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Bitcoin-Kurs: Wie es von hier aus weitergehen kann

Egal wohin die Reise geht - guter Schlaf ist unbezahlbar. Bild von Anastasia Migunova via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der Bitcoin-Kurs ist gerade in der Schwebe: Steigt er oder fällt er? Sind wir noch im Bullenmarkt oder schon im Bärenmarkt? Wir skizzieren in einigen Szenarien, was nun passieren könnte.

Ist es Kaffeesatzleserei, wohlinformierte Prognostik oder irgendetwas dazwischen, etwa halbkompetente Spekulation? Niemand weiß, was in Zukunft passieren wird. Steigt der Preis? Fällt er? Folgt er einem altbekannten Muster – oder bricht er es? Kaffeesatz oder Wissenschaft?

Der Bullenmarkt, den den Bitcoin-Preis seit Mitte 2020 kontinuierlich hochgetrieben hat, wurde unterbrochen. So viel steht fest. Das bisherige Allzeithoch von beinah 60.000 Dollar ist bereits mehr als einen Monat vergangen, und seitdem sinkt der Kurs, steigt aber auch mal. Es ist auf jeden Fall etwas passiert. Aber was genau? Und wohin wird das führen?

Wir skizzieren einige Szenarien, wie es weitergehen könnte.

(1) Es wintert ewiglich

Nichts wächst ewig, schon gar nicht exponentiell, und ein Regenbogen steigt nicht nur, sondern fällt, nachdem er den Scheitel überschritten hat.

Das Allzeithoch, das Bitcoin bei etwa 60.000 Dollar erreicht hat, war das absolute, ewige Allzeithoch. Von hier aus kann es nur noch abwärts gehen. Der Markt wird lange brauchen, um das zu begreifen. Es wird blutig, und es wird trotzigen und erbitterten Widerstand geben. Hier und da wird sich eine Bullenfalle bilden: ein Pseudo-Anstieg, vielleicht sogar eine Pseudo-Rally. Doch die Tendenz ist unabänderlich.

Der Kurs fällt, sein Ziel ist die Null. Gewiefte Trader holen hier und da noch einige Dollar raus. Early Adopter sichern sich ab, so dass sie als Multimillionäre aus dem Spiel rausgehen. Die Hodler mit den eisernen Händen, die in religiöser Überzeugung hinter Bitcoin stehen, lichten sich. Einer nach dem anderen gibt auf, und der harte Kern steht in einigen Jahren mit leeren Taschen da. Bitcoin war, wird man in einem halben Jahrzehnt wissen, eine sehr spezielle, aber gewaltige Art von Pyramidenspiel.

Kann es sein, dass der Regenbogen-Chart vom Blockchain Center falsch justiert ist? Wenn man bei der ersten Spitze ansetzt, dann eine Kurve über die zweite setzt und bei der Dritten ankommt – dann wäre das die letzte gewesen und der Regenbogen hätte seinen Scheitel überschritten.

Ist dieses Szenario realistisch? Kritiker wie David Gerard oder seit neuestem der Trading-Philosoph Nassim Taleb würden sagen, es sei nicht nur denk-, sondern sogar unvermeidbar.

Ich selbst sehe das, als Bitcoinblogger naturgemäß, natürlich anders. Bitcoin ist weiterhin knapp, und die staatlichen Geldpressen drehen weiterhin immer stärker auf. Das Finanzwesen ist weiterhin um große Silos zentralisiert, und die Option, digitales Geld vollständig selbst verwalten zu können, weiterhin von großem Wert. Daran, dass Bitcoin eine wichtige und große Erfindung ist, hat sich nichts geändert. Damit die Kryptowährung von hier aus nur noch sinkt, muss etwas geschehen, das den natürlichen Lauf des Weiter-So nachhaltig verändert.

