JP Morgan möchte in Ethereum-Unternehmen ConsenSys investieren

JP Morgan Gebäude in London. Bild von Gideon Benari via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die US-Großbank JP Morgan plant, eine Partnerschaft mit der zentralen Ethereum-Entwicklerschmiede ConsenSys einzugehen und dabei mehr als 20 Millionen Dollar in das Unternehmen zu investieren.

So schnell kann es gehen. Noch vor drei Jahren zog JP Morgans Boss Jamie Dimon über Bitcoin her. Nun bemüht sich die US-Großbank, sich in die Ethereum-Entwicklerschmiede ConsenSys einzukaufen.

Ungenannten Quellen zufolge möchte die Bank 20 Millionen Dollar in das Startup im Zuge eines 50-Millionen-Dollar-Deals investieren. Dabei soll ConsenSys die von JP Morgan entwickelte und auf Ethereum basierende Quorum-Blockchain übernehmen. Quorum wird von JP Morgan genutzt, um das Interbank Information Network zu betreiben, ein Zahlungsnetzwerk, an dem sich mehr als 300 Banken beteiligen. Angeblich möchte JP Morgan auf diesem auch eine eigene Währung, den JPMorgan Coin, herausgeben, der für Echtzeit-Zahlungen durch eine Blockchain genutzt wird.

Genaue Details zu der Partnerschaft sind noch nicht bekannt und sollen wohl im Lauf der kommenden sechs Monate ausgehandelt werden. Es könnte jedoch zum größten Investment einer traditionellen Bank in ein Krypto-Unternehmen werden.

Vermutlich geht es der Bank mit der Partnerschaft weniger um Kryptowährungen, als um die technische Kompetenz, die ConsenSys bündelt. Das von Joseph Lubin gegründete Ethereum-Startup ist das wichtigste Zentrum von Ethereum. Mit Infura stellt ConsenSys zahlreiche Ethereum-Knoten, deren APIs die Basis von immer mehr Anwendungen sind, da ein eigener Ethereum-Node eine immer größere Belastung wird. Schon Anfang 2018 hat Infura mehr als 6,5 Milliarden Anfragen verarbeitetet, was heute noch viel mehr sein dürften. Daher wird seit langem und zu recht geklagt, dass Ethereum extrem um Infura zentralisiert ist.

Mit MetaMask entwickelt ConsenSys die vermutlich am häufigsten verwendete Ethereum-Wallet. Daneben gibt es zahlreiche weitere Produkte und Dienstleistungen. So bietet ConsenSys Smart Contract Audits an, hilft Unternehmen, eine Enterprise Ethereum Blockchain aufzusetzen und mehr. Insgesamt nimmt ConsenSys eine beherrschende Stellung im Ethereum-Ökosystem ein.

Es dürfte für JP Morgan also eine gute Option sein, in das Unternehmen zu investieren. Für die Bank verspricht die Partnerschaft einerseits den Zugriff auf die technische Kompetenz von ConsenSys, um die eigenen Blockchain-Lösungen zu verwalten und umzusetzen. Andererseits gewinnt sie mit der Partnerschaft einen erheblichen Einfluss auf das Ethereum-Ökosystem, was nützlich werden könnte, falls Ethereum das Versprechen erfüllt, die Kerninfrastruktur des künftigen Finanzwesens zu werden. Für ConsenSys dagegen dürfte ein Investment von JP Morgan eine willkommene Einnahmequelle sein. Ob dies auch für Ethereum an sich gut ist, ist wiederum eine andere Frage …

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4 Kommentare zu JP Morgan möchte in Ethereum-Unternehmen ConsenSys investieren

  1. Was haltet Ihr von der Höhe des Invest, 20 Mio.? Eher ein Witz oder geht’s um Diversifikation? Oder billig Einblick in die Technologie bekommen? Jedenfalls trauen diese Bankster ihrem eigenen „Geld“ nicht mehr. Halt Fiat.

    • Wenn du dir ein Ziel gesetzt hast und die andere Seite sagt dir einen Preis (z.b. 20 Millionen), würdest du dann freiwillig mehr zahlen oder eben den Preis den die andere Seite verlangt?

      Wir kennne den genauen Hintergrund des Deals nicht, aber wenn Käufer und Verkäufer zufrieden sind, wer sagt das es nicht die richtige Höhe ist?

    • Paul Janowitz // 17. August 2020 um 14:47 // Antworten

      Schwer zu urteilen, ohne die Details zu kennen.
      Laut Crunchbase hatten sie bisher nur eine Finanzierungsrunde über 10 Mio. USD, andererseits haben sie in 24 andere Startups investiert, meist jedoch „Pre-Seed“ und da geht es oft nur z.B. um ein Praktikum-ähnliches Arrangement, in dem der oder die Gründer ein wenig Gehalt bekommen um über die Runden zu kommen und das Büro sowie Infrastruktur mit-nutzen dürfen, dafür können sie ihr Produkt so weit entwickeln, dass man es potenziellen Investoren vorstellen kann:
      https://www.crunchbase.com/organization/consensus-systems/company_financials#investments

      Wie viele Shares sie selbst an JP Morgan abgeben, bleibt verborgen, aber die Größenordnung dürfte durchaus stimmen, denn ihr Geschäftsmodell ist nicht beliebig skalierbar wie z.B. ein Facebook oder Twitter, sondern umfasst mit Consulting und Auditing Leute mit enormer Expertise, die tatsächlich gebunden sind.

      Zudem ist die Entwicklung von Ethereum 2.0 sehr ungewiss, erst am Wochenende war das Testnet mal eben 16 Stunden offline, weil man beim Staking auf die Synchronisierung auf NTP Server gesetzt hat, um sich zu synchronisieren, diese sich aber als zu wenig zuverlässig erwiesen haben. Betroffen war zwar „nur“ eine von derzeit zwei Implementierungen „Prysm“, aber diese stellte die absolute Mehrzahl an Nodes. Man will den Mainnet launch wohl doch noch weiter verschieben…
      ConsenSys könnte zwar auch auf eine andere Blockchain setzen, aber die Musik spielt bisher eben auf Ethereum und ohne an die bestehenden Projekte andocken zu können, ergeben viele neue Projekte keinen Sinn mehr. Auf einen möglichen Nachfolger würde man sich wohl erst einigen, falls es mit ETH2.0 wirklich nicht klappen sollte.

      • Paul Janowitz // 18. August 2020 um 11:28 //

        Hier ein kurzer Nachtrag zur (Nicht-)Dezentralisierung bei Ethereums tatsächlichen Full „Archival“ Nodes:

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