Die größte Geldverbrennung aller Zeiten

Feuer. Bild von Robyn Jay via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Was macht man mit Coins, die keiner haben will? Man vernichtet sie, um immerhin den Wert der verbleibenden Coins zu erhöhen. Die Stellar Foundation verbrennt 55 Milliarden Stellar Lumen (XLM) Token – was beinah 4 Milliarden Dollar entspricht. Währenddessen läuft der Keybase-Airdrop an, der irgendwie zum Airdrop für die ganze Krypto-Szene wurde.

Manche Nachrichten sind wie Wein. Sie werden nicht schal, wenn einige Tage vergehen, sondern reifen. So etwa die Nachrichten, dass Stellar zwei Milliarden XLM Token an Keybase-User ausschüttet und dass die Stellar-Foundation 55 Milliarden XLM verbrennt. Richtig interessant werden diese Neuigkeiten erst, wenn einige Wochen vergehen und man beobachten kann, wie der Markt darauf reagiert.

Am 5. November hat die Stellar Foundation eine irrsinnige Aktion bekannt gegeben. In einem Post mit dem eher schnöden Titel “Die nächsten Schritte der Stellar Foundation” berichtet die Foundation kurz vor einem Treffen des Stellar-Ökosystems in Mexiko City, wo sich viele verschiedene Leute zum ersten Mal gesehen haben. Dieses Ereignis sei “das perfekte Setting für ein lange fälliges Update zu den Give-Away-Programmen von Stellar.” Alles, was die Foundation mache, habe den Zweck, Stellar zum globalen Zahlungsstandard zu erheben. Dann lässt die Foundation eine Bombe platzen:

Am Tag zuvor habe es noch etwa 105 Milliarden Lumen (XLM) gegeben: 20 Milliarden in Umlauf, 17 Milliarden in der Betriebskasse der Stellar Foundation, und 68 Milliarden, die dafür reserviert wurden, verschenkt zu werden. Denn die Lumen genannten Währungseinheiten der Stellar-Blockchain entstehen nicht durch Mining, sondern wurden am Anfang in den Wallets der Foundation erzeugt. Seitdem versucht diese, die Token durch strategische Partnerschaften zu verteilen, etwa mit SatoshiPay, Blockchain.info oder zuletzt Keybase.io (wir kommen darauf noch zurück). Diese Partnerschaften hatten immer größere Airdrops zur Folge. Nun merke man aber, dass die Giveaways und Airdrops “zurückgehende Effekte” haben, und dass die Menge an Token auf den Wallets der Foundation einfach zu groß sei.

Was also tun? “Wir haben uns entschieden, unsere Verteilung von Lumen zu reduzieren und uns stattdessen darauf zu fokusieren, was wir wir meinen, dass es Stellar am meisten braucht.” Daher hat die Foundation 5 Milliarden Lumen aus der Betriebskasse verbrannt, die nun “nur” noch 12 Milliarden Lumen enthält. Gleichzeitig beendet die Foundation ihr Giveaway-Programm und verbrennt 50 Milliarden der für dieses Programm reservierten 68 Milliarden. Dies geschah dadurch, dass die Foundation eine Transaktion ohne Signatur geschrieben hat, was wohl im Stellar-System einer Vernichtng gleichkommt.

Ein Stellar Lumen ist derzeit 7 Dollar-Cent wert. Wenn man diese Zahlen hochrechnet – man sollte das nicht ernsthaft tun – hat die Stellar-Foundation 3,85 Milliarden Dollar vernichtet. Ich glaube nicht, dass es jemals eine so große Geldverbrennung gegeben hat. Dennoch ist die Foundation weit davon entfernt, arm zu sein. Es gibt derzeit weiterhin 50 Milliarden Lumen, von denen lediglich 20 Milliarden im freien Umlauf sind, während die übrigen 30 Milliarden im Besitz der Foundation bleiben, als eine Ressource, um Stellar voran zu treiben. Damit hat die Foundation also auch nach dieser gewaltigen Geldverbrennung noch 60 Prozent aller verfügbaren Token, womit die Stellar-Ökonomie weiterhin eine der am stärksten zentralisiertesten Verteilungen von Coins aufweist.

Ob dieser Schritt nun wirklich viel hilft, sei mal dahingestellt. Der Preis ist zwar kurzzeitig etwas gestiegen, konnte aber den langanhalten Abwärtstrend nicht verlassen. Mit einem jedoch hat die Stellar Foundation recht: Die Airdrops funktionieren nicht (mehr) so richtig. Im September hat die Foundation zusammen mit der Chat-App Keybase.io das bisher größte Giveaway aller Zeiten veranstaltet: 2 Milliarden Lumen – derzeit 140 Millionen Dollar – werden in monatlichen Intervallen an User von Keybase.io ausgeschüttet, sofern diese einige wenige, relativ einfache Bedingungen erfüllen. Ich habe damals in einem Artikel beschrieben, wie man an dem Giveaway teilnehmen kann.

