New Yorker Investment-Fonds Stone Rich hält 10.000 Bitcoins: Corona treibt Investoren zu Bitcoin

Irgendwo in diesem Betondschungel ist die Wall Street und vermutlich auch der Bitcoin-Schatz von NYDIG. Bild von Bradley Weber via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der New Yorker Investment-Fonds Stone Rich gibt bekannt, dass er Bitcoins im Wert von 115 Millionen Dollar besitzt. Damit das möglich wurde, musste der Vermögensverwalter zunächst eine Tochterfirma gründen, die die Bitcoins sicher verwahrt. Seit der Corona-Krise ist der Service mehr denn je gefragt.

Die ziemlich interesante Geschichte, die der Forbes-Autor Michael del Castillo erzählt, beginnt vor gut drei Jahren. Damals, als Bitcoin und Krypto gerade auf die Spitze der 2017er-Blase zusteuerte, deckten sich die Gründer und Mitarbeiter des New Yorker Investment-Fonds Stone Rich mit Bitcoins ein, was das Zeug hielt. Die Kunden des Fonds wollten dasselbe, und weil die Gründer des Fonds an den langfristigen Wert von Bitcoin glaubten, beschlossen sie, die Kompetenz aufzubauen, Bitcoins regulatorisch konform zu erwerben und technisch sicher zu verwahren, und diese Kompetenz ihren Kunden anzubieten.

Aus dem Projekt entstand die „New York Digital Investment Group“ (NYDIG), eine Tochtergesellschaft von Stone Rich, die aber nicht zu 100 Prozent dem Fonds gehört, sondern auch von anderen Investoren Kapital einholen konnte. Im Zuge eines Deals von Investoren gab Stone Rich letzte Woche bekannt, dass die NYDIG 10.000 ihrer Bitcoins hält, die heute 115 Millionen Dollar wert sind. Wann Stone Rich diese Bitcoins gekauft hat, ist allerdings nicht bekannt.

Bekannt ist jedoch, dass der Service der NYDIG seit dem Frühjahr – seit Covid-19 – stärker gefragt ist als je zuvor. Die Forbes nennt den Grund: Unternehmen mussten schließen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, weshalb die Unternehmen von den Regierungen Geld bekamen, und die Regierungen Milliarden, wenn nicht Billionen, von Dollar in die Wirtschaft werfen. Und während die Arbeitslosigkeit weiter ansteigt, bleiben die Märkte überraschend stabil, was, so Stone Rich Mitgründer und Geschäftsführer Robert Gutmann in einem Interview, „in einem Gefühl des bevorstehenden Kollaps resultiert.“ Die Folge ist „ein ziemlich dramatischer Anstieg der Anzahl von institutionellen Investoren, die seit März in diesem Markt teilnehmen wollen.“ Die Ereignisse um Corona und die Krise „haben eine Menge Leute dazu gebracht, die Zusammenstellung ihres Portfolios zu überdenken.“ Das Vertrauen in das Finanz- und Geldsystem hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Die NYDIG macht vor, wie man heute einen professionellen Krypto-Verwahrungsservice für institutionelle Investoren aufzieht: Zunächst hat die NYDIG die BitLizenz von New York beantragt, um das Recht zu haben, Dollar gegen Kryptowährungen zu tauschen; dann hat sie eine weitere Tochtergesellschaft gegründet, den NYDIG Trust, der im Staate New York die Erlaubnis erhalten hat, Bitcoins und andere Kryptowährungen für Investoren zu halten.

Die 10.000 Bitcoins von Stone Rich ist nicht die einzige ziemlich große Wallet, die NYDIG verwahrt. So hat etwa Ripple CEO Chris Larsen vor kurzem bekannt gegeben, dass er eines seiner XRP-Wallets von der NYDIG verwahren lässt. Unter den anderen Kunden sind vor allem Banken und Vermögensverwalter, die einen Service suchen, der alles rund um Krypto aus einer Hand anbietet. NYDIG gibt keine vollständigen Kundenlisten bekannt, aber man weiß etwa, dass der Service einen 190 Millionen Dollar schweren Institutional Bitcoin Fund sowie einen 140 Millionen Dollar starken Bitcoin Yield Enhancement Fund verwahrt. Insgesamt seien bereits mehr als eine Milliarde Dollar in Kryptowährungen unter seiner Kontrolle.

