Von Russland über Opera zu Schnorr: Was es zu berichten gibt

Puzzle-Teile. Bild von Andrew Malone via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

In den letzten zwei Wochen ist nicht zuviel, aber doch einiges passiert: Russsiche Geheimagenten verwenden Bitcoin, Opera bringt Ethereum in den Browser und Pieter Wuille reicht ein BIP für Schnorr-Signaturen ein. Derweil läuft die Alpha-Phase für CashShuffle an, während CoinGate Lightning testet und Ethereum mal wieder am Kapazitätslimit operiert. Das und vieles mehr haben wir verpasst. Leser dürfen mit abstimmen, auf welche Themen wir uns in dieser Woche stürzen.

Die letzten zwei Wochen waren erstaunlich ruhig. Keine große Börse wurde gehackt, keine Großfork eingeleitet, kein nationales Verbot ausgesprochen. Auch der Preis blieb relativ stabil. Dennoch ist das eine oder andere passiert, und es gibt einige interessante Themen, die uns in dieser Woche noch beschäftigen werden.

Im Folgenden stelle ich kurz und grob die Top-News meiner Urlaubszeit vor. Im Lauf dieser Woche werde ich über einige der gleich genannten Themen noch ausführlicher schreiben. Hilfreiche Links, Anmerkungen und Ergänzungen von euch sind natürlich immer sehr willkommen.

Bitcoin

Ein weiterer Anlauf zum ETF

Nachdem die Winklevoss-Zwillinge vor gut einem Jahr damit gescheitert sind, die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten, prüft die US-Börsenaufsicht SEC nun eine weitere Anmeldung. Diesmal hat die CBOE, eine Börse für Derivate aus Chicago, die Anmeldung eingereicht. Sie möchte Anteile des VanEck SolidX Bitcoin Trusts listen.

Pieter Wuille reicht BIP für Schnorr-Signaturen ein

Der Core-Entwickler Pieter Wuille hat vor kurzem einen offiziellen Vorschlag (BIP) für Schnorr-Signaturen veröffentlicht. Schnorr-Signaturen sollen auf Basis von SegWit ECDSA-Signaturen ersetzen. Gegenüber diesen haben sie diverse Vorteile, von einer erhöhten Schnelligkeit über effizienteres Multisig zur Aggregation von Signaturen, was für die Skalierbarkeit und Privacy ein ziemlich großer Gewinn sein könnte.

CoinGate startet Betaphase für Lightning-Akzeptanz

Der litauische Payment-Provider für Kryptowährungen CoinGate hat die Betaphase der Akzeptanz von Lightning-Zahlungen begonnen. Eine Reihe ausgewählter Händler hat die Gelegenheit, die offchain-Zahlungen in der Praxis zu testen, bevor sie zum offiziellen Bestandteile der CoinGate-Invoices werden. Eine der prominentesten Internetseiten, die dank CoinGate nun Lightning akzeptiert, ist die Erotik-Seite LiveJasmin.

Gleichzeitig hat Andreas Bekken, CEO von Shitcoin.com und ein eigentlich Bitcoin Cash nahestehender Berater, begonnen, Lightning zu testen. Indem er mehrere hunderttausend Dollar in Channels investiert hat, hat er den mit Abstand größten Lightning-Hub aufgebaut. Was dabei herauskommt, ist derzeit aber noch nicht zu sagen.

Russischer Geheimdienst hat Bitcoin verwendet, um in US-Wahl zu intervenieren

Vergangene Woche hat das US-Justizministerium einen Bericht darüber veröffentlicht, wie der russische Geheimdienst in die US-Wahl 2016 eingegriffen hat, indem er etwa den Demokratischen Nationalkongress gehackt und kompromitierende Informationen über Vertreter der Demokraten geleakt hat. Dabei hat der russische Geheimdienst auch bei mehreren Gelegenheiten Bitcoins verwendet, etwa um für Domains zu bezahlen.

Ethereum

Opera-Browser testet Built-in-Wallet

Der Browser Opera hat jüngst in einem Blogpost angekündigt, standardmäßig eine Crypto-Wallet in die nächste Version des Browsers zu integrieren. Die neue Version ist derzeit lediglich als Beta für Android verfügbar. Die Wallet von Opera wird Ethereum und Dapps unterstützen. Damit wird das Web3 von Ethereum immer mehr zur Grundausstattung moderner Webbrowser.

Neuer Rekord bei Gas-Preisen

Währenddessen erreichen die Gaspreise bei Ethereum – das sind die Gebühren für Smart Contracts – neue Rekorde. Es wurden schon Gaspreise von mehr als 100 Wei gesehen, was bedeutet, dass normale Transaktionen zwar “nur” 20 bis 30 cent kosten, man beim Benutzen von Dapps (dezentrale Anwendungen) aber rasch bei 20 Euro und mehr ist. Dieser nicht eben erfreuliche Zustand wird durch Token-Verträge verursacht, die offenbar nur den Zweck haben, Ethereum zu spammen. Laut der Ethereum-Community steckt EOS hinter dem Spam-Angriff, eventuell um zu demonstrieren, dass Ethereum nicht so gut skaliert wie EOS. Aber das ist nicht ganz klar.

EIP-999 akzeptiert?

