Lightning Labs erhält 10-Millionen-Dollar-Investment

Plasma-Blitze. Bild von Ghost of Kuji via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Lightning Labs ist das Lightning Startup und gibt den beliebten Lightning-Node lnd heraus. Mit einem Investment von nun 10 Millionen Dollar hat es nun das Kapital, um seine Vision des offchain-Netzwerks voranzutreiben. Zugleich stellt Lightning Labs mit seinen ersten kommerziellen Service vor.

Es dürfte selten ein Finance-Video auf Yahoo mit einem so strahlenden Gesicht gegeben haben. Elizabeth Stark, Migründerin von Lightning Labs, berichtet dem Reporter von dem Investment-Deal ihres Startups und platzt dabei beinah vor ansteckender Freude. 10 Millionen Dollar. So viel hat bisher noch kein Lightning-Startup erhalten. Damit kann man viel machen, und vielleicht auch das Unschaffbare verwirklichen.

Von der Vision zum Ökosystem

Auf dem Blog der Firma feiert Elizabeth das Investment. Sie erzählt, dass sie schon 2014 davon geträumt habe, die „Application Layer“ – die „Anwendungsebene“ – für Bitcoin zu schaffen. 2016 hat sie mit Laolu Osuntokun Lightning Labs gegründet, um diese Vision zu erfüllen. „Ich wusste, dass Lightning ein hohes Volumen von Echtzeittransaktionen mit Bitcoin ermöglichen würde, und das hat meine Phantasie angeregt. Mich haben nicht nur die Anwendungen, die es schon gibt, fasziniert, sondern die ganze Welt der Möglichkeiten, die auftauchen würden.“

Danach berichtet sie euphorisch von dem, was seitdem passiert ist. „Wir haben eine Explosion des Wachstums gesehen unter Startups und Unternehmen, die Lightning integrieren. Wenn du mir gesagt hättest, dass wir so viel Fortschritt und Enthusiasmus seit der Beta erleben würden, hätte ich es nicht geglaubt.“ Mehr als 30 Unternehmen haben bisher LND integriert, viele sind dabei, es zu tun, und es gibt mehr als 4000 Entwickler und Tester, die etwas beigetragen haben. Dazu „haben wir den Aufstieg der Lightning Startups erlebt.“ Wallets, Zahlungsservices, Spiele, Finanzprodukte, dazu andere Implementierungen wie C-Lightning und Eclair, und Community-Projekte wie BTCPayServer, Nodl, Raspiblitz, die Lightning integrieren. Das Ökosystem rund um das Offchain-Netzwerk wächst rasant und hatte mit der Lightning Conference auch schon seine erste große Konferenz.

Und bei allem, mittendrin: Elizabeth, Laolu und das Team von Lightning Labs, das unermüdlich an der Software für LND, den am weitesten verbreiteten Lightning-Node arbeitet. Mit dieser Aufstellung gelang es Lightning Labs, Investoren dazu zu bewegen, ihre Geldbeutel zu öffnen.

Ein Maximalist unter den Investoren

Angeführt wurde die Investment-Runde von Craft Ventures, einem Wagniskapitalgeber aus San Franzisco, der bereits in einige Tech-Startups investiert hat, unter anderem die Lightning-App Fold. Mit 10 Millionen Dollar ist die Kapitalspritze an Lightning Lap das bisher größte Investment von Craft. Der Managing Director von Craft, Brian Murray, wird fortan dem Aufsichtsrat des Startups angehören. Murray wurde, schreibt Elizabeth, ein echter Lightning Experte; sie postet ein Foto von ihm mit einem „Hodlonaut“-T-Shirt, was eines der Erkennungszeichen der Bitcoin-Maximalisten ist.

Auf seinem Blog erklärt Murray die Motivation hinter dem Investment. Erstens geht es um Bitcoin, die Kryptowährung, die standardmäßig global und digital ist. „Während Bitcoin wächst, wird er immer mehr zu einem wichtigen Check der politisch motivierten Geldpolitik. Bitcoins Sicherheit- und Anreizmodell kann als der wichtigste technische Durchbruch des Jahrhunderts in Erinnerung bleiben.“ Zweitens geht es um Lightning, die wichtigste Layer-2-Skalierung von Bitcoin. Es funktioniert, es wird benutzt, es wächst, und es gibt immer mehr Lightning-Startups. Drittens spielt natürlich Lightning Labs selbst eine Rolle: „Elizabeth Stark und Olaoluwa Osuntokun sind zwei besondere Unternehmer.“ Sie seien schöpferisch dabei, Teams und eine Community zu bilden und gute Software zu schaffen. Ihnen gelang es, einige der „hellsten und entschlossensten Köpfe dazu zu bringen, bei Lightnig mitzuarbeiten.“

