China meint es ernst mit der Blockchain. Und zwar sehr ernst.

Das chinesische Staatsoberhaupt Xi Jinping. Bild von James B Cutchin via flickr.com. Lizenz: Public Domain

Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping fordert seine Partei dazu auf, die Blockchain-Technologie entschieden für eine Vielzahl von Anwendungen zu nutzen. Dies geht einher mit zahlreichen Initiativen und Neuigkeiten, die demonstrieren, wie ernst es China mit der Blockchain meint. Der Westen droht derweil, abgehängt zu werden – womit eine Diktatur die Gestaltungshoheit über eine Zukunftstechnologie erlangen würde.

China. Mal wieder, aber diesmal in ganz groß. Xi Jinping, das Staatsoberhaupt von China, vielleicht der mächtigste Mensch der Welt, hat in einer Ansprache an seine Partei die Blockchain-Technologie aufs Höchste gelobt. Dass sich ein Präsident Chinas so sehr für eine konkrete Technologie einsetzt, ist selten und verleiht der Blockchain in China einen ähnlichen Status wie dem Internet und der Künstlichen Intelligenz.

Die Ansprache von Xi geht einher bzw. wird gefolgt von einer Menge an verwandten Neuigkeiten aus China: Die Zentralbank meint, ein digitaler Yuan sei kurz vor der Vollendung; die Regierung plant, die Loyalität der Parteigenossen in der Blockchain zu verewigen; ein Krypto-Gesetz wird erlassen, das die Anwendung von Kryptographie vereinheitlichen soll; die Regierung von Sichuan entschließt sich, die überschüssige Hydroenergie noch konsequenter für Blockchain-Dinge zu nutzen; und eine große Bank investiert in eine Bitcoin-Wallet.

Diese Fülle an Neuigkeiten demonstriert, wie groß das Blockchain-Thema in China mittlerweile ist. Wir versuchen, die Nachrichten in einem Artikel zusammenzufassen. Den Beginn macht natürlich die Ansprache des Staatsoberhauptes.

Die Rede von Xi Jinping

Xi Jinping, Vorsitzender der kommunistischen Partei Chinas und Präsident des Landes, ist alles, aber sicherlich kein Kryptoanarchist. Der 66-Jährige genießt vielmehr den Ruf, die Diktatur zurück nach China gebracht zu haben, nachdem sich das Klima unter seinem Vorgänger Hu Jintao gelockert hatte. Dass dieser mächtige Mann nun in einer Ansprache die Blockchain in den höchsten Tönen preist, dürfte in seiner Bedeutung gar nicht zu überschätzen sein. Dovey Wan, eine auf Twitter aktive Krypto-Stimme aus China, auf die wir uns in diesem Artikel noch mehrmals beziehen werden, sagt es so: “Wann immer Xi hinter etwas steht, und wenn er nur eine sehr schwache Präferenz zeigt, werden die lokalen Regierungen mit massiven Zuschüssen und Subventionen folgen.” Daher sei die Ansprache ein “SEHR positives Signal für alle ‘Blockchain, aber kein Krypto’-Unternehmen.”

Was hat Xi also gesagt, und wie kann man es verstehen? Mable Jiang vom Nirvana-Investmentfond hat sich die Mühe gemacht, die Rede ins Englische zu übersetzen und zu kommentieren. Wer sie als Ganzes lesen möchte, sollte dem Link auf Medium folgen. Hier werde ich nur einige Teile diskutieren.

Zunächst verlangt Xi, dass man die Blockchain als “einen wichtigen Durchbruch einer unabhängigen Innovation einer Schlüsseltechnologie” wahrnimmt und “den richtigen Ansatz erkennt, um unsere Ressourcen zu nutzen, unser Investment zu erhöhen und die Entwicklung der Blockchain-Technologie zu beschleunigen.” Blockchain-Anwendungen erstreckten sich bereits auf “das digitale Finanzwesen, das Internet der Dinge, intelligente Produktionsstätten, das Supply-Chain-Management, den Handel digitaler Werte und mehr.” China sei in einer guten Stellung hierfür, müsse aber die Entwicklung anziehen und Blockchain-Lösungen “aktiv bewerben.”

