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Krypto-Mining: Von Steuererleichterungen, Atomenergie, vebranntem Gas und ökonomischem Batterien

Das Kernkraftwerk Saporischschja. Bild von Ralf 1969, geteilt über Wikipedia. Lizenz: Creativ Commons

Ein US-Bundesstaat lockt Krypto-Miner mit Steuererleichterungen an, während in Norwegen ein Unternehmen Bitcoin-Mining als „ökonomische Batterie“ verwenden möchte. In der Ukraine wackelt derweil der Plan, mehrere Gigawatt an nuklearer Energie ins Mining zu stecken, während Sibirien immer mehr zum Mining-Zentrum wird.

In diesem Rundumschlage zum Mining haben wir eine Reihe extrem spannender Entwicklungen, von denen eigentlich jede allein eine große Nachricht abgibt:

  • Kentucky möchte Miner durch Steuererleichterungen anziehen,
  • die Ukraine will im großen Stil Atomenergie fürs Mining verwenden, hat aber Probleme mit der Stromversorgung;
  • im russischen Sibirien entstehen immer mehr Mining-Farmen, die zum Teil auch Gas auf umweltfreundliche Weise nutzen,
  • in Norwegen möchte eine Beteiligungsgesellschaft die Energiewende durch Bitcoin-Mining stützen.
  • Lediglich in China ist man weniger froh übers Mining, weshalb die Innere Mongolei versucht, alle Miner loszuwerden.

Kentucky erlässt Steuern für Krypto-Miner

Die Regierung des US-Bundesstaates Kentucky ist derzeit im Begriff, zwei Gesetze zu verabschieden, welche Anreize für das Mining von Kryptowährungen setzen sollen. Ein Gesetz soll Steuererleichterungen für Miner und andere Tech-Unternehmen geben, während das zweite die Anreize für nachhaltige Energien aufs Kryptomining ausdehnt.

Vergangenen Freitag wurde das Energie-Gesetz mit klarer Mehrheit durch den Senat bestätigt. Es besagt, dass Mining-Anlagen mit einem Basisinvestment ab einer Million Dollar auch in den Genuss von Anreizen kommen, mit denen Kentucky energieintensive Unternehmen dazu motiviert, erneuerbare Energien wie aus Photovoltaik, Wind oder Biomasse zu verbrauchen. Mining-Anlagen können Subventionen für den Betrieb sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen erhalten und werden von Verkaufs-, Einkommens- und Verbrauchssteuern vollständig und von Abfindungssteuern zu 80 Prozent befreit.

Für Kentuckys Energieprofil wäre ein Ausbau der erneuerbaren Energien wünschenswert. Denn der US-Bundesstaat bezieht weiterhin mehr als 70 Prozent seiner Elektrizität durch Kohle, was an den üppig vorhandenen Vorräten liegen dürfte. Erneuerbare Energien stellen derzeit nur einen kleinen Teil der Stromversorgung.

Unabhängig von der Stromerzeugung soll das zweite Gesetz den Minern Steuererleichterungen anbieten. Über dieses wird der Senat heute abstimmen. Der Vorschlag sieht für Kentucky die Chance, „ein Führer in der aufstrebenden Branche des kommerziellen Minings von Kryptowährungen“ zu werden, da der Staat „über ein überschüssiges Angebot an Elektrizität verfügt, welches er zu tieferen Preisen als die meisten anderen Staaten bereitstellen kann.“ Mit derzeit im Durchschnitt 10,56 Cent je Kilowattstunde gehört Kentucky tatsächlich zu einem der US-Staaten mit den günstigeren Strompreisen. Das Gesetz soll es Minern erlauben, sich für eine Steuerbefreiung zu bewerben, welche bis Mitte 2030 in Kraft sein soll. Diese Steuerbefreiung gilt wohl für die Kauf- und Verbrauchssteuer von 6 Prozent, welche etwa anfällt, wenn die Miner ihre Coins verkaufen oder für Strom oder Mining-Geräte bezahlen.

Ukrainische Pläne für nukleares Mining wackeln

Derweil haben die Ambitionen der Ukraine, zu einem der führenden Mining-Standorte der Welt zu werden, einen Dämpfer bekommen.

