Vitalik Buterin schlägt vor, Bitcoin Cash als Datenspeicher für Ethereum zu benutzen

Ethereum hat Probleme, zu skalieren. Zwar soll “Ethereum 2.0” alle Probleme lösen, doch das wird noch ein Weilchen dauern. Bis dahin möchte Ethereums Leitentwickler Vitalik Buterin nun die Daten einfach auf eine andere Blockchain verlegen. Dafür schlägt er Bitcoin Cash vor.

Ethereum, die Währung der flexiblen Smart Contracts, prozessiert als Blockchain sowohl Rechenkraft als auch Daten. Klar – wer etwas berechnen will, benötigt auch Daten dafür. Für viele Anwendungen reicht es, wenn nicht die Rechenkraft, sondern allein die Daten skalieren. “Das generelle Prinzip dieser Techniken ist,” schreibt Vitalik Buterin auf Ethresear.ch, “dass sie interaktive Computer-Techniken nutzen, um einen State auf der Ethereum-Seite zu kalkulieren, der auf starke Weise davon abhängt, dass die Verfügbarkeit der Daten verifizierbar ist durch eine Daten-Schicht, die sicherstellt, dass betrügerische Einreichungen erkannt und stark bestraft werden.”

Anders ausgedrückt: Ethereum braucht eine sichere Datenschicht. Also eine Blockchain. Langfristig soll das Ethereum selbst werden. Mit “Ethereum 2.0” soll die Kryptowährung bis zu 10 Megabyte je Sekunde prozessieren, was viel mehr sei als alle anderen Blockchains. “Kurzfristig können wir aber sofort beginnen, an diesen Techniken zu arbeiten, indem wir existierende Blockchains benutzen, vor allem solche, die geringere Transaktionsgebühren je Byte haben als Ethereum.” In den Sinn kommt dem Entwickler dabei Bitcoin Cash (BCH). Diese Währung passe aus mehreren Gründen hervorragend: Der Datensuchsatz sei groß (53 Kilobyte je Sekunde), die Gebühren gering, die Community freundlich und, nicht zuletzt: durch btcrelay.org bestehe die Technik bereits, um auf Ethereum selbst Bitcoin-Cash-Blöcke zu verifizieren.

Der einzige Nachteil seien die Blockinterwalle von 10 Minuten, was aber durch das geplante Präkonsens-Verfahren Avalanche entschärft werde, da dies die Sicherheit unbestätigter Transaktionen stärke. Eine Alternative sei es, Ethereum Classic (ETC) zu verwenden, doch dieses habe eine sehr viel geringere Kapazität, und es sei viel schwieriger, die Beweise von ETC zu verifizieren.

Vitalik Buterin hat diese Idee auf Ethresear.ch zur Diskussion gestellt. Die Antworten sind typisch für die Kryptoszene: Einer nach dem anderen schlägt vor, nicht Bitcoin Cash zu verwenden, sondern seinen Lieblingscoin. Zur Debatte stehen hier vor allem DigiByte, Dash und Steem. Bitcoin SV wird nicht vorgeschlagen, obwohl es keine Blockchain gibt, die sich so sehr auf das Speichern von Daten spezialisiert hat. Eventuell ist dies eine Folge der erheblichen Abneigung von Vitalik Buterin gegen Craig Wright.

Sowohl die Community bei Bitcoin Cash als auch bei Ethereum reagiert relativ positiv auf den Vorschlag. Dass Bitcoin Cash damit zu einer Art Sidechain für Ethereum wird, stört die Szene offenbar nicht. Der Vorschlag ist für die eigentlich abgeschotteten Welten der Krypto-Szene erstaunlich offen. Weshalb sollten Kryptowährungen nicht miteinander kooperieren? Evolution findet ja auch nicht nur durch das Ausmerzen der Schwächeren statt, sondern auch und, je nach biologischer Sichtweise, vor allem durch Kooperation und Assimilation.

Vitalik Buterin hat schon lange ein großes Herz für Bitcoin Cash. Vermutlich teilt er die Abneigung der Bitcoin-Cash-Szene gegen die Dominanz der Core-Entwickler sowie deren Vision von Bitcoin. Legendär ist sein Tweet Ende 2017, als Bitcoin Cash kurzzeitig einen Marktwert von 0,3 BTC erreichte, in dem er Roger Ver und Jihan Wu gratulierte, “ernsthaft”. Gleichzeitig hat die Bitcoin-Cash-Szene größtenteils eine große Achtung vor Ethereum und Vitalik Buterin.

Womit wir einmal mehr lernen, dass bei der Kooperation technischer Konzepte nicht nur die Technik entscheidet, sondern auch – und vielleicht noch mehr – die Menschen dahinter und ihr Verhältnis zueinander.

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4 Kommentare zu Vitalik Buterin schlägt vor, Bitcoin Cash als Datenspeicher für Ethereum zu benutzen

  1. quintall // 17. July 2019 um 11:48 // Reply

    …”nicht nur die Technik entscheidet, sondern auch – und vielleicht noch mehr – die Menschen dahinter und ihr Verhältnis zueinander.”

    Genau das was dezentrale Kryptowährungen brauchen, starke, klar Erkennbare Führungsfiguren die der Community den Weg vorgeben und das denken von vornherrein in die gewünschte Richtung zur präferierten Grupierung bringen. Nicht rules without rulers, nix mit governed by mathematics. NEIN ! “Ich mag die, also werkeln wir mit denen, aber die mag ich nicht, also machen wir mit denen nix.” So muss es sein, funktioniert ja auch in allen Bereichen des menschlichen Lebens so gut, wenn man super In-groups und Out-groups bilden kann. Ein echter Fortschritt.

    Wer Sarkasmus sucht, hat ihn hier gefunden.
    Sorry, aber das macht Ethereum immer wieder so lächerlich mit Ihrem Gott Vitalik…

    • Nicht nur das. Das Genie mußte sogar zugeben, dass sein Produkt nicht in der Lage ist, das zu halten, was von Beginn an versprochen wurde: den Weltcomputer. Denn offensichtlich skaliert es nicht. Und mit PoS kommt er auch nicht zu Potte.

      Diesen Fakt kann man natürlich auch als große Errungenschaft der Community darstellen, wenn verschiedene Projekte, aus der Not heraus, miteinander kooperieren müssen. Sowas bezeichnet man umgangssprachlich und neudeutsch auch als “Framing”.

  2. ETH und BCH haben beide massive Probleme. Bewegen sich (bewusst?) im Finanz-Umfeld und basteln fleissig an Techniken, die illegale Verwendung begünstigen. ETH ist immer noch ein illegaler ICO (warum von Kanada -> Schweiz ?), hat selbst kein Freibrief der SEC und hilf kräftig mit, dass mehr illegale ICOs an den Markt kommen – BCH unterwegs mit op_codes und Mixern usw – soll sich BCH weiter verbiegen – egal.. Da bin ich aber froh, das dieser giftige Kelch an Satoshi vorüberzieht 😉

  3. Hab einen kleinen Tippfehler gefunden – “Der Datensuchsatz sei groß (53 Kilobyte je Sekunde),” => Datendurchsatz nehme ich an 🙂

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