Daher formuliert Xi Jinping zahlreiche Aufgaben für die Partei: So soll etwa die Forschung intensiviert werden. Standards werden zu setzen sein, ein Ökosystem der Blockchains ist aufzubauen, und die Integration von Blockchain mit anderen Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, Big Data und dem Internet der Dinge ist voranzutreiben. Auch die Aufklärung und Bildung muss ausgedehnt werden, um einen Talentpool an künftigen Innovatoren zu haben.

Der Präsident sieht für Blockchain so viele Anwendungsfälle, dass er sich beinah wie ein Unternehmensberater anhört: Blockchains sollen das Teilen von Daten verbessern, Geschäftsprozesse optimieren, Operationskosten reduzieren, Synergien verbessern und ein Kredit-System aufzubauen. Die tiefe Integration von Blockchain mit der echten Ökonomie soll Probleme bei der Finanzierung von kleinen und mittleren Betrieben, der Kontrolle von Banken sowie der Überwachung der Regierungsabteilungen lösen. Die Blockchain soll auch die Entwicklung der Industrie beschleunigem, indem sie etwa das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage über die Supply-Chains verbessert. Im Grunde unterscheiden sich Xi Jinpings Vorstellungen gar nicht so sehr von der von der deutschen Bundesregierung formulierten Blockchain-Strategie.

Ferner sollen Blockchains im täglichen Leben der Leute ankommen. Sie sollen Teil der Bildung, Beschäftigung, Pension, Armutsbekämpfung, Medizin, Fälschungsbekämpfung, Lebensmittelsicherheit, öffentlicher Wohlfahrt und mehr werden. Es sei notwendig, die Verbindung von Blockchain und Smart Cities zu erforschen, wie auch ihren Einsatz in der Informations-Infrastruktur, dem Transportwesen, dem Energiewesen sowie der städtischen Verwaltung. Blockchain soll zum Teil der digitalen Regierung werden und helfen, den Daten-Austausch zwischen Städten, Regionen und Abteilungen zu verbessern.

Der Präsident will also eine kaum zu überschaubare Menge an Anwendungen der Blockchain fordern. Freie Kryptowährungen gehören offenbar nicht dazu. Man sollte sich keinerlei Illusionen darüber hingeben, was China von der Blockchain möchte: Es geht nicht um Freiheit und Unabhängigkeit, sondern um Kontrolle. Die Blockchain soll helfen, viele Bereiche der Wirtschaft, der Regierung und des Alltagslebens besser zu kontrollieren. Wer genauer wissen möchte, wozu die Kommunistische Partei digitale Technologien nutzt, sollte einmal das packende und erschreckende Buch “Die Neuerfindung der Diktatur” von Kai Strittmatter lesen, insbesondere die Kapitel über digitale Zensur und künstliche Intelligenz. Technologie ist für die chinesische Regierung vor allem interessant, um die Herrschaft über 1,4 Milliarden Menschen effizienter zu machen. Dass China und Deutschland relativ ähnliche Ideen darüber haben, für welche Bereiche die Blockchain einzusetzen ist, dürfte hier eher erschreckend als ermutigend sein.

Reaktionen

Die Reaktionen auf die Rede von Xi ließen nicht lange auf sich warten. Wie schon ewähnt, ist es denkbar, dass sie zur Explosion der Bitcoin-Preise am Wochenende beitrug. Aber das dürfte der geringste Effekt sein. Wie cnLedger berichtet, empfiehlt die beliebteste Bildungapp des Landes, Xuexi Quangguo, prompt Kurse, die sich ausschließlich der Blockchain widmen und auch Lektionen über Bitcoin und Ethereum enthalten. Wenn der Präsident über etwas redet, wird es nur wenige Tage später zum Teil der Bildungspolitik.

