Hashwar, Tag 1: Die ersten Schüsse fallen, ABC kürt sich zum Sieger

Kanonen. Bild von Matt Turner via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nach etwa 18 Stunden Hashwar liegt ABC dank der Hilfe von BTC-Minern klar in Führung. Die ABC-Entwickler sichern ihre Kette mit Checkpoints und erklären sich zum Sieger. Das ist so langweilig wie verfrüht.

Stellt euch vor, es ist Krieg, und alles läuft ganz genau so ab, wie alle es vorhergesagt haben: Es kam gestern Abend bei Block 55676 zu einer Hardfork der Bitcoin-Cash-Blockchain, die sich in zwei Ketten gespalten hat.  Die ABC-Chain konnte eine große Menge Hashpower von Bitcoin-Minern mobilisieren, was vor allem Roger Vers Pool Bitcoin.com zu verdanken ist, der die auf BTC gerichtetete Hashrate seiner Kunden  auf BCH umgelenkt hat, und ist damit der SV-Chain deutlich voraus.

Bis Mitternacht war die Hashrate von ABC fast dreimal so hoch wie von Bitcoin Cash zum Zeitpunkt der Fork. Damit gelang es ABC, rund 40 Blöcke mehr zu produzieren als SV und zur längsten Chain zu werden. Dies wurde von den ABC-Befürwortern als Sieg gefeiert: Das Upgrade war erfolgreich, die Mehrheit der Miner hat es unterstützt, es läuft auf der stärksten Chain.

Kurz darauf haben die ABC-Entwickler einen Client veröffentlicht, der die Checkpoints aktualisiert. Checkpoints werden bei Bitcoin benutzt, um gewisse Blöcke als „valide“ zu markieren. Dies ermöglicht Usern, die einen neuen Node starten, nicht jeden Block einzeln zu validieren, sondern bis zum Checkpoint zu springen. Satoshi hat bereits 2010 Checkpoints angekündigt, um die geringe, aber nicht vollständig unmögliche Gefahr zu verhindern, dass die Blockchain Monate später reorganisiert wird, „nachdem sich die Software auf eine weithin akzeptierte Blockchain festgelegt hat.“

Ein Checkpoint besiegelt den Erfolg einer Fork. Es scheint zwar im Fall von Bitcoin Cash noch etwas verfrüht zu sein, von Erfolg oder Misserfolg sowie von Sieg oder Niederlage zu sprechen. Doch die ABC-Entwickler haben kaum eine Stunde nach der Fork einen neuen Release verteilt, in dem die Hash von Block 55676 auf der ABC-Seite zum Checkpoint gemacht wird. Dies schützt die ABC-Chain davor, durch Angriffe der SV-Miner reorganisiert zu werden. Es gibt – sehr zarte – Hinweise darauf, dass dies ein Plan von nChain gewesen ist, der so zunichte gemacht wurde.

Die Preise der Futures reagieren auf die Ereignisse. ABC-Futures kosten derzeit 0,052 Bitcoin, während SV-Futures bei 0,02 Bitcoin stehen. Die Altcoin-Börsen Binance und Poloniex haben angekündigt, bald den Handel mit BCHABC und BCHSV zu eröffnen, während andere Börsen damit beginnen, den Coin auf der ABC-Chain als BCH zu handeln.

Allzu überraschend war das, was gestern Nacht passiert ist, nicht. Niemand hat erwartet, dass die ABC-Seite nicht in der Lage ist, vorübergehend genügend Hashpower zu mobilisieren. Auch Calvin Ayre von CoinGeek – der wichtigste SV-Unterstützer – hat damit gerechnet. Heute erklärt er in seinem Magazin CoinGeek: „CoinGeek und nChain kämpfen mit langem Atem. Wir werden BCH minen und so länge kämpfen, wie es nötig ist.“ Er kündigt an, die Mittel zu haben, um Monate lang durchzuhalten.

Tatsächlich hat der Hashwar vermutlich erst begonnen. Während die Hashrate der ABC-Chain wieder auf 7 Exahash abgenommen hat, steigt die der SV-Chain wieder an und liegt jetzt bei etwa 4,8 Exahash. Noch stellt Bitcoin.com rund 70-80 Prozent der ABC-Hashrate. Allerdings hat der Pool bereits angekündigt, die BTC-Hashpower nur für 24 Stunden auf BCH umzuleiten. Sobald dies vorüber ist, wird ein anderer Pro-ABC-Miner übernehmen müssen, eventuell ViaBTC und Bitmain.

Zu echten Angriffen kam es bisher noch nicht. Es gibt seichte Erwartungen, dass sich dies morgen ändert, wenn „Satoshis Shotgun“ zu einem neuen Stresstest auf das Bitcoin-Cash-Netzwerk ansetzen wird. Die Entwickler von Satoshis Shotgun haben erst kürzlich ein Investment von CoinGeek erhalten. Es könnte also, leider, leider, auch an diesem Wochenende spannend bleiben.