Die Wall Street ist also längst da. Allerdings ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. NYDIG empfiehlt Institutionen, 1-5 Prozent ihres Portfolios in digitale Assets wie Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu stecken. Der Chefberater von NYDIG, Brooks Gibbins, meint dazu: „Weil nach Covid-19 auf der ganzen Welt beispiellose fiskalische und monetäre Stimuli passieren, wird der Hedge durch digitale Assets weiterhin immer wichtiger werden.“

Womit wir wieder beim alten Thema wären: Die expansive Geldpolitik, die durch Covid erst so richtig aufgedreht hat, macht Bitcoin und andere Kryptowährungen als Not-Asset noch einmal attraktiver. Die NYDIG verwaltet die Coins für exklusive Fonds und Vermögensverwalter, die in der Regel exlusive – also schwerreiche – Klienten bedienen, während viele Privatpersonen schon längst über Börsen wie Bitcoin.de in Bitcoins investieren. Die große Schicht dazwischen hat derzeit aber noch das Nachsehen.

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17 Kommentare zu New Yorker Investment-Fonds Stone Rich hält 10.000 Bitcoins: Corona treibt Investoren zu Bitcoin

  1. Paul Janowitz // 15. Oktober 2020 um 11:29 // Antworten

    Eigentlich schade, zu sehen, dass Bitcoin mittlerweile zu nicht viel mehr geworden ist, als einem reinen Spekulationsobjekt für Reiche…

    Dem ist kaum etwas hinzuzufügen, und Jérémie aka binaryFate war immer ein großer Bitcoin Befürworter, er hat auch eines der ersten Bitcoin Casinos gegründet und einige andere reale Anwendungen, mittlerweile ist er eher für sein xmr.to bekannt, aber hat kürzlich mit minko.to auch zu seinen Wurzeln gefunden…
    Er ist einer der Menschen, die ich die letzten Jahre persönlich kennengelernt habe, der verschiedene Protokolle bis ins kleinste Detail kennen und deswegen akzeptiert er auch über xmr.to 0-Conf Zahlungen mit Monero an Bitcoin bis 0,1BTC und wurde nach eigenen Angaben damit noch nie gescammt, obwohl die Angriffsfläche verlockend wäre…

    Naja, das Ponzi wird noch einige Zeit weitergetrieben, denn ohne reale Anwendung ist es nichts anderes, bis keiner nachkommt und mehr dafür bezahlen will. Die Cypherpunks sind entweder bereits ganz abgesprungen oder weitergezogen, schade… Einige wenige wie Pieter Wuille, die sich tatsächlich engagieren, um das Protokoll fortzuentwickeln, tun mir mittlerweile Leid, weil sie größtenteils auf Ignoranz stoßen, solange der Kurs stimmt. Die Maxis schauen derweil 2374 Mal am Tag auf die Charts und feiern sich – nur wofür eigentlich?

    Mit ausufernden Gebühren hat man das Narrativ „Bitcoin for the unbanked“ schon längst verlassen und nichts in diese Richtung getan, denn praktisch die gesamte Dritte Welt ist bereits ausgepreist worden, auch in der „Westlichen Welt“ sind die Gebühren für schnelle Transaktionen für die meisten Anwendungen schlicht zu hoch. Lightning funktioniert nicht, wenn es gut läuft, vielleicht in 3-5 Jahren, dann sehen wir aber wahrscheinlich OnChain Gebühren x10 (falls das Ponzi der Spekulanten aufgeht) und es wäre absurd teuer, auch nur einen Channel zu eröffnen.

    • Oh man Paul, woher nimmst du nur die Energie, alltäglich ein und das selbe negative Gesülze über Bitcoin herzubeten. Deine Kommentare waren Anfangs interessant und tiefgründig, mittlerweile, immer wenn es Bitcoin geht, nur noch langweilig und eintönig. Immer die gleichen Argumente. Fast wie copy&paste. Eigentlich will ich das nicht glauben, du bist ja eigentlich ein Schlauer. Arbeitest du für die Bankenlobby?? =) Meine Güte, was hast du nur so doll gegen Bitcoin? Man möchte meinen du hast den Zug verpasst und dann zusätzlich auch noch aufs falsche Pferd gesetzt. Keine Ahnung. Deine Kommentare sind mittlerweile nur noch anstrengend ein so eintönig, dass ich sie zukünftig nicht mehr lesen werde. Schade irgendwie. Bitte entschuldige meine sehr direkten, offen und sicherlich auch etwas beleidigenden Worte.