Auch die Medienpolitik passt sich augenblicklich an. Medienartikel, die sagen, Blockchains seien Betrug, werden nun zensiert. “Wer erinnert sich noch an die Zeit, als Posts, die Blockchain bewarben, fast augenblicklich gelöscht wurden?”, kommentiert cnLedger amüsiert.

Die Kurse von Aktien, die auch nur eine minimale Beziehung zu Blockchain haben, sind nach der Rede explodiert. “Zum Beispiel Xunlei, ein Unternehmen, dass Cloud-Downloading-Services verkauft und behauptet, tief in Blockchains investiert zu haben, hat seine Marktkapitalisierung über Nacht verdoppelt.” Wie Dovey Wan ergänzt, ist XNET, eine Art chinesischer Blockchain-ETF, um 70 Prozent gestiegen. Der Preissprung von Bitcoin ist mit 20-30 Prozent vor diesem Hintergrund geradezu niedlich.

Für cnLedger ist die Bedeutung der Ansprache von Xi kaum zu überschätzen: “Der Präsident von China redet selten über spezifische Technologien. Bis jetzt wurden nur das Internet und künstliche Intelligenz spezifisch angesprochen und vom Zentralbüro kollektiv studiert.” Blockchain habe also dieselbe Geltung in China erreicht wie die Künstliche Intelligenz – die in China ein absolutes Top-Thema in Wirtschaft und Regierung ist. Für jedes Unternehmen des Landes, das mit Blockchain arbeitet, wofür auch immer, haben sich die Chancen, Investment-Gelder zu finden, vervielfacht. Xis Ansprache wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Explosion chinesischer Blockchain-Anwendungen führen.

Dabei sollte man aber, wie bereits erwähnt, nicht erwarten, dass diese Projekte der Freiheit und Autonomie der Menschen in irgendeiner Weise helfen. Vielmehr werden sie die Kontrolle verfestigen, eventuell wirtschaftliche Prozesse verbessern, und im besten Fall helfen, Korruption transparenter zu machen.

Den Zielen treu bleiben

Ein Beispiel für das, was die Regierung mit der Blockchain vorhat, ist das “Herz der Kette“, eine App, die vom Propaganda- oder Nachrichtendepartement der Kommunistischen Partei entwickelt wurde. Der konkrete chinesische Begriff, der dabei im Zentrum steht, ist schwer zu übersetzen; im Englischen heißt er “original aspiration” oder “original intention”, was man als “usprüngliche Ziele” oder “den Zielen treu bleiben” übersetzen könnte. Der Begriff wurde von Xi 2017 geprägt, er ist ein Propagandainstrument, das dafür sorgen soll, dass die Parteimitglieder auf Linie bleiben.

Nun wird dieses Programm durch eine Blockchain-App unterstützt: Dem “Herz der Kette”. Diese soll es den Parteigenossen ermöglichen, ihre “usprünglichen Absichten” auf die Blockchain zu laden, sie dort zu bestätigen und an sie erinnert zu werden. So wie ich es verstehe, können die Genossen eine Art Gelöbnis, ihren Zielen für die Volksrepublik treu zu bleiben, auf die Blockchain laden, wo sie zum unveränderlichen Beginn einer Kette in der Kette wird. Die Aufzeichnung können – oder müssen – sie dann am Geburtstag der Partei öffnen, oder auch für alle Welt öffentlich machen. Alternativ kann das “Herz” auch jedesmal “abgeholt” werden, wenn der Genosse am Parteigebäude ankommt.

Die Genossen sollen also vor der Partei oder dem Volk für alle Ewigkeit für das verantwortlich bleiben, was sie am Anfang ihrer Kette gelobt haben. Die Blockchain wird sie fortlaufend an ihre eigentlichen Versprechen erinnern.