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13 Kommentare zu Hashwar, Tag 1: Die ersten Schüsse fallen, ABC kürt sich zum Sieger

  1. Wenn sich die ABCler jetzt schon als die Sieger erklären, dann haben die wohl Hashwar nicht verstanden. Es geht nicht darum, einmal kurz zu zeigen, wer den Längeren hat; es geht darum, wer am längsten durchhält.

  2. Der Checkpoint macht 51% immer noch möglich. Nur halt welche vom ersten Block an nicht.

  3. für mich ein Sh*twar „Pest vs Cholera“.

  4. Jakub Hampel // 16. November 2018 um 20:19 // Antwort

    Beide Altcoins werden jetzt von jeweils einem Mining-Pool dominiert. Such decentralization!

  5. Ein Checkpoint löst kein einziges Problem, er verlagert es, wenn überhaupt. Dieser „Rush“ in dem eine Build rausgehauen wird, ohne jegliches Testing ist leider ein fataler Fehler gewesen. Das, was Ayre und Craig da veranstalten ist ohne Frage gutes Material für eine Neuauflage von Christophs Buch, aber auch gut, um zu verstehen, wie PoW Blockchains funktionieren. Eine Chain, die den selben Algo nutzt wie eine andere Chain (hier BTC), die eine Übermacht von mehr als dem 10-fachen besitzt ist einfach den Haien überlassen. Das einzige, wie sich eine Chain / Community schützen könnte ist eine Änderung des PoW. Diese kann minimal und ASIC-freundlich sein (wobei diese auch erstmal produziert werden müssen) oder ASIC-feindlich, da man z.B. viel Speicher pro Durchlauf nutzt, zufälligen Code einbaut etc.

    Ein Bitcoin Cash kann ohne Algo Change imho nicht mehr überleben und die Sicherheit der Chain garantieren, es sei denn, es wird massiv durch aggressive Akteure wie aktuell „gestützt“ und „verteidigt“ (wenn auch offensiv). Falls BCH auf Calvin Ayre und seinen „Wissenschaftler“ Craig Wright zurückfällt, ist es in meinen Augen nicht mehr als ein Shitcoin wie Ripple und bring diesem gegenüber auch keinerlei Vorteile, eher Nachteile mit.

    Das letzte, was Satoshis Vision war, ist dass irgendwelche debilen Egomanen mit fast unendlichen Geldresourcen die Macht über Bitcoin bekommen. PayPal war damals schon da. Und nein, das ist kein Vote für ABC… Ich sehe nur die destruktive „Leistung“ seitens CSW und CA und letzteren kenne ich schon seit fast genau 10 Jahren… Meinen Hund würde ich ihm nicht anvertrauen…

  6. Einfacher und kostengünstiger wäre es für ABC, die Blöcke nicht mehr zu hashen, sondern mit einer GPG-Signatur von Jihan Wu, Rover Ver oder Amaury Sechet zu versehen (Proof-of-authority). Dass die Transaktionen valide sind, kann jeder Node anhand der Signaturen überprüfen, und ein Double-Spend ist auch nicht möglich weil ja der Proof-of-authority benötigt wird.

    • Die Coinbase-Reward bekommen zu jeweil ein Drittel Bitmain, Bitcoin.vom und Bitcoin ABC. Das ist auch nur fair, damit man besser mit Ripple und Stellar konkurrieren kann. Wenn beispielsweise Ripple eine Bank mit einem XRP-Geschenk bestechen will, ihre Systeme auf XRP umzustellen, kann Bitmain ein Gegengebot machen mit einem BCH-Geschenk.

  7. Kommt irgendwem einmal der Gedanke, dass dieser Hash-War das Ende von Bitcoin (und nicht nur BCH) besiegelt hat?

  8. Nein. Aber falls es bei dir so war, kannst du uns ja vielleicht an deinem Gedanken teilnehmen lassen 😉

  9. Eine höhere Hashingleistung bringt doch nur kurzzeitig einen Vorteil, denn die Difficulty wird dadurch ansteigen. BCH wie BTC ist doch darauf ausgelegt, die Zeit in etwa konstant zu halten, in der ein Block gefunden wird.
    Wird die höhere Hashingleistung wieder runtergeschraubt verringert sich zwar die Difficulty, aber in der Zeit werden auch etwas weniger Blöcke gefunden und die beiden Chains ziehen wieder ungefähr gleich.
    Somit spielt die eingebrachte Hashingpower m.M.n. nur eine untergeordnete Rolle bzw. zum Bestehen beider Chains eigentlich gar keine Rolle (ausgenommen 51% Angriffe).

    • Das ist falsch, da im allgemeinen die gesamt akkumulierte pow leistung als größe betrachtet wird und nicht die tatsächliche Länge der chain.

      • Anonymous // 18. November 2018 um 15:44 //

        Ändert nichts daran, dass der Vorteil nur kurzfristig ist. BAB wird sich nicht lange so halten können, da denke ich eher, dass die Taschen von BSV Minern tiefer sind.

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