      • Paul Janowitz // 15. Oktober 2020 um 13:17 //

        Ich bin ganz sicher nicht zu spät aufgestiegen, ich verfolge Bitcoin seit 2012 und damals hat es mich tatsächlich sehr fasziniert, mittlerweile sehe ich aber keine Entwicklung mehr, bis auf Kursspekulation und das kanns einfach nicht sein. Selbst BSV hat mittlerweile spannendere Entwicklungen, auch wenn ich kein Fan von allem drumherum mit CSW und CA bin…

      • Mein‘ ja nur… irgendwas triggert dich da jedenfalls persönlich.

    • Hi Paul, ich lese Deine Kommentare immer gerne, auch wenn ich Nobody verstehen kann, dass manche Behauptungen wie „Ponzi“, „Spekulationsobjekt für Reiche“, „ausufernde Gebühren“, etc. nicht richtiger werden, nur weil Du sie immer und immer wieder wiederholst. Ja, Bitcoin ist nicht perfekt, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut… Und bezüglich des „falschen Pferds“ hat er sicher Monero gemeint. Eine Kryptowährung, die auf maximale Privacy setzt, mag technisch interessant sein, ist aber schon per Konstruktion ein Rohrkrepierer, weil sie von den Staaten nie akzeptiert werden wird.

      • Paul Janowitz // 16. Oktober 2020 um 0:40 //

        Bezüglich des „falschen Pferds“ habe ich gezielt nicht reagiert, denn das wäre auf Investitionen bezogen und weder Bitcoin noch Monero sind für mich ein Investitionsobjekt, auch wenn ich mitunter welche halten sollte. In erster Linie geht es mir tatsächlich um das ideologische Projekt, welches Bitcoin eröffnet hat, ein dezentrales, unzensierbares Transaktionssystem und ich finde es schade, dass von den frühen Bitcoinern nur noch wenige übrig sind, die entweder nicht alleine dem Kursgewinn verfallen sind oder ganz abgesprungen sind.

        weil sie von den Staaten nie akzeptiert werden wird.

        Genau das hat man von Bitcoin vor ein paar Jahren behauptet. Ich meine, wir sind noch lange nicht über den Berg, aber insbesondere in Europa werden Datenschutzregelungen vorangetrieben und ich meine, es gibt kaum eine Kryptowährung, die vollständig GDPR kompatibel wäre…
        Übrigens hat die wahrscheinlich seriöseste regulierte Börse in den USA, Kraken kürzlich eine Banklizenz erworben, auch wenn sie seit Jahren eine der zuverlässigsten Monero Börsen ist.

        Ich persönlich finde es schade, dass Bitcoin, eine Leidenschaft für mich, mittlerweile so weit weg von seinen ursprünglichen Idealen ist. Dass irgendjemand sein Geld rein schmeißt, ist mir relativ egal, aber dass eben der harte Kern der Community sich gerade daran so entzückt, ist ein Armutszeugnis, denn es gäbe viele Baustellen. Auch mir fremde Personen teilen diese Ansicht übrigens…

        Bei Bitcoin sehe ich Taproot als die weitreichendste Entwicklung der letzten Jahre, welches Pieter Wuille (wie gesagt einer der letzten der alten Garde) implementiert hat und es wurde bereits in den Code gemerged. Jetzt muss man sich nur noch einig werden, wie (und ob) es aktiviert wird, persönlich schätze ich 18-36 Monate als realistisch ein. Greg Maxwell hat das gestern auch wieder ignorant kommentiert, aber seis drum, auch wenn er vor Jahren noch viel gute Forschung geleistet hat (wie z.B. das nie implementierte Confidential Transactions Paper, das erst bei Liquid zum Zuge kam).

        Mit dem Blocksize Krieg hat sich Core in eine Sackgasse manövriert, aus der sie insbesondere mit der Ego-Unterstützung der Maxis nicht mehr rauskommen. Bitcoin wird ohne Blocksize nicht skalieren und wenn es heute für jemanden OK sein mag, 5$ Transaktionsgebühren zu bezahlen, sind es dann 100$ auch, wenn die Nachfrage entsprechend steigen sollte? Für die aktuell investierten wahrscheinlich ja, um ihre Coins an einer Börse mit entsprechenden Profiten zu verhökern, aber für einen Neueinsteiger?