Der chinesische Stablecoin

Chinas Zentralbank PBOC (Bank des Chinesischen Volkes) ist nicht die einzige Bank, die einen eigenen Stablecoin plant, aber vielleicht die erste, die diesen erfolgreich umsetzt. Schon im August hat Bloomberg gemeldet, dass der Yuan-Coin Aussagen der Bank zufolge kurz vor der Veröffentlichung stehe. Dieser digitale Yuan soll, so ist geplant, das chinesische Bargeld ersetzen, also die Geldmenge M0, nicht aber das digitale und kreditgeschöpfte Geld.

Die Zentralbank forscht bereits seit fünf Jahren an der digitalen Währung. Diese soll, wenig überraschend, der Regierung mehr Kontrolle über das Geldwesen geben. Einem Patent zufolge sollen die Bürger des Landes eine App herunterladen, durch die sie ihre Yuan gegen digitales Geld tauschen können. Ob die Papier-Yuan dabei gescannt und ungültig gemacht werden, oder wie es ansonsten geplant ist, ist mir nicht bekannt. In jedem Fall soll diese Digitalisierung der Yuan der PBOC ermöglichen, jede einzelne Transaktion nachverfolgen.

Dieser schon weit gediehene Plan, einen digitalen Yuan auf Blockchain-Basis herauszugeben, dürften sicherlich mit eine Rolle gespielt haben, die Spitze der Kommunistischen Partei zu diesem Loblieb auf die Blockchain zu bewegen.

Das Krypto-Gesetz

Etwa zur gleichen Zeit, am 26. Oktober, hat die chinesische Regierung ein Krypto-Gesetz erlassen. Krypto meint hier ausnahmsweise nicht “Kryptowährung” sondern, ganz im eigentlichen Wortsinn, “Kryptographie”. Das “Büro der staatlichen Verwaltung der Kryptographie” hat das Gesetz erarbeitet. Es soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten und kryptographische Anwendungen und das Verwalten von Passwörtern standardisieren.

Das kryptographische Gesetz sieht vor, dass der Staat die Geheimhaltung von Passwörtern einführt.” Passwörter werden in “Hauptpasswörter, normale Passwörter und kommerzielle Passwörter” unterteilt. Hauptpasswörter sind für geheime Informationen des Staates, kommerzielle Passwörter sollen ökonomische Aktivitäten schützen. Wie genau das Gesetz die Passwortverwaltung spezifiziert, kann ich nicht sagen; es wird in jedem Fall mehrere Kategorie und gründliche Spezifizierungen geben, um den Umgang mit Passwörtern zu regulieren. Von einer Backdoor ist in den mir vorliegenden Quellen nichts zu lesen, aber es wäre nicht erstaunlich, wenn die Regierung sich vorbehält, Hintertüren für Accounts zu besitzen. Es wäre sogar denkbar, dass sie die von ihr verordneten kryptographischen Methoden so entwirft, dass die Regierung ein Masterpasswort hat, oder dass zumindest die der Verschlüsselung zugrundeliegende Entropie soweit abgeschwächt wird, dass die Regierung bei Bedarf jeden Schlüssel brute-forcen kann. Das wäre beispielsweise auch für Bitcoin-Wallets denkbar, ohne dass es der User merkt.

cnLedger schreibt über das Gesetz: “Die zentrale kryptographische Agentur (CCP) wird eine einheitliche Führung über die nationale kryptographische Arbeit haben, Schlüsselrichtlinien formulieren und nationale Sicherheitsaufgaben koordinieren. Das Department unterstützt kryptographische Forschungen, schützt das geistige Eigentum dieser Technologien, und ermutigt zu Innovationen in der Kryptographie und der public/private key Technologie. Keine Organisation und kein Individuum soll verschlüsselte Informationen von anderen Menschen stehlen oder illegal in durch Passwörter geschützte Systeme von anderen eindringen.”

