Noch mehr Blacklists: US-Finanzministerium setzt Bitcoin-Adressen chinesischer Drogenschmuggler auf eine schwarze Liste

Pillen. Bild von Janels Katlaps via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das Blacklisting von Bitcoin-Adressen wird mehr und mehr zur Realität. Nachdem das US-Finanzministerium bereits die Bitcoin-Adressen iranischer Hacker auf eine schwarze Liste gesetzt hat, trifft es nun die Adressen von drei Chinesen, die Drogen in die USA geschmuggelt haben. Ob das aber wirklich einen Effekt hat, darf man bezweifeln.

Zwei Abteilungen des US-Finanzministeriums kooperieren, um gemeinsam den finanziellen Druck auf die Produzenten und Verkäufer von synthetischen Opiaten zu erhöhen. Eine Pressemitteilung berichtet von den jüngsten Maßnahmen, die sich gegen drei Chinesen richten:

Gegen Fujing Zhen, den Anführer der Zhen Drogenschmugglels-Organisation, dessen Helfer, Guanghua Zhen, sowie Xiaobing Yan. „Diese Drogenbosse haben einen internationalen Drogenschmuggelring geleitet, der tödliche narkotische Substanzen hergestellt und verkauft hat. Er trug direkt zu der Opiat-Krise in den Vereinigten Staaten bei, die Abhängigkeit, Überdosen und Todesfälle versacht hat“, erklärt Sigal Mandelker, ein Sekretär für Terrorismus und Finanzüberwachung.

Die Chinesen haben private Postkuriere benutzt, um die Drogen in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Eines der häufigsten als Droge missbrauchte chemische Opiate ist Fentanyl, ein extrem starkes Schmerzmittel, das Rauschzustände hervorruft, aber schon bei geringen Überdosen tödlich wirkt. Vor allem in den USA gibt es einen steigenden Fentanyl-Missbrauch, der für den größten Teil der amerikanischen Drogentoten verantwortlich ist. Um diese Krise einzudämmen, versucht die US-Finanzaufsicht FinCEN, die Gelder der Kriminellen aufzuspüren und durch Druck auf das Finanzwesen festzusetzen.

Fujing Zhengs Netzwerk hat hunderte von verbotenen Substanzen, darunter auch mehrere Fentanyl-Arten, hergstellt und in mehr als 35 Ländern vertrieben. Darüber hinaus hat es auch gefälschte Pillen und Krebsmedikamente vertrieben, die anstelle der Wirksubstanz synthetische Drogen enthielten. Die Firma wusch ihre Drogeneinkünfte „teilweise durch digitale Währungen wie Bitcoin“. Daher verfügt das Finanzministerium, dass nicht nur die Bankkonten der Drogenhändler eingefroren werden, sondern auch dass ihre Bitcoin-Adressen auf eine Blacklist kommen. Es handelt sich dabei um die folgenden Adressen:

Xiaobing Yan:

Fujing Zheng:

Guanghua Zheng:

Wer sich durch die Adressen klickt, wird feststellen, dass die Adressen von Xiaobing Yan ungefähr 2.000 Bitcoins empfangen haben, während die der beiden Zhens gerade mal je 10 Bitcoin aufbringen. Es handelt sich also um überschaubare Summen. Die größten Teile der Guthaben wurden bereits von den Adressen aus weiter überwiesen, was uns zu einer extrem schwierigen Frage führt: Wie funktionieren die Blacklists?

CoinDesk lässt sich von einem Anwalt erklären, dass „jedes Eigentum oder Guthaben, das die drei in den USA haben, geblockt und gemeldet werden muss.“ Sämtliche Firmen in den USA müssten sich an die Regulierungsbestimmungen halten und jeden gelisteten Account sperren. Da Bitcoin-Adressen aber kein Account sind, dürfte diese Vorgabe ins Leere greifen. Was vielmehr möglich sein wird, ist, Börsen und Zahlungsdienstleister zu verpflichten, Coins, die von diesen Adressen gesendet werden, zu blockieren und die Sender zu melden. Die Frage dabei ist aber, wie tief müssen die Börsen und anderen Dienstleister wühlen? Wie viele Sprünge zurück müssen sie die Zahlungen verfolgen? Müssen sie auch in der Lage sein, komplexere Methoden der Verschleierung zu durchschauen?

