“Wir können die ermüdenden politischen Debatten hinter uns lassen und zu neuen Grenzen aufbrechen, bauen, basteln, schweißen, löten.”

El Rayo. Foto von EdgarJa via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Jeff Gallas ist seit 2011 ein aktives Mitglied der Berliner Bitcoin-Szene und Mitgründer des Bundesverband Bitcoin (BVB). In den letzten Wochen und Monaten wirbt er vor allem für das Lightning-Netzwerk und die Lightning-Hackdays, die er mit seinem Startup Fulmo veranstaltet. Wir haben ihm zehn Fragen gestellt.

1. Du bist schon ziemlich lange bei Bitcoin dabei, aber so richtig laut wurdest du erst mit mit Fulmo als Organisator der Lightning-Hackdays auf. Warum entfacht Lightning bei dir eine solche Begeisterung?

Stell’ Dir Bitcoin und die Blockchain als ein Gebäude vor. Wir haben die letzten Jahre damit zugebracht, ein sehr solides Fundament zu bauen, und auf diesem Fundament steht ein einstöckiges Bauwerk, in dem die eine Schalterhalle ist, in der Transaktionen fleißig gestempelt und archiviert werden. Das funktioniert mittlerweile sehr gut, sicher und routiniert.

Mit dem Lightning Network, stellvertretend für die sogenannte zweite Schicht, können jetzt weitere Stockwerke auf das Bauwerk gesetzt werden, die alle mit der Schalterhalle verbunden sind. Man kann sich Stockwerke vorstellen, die auf “Smart Contracts” spezialisiert sind, auf den Handel, auf Kleinstzahlungen. Es gibt endlose Möglichkeiten.

Die Bitcoin-Community hat sich in den vergangenen 9 Jahren sehr intensiv mit diesem Fundament und der Schalterhalle, also der Bitcoin-Blockchain, beschäftigt. Das hat Anfangs sehr viel Fantasie, Kreativität und Begeisterung geweckt, die aber mit Bärenmärkten, ICO- und “Blockchain”-Blasen und angeblich besseren Projekten wieder abgeflaut sind. Das Lightning Network weckt das kreative Potenzial von Bitcoin wieder auf. Diese Begeisterung ist deutlich zu spüren. Wir können die ermüdenden politischen Debatten hinter uns lassen und zu neuen Grenzen aufbrechen, bauen, basteln, schweißen, löten.

2. Wofür steht Fulmo?

Fulmo bedeutet “Blitz” auf Esperanto.

3. Was ist der Hackday? Wie wird er ablaufen?

Der #LightningHackday, der das nächste mal am 31. August und 1. September in Berlin stattfindet, ist eine Mischung aus Hackathon und Barcamp. Beim Hackathon, der am 31. August beginnt, werden die Teilnehmer mit Mentoren wie Dr. Christian Decker oder Giacomo Zucco an kleineren oder größeren Software- und Hardwareprojekten rund um das Lightning Network basteln. Es geht dabei eher darum, die Technologie zu verstehen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, nicht so sehr darum, am Ende ein fertiges Produkt zu haben. Wir geben dafür auch keine Themen vor, sondern bieten eher eine Plattform und helfen bei der Team- und Projektfindung.

Der eigentliche Lightning-Hackday am 1. September ist als Barcamp konzipiert. Also als eine Konferenz, bei der Themen und Sprecher noch nicht vollständig feststehen, sondern am Morgen von den Teilnehmern festgelegt werden. Die Themenwahl ist offen, jeder kann etwas erzählen, eine Diskussion oder einen Workshop starten oder sein Projekt vorstellen. Die Teilnehmer begegnen sich dabei auf Augenhöhe, die Idee ist, dass jeder voneinander, unabhängig von seinem Wissenstand, etwas lernen kann.

Die einzelnen Sessions sind jeweils in 30-Minuten-Einheiten unterteilt, die aber nach Interesse auch länger laufen können. Der inhaltliche Teil läuft von 10 Uhr bis 19 Uhr, danach beginnt der soziale Teil und wir werden den Tag im room77 in Kreuzberg ausklingen lassen.

4. Wen spricht der Hackday an? Newbies oder Experten? Oder beides?

Der Hackday spricht jeden an, der sich für das Lightning Network interessiert. Wir haben ein paar geplante Sessions für Anfänger, in denen ausführlich und gut verständlich Lightning erklärt wird. Ein wenig Vorwissen sollte man aber mitbringen. Wir können es inhaltlich nicht leisten, nochmal ganz beim Urschleim anzufangen und zu erklären, wie beispielsweise die Bitcoin-Blockchain funktioniert und was der Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Schlüsseln ist. Wer regelmäßig Bitcoinblog liest (und versteht), sollte also auch beim #LightningHackday mitkommen. Nach oben sind inhaltlich keine Grenzen gesetzt – es werden Bitcoin- und Lightning-Protokoll-Entwickler anwesend sein und in ihren Sessions sehr in die Tiefe gehen. Der Tag wird viele Fragen beantworten, aber auch viele neue Fragen hervorrufen.

5. Bekomme ich auf dem Hackday Hilfe, um einen Lightning-Node einzurichten?

Selbstverständlich! Wir haben dafür extra einen eigenen Tisch vorgesehen und liefern Hilfestellung. Daraus ist übrigens der RaspiBlitz entstanden, ein Bitcoin- und Lightning Network-Full Node, der auf einem Raspberry Pi läuft und dabei so nutzerfreundlich wie aktuell möglich ist.

