Es beginnt: Ethereum-Foundation stellt Deposit-Adresse und Genesis-Termin für ETH2 vor

Illustration "Ether", bereitgestellt von der Ethereum Foundation. Illustration von Viktor Hachmang.

Nach langem Warten kommt ETH2 endlich näher: Am ersten Dezember wird die Beacon-Chain live gehen. Die Ethereum-Foundation hat nun auch die Deposit-Adresse verkündet, auf der künftige Staker Ether einfrieren müssen. Für deutsche User könnte im Umstieg auf Proof of Stake eine hübsche Chance liegen.

So zu tun, als wäre das alles doch gar nicht der Rede wert, wenn man eine wichtige Nachricht verkündet, ist ein so starkes Understatement, dass es schon beinah wieder ein Overstatement wird. Zu beobachten war das letzten auf dem Blog der Ethereum Foundation, die ein „Update zu ETH2“ gepostet hat: Der Autor Danny Ryan bleibt extrem nüchtern, während das, was er schreibt, einen Meilenstein für die Geschichte von Ethereum markiert.

„Heute haben wir die Version 1.0 der eth2 Spezifizierung veröffentlicht, darunter auch die Mainnet Depost Adresse.“ Neben dieser Adresse nennt die Ethereum-Foundation auch einen Unix-Zeitstempel, ab dem die Genesis von ETH2 beginnt: 1606824000. Für „diejenigen, die nicht in Unix-Zeitstempeln denken“ übersetzt Danny in UTC, die „Koordinierte Weltzeit“: 12 Uhr am 1. Dezember. Da der Koordinierte Weltzeiger in London tickt, beginnt ETH2 bei uns eine Stunde später.

Damit wäre es also soweit: Es gibt einen Zeitpunkt und eine Adresse. Die Adresse 0x00000000219ab540356cBB839Cbe05303d7705Fa – auch per ENS als depositcontract.eth erreichbar – wurde zum Ziel eines ständigen Stroms von Transaktionen, seit sie bekannt ist, und enthält mittlerweile gut 11.600 Ether, was etwa 4,5 Millionen Dollar entspricht. Die Coins laufen in Paketen a 32 Ether auf, da dies die Mindestsumme ist, die man benötigt, um auf der Baecon-Chain zu staken.

Was bedeutet das? Und wie kann man da auch mitmachen, falls es denn wichtig ist? Und warum sind die 4,5 Millionen Dollar auf der Adresse noch VIEL zu wenig?

Die Beacon-Chain, das Herz von ETH2

Um zu verstehen, was hier gerade passiert, muss ich ein kleines Stückchen ausholen. Ethereum (ETH), die Smart-Contrfact-Blockchain, auf der die ganzen Token und DeFis laufen, skaliert schlecht. Das war von Anfang an klar, weshalb „ETH1“ nur ein vorläufiges Modell war, das durch „ETH2“ abgelöst werden soll.

Nach endlos langer Verzögerung ist es nun, langsam, so weit. Die sogenannte Beacon-Chain wird am 1. Dezember erwachen. Diese wird quasi das Herz von ETH2 – eine Kontrolzentrale, um die herum sich in Zukunft weitere Blockchains winden sollen. Wenn die Beacon-Chain am 1. Dezember startet, wird sie eine leere, funktionslose Maschine sein, bei der man einfach nur froh ist, wenn der Motor läuft, sprich: Wenn die Validatoren einen leeren Block auf den nächsten stapeln und die Verzinsung läuft. Das Verknüpfen weiterer Chains oder auch nur Transaktionen auf der Beacon-Chain sollen zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt werden. Mehr über die Beacon-Chain und ETH2 erfahr ihr in diesem Post.