Es sei ein ziemlich langes rechtliches Dokument, kommentiert cnLedger, das vielleicht eher an das ENCRYPT Gesetz der USA erinnere – ein Gesetz, das verhindern soll, dass staatliche Agenturen Backdoors in Hardware wie Smartphones einführen. Sollte dem so sein, wäre das Krypto-Gesetz Chinas überraschend hilfreich. Der Kern davon ist, meint cnLedger, dass “die Entwicklung neuer Kryptographie und Hashing-Algorithmen, vielleicht sogar die Nutzung der Technologie, unter der rechtlichen Aufsicht der Regierung geschieht. Das bedeutet, dass man den CCP-Standards bei allem folgen muss, was mit Verschlüsselung zu tun hat, was ein sehr breites Feld ist, und auch das Mining von Bitcoin-Blocks umfassen kann.” Die Regierung hat, muss man anerkennen, erkannt, dass die Kryptographie ein Zukunftsbereich ist, der für die gesamte Wirtschaft und Informationssicherheit extrem bedeutend ist. Ihn zu fordern ist ohne Zweifel eine Notwendigkeit, die von den europäischen Regierungen oft viel zu wenig erkannt wird.

Und noch mehr …

Es ist kaum möglich, die Nachrichten rund um die Rede von Xi Jinping zusammenzufassen. Interessant dürfte etwa sein, dass die China Merchant Bank, die sechsgrößte Bank Chinas und die zwölftgrößte Bank der Welt, in die Wallet BitPie investiert hat. Das ist die älteste und userstärkste Bitcoin Wallet in China. Dovey Wan meint dazu, es wäre ein Zeichen, “dass China beginnt, die Bitcoin / Cryptocurrency Infrastruktur im Kernland zu nationalisieren. Am Ende können alle Dinge in Staatsbesitz kommen, oder zumindest teilweise (Mining, Asics, Börsen, Wallet und so weiter).”

Am Samstag hat zudem ein Regierungs-Thinktank in der Provinz Sichuan ein Treffen veranstaltet. In diesem Treffen sagte ein Vorstand des Thinktanks, der ehemalige Vizevorsitzender der chinesischen Kommission für die Regulierung des Wertpapierhandels, Yan Jiang, dass die Kombination von Bitcoin, Blockchain und überschüssiger Hydroenergie in Sichuan das Potenzial zu noch mehr wirtschaftlicher Entwicklung habe. Laut Jiang werden etwa 70 Prozent aller Bitcoins in Sichuan geschürft. Er meint, Blockchains können “in jedem Wirtschaftszweig” eingesetzt werden, und Sichuan solle prüfen, wie die reichen Überschüsse an Hydroenergie den Standort weiterhin attraktiv für die Industrie um Kryptowährungen und Blockchains machen.

Gleichzeitig untersucht die lokale Verwaltung Mining-Standorte in Sichuan, die angeblich errichtet wurden, ohne die von der Regierung vorgeschriebenen Prozeduren zu beachten. Neben der Absicht, zu fördern, ist also auch der Wille erkennbar, zu regulieren und zu kontrollieren.

Diese beiden abschließenden Nachrichten zeigen, dass China im Begriff steht, die Kryptowährungs- und Blockchain-Industrie in den Apparate der staatlich gesteuerten Wirtschaft einzuordnen. Zusammen mit dem chinesischen Stablecoin, dem Krypto-Gesetz sowie den von Xi Jinping gesetzten Zielen zur Blockchain-Technologie könnte daraus ein Monster erwachsen, gegenüber dem die Blockchain-Ambitionen der EU, der USA und anderer Länder ins Zwergenhafte schrumpfen. Wie so oft haben die westlichen Nationen einer entschlossenen Offensive von China wenig entgegenzusetzen, vor allem, wenn es sich um eine Technologie wie die Blockchain handelt, die immer in vielfacher Wechselwirkung zum Finanzwesen, zum Recht und zur Regierung steht. Während sich Europa und die USA noch damit beschäftigen, wie die vielen Facetten dieser neuen Technologie unter einen einheitlichen Rahmen kommen, könnte sich China die Vorherrschaft über die Gestaltung der Blockchain-Technologie unter den Nagel reissen und sich einen großen internationalen Vorsprung sichern.