        Ein Grundsatzproblem bei Bitcoin sehe ich in der Zentralisierung der meisten Entwickler auf Blockstream und dass diese einen Interessenskonflikt haben dürfte nicht übersehbar sein. Coinbase hat heute angekündigt, zwei Bitcoin Core Entwickler zu bezahlen, ich hoffe, dass das zumindest zu mehr Diversifizierung führt oder dass sich Coinbase nicht so sehr einmischt wie Blockstream, denn sie haben bis auf ihren USDC keine Konkurrenz zur Bitcoin Blockchain…

  2. Als Jemand, der nur oberflächlische Kenntnisse von Kryptowährungen hat, habe ich dazu einige Fragen.
    Wenn immer mehr Großinvestoren sich mit Kryptowährungen eindecken, wäre da die Dezentraliesierung noch gegeben?
    Wären Kryptowährungen, die sagen wir mal zu 95% bei Investoren gehalten werden, noch als Zahlungsmittel geeignet?
    Einen guten Tag
    Euer fleißiger Leser

    • Paul Janowitz // 15. Oktober 2020 um 13:09 // Antworten

      Die Besitzverhältnisse haben erstmal keinen Einfluss auf die Dezentralisierung, diese basiert hauptsächlich auf den Validatoren, bei Proof-of-Work wie bei Bitcoin sind das die Miner, bei Proof-of-Stake sind das aber in der Tat die Halter. Andererseits muss man sich die Frage stellen, ob ein Zahlungsmittel, bei dem ein Großteil aller Token in einer Hand liegen (z.B. bei XRP der Fall), sich noch als Zahlungsmittel eignet, denn der Markt könnte überflutet werden und zu einer größeren Inflation als bei staatlichen Währungen führen.
      Das ist bei Bitcoin nicht gegeben, denn auch MicroStrategy hat mit ihrem 400 Millionen Dollar Gambling besitzt lediglich knapp 2% aller jemals zu schöpfenden Bitcoins. Solange Großinvestoren diese als Wertanlage wegschließen ist das positiv für den Kurs, denn die Menge der auf dem Markt verfügbaren Coins verringert sich und da Bitcoin (fast) beliebig teilbar ist, eignen sich theoretisch auch wenige Prozent als Zahlungsmittel. Allerdings birgt das Risiken, wenn Großinvestoren in Not geraten und ihre Unsummen auf den Markt werfen, um sie zu liquidieren. Falls es zu einer Kettenreaktion kommt, kann das kaum aufgefangen werden und die Kurse könnten in den Keller fallen. Ein börsennotiertes Unternehmen wie Microstrategy hat auch gar keine andere Wahl als einem Panikverkauf beizusitzen, wollen sie Investorenklagen aus dem Weg gehen, wenn sie praktisch alle liquiden Mittel in Bitcoin gesteckt haben…

      Aber Bitcoin hat größere Probleme, als Zahlungsmittel nutzbar zu sein als große Investoren…

      • „Das ist bei Bitcoin nicht gegeben, denn auch MicroStrategy hat mit ihrem 400 Millionen Dollar Gambling besitzt lediglich knapp 2% aller jemals zu schöpfenden Bitcoins.“

        0,2 % 😉

      • Paul Janowitz // 17. Oktober 2020 um 21:55 //

        Korrekt, danke! Aber was macht heutzutage schon eine Kommastelle aus, wenn Billionen mittlerweile die Milliarden ablösen? 😉

  3. An Christian: wieder sehr interessanter Artikel ! 

    An Paul: mach weiter so, auch wenn es Leute gibt, die deine Enttäuschung nicht verstehen. Ich bin zwar kein Maximalist, aber doch Bitcoiner und ich verstehe ganz genau was du meinst.