Während ETH1 so wie Bitcoin durch Miner gesichert wird, die mit großen Mengen Strom kryptographische Rätsel lösen, soll ETH2 durch das sogenannte „Proof of Stake“ gesichert werden – anstatt Minern gibt es Validatoren, und diese Validatoren lösen keine kryptographischen Rätsel, sondern weisen sich dadurch aus, dass sie einen bestimmten Betrag an ETH – 32 um genau zu sein – einfrieren. Dieser Betrag wird durch das Staken bzw. Validieren von Blöcken „verzinst“. Warum die Ethereum-Entwickler das sinnvoll finden, erfahrt ihr hier; welche Probleme sie auf diesem Weg lösen mussten, könnt ihr dort lesen.

Der Reward für Staker hängt davon ab, wie viele ETH insgesamt staken.

Interessant für uns ist nun vielmehr das folgende: Das Staking ist nicht wie Mining an die Strompreise gekoppelt. Daher haben wir, als Einwohner eines Hochstrompreislandes, mit ETH2 wieder die Chance, an der Generierung neuer Coins teilzuhaben. Wie es aussieht, könnte es sich lohnen. Je nachdem, wie viele Validatoren teilnehmen, kann die Verzinsung der Einlage bis zu 20 Prozent betragen.

Wie das geht, erklärt der ETH2-Launchpad sowie ein Guide.

Über die Risiken und Pflichten eines ETH2-Validators

Zunächst einmal solltet ihr um die Risiken und Pflichten eines Validators wissen. Man stetzt 32 ETH ein, die auf der Deposit-Adresse landen, und dort unwiderruflich eingesperrt sind. Falls ETH2 rund läuft, wird man sie in Zukunft auf der Beacon-Chain transferieren können. Aber zunächst schwimmt man ins Ungwisse. Wenn das Projekt floppt, wird Ethereum fortleben – aber eben nicht die 32 ETH, die ihr eingesetzt habt.

Als Validator muss man permanent online sein, um Transaktionen zu prüfen und die Arbeit der anderen Validatoren zu kontrollieren. Wenn man offline ist, verpasst einem das Konsens-System eine Strafe, was ungefähr bedeutet, dass man bisherige Erträge verliert. Die Höchststrafe, die man sich einhandeln kann, ist es, die Einlage von 32 Ether zu verlieren. Das passiert eigentlich nur, wenn man absichtlich betrügt, könnte aber auch durch einen Bug in der Software geschehen.

Als ETH2-Validator braucht man also ein System mit einer zuverlässigen Internetverbindung. Da man die Deposit-Adresse auf dem Mainnet kontrollieren muss, benötigt man neben dem ETH2-Client auch einen vollwertigen ETH1-Knoten. Das treibt natürlich die Hardware-Anforderungen in die Höhe. Empfohlen wird mindestens eine Quadcore-CPU mit 32 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer SSD-Festplatte mit mehr als einem Terabyte. Besser wäre aber eine ordentlcihe Workstation mit 8 oder 16 Kernen und 64 Gigabyte Ram. Und natürlich einer richtig guten Internetverbindung. Diese Ressourcen sollten exklusiv für den Node verwendet werden.

Volldamp, Validatoren! Bild vom ETH2-Launchpad.

Ab dem 1. Dezember kann der ETH2-Client dann staken und seine Einlage verzinsen. Aber die Erträge werden zunächst noch eingefroren sein, da die Baecon-Chain noch nicht in der Lage ist, Transaktionen zu verarbeiten. Dies wird erst in Phase 1 möglich sein.

Wer bereit ist, bei diesem Spiel mitzumachen, muss zunächst einen ETH1- und einen ETH2-Knoten installieren. Der Launchpad empfiehlt jeweils vier Clients in jeweils anderen Programmiersprachen. Anschließend muss man eine Software herunterladen, einen speziellen Schlüssel bilden, den Deposit-Prozess durchführen und eine Deposit-Datei hochladen.

An dieser Stelle bin ich ausgestiegen, da ich fürchte, nicht die technische Kompetenz zu haben, um sicher einen Validator zu stellen.

