Blockchain.info veranstaltet das größte Kunden-Giveaway aller Zeiten

Es regnet Stellar! Bild von Judit Klein via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

… allerdings nur in Stellar, einem ziemlich zentralisierten Coin, von dem weiterhin rund 90 Prozent der Token im Besitz der Foundation sind. Wer Interesse hat, sollte dennoch zuschlagen.

Wer von euch darauf wartet, dass die große Blase des Jahres 2017/18 endlich abgebaut ist, sollte sich eine Ankündigung von Blockchain.info zu Gemüte führen. Denn in ihr findet man ein ziemlich unmissverständliches Signal –  leider dafür, dass die Blase längst nicht abgebaut ist, und dass 125 Millionen Dollar in Kryptowährungen etwas ganz anderes sind als 125 Millionen Dollar in echtem Geld.

Blockchain.info ist nicht nur eine Seite mit wundervollen, hier immer wieder benutzten, Statistiken zu Bitcoin und seit kurzem auch zu Ethereum. Die Seite beherbergt auch das älteste und beliebteste Online-Walet für Bitcoin und andere Kryptowährungen, das laut eigener Angabe 30 Millionen Kunden auf der ganzen Welt hat.

Nun führt die Firma die Kryptowährung Stellar (XLM) ein – ein Klon von Ripple (XPR), der zwar nicht von der Firma Ripple Laps kontrolliert wird, aber nach allen verfügbaren Metriken nochmal ein Stückchen mehr zentralisiert ist als Ripple selbst. Ab sofort können die Wallets von Blockchain.info also auch Stellar verarbeiten – und, das beste: Die Firma lässt die Lumen genannten Token (XLM) auf die User regnen.

“Ab heute, um unseren vollen Support von XLM in der Blockchain Wallet zu feiern, werden wir 125 Millionen Dollar in Stellar (XLM) an EUCH geben – unsere User.”

Dieses Geschenk sei, so Blockchain.info, der größte Airdrop von Coins, den es in der Geschichte von Kryptowährungen jemals gegeben hat, “und vermutlich das größte Geschenk an Kunden überhaupt.” Logisch. Keine Firma, die ein Produkt anbietet, für das es eine ernsthafte Nachfrage gibt, verschenkt es in diesem Umfang; wenn eine Firma 125 Millionen Dollar in Produkten verschenkt, dann darum, weil das Produkt nicht so viel wert ist.

Für Blockchain.info dagegen sind solche Airdrops eine großartige Idee, um die Verbreitung von Kryptowährungen zu befördern und eine Dezentralisierung der Verteilung von Token zu gewähren. “Wir denken, dass sie großartig für Krypto-User sind. Sie erlauben es, mit der nächsten Generation von Krypto-Assets zu experimentieren, zu handeln und Transaktionen auszuführten, ohne dass man sie kaufen oder minen muss.”

Der Plan von Blockchain.info ist es, in Zukunft öfter solche Aidrops auszuführen. “Wir beginnen mit Stellar, weil das Netzwerk dafür gemacht ist, gut zu skalieren. Die Token, XLM, erlauben schnelle, günstige und weltweite Transaktionen, sogar dann, wenn Millionen von Menschen es gleichzeitig benutzten. Stellar kann auch individuelle Token schaffen, die Güter oder Leistungen der echten oder virtuellen Welt repräsentieren, und Stellar hat schließlich eine weltklasse Entwickler-Community und ein vibrierendes, funktionierendes Ökosystem.”

Blockchain.info ist nicht die erste Firma, die ein Stellar-Airdrop verteilt. Schon im April hat Satoshi Pay, ein Berliner Startup, das versucht, Mikropayments auf Blockchains zu bringen, ein Giveaway von 10 Millionen Lumen (XLM) an seine Kunden angekündigt. Zu dieser Zeit hat Satoshi Pay die Bitcoin-Blockchain verlassen, um den gesamten Betrieb auf Stellar umzustellen. Unter dem Eindruck des Fee-Events im Dezember hat das Startup offenbar die Hoffnung aufgegeben, seine Ziele mit einer dezentralen Kryptowährung zu erreichen.