    Das Problem ist, dass das Ego von einigen führenden Köpfen großer ist, als die Idee um die es geht…

  4. Ich meinte natürlich Christoph, statt Christian…

  5. Hallo an die Community hier!
    Vielleicht ein paar Fragen von einem „etwas älteren, nicht so technikaffinen“ Leser:

    1. Mir kommt Bitcoin vor wie eine geniale losgelassene Idee, die sich dezentral selbst regulieren muss. Ist es inzwischen so, dass die „Menpower“ so zentralisiert ist, dass es sich doch nicht mehr um ein dezentrales Projekt handelt?
    2. Wenn Transaktionskosten so enorm steigen, dass es unattraktiv wird, mit Bitcoin zu arbeiten, und für dieses Problem in weiter Ferne keine Lösung in Sicht ist, wer soll dann noch Interesse an dieser Idee haben? Löst sich das „Problem“ dann nicht auch von selbst?
    3. Ist die „Wertsteigerung“ nicht ein natürliches Phänomen bei einem guten Projekt, einer guten Idee, einer guten Firma? – Und ist im Gegensatz dazu bei einem „schlechten“ Projekt, das kein Interesse mehr weckt, Probleme nicht mehr löst, für den Menschen unattraktiv geworden ist, der Verfall auf Zeit nicht die Konsequenz?
    4. Kommen nicht viele Projekte, die sich später als erfolgreich erweisen, aus einer „revolutionären (in diesem Fall Cypherpunk-)Phase“ später im Mainstream an und werden dabei vielleicht ein Stück „langweiliger“?

    Ich verfolge das Thema seit Anfang 2017, habe bei SegWit gestaunt (und später erst in groben Umrissen erkannt, was das für Möglichkeiten ergab – von Wissen kann keine Rede sein, dafür habe ich zu wenig Ahnung) und war auch überrascht, dass damals die Verdoppelung der Blockgröße nicht kam.

    5. – eine technische Frage: Hätten wir die Verdoppelung der Blockgröße damals bekommen, wäre dann Bitcoin wirklich so viel besser, dass er als denkbares Zahlungsinstrument herhalten könnte? Würden dann die Transaktionskosten lange nicht nennenswert steigen? Wäre das Projekt dann noch immer „dezentral“? (Oder ist es eh schon zentralisiert, weil – wie oben schon erwähnt – die meisten Entwickler bei einer Firma arbeiten)?

    Ich glaube, ich bin jetzt kein Maximalist – ich bin noch old-school, langweilig unterwegs… selbständig, ne Handvoll Kinder. Bei mir kostete das erste C-Netz-Handy noch 5.000 DM. Die Märkte haben sich verändert, manches ist weg, manches ist geblieben. Vielleicht ist das bei Bitcoin genauso?
    LG, Gerhard

    • Paul Janowitz // 18. Oktober 2020 um 17:01 // Antworten

      Hallo Gerhard!

      1. Mir kommt Bitcoin vor wie eine geniale losgelassene Idee, die sich dezentral selbst regulieren muss. Ist es inzwischen so, dass die „Menpower“ so zentralisiert ist, dass es sich doch nicht mehr um ein dezentrales Projekt handelt?

      Bitcoin ist weiterhin dezentralisiert, alleine dadurch, dass jede Änderung am Konsens in erster Linie von den Minern und auch von den Usern mitgetragen werden muss, sonst gibt es eine weitere Abspaltung wie BCH oder BSV, wenn nur ein Teil Änderungen mitträgt. Dabei ist anzumerken, dass der „harte Kern“ um die Core Entwickler / größtenteils Blockstream Bitcoin weitestgehend so belassen will, wie es seit mehr als 10 Jahren ist, obwohl der technische Fortschritt und die Erfahrung viele Möglichkeiten bieten würde, das Protokoll weiterzuentwickeln, ohne den groben Konsens mit 21 Mio. etc. zu berühren.

      2. Wenn Transaktionskosten so enorm steigen, dass es unattraktiv wird, mit Bitcoin zu arbeiten, und für dieses Problem in weiter Ferne keine Lösung in Sicht ist, wer soll dann noch Interesse an dieser Idee haben? Löst sich das „Problem“ dann nicht auch von selbst?

      Einer logischen Argumentation folgend, ja. Als Lösung werden aber stets „Second Layer“ Implementierungen angepriesen, bei denen man vereinfacht gesagt Bitcoin auf der Blockchain einfriert und irgendwo anders Transaktionen damit durchführt und irgendwann wieder zurück auf die Blockchain kommt. Diese Lösungen funktionieren aber leider noch nicht wie geplant (Lightning) oder sind zentralisiert, kommerziell und nicht mehr ohne Vertrauen wie Blockstreams Liquid. All diese Lösungen benötigen beim Ein- und Ausgang klassische Transaktionen auf der Bitcoin Blockchain mit entsprechenden Gebühren.