Dass China dabei die Blockchain vermutlich gnadenlos für Überwachung und Kontrolle einsetzt, anstatt für Freiheit und Autonomie, darf und muss Sorgen bereiten. Falls die EU und die USA einen Anteil an der Definition einer neuen Technologie haben wollen, und falls sie dafür sorgen wollen, dass die Blockchain nicht (nur) die Kontrolle, sondern (auch) die Aufklärung und individueller Souveränität befördert, wird es dringend Zeit, die Technologie auch hier intensiver zu fördern. Es kann sein, dass die Blockchain eines der technologischen Felder ist, auf dem die Art und Weise entschieden wird, wie Menschen in Zukunft zusammenleben.

Über Christoph Bergmann (1641 Beiträge)
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4 Kommentare zu China meint es ernst mit der Blockchain. Und zwar sehr ernst.

  1. “Zusammen mit dem chinesischen Stablecoin, dem Krypto-Gesetz sowie den von Xi Jinping gesetzten Zielen zur Blockchain-Technologie könnte daraus ein Monster erwachsen, gegenüber dem die Blockchain-Ambitionen der EU, der USA und anderer Länder ins Zwergenhafte schrumpfen. ” Genau das sehe ich kommen.
    Super Bericht, merci

  2. Maik Richter // 29. October 2019 um 20:02 // Reply

    Das Regierungen DLT zum Machtausbau missbrauchen werden war schon lange klar. Das China eine Vorreiterrolle übernehmen wird, auch. So gruselig wie vorhersehbar.

  3. Hans Frosch // 3. November 2019 um 9:29 // Reply

    China dürfte wohl denselben Ansatz wie Facebook zum Aufbau einer Kryptowährung verfolgen. Facebook’s Libra ist wohl schon gescheitert, bei einem “China-Coin” mache ich mir weit mehr Sorgen. Ein zentral gesteuerter Ledger ist zwar angreifbar wie Libra zeigt, aber wenn die Zentrale zu mächtig ist wie im Beispiel Chinas, so dürfte der “China-Coin” so viel Anwendungen finden, dass er selbst für uns Europäer zum Mainstream wird und wir unter die totale Kontrolle China’s geraten.
    Was also tun? Wir Europäer sollten die Distributed-Ledger-Technologie bedingungslos fördern, allerdings wirklich dezentrale Ansätze wählen. Die Macht der europäischen Politik wird sowieso schwinden. Mir allerdings ist es lieber, wenn wir einen wahrhaft dezentralen Ledger nutzen als wenn wir zu China’s Ledger gezwungen werden.

    • Mal gesponnen: Was, wenn China seine Kryptowährung an seine (einen Teil) Goldreserven koppelt? China stockt diese kontinuierlich massiv auf… Es könnte sogar ein “Korb” wie bei Libra geplant werden, nur z.B. aus Edelmetallen und anderen Rohstoffen. Notfalls können sie diese ja mit ihren Unmengen an Dollar Reserven aufkaufen, was sie ja scheinbar schon tun.
      Ehrlich gesagt ziemlich abgehoben, aber China traue ich jede Überraschung zu und DAS könnte den Dollar als Reservewährung komplett ins Schwanken oder gar zu Fall bringen, denn dieser wird hauptsächlich dadurch “gedeckt”, dass ihn alle nutzen. Das wäre dann aber nicht nur eine Erwiderung der Handelskriegserklärung, sondern wäre für Trump wohl eine tatsächliche Kriegserklärung.

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