Nach einem Treffen der Ethereum-Entwickler in Berlin gab es angeblich keine technischen Einwände gegen EIP-999, weshalb dieser Vorschlag für Ethereum nun eventuell umgesetzt wird. EIP-999 ist relativ kontrovers, da es die Rettung der Ether und Token initiiert, die durch einen Bug im Multisig-Contract von Parity für immer eingefroren wurden. Man könnte sagen, es ist ein “Bailout”, auch wenn der Begriff hier nicht ganz zutreffend ist. Dennoch wird das Thema hitzig diskutiert und mittlerweile gibt es auch bereits den Gegenvorschlag, EIP-999 als abgelehnt zu betrachten. Droht eine zweite Spaltung von Ethereum?

Bitcoin Cash

So richtig viel ist bei Bitcoin Cash dagegen nicht passiert. Jemand hat Bitreon angekündigt, eine Art Patreon auf Basis von Bitcoin Cash, das aber eventuell Betrug ist. Die interessantere Frage hier ist vielleicht, warum man überhaupt eine solche Plattform braucht, wenn es ein Electron Cash Plugin gibt, dass es einem erlaubt, wiederkehrende Zahlungen einzustellen.

Für ein wenig Drama hat erneut BitPico gesorgt, indem er (oder das Kollektiv) individualisierte Bitcoin-Cash-Nodes aufsetzt. Nachdem es zu einem massenhaften Ban dieser Nodes kam, klagt BitPico nun, dass Bitcoin Cash unglaublich zentralisiert wird, was von manchen Krypto-Medien relativ unreflektiert übernommen wurde.

Weiter hat das dezentrale Mixing-Plugin für Electron Cash, CashShuffle, in die Alpha-Phase. Auch wenn dies keine Wunderwaffe für die Privacy ist und laut dem Schöpfer des CoinShuffle-Protokolls, Tim Ruffing, deutliche Schwächen hat, könnte ein funktionierendes CashShuffle zumindest helfen, die Privacy von Bitcoin Cash ein Stück zu verbessern.

Die Börse CoinEx.com schließlich hat angekündigt, einen Vorschlag für Token auf Basis von Bitcoin Cash mit einer Million CET-Token zu belohnen. Damit greift CoinEx in eine heiße Debatte ein – und vergibt mit den immer beliebteren Token einen beachtlichen Preis.

Ihr könnt abstimmen, welche Themen am wichtigsten sind. Aber ich kann nicht versprechen, mich auch daran zu halten, da ich schon begonnen habe, mich in einige Themen einzulesen.

About Christoph Bergmann (1356 Articles)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder, es es seit Mitte 2013 führt. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin oder Bitcoin Cash an die folgende Adresse: 1BvayiASVCmGmg4WUJmyRHoNevWWo5snqC. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

9 Comments on Von Russland über Opera zu Schnorr: Was es zu berichten gibt

  1. Jakub Hampel // 16. July 2018 at 12:06 // Reply

    Andreas Brekken fängt jetzt an, die in den letzten Tagen gesammelten Erfahrungen mit dem Lightning Network zu veröffentlichen: https://medium.com/andreas-tries-blockchain/bitcoin-lightning-network-1-can-i-compile-and-run-a-node-cd3138c68c15

  2. Jakub Hampel // 16. July 2018 at 14:24 // Reply

    Was Token angeht, wäre eine Bericht über RGB interessant: https://github.com/rgb-org/spec/blob/master/00-introduction.md Soweit ich das verstanden habe, werden damit ERC20-ähnliche Token auf Bitcoin und dem Lightning Network möglich.

    • Ist RGB nicht ein Farbschema? Wenn ja, ist der Name ein wenig ungünstig. Token auf Lightning wäre natürlich toll. Für mich ist die Frage bei Token vor allem, ob sie von den Minern vollständig verifiziert werden wie ERC20, oder ein “Aufsatz” sind, der dritte Parteien braucht, um geprüft / bestätigt zu werden. Wenn RGB das leistet, wäre es revolutionär. Sollte mich mal einlesen.

  3. Anonymous // 16. July 2018 at 19:37 // Reply

    Ich glaube, du hast bei Bitcoin Cash was wichtiges übersehen: Den GROUP-Proposal für SPV-ready Tokens, die von den Minern validiert werden. Nach der Veröffentlichung hat MoneyButton.com (den du übrigens mal integrieren solltest 😉 ) ein Token auf BCH Basis angekündigt.
    Momentan streiten sich aber noch die Geister, welcher Vorschlag nun umgesetzt werden sollte (gibt noch OP_GROUP und Tokeda).

    • MoneyButton geht nicht, da das Blog von WordPress gehostet wird (nur beschränkte Anzahl Plugins).

      Wo finde ich denn den GROUP-Proposal? Ist das ein Upgrade von OP_Group? Tokeda kenne ich auch nicht. Zusammen mit dem CET-Wettbewerb und RGB (siehe den anderen Kommentar) wäre das auch einen Artikel wert, finde ich. Rennt aber auch nicht weg.

    • Derzeit kommen so viele Vorschläge zu den Tokens und für mich als nicht Programmierer ist es schwer da überall durchzublicken.
      Manche brauchen nur OP_RETURN, andere brauchen GROUPS, welches aber wohl Schwierigkeiten mit den derzeitigen Code bringen würde. Und dann gibt es ja auch noch Counterparty und was weiss ich…

      • Anonymous // 21. July 2018 at 11:41 //

        Ja, es sind in der Tat sehr viele Vorschläge. Der einzige ernst zu nehmende Proposal meiner Meinung nach ist GROUP; nur hat dieser einige Gegenstimmen, da er tief in das Bitcoin Protokoll eingreift. Problematisch könnte zum Beispiel sein, dass ein Staat einen EURO Group-Token ausgibt und damit BCH selbst nutzlos macht (bei Group kannst du auch Fees mit Tokens bezahlen, wenn ein Miner das Token akzeptiert).

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