Von dem “vibrierenden, funktionierenden Ökosystem” ist bei Satoshi Pay aber nichts zu spären. Das Startup ist eine Partnerschaft mit der Internation Business Times eingegangen, die auch heute noch dabei feststeckt, dass die IB Times nur einige steinalte Artikel gegen Stellar anbietet. Auch bei der Partnerschaft mit dem Musiker David Kuckhermann ist kein bleibendes Resultat festzustellen. Das WordPress-Plugin von Satoshi Pay schließlich hat ziemlich bescheidene Download-Raten, und ich habe bisher noch keine einzige Webseite gesehen, die relevante Inhalte anbietet, die man mit Stellar freikaufen kann.

So wie Ripple hat Stellar die gesamte Geldmenge von etwa 105 Milliarden Coins einfach in die Taschen der Entwickler bzw. der Stellar Foundation geschöpft, und plant, durch die Verteilung nach Gutdünken mehr Fairness herzustellen als das Mining. Inwieweit diese Methode dazu geeignet sein soll, eine dezentralere Verteilung der Token zu erreichen, ist theoretisch schwer zu sagen. Schließlich gibt es kaum etwas zentraleres, als ein Gremium, das die Geldmengenverteilung plant. Empirisch gesehen ist das Konzept bisher krachend gescheitert, da Ripple und Stellar die beiden Kryptocoins mit der mit Abstand unfairsten Verteilung der Coins sind. Allerdings sind von den 105 Milliarden Coins offenbar auch erst 14 Milliarden verteilt, während die restlichen 90 Milliarden in den Wallets der Stellar Foundation schlummern. Jeden Wert, den ein Lumen-Token hat, existiert nur auf Gutdünken der Stellar Foundation.

All dies macht es wenig glaubhaft, dass die 125 Millionen Dollar, die Blockchain.info an seine Kunden verteilt, auch tatsächlich so viel wert sind. In jedem Fall ist es unglaubwürdig, dass ein digitaler Wertgegenstand einen Wert erhält, indem er in großem Stil verschenkt wird. Oder erinnern Sie sich daran, dass 100 Millionen Euro in Daimler-Aktien, Staatsanleihen oder Bitcoins verschenkt wurden? Vermutlich nicht. Denn echte Wertgegenstände werden begehrt, und nicht ohne Not verschenkt. Die Werte, die Kryptowährungen wie Stellar repräsentieren, entsprechen demnach kaum dem echten Wert. Anders gesagt: Die Blase ist noch immer da.

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8 Comments on Blockchain.info veranstaltet das größte Kunden-Giveaway aller Zeiten

  1. Nixgeschenkt // 7. November 2018 at 14:41 // Reply

    Ganz so negativ würde ich es jetzt auch nicht sehen. Immerhin sind € und $ ja auch was wert und werden in Unmengen aus dem Nichts geschaffen 😂

  2. Jeder Nutzer kriegt Lumens für 25 USD. Wo ist das Problem? Lumens wurden schon Anfang 2017 verschenkt. Wie sonst will man eine Verbreitung einer Währung erreichen? Bei Bitcoin gab es auch Faucets.

  3. Natürlich gibt man für die paar XLM auch seine kompletten Daten an blockchain.info raus.

    Blockchain.info ist einer der schlechtesten Blockexplorer auf dem Markt, und die Wallet wurde noch immer nicht auf den aktuellen Stand (SegWit) gebracht.

    Für deine Verhältnisse ein ziemlich unkritischer Artikel, der komplett auf den Marketinggag reinfällt.

  4. Was sollten sie denn sonst machen, die Coins verkaufen 🙂 ? Hui, das wäre ein Grund zum sauer sein. Ohne Mining ist verschenken die nobelste Form des “Coins unter die Leute bringen”. Wirtschaftlich, aus heutiger Sicht natürlich voll daneben, aber wenn die Coins irgendwann in Zukunft unter den Völkern verteilt sind… kann es dann schon gut kommen, nicht unbedingt ein Coin bei dem Wert-Stabilität erwartet werden kann, aber langfristig gesehen ist Altruismus vielleicht besser als eine eventuelle Weltbank-Philosophie von Ripple. Ich bin da eher positiv gestimmt.

  5. Ich finde diese Verschenkung eine clevere Idee, um massenhaft User zu gewinnen, die es dann vllt. auch nutzen. Ob das gelingt, sei dahingestellt. Aber irgendwie muss man ein Ökosystem mit dem Henne-Ei-Problem ja starten.