Im Februar war bekannt geworden, dass das Energieministerium des Landes vorhat, durch die dem Staat gehörende Energiefirma Energoatom riesige Mining-Anlagen aufzubauen. So wurde etwa schon geplant, ein 700-Millionen-Dollar-Center an das Kernkraftwerk Saporischschja anzubauen, welches das größte Kernkraftwerk Europas ist und rund 1 Gigawatt für das Mining-Center zur Verfügung stellen soll. Darüber hinaus existieren Verträge mit der Mining-Firma BitFury, denen zufolge die Energoatom an vier verschiedenen Nuklearkraftwerken 2 Gigawatt für verschiedene Mining-Farmen zur Verfügung stellen wird.

Nun jedoch stellt die Schwäche der ukrainischen Energieversorgung das Projekt infrage. Zwar ist die Ukraine einer der weltweit stärksten Produzenten von Atomenergie und produziert in der Regel einen Überschuss an Strom. Doch im Lauf des Februars war es zu einer Energiekrise gekommen, als mehrere Kraftwerke mit fossilen Energieträgern ausfielen und damit tausende von Haushalten ohne Stromversorgung zurückließen. Allein zwischen dem 1. Januar und dem 9. Februar war es zu 92 Notfällen in der Stromerzeugung gekommen, wegen denen Kraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden mussten. Ein Grund dürfte sein, dass die Kohlereserven des Landes unter ein kritisches Niveau gefallen waren. Die Krise endete damit, dass die Ukraine Strom von Russland importierte.

Wie kann das sein – bei so großen Überschüssen? Seeking Alpha erklärt dies durch die politischen Umstände. Der 2019 gewählte Präsident Wolodymyr Selenskyj ging zunächst scharf gegen Korruption vor. Doch später erzwangen die Oligarchen des Landes eine Neubildung der Regierung, welche einer Gruppe mit starken Interessen an fossilen Brennstoffen und der Kohleforderung die Kontrolle über das Energieministerium gab. In der Folge verlor Atomenergie zugunsten von Kohleenergie an Marktanteilen. Diese Entwicklung gefährdet die Energieversorgung des ganzen Landes – und die ambitionierten Pläne, Kryptowährngen zu schürfen.

Sibirien wird Mining-Paradies

Im benachbarten Russland breitet sich das Kryptomining derweil weiter aus. Reuters berichtet über „BitRivers“, welches Mining-Farmen mit dem Strom aus einem Hydrokraftwerk an der sibirischen Angara mehrere Mining-Center betreibt.

Das Unternehmen stelle bereits zwei Prozent der globalen Hashrate, berichtet Reuters, doch der Bedarf an Kunden, vor allem aus dem Ausland, sei so groß, dass das Unternehmen die Kapazitäten weiter ausbauen werde. Im Lauf des Jahres möchte die Firma 300 Megawatt erreichen.

Angeblich stellt Russland mittlerweile sieben Prozent der globalen Bitcoin-Hashrate. Dafür dürfte neben den privaten sibirischen Farmen mittlerweile auch ein bekannter, staatsnaher Akteur verantwortlich sein: der Energiekonzern Gazprom.

Der russische Öl- und Gaskonzern hat begonnen, seine sibirischen Förderanlagen durch Mining-Anlagen zu ergänzen. Dabei wird vor allem das Gas, das bei der Ölgewinnung entsteht, als Energie genutzt. Dieses Gas ist in der Regel ein Verlust für Ölförderer, da sie es meistens gegen eine Strafzahlung verbrennen. Mit der von einem Partner aufgebauten Mining-Anlage versucht Gazprom nun, dieses Gas sinnvoller zu verwerten. Damit eifert Gazprom den nordamerikanischen Unternehmen Upstream Data und Crusoe Energie Systems nach, welche Mining-Anlagen nutzen, um das überschüssige Gas bei Förderstätten in den USA und Kanada zu nutzen.

Norwegisches Unternehmen möchte Bitcoin als „ökonomische Batterie“ verwenden

Doch auch in Europa beginnt man, die Chancen im Mining zu sehen. Die norwegische Beteiligungsgesellschaft Aker, die über verschiedene Tochterfirmen im Energiebereich tätig ist, plant, Bitcoin als eine „ökonomische Batterie“ zu verwenden.

Aker hat das Unternehmen Seetee gegründet und mit 500 Millionen Norwegischen Kronen (knapp 50 Millionen Euro) ausgestattet. Seetee soll in Projekte und Unternehmen im Bitcoin-Ökosystem investieren. Dazu hat es sich auch Bitcoins gekauft, um diese als Reserve-Asset zu verwenden. Vor allem aber plant Aker, Mining-Anlagen aufzubauen – und zwar, um die Energiewende in Norwegen voranzutreiben.