      3. Ist die „Wertsteigerung“ nicht ein natürliches Phänomen bei einem guten Projekt, einer guten Idee, einer guten Firma? – Und ist im Gegensatz dazu bei einem „schlechten“ Projekt, das kein Interesse mehr weckt, Probleme nicht mehr löst, für den Menschen unattraktiv geworden ist, der Verfall auf Zeit nicht die Konsequenz?

      Das Narrativ der Bitcoin Maximalisten, die z.B. bei der Blockgröße keine Kompromisse eingehen wollen ist, dass Gebühren nicht zu hoch sind, da sie Bitcoin mittlerweile mit digitalem Gold vergleichen anstatt mit Bargeld. Gold ist auch umständlich in der Handhabung, aber gewinnt trotzdem stetig an wert, obwohl es sich seit Jahrtausenden nicht verändert hat.

      4. Kommen nicht viele Projekte, die sich später als erfolgreich erweisen, aus einer „revolutionären (in diesem Fall Cypherpunk-)Phase“ später im Mainstream an und werden dabei vielleicht ein Stück „langweiliger“?

      Ich glaube, es gibt niemanden der irgendwie involviert ist, der sich nicht wünscht, dass Kryptowährungen im Mainstream ankommen, die Meinungen gehen beim „wie“ auseinander. Während die Gebühren das erste Mal auf über 1$ kletterten, sagten die ersten, dass man seinen Kaffee ja auch nicht mit Bitcoin bezahlen muss, dafür ist die Blockchain oder der Platz darauf viel zu wertvoll. Das neue Gold Narrativ deckt ja schon einiges mehr in Gebühren ab, aber ich habe auch schon einige Male ein neues Narrativ gehört, dass Bitcoin wie Grundstücke seien, diese hält man auch eher und verkauft nur selten, dann müsse dies auch teuer in Grundbüchern eingetragen werden. Und eigentlich passt das zu einer transparenten Blockchain sogar (obwohl die Grundbücher in Deutschland ganz und gar nicht so transparent sind) und meiner Meinung könnte die Blockchain genau solche Dinge ersetzen, aber dann hat das nichts mehr mit dem Grundgedanken „A peer to peer electronic cash system“ mehr zu tun.

      5. – eine technische Frage: Hätten wir die Verdoppelung der Blockgröße damals bekommen, wäre dann Bitcoin wirklich so viel besser, dass er als denkbares Zahlungsinstrument herhalten könnte? Würden dann die Transaktionskosten lange nicht nennenswert steigen? Wäre das Projekt dann noch immer „dezentral“? (Oder ist es eh schon zentralisiert, weil – wie oben schon erwähnt – die meisten Entwickler bei einer Firma arbeiten)?

      Eine Verdoppelung der Block Size hätte genau das gebracht was sie aussagt, eine mögliche Verdoppelung der Anzahl von Transaktionen und damit eine Entlastung bei den Gebühren, aber auch das wäre nicht langfristig gewesen. Ich habe mich persönlich damals für einen langfristigeren Plan eingesetzt, dass man die Blocksize z.B. alle zwei oder vier Jahre verdoppelt, so wie die Block Rewards alle vier Jahre halbiert werden. Das mooresche Gesetz oder Nielsens Gesetz hätten dies locker erlaubt und nach meinen Berechnungen vor einiger Zeit müssten wir ausgehend von 1MB nach 10 Jahren ca. 40MB sein. Man muss dazu sagen, dass das 1MB Limit weder im Whitepaper definiert ist, noch in den ersten Versionen der Bitcoin Software enthalten war. Satoshi hat es irgendwann (leider ohne Kommentar) eingefügt, wohl um den Satoshi-Dice „Spam“ damals etwas einzudämmen. Auch hat Satoshi schon damals an besserer Privatsphäre gefallen gefunden wie seine Aussagen in der Mailingliste und im Bitcointalk Forum belegen, aber er war kein Kryptograph und konnte sie nicht implementieren.

      Ich glaube, ich bin jetzt kein Maximalist – ich bin noch old-school, langweilig unterwegs… selbständig, ne Handvoll Kinder. Bei mir kostete das erste C-Netz-Handy noch 5.000 DM. Die Märkte haben sich verändert, manches ist weg, manches ist geblieben. Vielleicht ist das bei Bitcoin genauso?