    Aus demselben Grund könnte Facebook mit einer eigenen Währung Erfolg haben. Nämlich nur, weil sie es den vorhandenen 1 Milliarde Users aufdrängen können. Die Währung ist vermutlich zentralisierter Schrott, könnte aber gehen.

    Nur weil das Henne-Ei-Problem so schwer zu lösen ist, ist Bitcoin überhaupt noch am leben, obwohl man damit auf Dauer nicht wird zahlen können, weil Transaktionen so teuer werden, dass sich selbst das Öffnen eines Lightning Channels nicht lohnt. Niemand wird 100€ oder 1000€ für auch nur einen einzigen Channel zahlen. Bitcoin ist ein Dead Man Walking. Jeder kann es vorhersehen, der will. Es muss aber erst wohl noch eintreten, bis es die meisten merken.

    • Nixgeschenkt // 9. November 2018 at 10:07 // Reply

      Also ich habe nicht vor mit BTC täglich einkaufen zu gehen oder dergleichen. Insofern sehe ich BTC als Wertspeicher wenn ich das hier so platt sagen darf. Für tägliche Nutzung müssten Coins mit starker Privacy her. Also Bargeldersatz. Aktuell bin ich da gerade auf Pirate(ARRR) gestoßen. Arbeitet anscheinend ausschließlich mit z-Adressen…

      • Für tägliche Nutzung müssten Coins mit starker Privacy her.

        Der Meinung bin ich auch, obwohl diese auch zwingend zum Wertspeicher werden, da die meisten Menschen (von ein paar Ausnahmen abgesehen) nicht wollen, dass jemand weiß, wie viel Vermögen sie tatsächlich haben oder nicht haben.

        Aktuell bin ich da gerade auf Pirate(ARRR) gestoßen. Arbeitet anscheinend ausschließlich mit z-Adressen…

        Vorsicht ist geboten, die haben keinerlei Github Activity außer an der Website: https://github.com/PirateNetwork
        Die haben noch nichtmal Sapling implementiert und somit ist es ein Projekt, das wild aus Komodo und Zcash zusammenkopiert ist. Ohne Sapling braucht man auch 4GB Ram und mehrere Minuten auf einem modernen Rechner, um eine Transaktion zu signieren, somit derzeit komplett ungeeignet für tägliche Nutzung. Wenn Zooko es ernst meint mit Privacy, wird er irgendwann wie bei Monero Privacy by Default einführen (was Dank Sapling durchaus machbar wäre) und dann ist ein Pirate komplett überflüssig, wenn sie nicht gerade wirklich eine eigene, sinnvolle Entwicklung zeigen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass sie selbst überhaupt zk-SNARKS verstanden haben, denn das ist wirklich extrem komplex und es gibt wenige Menschen, die sie wirklich verstehen (wollen), ich gehöre nicht dazu und beschäftige mich seit Jahren mit diesen Themen.

        Und ich bin da ehrlich, Zcashs zk-SNARKS sind Bulletproof Ring Signaturen bei Monero überlegen da sie wirklich alles komplett verschlüsseln anstatt zu verschleiern. Allerdings haben sie meiner Meinung nach immer noch mehr Nachteile als diesen einzigen Vorteil. Zum einen wäre das Trusted Setup zu nennen (welches durch die neue Zeremonie etwas verbessert wurde) aber mit der Einführung von Sapling leaken die Transaktionen auch wieder mehr Metadaten (Anzahl von Inputs und Outputs) als zuvor. Monero nutzt deshalb aktuell Bulletproof RingCT, bis etwas besseres anwendbares vorhanden ist und diese dann ersetzt werden können, bis dahin wird die Ring Größe und damit das Anonimity Set jeder einzelnen Transaktion ständig erhöht. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich Monero hingezogen fühle, allerdings ist Zcash in meinen Augen aktuell der einzige Wettbewerber wenn es ernsthaft um Privacy und Research / Entwicklung geht. Nicht zuletzt wegen ihrem Founder / Developer Reward schwimmen die im Geld und können sich damit theoretisch auch ziemlich gute Leute leisten. Bei Monero ist man auf das Forum Funding System angewiesen, welches auf freiwilligen Spenden für einzelne Projekte basiert und aktuell super funktioniert, aber man kann nicht mit Sicherheit sagen, wie sich die Spendenbereitschaft mit mehr Adoption entwickelt. Aktuell tragen wenige Whales einen Großteil der Fundings…

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