Regierungen weltweit müssten sich verbrüdern, um Bitcoin zu verbieten. Der Kurs müsste unter eine kritische Schwelle fallen, um dem Versprechen, Werte zu erhalten, die Glaubwürdigkeit zu rauben. Zum Beispiel auf weniger als 1.000 Euro. Es müsste einen verheerenden Bug geben, etwa im Bitcoin-Code, oder in der Kryptographie, vielleicht ein Quantencomputer — irgendein Ereignis eben, das Bitcoin auf technische Weise zerstört oder zumindest spürbar schädigt. Unter Umständen könnte auch eine andere Kryptowährung, etwa Ethereum, Bitcoin vom Thron stoßen, was eine Abwertung von Bitcoin nach dem üblichen Shitcoin-Schema einleiten würde. Eventuell könnte auch ein Kollaps des Stablecoins Tether einen solchen Abschwung einleiten.

Aber solange all dies nicht passiert, sehe ich wenig Potenzial, dass Bitcoin von hier aus nur noch fällt. Die Gerards und Talebs, die jetzt so auf Bitcoin herumhacken und Bitcoiner als Idioten und Opfer beschimpfen, streicheln vor allem ihr eigenes Ego damit, dass sie recht hatten, als sie irgendwann entschieden, dass Bitcoin Unfug ist.

Realistischer erscheint mir daher das zweite Szenario.

(2) Die quälend langen Bärenjahre

Wenn es eine Sache gibt, die wir aus Bitcoins Vergangenheit kennen, dann ist dies die übliche Abfolge von relativ kurzen Bullen- und quälend-langen Bärenmärkten: Der Kurs steigt für ein halbes, vielleicht auch für ein ganzes Jahr und gipfel in der Blase einer vollkommen surrealen Überbewertung. Danach, wenn diese Blase geplatzt ist, wird er mehrere Jahre lang fallen.

So war das zwischen Juni 2011 und März 2013, zwischen Januar 2014 und Januar 2017, zwischen Januar 2018 und März 2020 … wird es wieder so sein, von Mai 2021 bis … bis … Juli 2023? 2024? Oder gar 25?

Der Bärenmarkt von 2014-2017 nach coinmarketcap.

Wenn wir nun in einem der langen Bärenmärkte angekommen sind, würde es für zwei, drei, vielleicht sogar vier Jahre etwa so weitergehen: Der Kurs sinkt, mal ganz langsam und kaum spürbar, so, wie man einen Frosch kocht, oder schnell und schmerzhaft, so, wie man einen Baum fällt. Der Markt extrahiert Dollar und akkumuliert Bitcoins. Zwischen diesen Episoden des Sinkens wird es immer wieder kurze Anstiege geben, sogar kleine Rallys. Die werden sich aber als „Bullenfallen“ entpuppen: Als Fallen für die Optimisten, die in jeder Schwalbe schon den ganzen Sommer sehen. Solche Bullenfallen werden die Holder bei Stange halten, bis die kaltblütigen Trader genügend Dollar rausgezogen haben.

Und der Bärenmarkt nach der Blase 2017/18.

Dieses typische Schema für Bärenmärkte, das Trader „Dead Cat Bouncing“ nennen, eine tote Katze, die auf und ab prallend die Treppe hinunterpurzelt, wird sich einige Jahre hinziehen. Das Handelsvolumen wird dabei zurückgehen, die meisten Krypto-Unternehmen werden Umsatzeinbußen hinnehmen und von dem zehren müssen, was sie in diesem Bullenmarkt zurückgelegt haben. Startups, die rein auf dem Hype und übertriebenen Preisen gebildet sind, werden pleitegehen.

Zugleich sind aber Bärenjahre Macherjahre. In einem Bullenmarkt gibt es einen Überschuss an Kapital, oft noch dummes Kapital, das sich wie ein Zuckerguss unterschiedslos über jedes Projekt legt. Wenn das Kapital den Markt jedoch verlässt, findet eine Auslese statt. Nicht Whitepaper, Kopien und Selbstdarsteller werden belohnt, sondern gute Ideen, harte Arbeit und Ausdauer. Bullenmärkte spülen Kapital in den Markt – und in Bärenmärkten wird mit diesem Kapital gearbeitet. Bärenjahre sind schmerzhaft, aber schöpferisch und voller Chancen.