Und was passiert, wenn ein einzelner Händler versehentlich eine Zahlung der Drogenschmuggler annimmt? Wird er dann Ärger bekommen, wenn er die Coins bei einer Börse einzahlt? Wird ihm dann womöglich das Konto gesperrt und er wird von der Polizei vernommen? Muss man künftig als jemand, der unabhängig Bitcoins empfängt, ebenfalls Blacklists führen? Das würde ja dem Leitsatz „Sei deine eigene Bank“ entsprechen – auch wenn es sicherlich anders geplant war.

Sollte es so kommen, dürfte dies für Bitcoin erhebliche Folgen haben. Wenn die Blacklists vermehrt greifen, sind die digitalen Münzen nicht mehr fungibel; es wird dann für Händler zunehmend schwierig, sie anzunehmen, was eine weitere Welle der Deakzeptanz nach sich ziehen kann. Dies könnte einerseits den Weg ebnen für Maßnahmen, die Bitcoins wieder fungibel machen – was aber ganz neue Probleme nach sich ziehen kann, die man vorher nicht hatte – oder dazu helfen, Bitcoin durch andere, anonymere Währungen abzulösen. Eventuell steht am Ende auch nur die Erkenntnis, dass Bitcoins schlecht dafür geeignet sind, um für Verbrechen zu bezahlen.

Bis dahin aber darf man feststellen, dass die Justiz der tatsächlichen Nutzung von Bitcoins hinterherhinkt. Während sie 10 Jahre nach Erfindung von Bitcoin versucht, die Methoden anzuwenden, die im klassischen Bankwesen greifen – nämlich Konten auf eine schwarze Liste zu setzen – sind die kriminellen Bitcoin-Nutzer längst in der Lage, ihre Coins durch die verschiedensten Methoden zu waschen. Daher ist es vielmehr wahrscheinlich, dass das Blacklisting zunächst überhaupt keine Wirkung hat.

Über Christoph Bergmann (1584 Beiträge)
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4 Kommentare zu Noch mehr Blacklists: US-Finanzministerium setzt Bitcoin-Adressen chinesischer Drogenschmuggler auf eine schwarze Liste

  1. Er trug direkt zu der Opiat-Krise in den Vereinigten Staaten bei, die Abhängigkeit, Überdosen und Todesfälle versacht hat“, erklärt Sigal Mandelker, ein Sekretär für Terrorismus und Finanzüberwachung.

    Genau. Die kommt auch nicht vom Oxy…

    Im weiteren vollendest Du einen Eiertanz, der ziemlich beachtlich ist aber nichts an der Substanz ändert. Je mehr Blacklisting kommt, desto kaputter ist Bitcoin an sich, denn als Händler muss man sich entsprechend darum kümmern.

  2. Die Opiatkrise in den USA ist durch die Machenschaften von Pharmaindustrie und Aufsichtsbehörden primär hausgemacht. Der online Handel mit illegalen Substanzen ist nicht ok. Die Motivation der Strafverfolger sehe ich eher im Schutz des Geschäftsmodells amerik. Firmen als dem Schutz der Gesundheit von Amerikanern, wirkungsvollere Maßnahmen wären möglich. Es wird sich zeigen, ob der Aufwand zur Rückverfolgung der BTC gegenüber dem für die Verschleierung der BTC Herkunft lohnt. Für mich ein typisches Beispiel staatlichen Aktionismus, nicht effektiv aber beruhigend für die Masse.

  3. Wie ist das eigentlich rechtlich, z.B. bei Bargeld ?

    Kann man mich verpflichten – wenn ich Geld annehme – Die Seriennummern zu kontrollieren ob sie aus einem Bankraub oder aus dem Drogenhandel stammen ?

    • Nein. Das ist übrigens, was z.B. Monero erreichen willl: Digitales Bargeld, bei dem Du nicht darum kümmern musst, woher das Geld stammt. Bei Bargeld überprüfst Du ja wahrscheinlich auch nicht die Seriennummer und rechtlich ist Bargeld perfekt fungibel, selbst ein Fuffi aus einem Bankraub ist genausoviel wert wie ein frisch gedruckter.

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