Es hat sich aber wohl relativ schnell gezeigt, dass die Leute es ausnutzen, wenn man so viel verschenkt. Wer hätte das auch denken sollen? Keybase musste einige Zeit nach der Bekanntgabe des Airdrops beginnen, den Zugang zu diesem zu begrenzen. Am Anfang hat es noch gereicht, wenn man mehrere “Paper Devices” sowie einen ausreichend alten Github-Account registriert. Das war eine Sache, die in wenigen Minuten erledigt ist. Mittlerweile beklagen sich aber immer mehr Leute, dass sie nicht an dem Airdrop teilnehmen können, obwohl sie alle Bedingungen erfüllen können. Keybase hat offenbar zahlreiche Länder von dem Lumen-Regen ausgeschlossen, weil es zu einem massiven Missbrauch kam. Dabei wurde wohl die Hälfte der Registrierungen zurückgezogen.

Aber auch das hilft nicht, um zu verhindern, dass die User den Airdrop in einer Weise nutzen, die vermutlich nicht im Sinne der Stellar Foundation ist. In den letzten Wochen ging es nämlich los, und wie sich zeigt, wollen zwar viele die Token er-, aber nur wenige behalten. So hat beispielsweise jemand eine Seite gebaut, auf der man seine Lumen gegen Lightning-Bitcoins tauschen kann. Auch ich habe heute Lumen bekommen – und zwar gar nicht so wenig, im Wert von 48 Euro – und sie prompt getauscht; nicht gegen BTC, sondern gegen Bitcoin SV, und einen Teil davon sofort verschenkt. Der Airdrop wird damit weniger zum Airdrop für Stellar, sondern zum Airdrop für die gesamte Krypto-Szene.

Wer beim Keybase-Airdrop mitmacht – oder wer es schafft, sich noch zu registrieren – hat eine einmalige Chance: Er kann sich Stellar abholen, diese gegen einen Coin seiner Wahl tauschen, die neuen Coins dann entweder sparen, oder sie eben verschenken, um den eigenen Lieblingscoin ein Stückchen mehr in Umlauf zu bringen.

Ach ja, weil ich noch ein wenig Bitcoin SV von meinem Airdrop übrig habe: Die ersten fünf, die in den Kommentaren eine Paymail-Adresse posten, bekommen je 3 Euro von mir.

Über Christoph Bergmann (1644 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

15 Kommentare zu Die größte Geldverbrennung aller Zeiten

  1. Hans Frosch // 18. November 2019 um 14:49 // Reply

    Ich denke, dass der Ausdruck “Geldverbrennung” so nicht zutreffend ist. Wir haben hier ja schon öfter über die problematische Kenngröße Marktkapitalisierung gesprochen. Problematisch und irreführend ist diese insofern, als dass sie nicht den tatsächlichen Wert reflektiert. Würde man 55 Milliarden Stellar statt sie zu verbrennen in den Umlauf bringen, so würde der Kurs dramatisch sinken. Dies sollte man bedenken.

  2. Ich finde Geldverbrennung mich sinnvoll und Ressourcen-Verschwendung. Besonders bei PoW Coins. Zuerst wurde viel Energie aufgewendet um Core na zu erzeugen, dann werden Sie verbrannt.

    Meine PayMail-Adresse kennst du:
    137@moneybutton.com

  3. Ob Airdropping zu einer vernünftigen Verteilung führt, ist in der Tat fraglich, ich sollte wohl meinen keybase.io Account wiederbeleben…
    Und wenn Du schon BSV loswerden willst, gerne: 12345@moneybutton.com (kein Witz, meine User-ID ist 12345…)

  4. Bitte um Korrektur des Eintrages. Das Tippen am Handy ausschalten ist schwierig:

    Ich finde Geldverbrennung nicht sinnvoll und Ressourcen-Verschwendung. Besonders bei PoW Coins. Zuerst wird viel Energie aufgewendet um Coin zu erzeugen, dann werden sie verbrannt.

    • Die Erzeugung von Coins beim Mining ist eher als Nebenprodukt anzusehen und deren Vernichtung ändert eigentlich nichts, denn die verbleibenden Einheiten sind beliebig teilbar. Der Reward ist nur als Motivation für die Sicherung der Chain gedacht. Der “Wert” eines Projekts ändert sich nicht mit der Anzahl der Einheiten…

  5. Da war der Paul wohl schneller 🙂
    12349@moneybutton.com

  6. Diese ganzen Coins sind ja auch sinnlos weil sie jeder produzieren kann obwohl es keinen Bedarf gibt.

    Die einzige Währung die nicht einfach auf den Markt geworfen wird sind tubes von bittube.Diese werden nur nach verbrauchter Zeit auf Webseiten ausgegeben.

    • Diese ganzen Coins sind ja auch sinnlos weil sie jeder produzieren kann obwohl es keinen Bedarf gibt.

      Genau. Und dann gleich auf einen tatsächlich unnützen Shitcoin übergehen. Aber selbst das kann man noch toppen und seinen Verschwörungsblog mit “Lügenpresse” Dünnschiss verlinken.

  7. Ausgang:

    Stellar: 30 Mrd. XLM

    Öffentlichkeit: 20 Mrd. XLM “flüssig” + 55 Mrd. “eingefroren”

    = 28,6% in Händen der Foundation

    jetzige Situation:

    Stellar: 30 Mrd. XLM

    Öffentlichkeit: 20 Mrd. XLM “flüssig”

    = 60% in Händen der Foundation

    Das ist kein Airdrop oder Geldverbrennung, das ist Scam ala Dash

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