Irgendwann kommt dann der Moment, der wie eine umgedrehte Blase aussieht: Der Kurs sackt tiefer, als er sollte; es kommt Panik auf, der Preis bewegt sich an der Schwelle, ab der man denken könnte, Bitcoin sei jetzt gescheitert. Doch er prallt von dort ab, kraftvoller und entschiedener als zuvor. Nun läuft Bitcoin seitwärts. Der Boden ist gefunden.

Und von dort aus steigt der Preis wieder, in der Regel nach einem Halfening, um ein neues Allzeithoch zu erreichen, in dessen Schatten das vorhergegangene kaum mehr sichtbar ist. Also voraussichtlich 2024 oder 2025.

Aber muss man wirlich so lange warten? Oder gibt es noch ein drittes Szenario?

(3) Die Korrektur des intakten Bullenmarktes

Die dritte Möglichkeit ist, dass der Bullenmarkt noch nicht an seinem Ziel angekommen ist. Der Einbruch, den wir jetzt gesehen haben, war nur eine Korrektur. Der Zyklus ist nicht an seinem Ende, sondern lädt sich lediglich auf, um diesem mit voller Wucht entgegen zu stürmen.

Als historisches Beispiel dürfte die erste Blase 2013 ideal sein. Bitcoin erreichte im April 2013 ein Hoch von rund 260 Dollar, was in diesem Jahr ein extremer Anstieg war. Ebenso extrem fiel der Kurs jedoch von dort aus, auf bis zu 50 Dollar, um sich danach bei etwa 100 Dollar einzupendeln. Nach einigen Monaten des von Ungewissheiten, Zweifeln und Sorgen begleiteten Seitwärtskurses brach Bitcoin etwa ein halbes Jahr später aus – um auf einen neuen Gipfel von etwa 1250 Dollar zu stürmen.

Die Doppelblase 2013 nach Bitcoincharts.com

Das, was man für den Gipfel einer Blase hielt, war nur ein Vorgeschmack. Das, was wie ein Crash aussah, war in Wahrheit eine Korrektur. Und das, was wie ein Bärenmarkt wirkte, war tatsächlich nur der Auftakt für den wahren Bullenmarkt.

Kann es dieses Mal auch so kommen? Theoretisch ja. Bitcoin hat das Potenzial der Knappheit noch längst nicht ausgeschöpft. Nur ein extrem kleiner Anteil von Unternehmen weltweit – ein nanoskopisch kleiner – verlagerte einen Teil seines Portfolios in Bitcoin, und das, obwohl die Anzeichen einer massiven Inflation immer schwieriger zu ignorieren sind. Die Infrastruktur und das Know-How, das diese Unternehmen und ihre Steuerberater benötigen, um Bitcoins zu halten, entsteht derzeit ebenso wie die technisch-rechtliche Basis, die Banken bedürfen, um ihre Kunden in Bitcoin investieren zu lassen. Das Material, das dem aktuellen Bullenmarkt als Treibstoff dient, ist noch längst nicht erschöpft. Nicht im Ansatz.

Allerdings ist eine solche Doppelblase historisch eher die Ausnahme. Das Territorium ist 2021 komplett anders als 2013. Damals wurde der Markt von einer einzelnen Börse dominiert – von Mt. Gox – und auf dieser haben sowohl im April als auch im November Fehler, Bugs und Manipulationen dafür gesorgt, dass der Kurs rascher stieg, als er sollte, und schneller abstürzte, als er musste. Der Markt ist heute sehr viel dezentraler, reifer und resistenter gegen Manipulationen.