6. Wer sind die für dich wichtigsten Teilnehmer?

Wir freuen uns über jeden Teilnehmer, der aktiv am LightningHackday teilnimmt. Toll ist auch, dass wir schon Zusagen von vielen Experten wie Dr. Christian Decker und Jonas Nick von Blockstream, Fabrice Drouin von Acinq/Eclair, Johan Halsetth von Lightning Labs, Kenichi Kurimoto von Nayuta und Giacomo Zucco und Alekos Filini vom RGB Project haben. Und das besondere am Lightning-Hackday ist eben, dass alle diese Experten auch ganz normale Teilnehmer sind, die an den einzelnen Session teilnehmen und den Lightning-Hackday als Besucher begleiten werden.

7. Das ist nun soweit ich weiß der dritte Lightning-Hackday. Welche Erfahrungen hast du auf den beiden ersten gemacht?

Wir haben mit den ersten beiden #LightningHackdays sehr gute Erfahrungen mit interessanten Teilnehmern und tollen Sessions gemacht. Einen kleinen Einblick bekommt man auf Twitter mit dem Hashtag LightningHackday. Ihr habt ja auch schon über den zweiten Hackday geschrieben. Es ist toll, die viele positive Energie und die Begeisterung der Teilnehmer für das Thema zu sehen.

8. Der Hackday ist für Teilnehmer kostenlos. Wie finanzierst du ihn?

Die Finanzierung wird von Sponsoren getragen. Für den nächsten Lightning-Hackday konnten wir bisher Shift Cryptosecurity und Exchange Union gewinnen. Mittelfristig hoffe ich, dass die Hackdays sich über Sponsoring selber tragen – bisher zahlen wir noch drauf.

9. Das Lightning-Netzwerk breitet sich seit bald einem halben Jahr aus.Hast du ein Zwischenfazit dazu?

Wir stehen noch ganz am Anfang. Das Lightning Network funktioniert und wir können beginnen, die Infrastruktur zu bauen.

10. Was meinst du sind derzeit die größten Baustellen und Problemzonen von Lightning?

Es gibt viele gute Ideen und zu wenige Leute, die an der Umsetzung arbeiten. Viele Herausforderungen, die von Kritikern gerne als unlösbare Hürden dargestellt werden, haben schon einen Lösungsvorschlag. Diese Lösungen müssen jetzt aber noch umgesetzt werden. Ich denke da an Vorschläge wie eltoo, AMP, Splicing und Watch Towers, um einfach mal eine paar Begriffe in den Raum zu werfen. Auch diese Ideen wird auf dem Lightning-Hackday vorgestellt und diskutiert.

Bonusfrage: Wann gibt es eine Lightning-Hackday-ICO?

In zwei Wochen.™ Dank RGB geht das übrigens auch auf Lightning-Basis.

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Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder, es es seit Mitte 2013 führt. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin oder Bitcoin Cash an die folgende Adresse: 1BvayiASVCmGmg4WUJmyRHoNevWWo5snqC. Weitere Adressen (bech32, SegWit, Litecoin, Ethereum) finden Sie HIER. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

4 Comments on “Wir können die ermüdenden politischen Debatten hinter uns lassen und zu neuen Grenzen aufbrechen, bauen, basteln, schweißen, löten.”

  1. Solche Hackdays sind ja ganz cool. Aber man muss sich echt mal die Frage stellen, wo Bitcoin nach fast 10 Jahren ist. Bitcoin ist ein Protokoll. Satoshi selbst hat geschrieben, dass es mit Version 0.1 “set in stone” sein soll – verständlich, ein Protokoll soll stabil sein. Mit Lightning (wenn es funktionieren sollte) muss die ganze Infrastruktur wieder aufgebaut werden (es ist viel einfacher, auf andere Coins umzusteigen, die auf dem Bitcoin Protokoll beruhen, z.B. Bitcoin Cash). Und es wird bereits von dritten Layern gesprochen; ich habe das Gefühl, dass die Ressourcen an den falschen Stellen eingesetzt werden.

  2. Berlin wird nicht müde, das ist toll. 🙂

  3. Das Schlüsselwort steckt im Titel:*basteln*.

    Satoshi hat uns ein Protokoll geschenkt… ein Genie welches mit der Blockchain die Welt nachhaltig verändert. Ob Blutdiamanten, Medizinalprodukte, Nahrung. Alles wird über die Blockchain besser verifiziert werden können. Statt darauf nützliches aufzubauen wird gebastelt an LN … welches der Welt nichts bringt, ein unnützes Produkt welches von kleingeistigen Nichtsnutzern von Programmieren vorangetrieben wird und mit Sicherheit nie zu einem sicheren Standard für Geld wird. Das mag deren Eitelkeit dienen: Ich arbeite an der Verbesserung von Bitcoin, und somit an der Zukunft der Welt. Diese Leute tun einnfach gar nichts. Es ist die Blockchain die die Welt verändert, und diese ist längst da.

  4. Was sind das denn hier für verblendete Kommentare im Blog? Das ist ja schon wie bei den Flat Earthern.

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