Weitere Investoren in diese Runde sind etwa Ribbit Capital, ein Fonds, der in zahlreiche Fintech-Startups investiert, darunter Coinbase, Revolut, Xapo und viele mehr, RRE, die sich in zahlreiche Krypto-Startups eingekauft haben, etwa Abbra, BitPay, Ripple, Bitnomial, Filecoin und die Digital Currency Group, sowie die breiter aufgestellten Tech-Investoren M13 und Slow. Dazu kommen noch einige individuelle Angel-Investoren.

Kapazitäts-Management mit Loop

Zeitgleich zu dem Investment geht Lightning Labs mit „Loop“ in die Betaphase. Dieses Werkzeug hilft, erklärt Elizabeth Stark, „Startups, Node-Betreibern und End-Usern, effizienter durch Lightning Geld zu senden und zu empfangen. Mit Loop können User Guthaben zwischen der Bitcoin-Blockchain und dem Lightning-Netzwerk in einer nicht-treuhänderischen Weise übertragen.“ Die dahinterstehende Technik sind die „Submarine Swaps“.

Mit Loop kann man zum einen Bitcoins in einem Lightning-Channel „onchain“ senden, etwa zu einer Börse oder einer Paperwallet. Das hilft dabei, die Channels zu leeren und dadurch eingehende Kapazität zu schaffen, was besonders für Händler, die Bitcoins per Lightning empfangen, wichtig ist. Zum anderen erlaubt Loop es, Bitcoins von der Blockchain in einen Lightning-Channel zu bringen. Das hilft, um ausgehende Kapazität zu schaffen, etwa wenn man seine User per Lightning bezahlt. Dieser Modus ist allerdings noch nicht aktiviert.

Um bei den involvierten Onchain-Transaktionen Gebühren zu sparen, bündelt Loop die Transaktionen, die dann auf Wunsch zeitverzögert ausgezahlt werden. Für die User fallen allerdings auch Service-Gebühren an, die je nach Modell zwischen 0,05 und 1 Prozent der versendeten Summe betragen. Mit einem solchen sowie weiteren Geschäftsmodell möchte Lightning Labs in Zukunft Geld verdienen.

Über Christoph Bergmann (1757 Beiträge)
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13 Kommentare zu Lightning Labs erhält 10-Millionen-Dollar-Investment

  1. Danke für die Dokumentation.

  2. Entwicklung privat finanzieren, ganz ohne Blockreward Steuer…
    Es geht ja anscheinend doch.

  3. Top Bericht! …und schön dass man die Ziegen live mit sat´s füttern/bezahlen kann 🙂

  4. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Hausdurchsuchung durch die Polizei, wenn man zuhause einen ausgehenden Lightning-Knoten betreibt? Das wäre ein Punkt, der mich davon abschrecken würde, einen solchen bei mir einzurichten.

    • Extrem hoch. Passiert quasi täglich. Meistens wird es schnell geregelt durch ein Erschießungskommando.

      • Danke, aber es ist schonmal vorgekommen, dass die Bullerei z.B. bei Leuten einen Besuch abgestattet hat, nur weil diese P2P-Trading betrieben haben. Da du so dicke Klötze hast, würde ich gerne wissen, wieviele Jahre du schon bei dir zuhause einen ausgehenden Tor-Node betreibst.

    • Ich lasse meinen Node komplett über Tor laufen. Kannst du ja auch machen 🙂

      • Mir geht es nicht darum einen Knoten hinter dem Tornetzwerk zu betreiben. Es geht um reine AUSGEHENDE Nodes, bei denen man selbst der letzte Verbindungspunkt zum Zielserver ist. Irgendwer muss ja diese betreiben, sei es in Lightning oder Tor. Ohne ausgehende Knoten funktioniert das ganze ja nicht, also muss es Beteiligte geben, die ein entsprechendes Risiko in Kauf nehmen. Bei Lightning besteht immerhin die Möglichkeit, Gebühren einzufordern, während das Tor-Netzwerk auf Altruisten angewiesen ist.