Darüber hinaus ist der Markt auch sehr viel „schwerer“. Damals konnten solche starken Bewegungen durch einige Millionen Dollar ausgelöst werden. Heute braucht es dafür viele Milliarden Dollar. Ich persönlich hoffe zwar, dass dieses Szenario wahr wird, ich glaube es jedoch eher nicht. Aber ich bin auch ein schlechter Trader und daher auch ein schlechter Ratgeber.

Dennoch wage ich, einige vollkommen unverbindliche Hinweise zu geben, was man angesichts der derzeitigen Situation machen könnte oder sollte.

Richtiges und falsches Handeln

Grundsätzlich sollte man als erstes an den eigenen Schlaf denken. Wenn Sie zuviele Kryptocoins im Portfolio haben, so dass Ihnen Kurseinbrüche den Schlaf rauben, dann sollten Sie verkaufen. Selbst dann, wenn der Preis vor einer Woche höher war, und selbst dann, wenn Sie überzeugt sind, dass der Kurs in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr höher sein wird. Sich eines Risikos zu entledigen hat einen Wert, den man nicht mit Geld messen kann.

Dasselbe trifft aber auch auf Fiatgeld zu. Wenn Sie es verpasst haben, rechtzeitig in Bitcoin zu investieren, und wenn Sie nun auf einem Berg Euro sitzen, der im Schein der gelddruckenden Zentralbank schmilzt, ohne durch Zinsen Erträge zu erwirtschaften – kaufen Sie Bitcoins. Vielleicht war es vor drei Tagen günstiger, vielleicht wird es in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr noch günstiger sein. Aber wenn Sie überzeugt sind, dass nicht das erste Szenario eintritt, sollten Sie den optimalen Zeitpunkt eher als Rundungsfehler abtun.

Und damit wären wir vermutlich bei der Kernbotschaft: Solange Sie nicht denken, dass der Bitcoin-Kurs von hier aus für immer und ewig sinken wird – solange Sie also meinen, dass Bitcoin in Zukunft noch höher steigen wird, aber nicht wissen, wann – solange dies so ist, lohnt es sich, Bitcoins zu halten oder zu kaufen. Wenn Sie an hartes Geld glauben, wenn Sie die Inflation des Fiatgeldes fürchten. Wann genau Sie kaufen, spielt dabei keine Rolle. Machen Sie sich halt darauf gefasst, dass es einige Jahre dauern könnte, bis der Bärenmarkt vorbei ist, und halten Sie im Blick, dass es auch eine (kleine) Chance gibt, dass er niemals vorbeigehen wird.

Meiner Meinung nach ist zu empfehlen, in dieser Situation weder komplett in Euro (oder Dollar) zu sein noch komplett in Bitcoin. Es wird voraussichtlich noch glänzende Gelegenheiten geben, günstig nachzukaufen, und vielleicht wird es auch noch vorübergende Spitzen geben, wie sie eben typisch für Bärenmärkte sind. Wenn Sie vorhaben, hier und da zu handeln, werden Sie dafür viele Gelegenheiten bekommen. Aber überschätzen Sie sich nicht. Die meisten Leute verlieren durch übereifriges Traden mehr als sie gewinnen.

Ferner würde ich empfehlen, sich auf DeFi einzulassen, auf die Dezentralen Finanzen. Dort können Sie ihre Coins und Fiattoken angenehm verzinsen und vermehren und so die Zeit überbrücken, bis der Bärenmarkt vorübergezogen ist. Aber auch hier gilt, dass Sie das Risiko kennen sollten. Daher sollten Sie das wichtigste nicht aus den Augen verlieren – Ihren Schlaf.

Über Christoph Bergmann (2073 Artikel)
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11 Kommentare zu Bitcoin-Kurs: Wie es von hier aus weitergehen kann

  1. Wenn man alle drei Kurven der Halvenings übereinanderlegt, sieht man, dass jede Kurve flacher war und später begonnen hat. Tatsächlich sind wir dieses Jahr deutlich zu früh dran. Der Anstieg endet frühestens Ende Dezember, wahrscheinlich sogar erst im 1. Quartal 2022 (wenn sich die Vergangenheit so einfach auf die Zukunft fortschreiben lässt).