Staking im Pool

Aber man muss auch nicht zwingend einen eigenen Knoten betreiben, um von ETH2 zu profitieren. Zum einen werden viele Börsen es ihren Kunden anbieten, die Coins zu verzinsen. Zum anderen bekunden bereits viele Staking-Services Interesse. Bei einigen von ihnen kann man auch mit beliebig kleinen Beträgen einsteigen. Beaconcha.in stellt eine Liste mit Staking-Plattformen vor. Noch bietet keine an, ETH2 zu staken. Aber mehrere bereiten sich darauf vor.

Bis zum ersten Dezember sind es noch einige Tage. Bisher wurden rund 11.600 Ether auf der Deposit-Adresse abgeladen, was bedeutet, es haben sich schon etwa 360 Validatoren angemeldet. Das ist für den Zeitraum von zwei Tagen und der komplexen Technik ziemlich viel – aber noch längst nicht genug.

Denn damit die Beacon-Chain überhaupt startet, benötigt es 16.384 Validatoren, was bedeutet, es müssen 524.288 Ether deponiert werden. Das sind 180 Millionen Dollar. Die werden zwar relativ hoch verzinst, tragen aber auch ein hohes Risiko und eine hohe Verantwortung. Man kann hoffen, dass die Ethereum-Entwickler das Vertrauen der Investoren in sie nicht überschätzt haben.

Über Christoph Bergmann (1906 Beiträge)
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8 Kommentare zu Es beginnt: Ethereum-Foundation stellt Deposit-Adresse und Genesis-Termin für ETH2 vor

  1. Könnte es hier zu einer hard fork kommen?

    • Paul Janowitz // 6. November 2020 um 14:55 // Antworten

      Man kann das durchaus eine geplante Hard Fork nennen, so wie sie auch bei Monero alle 6-12 Monate durchgeführt werden, wenn ein Protokollupgrade sinnvoll ist.

      Eine nicht geplante Hard Fork könnten höchstens diejenigen forcieren, die ihre ETH unwiderruflich eingefroren haben, aber das Vorhaben scheitert und die Coins auf der ETH2 Chain unnütz sind. Dazu müssten sie aber eine Blockhöhe definieren, ab der Einzahlungen in den ETH2 Contract möglich waren und alles danach komplett zurückrollen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das Vorhaben auch nur so „erfolgreich“ von der Community angenommen würde wie der ETC Split, der eigentlich die fortgeführte „Urchain“ ist…

  2. Paul Janowitz // 6. November 2020 um 0:05 // Antworten

    Als Validator muss man permanent online sein, um Transaktionen zu prüfen und die Arbeit der anderen Validatoren zu kontrollieren. Wenn man offline ist, verpasst einem das Konsens-System eine Strafe, was ungefähr bedeutet, dass man bisherige Erträge verliert.

    Wahrscheinlich wird das kaum jemand zu Hause aufsetzen, es sei denn man hat das Glück in einem gut erschlossenen Glasfasergebiet zu leben und eine entsprechende Standleitung mit 1Gbit zu bekommen, in einem Rechenzentrum wird man für einen Server mit den genannten Anforderungen mindestens mit 100€/Monat rechnen müssen, aber wenn es wirklich ausfallsicher sein muss, wird das Setup komplizierter und die zusätzlich vorgehaltene Hardware auch entsprechend teurer. Allerdings würde ich die Hauptkosten bei der Administration sehen, die Node Software ist noch sehr frisch und bei entsprechenden Problemen im Betrieb kann man sich nicht auf etliche Erfahrungsberichte in diversen Foren stützen. Ist auf jeden Fall deutlich aufwendiger als einen einfachen Miner ans Netz zu bringen 😉

    Vermutlich erst lohnend, wenn man mehrere Stacks auf einer Hardware verwaltet, wahrscheinlich ist das direkt vorgesehen, sonst wird sich mit Sicherheit jemand finden, der die Node Software entsprechend modifiziert, dass sie dem Netzwerk mehrere Validatoren vorspielt. Ganze Subnetze an Public IPv4 Adressen sind zwar nicht mehr so einfach zu bekommen, aber man kommt mit entsprechendem Know-How an eine beliebige Anzahl zu Preisen von maximal 1€ pro IP. Ist zwar auch eine gewisse Zentralisierung, aber da es noch eine Blackbox ist, wird wahrscheinlich niemand 200 Millionen aufbringen, um alle Tickets an sich zu reißen, zumal es danach weiter geht, falls es mal funktioniert… Eigentlich ein gutes Bootstrapping von verschiedenen Leuten, die sich jeweils wahrscheinlich nur eine oder wenige Eintrittskarten kaufen dürften 🙂

