terrororganisationen wie Al-Quaida Kryptowährungen benutzen.”
    Also für die Info hätte ich gerne mal eine Quelle.
    Es ist doch naheliegend das die NSA diese Daten nur sammelt um sie bei Bedarf gegen die User verwenden zu können. Mit Al-Quaida oder anderen “Organisationen” hat das nur nebenbei was zu tun, es ist halt ein praktischer Vorwand.

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