      Die Zeit wird zeigen, was kommt… Ich persönlich halte den Stillstand für unerträglich und bin mir relativ sicher, dass sich Bitcoin nicht als Zahlungsmittel irgendwo im Mainstream durchsetzen wird. Mag sein, dass es genügend Anhänger findet, die es als Store of Value sehen und immer neue Leute davon überzeugen können (sonst steigt der Preis ja nicht), aber das ist nicht das, was ich mir von Bitcoin erhofft habe.

  6. Hallo Paul!
    Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
    Bei der Vergrößerung des Blockes höre ich Stimmen, die dann gleich eine Zentralisierung „herunterbeten“.
    Haben denn Hardforks nicht genau diese Vergrößerung versucht? Wenn es Bitcoin nicht wird, vielleicht wird es ein anderer Coin? Oder eine „Co-Existenz“?

    Danke nochmals für Deine Einblicke, ich lese Deine Kommentare auch gerne!
    LG Gerhard

    • Paul Janowitz // 18. Oktober 2020 um 19:19 // Antworten

      Ja, es gibt Stimmen, die eine Zentralisierung bei größerer Block Size beschwören, diese halte ich aber für Unsinn. Warum?
      1. Wie bereits geschrieben war vor 10 Jahren eine Block Size von 1MB problemlos möglich, dann wäre das heute vergleichbar mit ca. 40MB laut oben zitierten Gesetzen (die man ergooglen kann). Vor 10 Jahren war Musikstreaming per iTunes oder SD-Videos auf Youtube Stand der Dinge, Netflix hat optische Träger versendet und heute sehen wir HD oder sogar UHD Streaming mit 4k, die Technikwelt hat sich weiterbewegt.
      2. Es gibt Stimmen, die behaupten, größere Blöcke seien für die „Great Firewall“ in China ein Problem, was sich als Hoax erwiesen hat, da BSV auch Blöcke mit 300MB oder mehr durchgebracht hat und die Chinesischen Miner sind trotzdem dominierend. Wenn dem so wäre, dass chinesische Miner einen Nachteil dadurch bekommen, dann wäre das sogar wünschenswert angesichts der derzeitigen Zentralisierung des Minings in China.
      3. Pruning Nodes sind keine binäre Option wie derzeit bei Bitcoin implementiert, dass der Node einfach die gesamte History abzüglich der letzten X Tage löscht und nur das UTXO Set (nicht ausgegebene Outputs) behält, um zukünftige Transaktionen zu verifizieren. Bei Monero hat man die Blockchain in 8 Teile „geschnitten“, vereinfacht gesagt ist ein Block, dessen Hash mit 1 beginnt in Teil1, einer mit 2 in Teil2 usw. und ein Pruned Node trägt trotzdem zum Netzwerk bei, da er 1/8 der benötigten Daten an andere Nodes verteilen kann. Bei derzeit mehreren Tausend Nodes ist das kein Problem, denn jeder hält zufällig einen anderen Teil vor, einige natürlich weiterhin die gesamte Blockchain. Je nach Anzahl der Nodes und der Größe der Blockchain kann man beliebig weiter Teilen in 1/16, 1/32 oder 1/64. Man muss es nur wollen.

      Haben denn Hardforks nicht genau diese Vergrößerung versucht?

      Ja, die BCH Hardfork resultierte aus dem ewigen Blocksize Krieg, aber konnte sich nicht durchsetzen, da es eben nicht mehr „Core“ war und der Druck war zu diesem Zeitpunkt nicht groß genug, da Transaktionen gerade relativ günstig waren. Danach gab es intern Streit, was dann zur Absplittung von BSV geführt hat und aktuell gibt es wieder Streit bei BCH, da die Hauptentwickler kein Geld bekommen und eine Mining-Steuer einführen wollen (kann man hier im Blog nachlesen), wahrscheinlich ist eine erneute Absplittung und es wird sich herausstellen ob beide Zweige überleben können und Miner ihnen genug Hashrate zur Verfügung stellen.

      Wenn es Bitcoin nicht wird, vielleicht wird es ein anderer Coin? Oder eine „Co-Existenz“?

