2key: Eine Crypto-Paywall für Zoom

Video-Calls wie mit Zoom ersetzen derzeit die Kneipe, die Beratungstermine und die Volkshochschulkurse. Wäre es da nicht sinnvoll, das mit Zahlungen zu verbinden? Genau das verspricht 2key mithilfe eines Smart Contracts auf Ethereum. Wir haben es getestet – und meinen, es wäre auch einfacher gegangen.

Das Jahr 2020 ist das Jahr des Home-Offices und der Videokonferenzen. Großveranstaltungen und Kurse in Anwesenheit sind derzeit ausgesetzt, und je länger der Lockdown der physischen Anwesenheit greift, desto mehr weichen Menschen in den virtuellen Raum aus. Mit Sicherheit wird ein großer Teil zurück in die gute alte echte Welt gehen, wenn sich die Zustände wieder normalisieren.

Aber bei vielem werden sich die Menschen in Zukunft auch einige Fragen stellen. Warum soll ich eine Fahrt zu einer Veranstaltung auf mich nehmen, wenn es auch virtuell geht? Warum soll ich mich auf die Angebote vor Ort beschränken, wenn ich im Internet die freie Auswahl habe? Warum soll ich mir die Predigt des schnarchigen Dorfpfarrers reinziehen, wenn ich auch dem inspirierenden Prediger einer anderen Stadt lauschen kann? Weshalb soll ich mich mit den spärlichen Volkshochschul-Kursen meiner Kleinstadt zufrieden geben, wenn ich im Internet ein viel besseres Angebot habe? Warum soll ich 100 Kilometer reisen, weil es keine ArtNight in meiner Nähe gibt, aber ich dennoch lernen will, zu malen?

Die Corona-Krise ist, neben vielem anderen, ein Katalysator für eine Virtualisierung der Begegnungen. Manchmal muss man, könnte man sagen, die Menschen zu ihrem Glück zwingen, wenn es ihnen so schwer fällt, mir althergebrachten Angewohnheiten zu brechen. Die Zukunft wird vieles in den digitalen Raum verlagern, was heute noch die physische Ko-Existzenz verlangt.

Ein Problem dabei ist natürlich das Bezahlen. Während man für normale Veranstaltungen einfach an der Abendkasse seinen Obolus abdrückt, wird dies im Internet schwieriger. Kryptowährungen können hier ein Teil der Lösung sein. 2key Network hat nun eine Methode vorgestellt, die an DAS Softwareprodukt der Stunde andockt: an Zoom. Man mag von dem Werkzeug für Videokonferenzen halten, was man will – wegen der Datenschutzskandale auch gerne überhaupt nichts. Aber es ist keiner Software so gut gelungen wie Zoom, sich zum Standard für Video-Calls zu erheben.

Der Test der Zoom-Paywall

2key erlaubt es, einer Zoom-Session eine PayWall vorzuschalten. Das ist eine verheißungsvolle Idee. Man kann per Zoom jede Art von Kurs anbieten, oder auch Beratungen, und so vieles mehr, und dafür für den Einlass einen kleinen Betrag verlangen. Für Künstler, Experten, Musiker und so weiter könnte dies helfen, die Einnahmen zu ersetzen, die derzeit wegen der Kontaktbeschränkungen gnadenlos wegbrechen.

Also habe ich getestet, wie es in der Praxis funktioniert. Und, um etwas vorauszugreifen, sei hier gesagt, dass es noch weit davon entfernt ist, marktreif zu sein.

Man kann direkt auf der Startseite unter dem vielversprechenden Titel „Re-Inventing Video Calls“ einen Knopf drücken, auf dem steht „Create a Zoom SmartSession Now.“ Das „Now“ – also „Jetzt“ – ist nicht allzu wörtlich zu verstehen.