  2. Christoph,
    eine naheliegende Prognose hast du nicht erwähnt:
    Wir sind in einem Bärenmarkt angekommen, dieser wird aber keine Jahre dauern (warum auch?), sondern wird sich bereits nach Monaten durch ein zunehmendes Engagement des Finanzsektors im Krypto-Bereich in einen Bullenmarkt umwandeln. Will sagen, es wird keine 4 Jahres Zyklen mehr geben. Die haben noch nie Sinn gemacht.

    • Die 4-Jahres-Zyklen mit dem Halvening als „Herz-Schrittmacher“ sind sehr einfach und logisch erklärbar. Die Miner antiziperen das Halvening zwar, aber die nach dem Halvening pro Tag weniger geschaffenen BTC haben bislang immer relativ zeitnah den Bärenmarkt gestoppt bzw. den neuen Bullenmarkt eingeläutet.
      Das macht BTC zum (zumindest bislang) am einfachsten zu handelnden Finanzinstrument, das ich kenne.

      Der Effekt des Halvening sollte aber logischerweise mit jedem weiteren Halvening sinken, da die Reduktion der neu auf den Markt kommenden Coins in Relation zum Free Float immer weniger Einfluss haben müsste.

  3. „Grundsätzlich sollte man als erstes an den eigenen Schlaf denken. Wenn Sie zuviele Kryptocoins im Portfolio haben, so dass Ihnen Kurseinbrüche den Schlaf rauben, dann sollten Sie verkaufen. Selbst dann, wenn der Preis vor einer Woche höher war, und selbst dann, wenn Sie überzeugt sind, dass der Kurs in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr höher sein wird. Sich eines Risikos zu entledigen hat einen Wert, den man nicht mit Geld messen kann.“

    Sehr guter Tipp. Gerade bei Aufwärtsbewegungen (und der BTC-Kurs ist nunmal im Moment immer noch viel höher als vor einem halben Jahr) sollte man sich folgendes fragen:
    – Wie gut kann ich damit leben, wenn ich Anteil x verkaufe und der Kurs weiter ansteigt?
    – Wie gut kann ich damit leben, wenn ich (nur) Anteil x verkaufe und der Kurs einbricht?

    Man sollte den Anteil x verkaufen, bei dem man mit beiden Szenarien gleich gut leben kann.

  4. Paul Janowitz // 7. Juni 2021 um 12:37 // Antworten

    Es ist bezeichnend, dass ein Promi wie Elon Musk den Preis praktisch nach belieben manipulieren kann, während eine zugegeben relativ kleine Volkswirtschaft wie El Salvador keinerlei Einfluss auf diesen hat, obwohl die Meldung der Einführung als offizielles Zahlungsmittel eigentlich bahnbrechend ist.