      Möglich, im Darknet setzt sich bereits immer stärker Monero durch und als Payment ist das ohnehin deutlich besser geeignet, da man es einen Datenschutzcoin bezeichnen könnte, der keinerlei Transaktionsdaten offenbart, aber für Außenstehende kryptographisch trotzdem die Integrität nachprüfbar bleibt. In etwa kann man sich das so vorstellen wie eine Gleichung (a + b = c) und ohne diese Variabeln zu kennen kann man kryptographisch alle drei mit jeweils der gleichen Zahl multiplizieren, ohne dass die Gleichung falsch wird. Auch die Skalierbarkeit ist bereits grundlegend gelöst, indem Miner die Blöcke vergrößern können, falls genug Nachfrage besteht, dafür büßen sie aber einen Teil des Block Rewards ein und werden das rational nur tun, falls entsprechend genügend Transaktionen vorhanden sind, die das aufwiegen.

      Natürlich ist auch bei Monero noch nicht alles perfekt, aber immerhin sehe ich dort tatsächliche Entwicklung in Richtung digitalem Bargeldersatz. Erst gestern gab es ein Protokollupgrade (auch eine Art Hard-Fork, aber nicht kontrovers und ohne Absplittung) und das Signaturschema von bisherigen „Bulletproofs“ wurde auf „CLSAG“ umgeschwenkt. Bei Block 2210000 wurde das neue Signaturschema aktiviert, bei Block 2210720 wurde das alte deaktiviert, um alle noch vorhandenen alten Transaktionen aus dem Transaktionspool bearbeiten zu können. In Block 2210722 hat ein Miner aber noch zwei alte Transaktionen aus dem Pool eingebunden und alle aktiven Nodes hatten diese auch im Pool und haben den Block angenommen, nicht synchronisierte Nodes sehen diesen aber als invalide an. Es gibt bereits einen Patch, aber einige Börsen haben Auszahlungen gestoppt, einige Block Explorer stehen still und es wird ein paar Tage dauern, bis sich das normalisiert (auch wenn das Netzwerk problemlos weiterläuft und einen Großteil der sonstigen Transaktionen verarbeitet). Man lernt natürlich aus solchen Fehlern und beim nächsten Upgrade wird dieser nicht noch einmal vorkommen…
      Was mich erfreut, ist insbesondere die dezentrale Entwicklung, so ist erst diese Woche ein Vorschlag binnen drei Tagen durch Spenden finanziert worden, der Atomic Swaps mit Bitcoin erlaubt, insgesamt über 300.000 USD: https://ccs.getmonero.org/proposals/h4sh3d-atomic-swap-implementation.html
      Es gibt keine Zentrale Verwaltung von Funds, sondern jeder Vorschlag muss vorgestellt werden und wird dann individuell von der Community gesponsert oder eben nicht. Auch langjährige Entwickler müssen sich so quartalsweise immer neu „bewerben“, aber in der Regel wird alles sinnvolle auch finanziert.

      Eine Co-Existenz von Bitcoin und Monero ist kurz- und mittelfristig denkbar. Dazu wird es einige andere Coins geben, mit hoher Sicherheit Ethereum, da es der Platzhirsch bei Smart Contracts ist und alle Alternativen zentralisierter sind, wobei Ethereum bei der Skalierbarkeit ganz andere Probleme hat und der Umstieg auf PoS muss noch bewiesen werden…

  7. Hallo Paul!
    Auch dafür nochmals vielen Dank!
    Da bin ich zwar phasenweise technisch viel zu weit weg aber ich sehe, dass man viele Punkte diskutieren kann. Wenn man sieht, dass ich mal einen Pentium 75 mit 24MB Arbeitsspeicher und 220 MB Festplatte hatte (und mir damals viele sagten, was willst du mit so viel Arbeitsspeicher), dann gebe ich Dir Recht. Da hat sich unglaublich viel getan.
    Vielleicht üben die anderen Coins „noch mächtig Druck“ auf den Platzhirschen aus und es kommt doch noch irgendwann „Bewegung ins Spiel“.
    Mir würde aber eine Co-Existenz auch gefallen. Ich will nicht anmaßend sein, könnte mir aber vorstellen, dass Herr Nakamoto in der Hauptsache eine grundsätzlich dezentrale Währung schaffen wollte. Und will man romantisch werden, könnte man ja Monero, Ethereum und Co. als „seine Kinder“ betrachten.
    Dankeschön, das ist für mich sehr lehrreich!
    LG Gerhard

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