Beim ersten Klick erhielt ich nach etwa 30 Sekunden Ladezeit eine Fehlermeldung. Nach einigen Versuchen kam ich dann schließlich weiter und konnte mich mit Facebook, Google, Civic oder Email registrieren. Wenn man das gemacht hat, landet man in einem Dashboard, in dem man eine Wallet generieren kann. Eigentlich könnte man auch die geniale Metamask-Wallet im Browser verbinden, aber das hat bei mir nicht geklappt. Also habe ich eine „2key Wallet“ erzeugt: Passwort eingeben, Seed notieren, Seed bestätigen.

Aha. Und wie kann ich jetzt meine Zoom-Session mit Paywall starten? Das Dashboard in meinem 2key-Account.

Anschließend wurde es verwirrend. Im Dashboard wusste ich nun nicht mehr, wie ich den Zoom-Call starte. Nach einigem Suchen in den Menüs fand ich die Option, eine Kampagne zu anzulegen. Das habe ich gemacht, einen Namen eingegeben, und bekam erstmal einen weiteren Ladefehler. In einem Infofeld erfuhr ich schließlich, dass derzeit nur „2key Launch Partners“ eine Mainnet-Kampagne starten können, während die anderen im Ropsten-Testnet operieren müssen. Einen „Smart Link“ konnte ich auch nicht bilden. Allerdings fand ich dann die Option, eine Zoom-Session zu starten. Dazu sagt die Seite: „Konvertiere jede URL in einen 2key link, und verbreite diesen durch ein Pay-to-Click Modell.“ Klingt gut.

Ich klicke den Button und werde zu Zoom weitergeleitet. Dort logge ich mich erneut mit Facebook ein, erteile die erforderliche Genehmigung und lande wieder auf 2key. Es scheint zu funktionieren. Dort muss ich allerdings noch einmal eine 2key-Wallet generieren. Also: Passwort eingeben, Seed-Phrade kopieren und bestätigen. Nun kann ich eine Session anlegen. Ich gebe einige Informationen ein, wie sie heißt, wann sie startet, wann der Verkauf der Eintrittskarten beginnt und so weiter. Aber auch nachdem ich alle Felder ausgefüllt habe, bleibt der Button, um die Session zu erzeugen, grau.

An der Stelle breche ich meinen Test ab. Schade. Das Produkt ist definitiv noch nicht soweit, dass es jemand außerhalb der technischen Community von Ethereum benutzen kann. Es ist verwirrend und funktioniert, zumindest bei mir, noch nicht.

Die Technologie dahinter: Smart Contracts mit State Chains in einem schnöden Link

Nachdem ich an der Praxis gescheitert bin, schaue ich mir die Theorie an. Der Slogan von 2key ist „Reinventing the Link“, also: „Wir erfinden den Link neu.“ Das Konzept ist wohl, über einen Ethereum-Smart-Contract Links mit Zahlungen zu verbinden und eine Art Affiliate-System durch die Linkkette hinweg aufzubauen. Also: Ich bilde einen Link und teile ihn, und ihr teilt ihn weiter, und wenn jemand über den von euch geteilten Link etwas bei mir bestellt, bekommt ihr einen Anteil. Das ist nicht unbedingt neu, hier aber mit Blockchain und Smart Contract, und damit auf Basis einer „vertrauenslosen Infrastruktur.“

Es gibt auch noch einen kleinen, aber vielleicht feinen Unterschied zu den herkömmlichen Affiliate-Links.

Ein Whitepaper erklärt, wie 2key technisch funktioniert. Von diesem gibt es auch eine Kurzform, das „Litepaper.“ Das erklärt zunächst, dass die Online-Werbeindustrie praktisch von Google und Facebook übernommen wurde. Die beiden Konzerne kontrollieren 84 Prozent der Werbeerlöse außerhalb Chinas. Diese Zentralisierung hat natürlich viele Probleme, vor allem für kleine Unternehmen und Organisationen, für die es kaum mehr möglich ist, ihre Zielgruppe ohne diese Plattformen zu finden und zu erreichen.