    Einige Erklärungsversuche… (wer irgendwo auf Sarkasmus trifft, darf ihn behalten)
    – El Salvador ist eine global relativ unbedeutende Volkswirtschaft, in der etwa die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze „lebt“ und wenn 70% davon „unbanked“ sind, dann ist es auch unwahrscheinlich, dass sie ein Bitcoin Wallet richtig verwalten und zu ihrer eigenen Bank werden können.
    – Das Bitcoin Narrativ ist ja mittlerweile komplett bei digitalem Gold, nicht mehr Zahlungsmittel, Satoshi musste mit „A peer to peer digital cash system“ komplett daneben liegen und der Übersetzer ins Spanische hat wahrscheinlich noch etwas hinein interpretiert, was dem aktuellen Narrativ zuwider ist.
    – Eine Volkswirtschaft auch mit nur 6,5 Mio. Einwohnern würde die Bitcoin Blockchain bereits für ca. 20 Tage komplett auslasten, wenn jeder Bürger auch nur eine Transaktion vornehmen wollte. Wenn jetzt jemand mit Lightning kommt, dauert das sogar noch länger, da die Transaktionen jeweils noch größer sind und ich glaube kaum, dass die meisten Menschen dort so flüssig sind, dass sie eben einen Lightning Channel für Monate im Voraus eröffnen können, ohne OnChain Nachjustierung der Liquidität…
    – Die Bitcoin Blockchain / Mempool Auslastung ist aktuell im Vergleich zu März / April geradezu verschwindend gering, aber was würden auf einen Schlag 6 Mio. neue aktive Wallets verursachen? Fees in Fiat von 100$+ für simple Transaktionen, die nicht 278349 Wochen im Mempool stecken sollen? Kann sich in El Salvador jeder leisten…
    – Das Mining dürfte vielleicht für die Upper 1% im Land überhaupt ein Thema sein, da man sich ASICs erstmal leisten muss und auch beschaffen. Über die Strompreise dort ist mir nichts bekannt, aber selbst wenn man diese ignoriert, dürfte das Schürfen keine Rolle spielen. Selbst dezentralisierte PoW Lösungen wie RandomX bei Monero bringen nur bedingt etwas, da die meisten Menschen dort wahrscheinlich keinen Zugang zu einer schnellen CPU haben dürften. Bleibt also der Kauf von Bitcoin über (höchstwahrscheinlich zentralisierte und überwachte) Börsen. Wahrscheinlich findet sich sogar ein Chainanalyse Unternehmen, das das Tracking kostenlos übernimmt, dafür die Userdaten bekommt und alleine dadurch sein eigenes Produkt stark aufwerten kann…

    TL;DR
    Im Grunde ist die Ankündigung von El Salvador deutlich bedeutender als ein Furz von Elon Musk und ich würde sie feiern. Nur Bitcoin kann Jahre nach den Blocksize Debatten nichts erfüllen, was irgendwie sinnvoll für El Salvador wäre 🙁
    Beim nächsten Pullback unter 10k werden auch die aktuell verblendeten entweder gleich komplett aussteigen oder sich hoffentlich darum bemühen, dass Bitcoin irgendwann das wird, was es mal sein sollte. Wenn nicht, übernimmt das halt irgendwann Monero (oder ein anderer Coin, der noch nicht auf meinem Radar ist oder noch nicht released).

  5. In meinen Augen hat BTC auf lange Sicht keine Chance. Veraltete Technologie, keine Entwicklung (LN ist ein Witz). ETH holt sehr schnell auf, ist technisch viel besser und wird ständig weiterentwickelt. Auch viele andere Projekte sind dem BTC technisch klar überlegen. Bald wird ETH den BTC im CMC überholen und in einigen Jahren ist BTC Geschichte. Es wird als eine bahnbrechende Technologie in die Geschichte eingehen, die anderen Kryptowährungen den Weg geebnet hat, sich selbst aber nicht reformieren konnte. Hoffentlich bricht BTC nur nicht zu früh und zu schnell zusammen, weil dann der gesamte Markt einstürzen wird.

    • Paul Janowitz // 8. Juni 2021 um 0:06 // Antworten

      Wenn Kryptowährungen irgendwann im Zahlungsverkehr relevant werden sollten, dann stimme ich sicherlich zu, dass dies nicht BTC sein wird. Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass es auch nicht ETH sein wird…

    • > Wenn Kryptowährungen irgendwann im Zahlungsverkehr relevant werden sollten, dann stimme ich sicherlich zu, dass dies nicht BTC sein wird

      Hm, wie könnt ihr da so sicher sein? Bis dahin kann noch viel passieren. Nur vermutlich wird das so langsam sein, dass alle Hochtechnikbegeisterten diese Entwicklung aus purer Langeweile verschlafen.

      Dass ein Mensch wie Elon Musk den Kurs mehr bewegt als El Salvador, liegt daran, dass wir – als Gattung Mensch – nach wie vor ziemlich authoritätshörig sind.