        (Sorry, Doublepost. Bitte den Beitrag von mir ganz unten löschen)

    • Paul Janowitz // 9. Februar 2020 um 18:54 // Antworten

      Derzeit würde ich das Risiko als relativ gering einstufen und das sage ich als jemand, der schon eine Hausdurchsuchung wegen P2P Trading hatte. Warum? Ganz einfach, die Behörden interessieren sich noch zu wenig für Kryptowährungen an sich, die Gefahr ist hingegen ziemlich akut, wenn es einen Kontakt zu Fiat gibt. Lediglich den Channelpartner sollte man sich gut aussuchen und nicht mit jedem (vor allem eingehenden) Peer einen Channel eröffnen. OnChain bleibt das Settlement ja immer zwischen Dir und Deinem Peer, die Verschiebungen OffChain sind schwer nachvollziehbar, wenn man das Lightning Netzwerk nicht permanent überwacht. Das Risiko könnte eher darin liegen, dass man als „Money Transmitter“ eingestuft wird, da der eigene Node aktiv am Routing von fremden Transaktionen teilnimmt. Dafür müsste meines Erachtens Bitcoin aber tatsächlich als Währung eingestuft werden und damit tut man sich derzeit noch schwer…

      Ohne Rechtsberatung halte ich OnChain derzeit aber für ein viel höheres Risiko, wenn man Bitcoin nicht über Payment Gateways wie Bitpay & Co. abwickelt, denn in der Regel kennt man seinen Kunden nicht ausreichend und hat auch nicht die Möglichkeit, seine Tx History zu scannen, bevor man eine Zahlung annimmt. Im Zweifel kann einem eine solche dank transparenter Blockchain noch nach Monaten oder gar Jahren auf die Füße fallen, wenn sich herausstellt, dass die empfangenen Coins aus einer Straftat stammen. Bestenfalls sperrt die Exchange den Account, schlimmstenfalls ist man mitten in einem Strafverfahren… https://bisq.community/t/dirty-btc-coins-on-the-xmr-market/7798
      Bisq ist dabei nur ein Beispiel, das kann einem Merchant genauso passieren, egal was er gegen Bitcoin anbietet.

  5. Mir geht es nicht darum einen Knoten hinter dem Tornetzwerk zu betreiben. Es geht um reine AUSGEHENDE Nodes, bei denen man selbst der letzte Verbindungspunkt zum Zielserver ist. Irgendwer muss ja diese betreiben, sei es in Lightning oder Tor. Ohne ausgehende Knoten funktioniert das ganze ja nicht, also muss es Beteiligte geben, die ein entsprechendes Risiko in Kauf nehmen. Bei Lightning besteht immerhin die Möglichkeit, Gebühren einzufordern, während das Tor-Netzwerk auf Altruisten angewiesen ist.

    • BSV ist besser.

    • Paul Janowitz // 11. Februar 2020 um 14:49 // Antworten

      […] während das Tor-Netzwerk auf Altruisten angewiesen ist.

      Das ist übrigens eine der größten Schwächen von TOR. Nicht, dass es an altruistischen (oder opportunistischen?) Exit Nodes mangeln würde, der durchschnittliche User ist sich nicht bewusst, dass sein Provider oder jemand der auf seinen Traffic Zugriff hat, ganz genau sieht ob der Node gerade empfängt oder sendet. Mit Deep Packet Inspection und Side Channel Attacken kann man noch viel mehr über den vermeintlich verschleierten Traffic herausfinden als man auf den ersten Blick meinen würde. Die Standardeinstellung des TOR-Browsers, nicht einmal Relay (ohne Exit) zu sein, halte ich für fahrlässig und diese führt zu einer deutlichen Netzwerktopographie Server (Relay) User.
      I2P hat das eleganter gelöst und jeder Node ist automatisch ein Relay (es sei denn man ändert das im Quellcode und kompiliert es selbst). Da es bei I2P praktisch keine „Exit“-Nodes ins Clearnet gibt, ist der Relay ziemlich unproblematisch und erzeugt durch das Routing von fremdem Traffic genügend „Noise“, so dass der eigene Traffic für einen externen Beobachter darin untergeht. Man profitiert als Node also von anderen Nutzern, die einem zu einer erhöhten Anonymität verhelfen.

  6. BSV kann bestimmt auch Lightning , braucht es aber garnicht.

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