Dann stellt das Litepaper Links als Alternative vor. Einen Link zu teilen generiert einen ökonomischen Wert. Es ist im Grunde Werbung, für Produkte, Dienstleistungen und Content aller Art. Links zu teilen ersetzt die Werbung über große Plattformen durch die Werbung über die menschlichen Beziehungen. Was bei Google und Facebook ein Algorithmus ist, sind bei Links Menschen. An dieser Stelle setzt 2key an. Das Projekt möchte Links durch Smart Contracts noch besser machen.

Denn dank der Blockchain-Technologie von Ethereum „erlaubt es einfachen Links, jede Person die sie geteilt oder mit ihnen interagiert hat, nachzuverfolgen. So bildet sich eine Aufzeichnung der Kette von Link-Teilungen.“ Damit wird die Kette der Links und Belohnungen noch feiner: Wenn du einen Link von mir teilst, und derjenige, der ihn erhalten hat, ihn wieder teilt, wirst auch du eine Belohnung bekommen, wenn jemand, der den Link am Ende der Kette geklickt hat, etwas bei mir kauft. Man profitiert auch dann, wenn der Link indirekt zu einer Zahlung führt.

Technisch ist das ganze durchaus interessant, wenn auch etwas arg verkopft. So verpackt 2key einen Smart Contract in einem normalen Weblink. Der Smart Contract wird in JavaScript ausgeführt, und mit den öffentlichen Schlüsseln der Teilnehmer signieren. Die User nutzen also einen Smart Contract, wenn sie Links teilen, ohne davon viel mitzubekommen. Dafür hat 2key ein Protokoll gebildet, das zur Brücke zwischen Browser und Blockchain wird. „Es erlaubt Menschen, einfach Smart Contracts zu benutzen, ohne Eintrittsschwellen oder komplexe Programme. Der Übergang ist so sanft, dass die meisten User davon überhaupt nichts mitbekommen.“

Um ausreichend gut zu skalieren ist 2key auf einer selbstgebauten „Second-Layer Ethereum-Lösung“ gebildet, die, so das große Versprechen, „das Blockchain-Trilemma zertrümmert“. Das Blockchain-Trilemma besagt, das eine Blockchain nicht gleichzeitig sicher, dezentral und skalierbar sein kann. Der Name von 2keys Lösung ist „Multi-Party State Networks.“ Dabei schaffen die Teilnehmer sogenannte „State-Channels“, indem sie kryptographisch signierte Links teilen. Es funktioniert so leicht wie das Teilen normaler Weblinks, bildet dabei aber einen State-Channel eines Smart Contracts, an dem auch eine große Menge an Usern beteiligt sein kann. Die Idee, ein Zahlungs- oder Statechannels durch Links aufzubauen, ist faszinierend.

Natürlich darf neben Smart Contracts und Second-Layer noch ein drittes Element nicht fehlen: Das Token. Die 2key-Token (2KEY) sind ERC20-Token, also Standardtoken auf Ethereum, die die native Währung des 2key-Netzwerks darstellen. Sie werden für jede Aktivität benötigt: Für den Start einer Kampagne sowie für die Belohnung für Teilnehmer.

Die komplizierteste Methode, die man sich vorstellen kann

Selbstverständlich ist diese Technologie interessant. Ein Smart Contract, State Channels, Token, komplexe Kryptographie in Links. Dahinter stehen sicherlich technische Glanzleistungen. Aber, um ehrlich zu sein: Ist das wirklich alles nötig, damit Leute dafür bezahlen, einem Zoom-Call beizutreten?

Hätte es nicht einfach gereicht, den Link hinter einer schnöden PayWall zu verbergen? Man kann das für Bitcoin bzw. Lightning mit paywall.link machen, für Ethereum mit dem Unlock Protokoll, für Bitcoin Cash mit SatoshiWall.Cash, und für Bitcoin SV mit bit.sv. Wenn es einem nur darum geht, eine PayWall für Zoom-Calls zu installieren, ist 2key die vermutlich komplexeste denkbare Methode. Der Slogan, 2key erfinde Links oder Video-Calls neu, dürfte daher ganz zutreffend sein: Dasselbe, aber in kompliziert.

Über Christoph Bergmann (1849 Beiträge)
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