Lightning Labs veröffentlicht lnd 0.10: Gleich zwei Meilensteine für das Lightning-Netzwerk?

Ein Blitz schlägt ein. Bild von Kent Rasmussen via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der Release von lnd 0.10 könnte in die Geschichte des Lightning-Netzwerks eingehen. Die nun aktivierten Multi-Path-Payments werden vor allem größere Zahlungen sehr viel flüssiger machen, und die Implementierung von Partially Signed Transactions erlauben es, einfacher einen Channel aufzubauen. Beides könnte der Durchbruch für dringend notwendige Verbesserungen der Benutzererfahrung werden.

Das Lightning-Netzwerk ist der große Hoffnungsträger der Bitcoin-Szene. Durch die offchain-Zahlungen soll Bitcoin endlich weit genug skalieren, um als Zahlungsmittel in Konkurrenz zu Kreditkarten und PayPal zu treten. Unendlich viele Transaktionen, egal welcher Größe, in Echtzeit bestätigt, so gut wie keine Gebühren, und dazu noch äußerst privat – das sind die Versprechen, die man sich von Lightning macht.

Die Praxis hinkt diesen Versprechungen oft noch hinterher. Oft dauert es lange, bis ein Smartphone eine Route durch das Netzwerk findet, um eine Zahlung beim Empfänger abzuliefern, und gerade bei größeren Beträgen ab etwa 20 Euro findet die Wallet oft überhaupt keinen Pfad. Diese Probleme werden gerne als Kinderkrankheiten abgetan: Das Lightning-Netzwerk ist komplett neu, es handelt sich nicht nur um eine andere Blockchain, die das bereits bekannte Konzept von Bitcoin kopiert, sondern um eine vollkommen neuartige Methode, Werte auf einer Blockchain zu übetragen, ohne die Blockchain selbst zu verwenden. Die Technik steckt noch in ihren Kinderschuhen. Wenn sie reift, werden die derzeitigen Probleme hinfällig.

Mit dem Release von lnd 0.10 zeigt Lightning Labs, dass die Lösung einiger Probleme in Reichweite ist. Bereits mit lnd 0.90 hat das Startup im Januar die ersten Bausteine für „Atomic Multi-Path Payments“ (AMPP) gelegt. Dies erlaubt es, „dass der Sender eine Zahlung in verschiedene Teile aufspaltet, die der Empfänger dann wieder zusammensetzt.“ Das lange erwartete Feature bringt viele Vorteile: „Es vereinfacht die Useerfahrung, da nun Guthaben von verschiedenen Channels kombiniert und benutzt werden können, als wären sie in einem Channel.“ Die Möglichkeit, eine Zahlung aufzuspalten, verbessert vor allem das Routing, insbesondere von größeren Zahlungen. Das ist leicht erklärbar: Es ist einfacher, einen Beutel voll Sand durch ein Gitter laufen zu lassen, als einen Beutel mit Steinen. Je kleiner die Teile sind, desto einfacher finden sie ihren Weg durchs Netzwerk. lnd 0.90 hat Multi-Path Payments bereits auf Empfänger-Seite eingerichtet, was allerdings nicht viel gebracht hat, da die Sender-Seite fehlte. Mit lnd 0.10 wurde dies nun nachgeholt. Damit sind Multi-Path Payments offiziell live.

Aber das ist noch nicht alles. Neben AMPP unterstützt lnd mit Version 0.10 auch Partially-Signed Bitcoin Transactions (PSBT). Dies sind Transaktionen, die nur zum Teil signiert sind. Mit lnd kann man nun auch mit solchen teilweise signierten Transaktionen einen Payment-Channel öffnen. Dies erlaubt es unter anderem, dass die Channels nun direkt von einer Hardware-Wallet oder einer anderen Wallet wie Electrum eröffnet werden können, oder dass man gleichzeitig mehrere Channels mit einer einzelnen Transaktion bilden kann.

Natürlich dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die neuen Features von lnd in allen Wallets ankommen. Vermutlich einige Monate. Aber die Wirkung von allem von AMPP dürfte ziemlich schnell und deutlich spürbar werden.

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Ein Kommentar zu Lightning Labs veröffentlicht lnd 0.10: Gleich zwei Meilensteine für das Lightning-Netzwerk?

  1. Paul Janowitz // 4. Mai 2020 um 19:22 // Antworten

    Schön zu sehen, dass zumindest Lightning noch sinnvolle Entwicklung erfährt!

    Man sollte aber beachten, wie komplex das Protokoll an sich bereits geworden ist und damit wahrscheinlich auch anfälliger für Bugs. Aber kommen wir lieber zu den Features…

    Multi Channel Öffnungen ermöglicht durch Teilsignaturen dürften insbesondere für Dienstleister wie Börsen interessant sein, die dann Channels in Batches für z.B. 100 Kunden auf einmal eröffnen könnten, die Sache der Keys mal außen vor…

    Das Splitting von Zahlungen dürfte in der Tat interessanter sein, aber auch da stellen sich Fragen, was passiert, wenn eine der sagen wir Mal 10 Routen doch nicht klappt, weil einer der Nodes dazwischen gerade offline geht und das Payment scheitert? Dabei geht nichts verloren, aber beim Empfänger kommen eben erstmal nur 9 der 10 Payments an. Wallets müssten das tracken und ggf. eine neue Route bilden, um die Zahlung zu vervollständigen. Im Prinzip müssen sie das autark machen, vor allem wenn man bei Payments von den Fiat-Kursen ausgeht und wie die meisten Dienstleister mit wie Bitpay 15-Minuten Zeitfenstern arbeitet… Aber auch die Kapazität ist nicht mal eben x10 wenn man Multi-Channel Payments einführt, sondern eher x2 oder so, da wenn eine Zahlung von 30 Euro scheitert, der größte Channel vielleicht 20 hergegeben hat. Eine Zahlung von 50 wird dann auch mit 5 anderen Channels kaum machbar sein.

    Eigentlich müsste man Lightning wie einen Altcoin betrachten, denn mit den Grundprinzipien von Bitcoin hat es eigentlich nichts mehr zu tun, aber immerhin ist es ein Altcoin, der aktiv weiterentwickelt wird, was auf 95% oder mehr Projekte nicht zutrifft.

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