    • Paul Janowitz // 6. November 2020 um 14:50 // Antworten

      Das mit der 100%igen Uptime hat sich zumindest bereits erledigt.

    • Hallo Paul,
      wie du schon herausgefunden hast, muss man nicht 100% der Zeit online sein, um nicht vom System bestraft zu werden. Man verliert offline in einer bestimmten Zeit genauso viel, wie man erhält wenn man die selbe Zeit online ist. Also wenn man über der Hälfte der Zeit online ist, sollte man nicht ins Minus rutschen. Der Datenverbrauch ist nicht höher als wenn man eine normale Node betreibt.
      Bezüglich mehrere Stacks auf einer Hardware: die Clienten sind darauf ausgelegt, mehrere Validatoren auf einem System laufen zu lassen, da muss man gar nichts herumtricksen.
      Etwas technische Kompetenz muss man schon mitbringen für das Betreiben eines Beacon Nodes (copy-paste von Kommandozeilen-Befehlen), dafür gibt es ja das Medalla-Testnet um sich vertraut zu machen.
      liebe Grüße

      • Paul Janowitz // 10. November 2020 um 15:44 //

        Etwas technische Kompetenz muss man schon mitbringen für das Betreiben eines Beacon Nodes (copy-paste von Kommandozeilen-Befehlen), dafür gibt es ja das Medalla-Testnet um sich vertraut zu machen.

        Das scheidet für die meisten Nutzer schon aus, wenn ich mich so umsehe… Alleine die Kommandozeile erschlägt die meisten durchschnittlichen User heutzutage, da man dies nicht mehr gewohnt ist und alles eine GUI benötigt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass irgendjemand eine GUI für Noobs baut, um das ETH Staking einfacher zugänglich zu machen.

        Danke für die Erläuterung, dass man mehrere Stacks direkt ohne Umwege verwalten kann, ich habe das vermutet, aber habe auf die Schnelle nichts dazu gefunden.

  3. Hi an die Experten,
    Mir ist nicht klar ob die Beacon-Chain dann eigene Eth2-Token hat, die man dann zu gegebener Zeit auch handeln kann oder ob die staking awards in Eth(1) gezahlt werden. Und wenn das zweite zuträfe, wie kommen dann die Eth1 aus dem Staking wieder auf die Proof-of-Work Eth1 Blockchain.
    Da ich keine Ahnung habe wie man ein Node aufsetzt hab ich mir diese Details auch nicht angeschaut aber vielleicht kann ja mal jemand über die praktische Umsetzung mit den Tokens was schreiben.

    • hi! um genau zu sein wird es keine eth2 und eth1-token geben, es sind beides die gleichen ETH. die einen liegen noch auf der bestehenden proof-of-work chain, die anderen befinden sich schon auf der neuen proof-of-stake chain, werfen Zinsen ab, und sind für eine nicht genau definierte Zeit (Schätzungen sagen ca. 2 Jahre) dort „locked“, also können nicht bewegt werden. Mehr Infos dazu in diesem Beitrag (https://bitcoinblog.de/2020/01/21/was-genau-meint-ethereum-2-0-das-wichtigste-was-ihr-wissen-muesst/).

      Die staking rewards kommen direkt auf die 32 eth pro validator darauf, z.B. hat man nach einem Tag 32,01 eth und nach vier Monaten 33 eth. Die jährliche Verzinsung wird am Anfang sehr hoch sein(um die 20%), danach wird erwartet dass es zwischen 4% und 10% liegt, je nachdem wie viele mit“staken“.

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