„Seetee wird Mining-Anlagen bilden, welche gestrandete oder periodisch verfügbare Elektrizität ohne stabile lokale Nachfrage – etwa durch Wind, Solar oder Wasserkraft – in ökonomische Assets transformieren,“ schreibt Aker-CEO Inge Røk­ke. „Bitcoin ist, in unseren Augen, eine die Ladung ausgleichende ökonomische Batterie, und Batterien sind essenziell für die Energiewende, die notwendig ist, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Wir haben die Ambition, wertvolle Partner für Projekte der erneuerbaren Energien zu werden.“

Damit bringt Aker das Bitcoin-Mining als Lösung für ein Dilemma der Energiewende ins Spiel: Wind- und Solarenergie sind zwar mittlerweile ausreichend günstig, um zur primären Stromquelle zu werden, doch sie sind volatil und periodisch – sie entstehen nur, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Um mit ihnen eine dauerhafte Stromerzeugung zu erreichen, benötigt man dringend leistungsstarke Batterien. Benzin beispielsweise ist keine effiziente Energiequellen, da Verbrennungsmotoren nur 30 Prozent der Energie nutzen – „ihr kauft kein Benzin, weil es eine günstige Energie ist. Ihr kauft es, weil es eine exzellente Batterie ist: Exxon ist ein Batterie-Unternehmen.“

Zusammen mit Blockstream möchte Aker diese ökonomische Batterie ins norwegische Energiesystem einführen.

Innere Mongolei will Miner loswerden

Aber nicht überall teilt man die Begeisterung fürs Bitcoin-Mining. Ausgerechnet in einem der globalen Hotspots, der Inneren Mongolei in China, weht den Minern nun ein scharfer Wind entgegen: Die Provinz hat vor, neue Mining-Anlagen zu verbieten und die existierenden aufzulösen, um den Energieverbrauch zu reduzieren.

Die Innere Mongolei stellt etwa 8 Prozent der globalen Hashrate, also mehr als ganz Russland, da es über günstige Stromquellen verfügt. Allerdings hat es die Provinz nicht erreicht, die Ziele der Zentralregierung in Beijing zu erfüllen, welche die Reduktion des Energieverbrauchs vorschreibt. Präsident Xi Jinpin plant, spätestens ab 2030 den CO2-Ausstoß zu reduzieren und ab 2060 CO2-neutral zu sein. Um diesen Zielen nicht im Wege zu stehen, hat die Innere Mongolei eine Kommission aufgestellt, welche Pläne ausgearbeitet hat, um den Energieverbrauch zu senken. Ein Teil davon ist, sämtliche Mining-Anlagen bis April 2021 ausgemerzt zu haben.

So unangenehm das im einzelnen Fall sein mag – zahlreiche andere Länder und Regionen werden die Miner mit offenen Armen begrüßen.

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7 Kommentare zu Krypto-Mining: Von Steuererleichterungen, Atomenergie, vebranntem Gas und ökonomischem Batterien

  1. Bitcoin als Batterie zu bezeichnen ist schon etwas euphemistisch. Ob das sinnvoll ist hängt eigentlich nur davon ab wie man zu bitcoin steht.
    Im Prinzip wird einfach nur die Spitzenleistung verfeuert, gespeichert oder unterstützt wird da nichts:D

    • Doch der Wert der Anlage wird gespeichert, d.h. man kann z.B. die Wartungsarbeiten der Anlage weiter bezahlen und neben die Anlage weitere Anlagen stellen, die Strombedarf von Haushalt und Industrie in Spitzenbedarfszeiten dann besser decken können.

      Wenn mehr Strom produziert wird, als die Leitungen aushalten, oder Strom nur mit starkem Transportverlust an weit entfernte Orte (Nord-Süd Trasse) verkauft werden muss, ergibt Bitcoin als ökonomischer Speicher Sinn,da Speichertechniken für Strom, die ausreichend gut funktionieren, aktuell noch nicht bereit stehen.

      Ist dann ein Realbedarf von Industrie und Haushalten da, kann man die Leistung beim Bitcoinmining einfach abziehen. Bitcoin selber leidet sehr wenig darunter. Die globale Hashrate kann in Nullzeit an andere Orte wandern, die aktuell eine Überproduktion haben. Win-Win und ein stabilisierender Effekt für beide Systeme.

