Trump-Regierung ernennt ehemaligen Coinbase-Manager zum obersten Bankenaufseher der USA

Twitter-Profil von Brian Brooks.

Der ehemalige „Chief Legal Officer“ der US-Kryptobörse Coinbase wird zum „Comptroller of Currency“. Damit führt er die vermutlich wichtigste Behörde der US-Bankenaufsicht an. In „Blockchain und Krypto“ sieht er ein großes Potenzial.

Das Fenster, in denen es Regierungen möglich war, Kryptowährungen zu verbieten, schließt sich. Auf der einen Seite halten immer mehr Politiker Bitcoins und würden durch ein Verbot den eigenen Geldbeutel treffen; auf der anderen Seite spült der Erfolg von Kryptowährungen immer mehr Manager aus der Krypto-Branche in die hohe Politik.

Das vielleicht schillerndste Beispiel dafür ist Brian Brooks. Der 51-Jährige versteht es offenbar meisterlich, ohne ideologische Pfründe die Seiten zu wechseln. Er leitete zuerst eine Anwaltskanzlei, wechselte dann ins Bankenwesen, wo er einer der führenden Manager bei der Megabank Fannie Mae wurde, bevor er dann bei der US-Kryptobörse Coinbase einstieg. Sein üblicher Job ist ein „Chief Legal Officer“ (CLO), also der Chef über die Juristik – bei Banken und Kryptobörsen eine zunehmend wichtige Aufgabe. Anfang April wurde er von US-Finanzminister Steven Mnuchin als CEO ins „Office of the Comptroller of the Currency (OCC)“ berufen. Seit Anfang Juni übt er nun dieses Amt aus.

Das OCC ist ein unabhängiges Organ des US-Finanzministerium. Es hat die Aufgabe, die US-Banken zu beaufsichtigen, zu regulieren und zu genehmigen. Damit nimmt es eine führende Stellung im komplexen Gewebe der US-amerikanischen Finanzaufsicht ein.

Dass eine solche Position nun mit jemandem aus der Krypto-Branche besetzt ist, ist natürlich vielversprechend. In einem Interview mit der Forbes, das letzte Woche erschien, erklärt Brooks einige seiner Ansichten – natürlich unter der Wahrung der politischen Vorsicht und Neutralität, die ein Job wie der seine verlangt. So meint er, er sei „bullisch“ für  neue Technologien, darunter künstliche Intelligenz und Blockchain. Er sieht in der Blockchain-Technologie das Potenzial, „alle Arten von Daten in einer dezentralen Weise zu verbinden“. Dezentrale Netzwerke, wie die Kryptowährungen Bitcoin, Ether und Ripple (XRP), findet er interessant. Laut der Forbes versteht er auch die Unterschiede zwischen den Kryptowährungen. Im Allgemeinen scheint es ihm aber vor allem darum zu gehen, die Technologie zu nutzen, um antiquierte Methoden im Finanzwesen zu modernisieren, seien es die oft teuren und langsamen Bank-Transaktionen, sei es die auf Bergen aus Papier gebaute Regulierung.

Es gibt bereits zwei Gesetzesentwürfe bzw. -diskussionen des OCC unter der Leitung von Brooks, die laut Berichten Kryptowährungen gegenüber eine wohlwollende Haltung einnehmen. Ob dies so ist, fällt mir schwer, zu beurteilen, aber ohne Zweifel dürfte die Behörde unter dem neuen Comptroller offen für Innovation sein und darauf achten, dass US-Banken in dem Bereich nicht (noch weiter) ins Hintertreffen geraten.

In einem Artikel Anfang des Jahres beschreibt Brooks seine Meinung zu einigen Fragen der Krypto-Regulierung, von denen er annimmt, dass sie 2020 debattiert werden. Das erste Thema ist die Bedrohung der monetären Souveränität durch Kryptowährungen wie Bitcoin oder das damals von Facebook noch geplante Libra. Hierüber wird bereits diskutiert; Brooks vergleich Kryptowährungen mit Bonuspunkten von Fluggesellschaften oder Kreditkartenanbietern, die an sich ebenfalls wie ein privat herausgegebenenes Geld funktionieren. So wie in diesen niemand eine Bedrohung der monetären Souveränität erkennt, bestehe diese auch nicht für Kryptowährungen.

Ferner werde es, meint Brooks, eine verschärfte Debatte darüber geben, dass Kryptowährungen für Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere illegale Aktivitäten missbraucht werde. Allerdings finde der allergrößte Teil der globalen Geldwäsche weiterhin durch Banken statt. Und behaupte irgendjemand, dass diese der hauptsächliche Zweck des Bankenwesens sei? Der Anteil der illegalen Transaktionen bei Bitcoin sei winzig. Dennoch erkennt er an, dass Kryptobörsen in dieser Beziehung oft noch weniger reif als Banken seien, was angesichts der Neuartigkeit von Kryptowährungen aber verständlich sei. Doch die Regulierung und Lizensierung schaffe bereits jetzt hohe Standards.

Die dritte Debatte sieht er über Privacy Coins, also Kryptowährungen mit einer verbesserten Privasphäre, etwa Monero oder Zcash. Er kann verstehen, dass diese zunächst Ängste und Befürchtungen wecken. Aber er vergleicht sie mit dem „https“-Protokoll fürs Internet, bei dem sämtliche Daten zwischen Browser und Webseite verschlüsselt werden. Auch dies war am Anfang kontrovers, ist heute aber der absolute Standard.

Natürlich hat Brooks diesen Text geschrieben, als er noch bei Coinbase gearbeitet hat. Man sollte aber annehmen, dass er auch in seiner neuen Position dem zumindest ein Stückweit treu bleiben wird. Allerdings ist auch zu erwähnen, dass Coinbase eine der am strengsten regulierten Kryptobörsen ist. Die Klagen, dass Guthaben eingefroren werden, weil sie direkt oder indirekt Kontakt zu Mixern und Darknetmärkten hatten, sind Legion. Die spannende Frage wird nun sein, ob Brooks als einer der obersten Bankenaufseher die auch von ihm eingeführte Regulierung zu allen Börsen tragen wird – oder ob er die allgemeine Regulierung so lockert, wie er es als CLO von Coinbase gerne gehabt hätte.

Über Christoph Bergmann (1791 Beiträge)
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