      Bei den Erneuerbaren wird dabei auch nichts unnütz verfeuert, was nicht sowieso bereit stünde.

      Bei Öl, Gas und Nuklear klingt das hingegen wirklich nach einem falschen Anreiz. In der Ukraine ist in Christophs Artikel am Ende auch der Staat dagegen vorgegangen, als – für alle Beteilgten deutlich erkennbar – etwas falsch lief.

  2. Die Staumauer ist ja auch eine Batterie. Mit billig Strom füllen und teurer ablassen …

  3. Vielleicht nochmal zur Erklärung. Erneuerbare haben zwei Probleme:

    1. Es gibt zu wenig Wind/Sonne,… d.h. der Bedarf der Haushalte/Industrieanlagen kann nicht gedeckt werden. Ein mehr an Anlagen (5 Windparks wären auch bei Flaute besser als einer) oder besser ein Mix (kein Wind da, aber Sonne) hilft, führt aber zur Verschlimmerung bei Punkt 2.

    2. Es gibt zuviel Wind/Sonne, … d.h. das zuviel kann die Stromleitungen überlasten, oder es gibt keine Abnehmer oder zu hohe Transportverluste (Über Hochspannungsleitungen, die keiner von uns hinterm Garten stehen haben will, ab in den Süden).
    Folge daraus: die Anlagen müssen gedrosselt werden, oder stehen sogar ganz still, obwohl der schönste Wind weht.

    Dagegen helfen würden Stromspeichertechniken, die es mit ausreichedem Wirkungsgrad aktuell – und vermutlich auch noch länger – nicht gibt.
    Auch helfen könnten vor Ort StromUmwandler wie Power-to-heat, Power-to-Gas (Umwandlung des Stroms in Wasserstoff), was aktuell auch noch ziemlich unwirtschaftlich ist.

    Seit 2020 ist für die Windkraft das EEG weggefallen, und wenn es kein Wunder gibt, drohen mit Steuergeldern hochsubventionierte Anlage der Abbau, weil sich schlicht die Wartung der Anlage für die Betreiber nicht mehr rechnet. An weiteren Ausbau (das löst Problem 1.) wäre schon gar nicht zu denken.
    Das ist so ein bisschen die Situation die die Windkraft aktuell bewältigen muss. Solar hat noch ein bisschen länger Zeit.

    Ähnlich wie die Stromumwandler den Strom vor Ort zu verbrauchen in dem man ihn in Wirtschaftskraft wandelt könnte Probleme 1. und 2. abfedern, bis ausreichend gute Stromspeicher oder Umwandler entwickelt wären.

  4. Erik Schieweck // 17. März 2021 um 9:04 // Antworten

    Naja, der Stromspeicher werden dann bald die vielen E-Autos sein, die alle ne Batterie haben. Vielleicht kann ich auch dann schnell zu dem Windrad in der Nähe fahren, das noch Strom übrig hat und mir den per App zum Sonderpreis anbietet?

  5. Wasserstoff ? Überschüssiger Strom in Wasserstoff speichern … Wasserstoff wird bei userem Gasnetzt übrigens beigemischt … ohne Probleme 😉 Akkus der E-Autos wäre auch eine vernünftige Lösung … nur wer möchte da den Lead zur umsetztung haben ?

  6. @Erik Schieweck: Für kleine Mengen, wie die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist die Batterie als Speicher sicher sinnvoll. Aber um den GW oder TW Ertrag eines oder mehrere Windparks oder für ganz Deutschland zu speichern, reicht die Menge an Batterien die Elon Musk in seinen Fabriken herstellen könnte nicht aus. Der Lithiumbedarf dafür wäre immens, selbst wenn Tesla und andere die Produktion entsprechend schnell hochfahren können.

    @SpecT: Eigentlich bevorzugen die Vertreter der Power-to-Gas Idee aktuell sogar die Erzeugung von künstichem Methan, weil es stabiler und besser transportierbar ist. Trotzdem wäre solches künstliches Methan noch auf lange Zeit nicht konkurrenzfähig gegenüber natürlichem Erdgas aus Russland.

    Leider sind alle diese Ideen noch sehr am Anfang, so dass die Nukleartechnik (zumindest ausserhalb von DE) aktuell als neuer(alter) Kandidat für CO2-Nullemissionen bis 2050 ein Revival erlebt. Da fände ich persönlich eine ökonomische Pufferung für die Erneuerbaren über Kryptomining doch die deutlich charmantere Brückentechnologie.

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