      Warum muss jemand, der für alle offensichtlich mal in einer Sache richtig lag, für alle Zeiten in allem Anderen auch richtig liegen? Da wirkt der Zentralismus der Meinungen gegenüber dem Dezentralismus, immer noch ziemlich stark. Das gilt im übrigen sogar für Satoshi, unserem heiligen Anführer.

      Bezüglich El Salvador köpf ich gerne einen Sekt mit Dir, Paul. Ich find die Nachricht auch stark.

      • Paul Janowitz // 8. Juni 2021 um 18:19 //

        Hm, wie könnt ihr da so sicher sein? Bis dahin kann noch viel passieren. Nur vermutlich wird das so langsam sein, dass alle Hochtechnikbegeisterten diese Entwicklung aus purer Langeweile verschlafen.

        Ich bin seit 2011 bei Bitcoin dabei (nicht als Spekulant) und würde mir einige Kompetenz zuschreiben, wenn es um Softwareentwicklung geht… Und da passiert bei Bitcoin leider nicht mehr viel, denn es geht nicht (mehr) primär um Technologie, aber um Politik, übrigens wie in den meisten größeren Organisationen / Unternehmen nur dort gibt es meist irgendwelche Entscheidungsgewalten, die eine bestimmte Richtung vorgeben.
        Bitcoin hingegen ist ein genialer Proof of Concept mit dem Nakamoto Konsens, der zum ersten Mal eine tatsächlich dezentral „organisierte“ Währung möglich gemacht hat, hat aber unter etlichen Fehlern zu leiden, die nicht mehr gefixt werden (können). Ethereum ist da tatsächlich pragmatischer, daher bleibt ein Quäntchen Hoffnung bei mir übrig, dass es doch noch klappen kann…

        Ich habe die Unzulänglichkeiten, die teilweise gravierend sind schon öfter benannt, aber versuche dies nochmal, denn die Kommentarspalte eines Blogs ist nicht gerade die optimalste Publikationsform, um die Informationen insbesondere auch über Jahre zugänglich zu machen.

        Warum Bitcoin meiner Meinung nicht zu einer tatsächlich genutzten Währung werden will?
        1. Bitcoin ist leider nicht fungibel, was meiner Meinung nach eine grundlegende Voraussetzung für Geld ist. Durch die fehlende Privatsphäre ist ein Bitcoin mit eindeutiger Verbindung zu Ransomware, Drogen oder anderen kriminellen Machenschaften deutlich problematischer und damit potenziell weniger „wert“ als ein „frischer“, das zeigt sich dann meist spätestens in Sperren von Accounts auf Kryptobörsen. Gold ist (fast) 100% fungibel, Bargeld ist es nicht, da kein Schein einem anderen gleicht (Seriennummer, Abnutzung usw.) aber wurde rechtlich durch die jeweilige Regierung fungibel gestellt, was für Bitcoin nicht zu erwarten ist.
        2. Bitcoin ist nicht skalierbar. Und das nicht technisch, denn das wäre durchaus möglich, sondern politisch. Nach den Blocksize Kriegen ist es kaum vorstellbar, dass Bitcoin jemals eine Erhöhung der Blocksize und damit mehr Transaktionen pro Zeiteinheit bekommt. Der Flaschenhals ist immer die Bandbreite und die ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen, dank Nachfrage für Streaming usw. aber bei Bitcoin passen immer noch (etwa) gleich viele Transaktionen in einen Block („etwa“ weil eine theoretische Verdoppelung durch „Optimierungen“ wie SegWit keine Skalierbarkeit bedeutet). Lightning ist eine Fehlgeburt, die wenn überhaupt in der Nische genutzt wird und bei steigender Nutzung werden die Blöcke nunmal voll und man muss entsprechend für Transaktionen blechen, wie man erst vor zwei Monaten beobachten konnte. Selbst wenn Lightning funktionieren würde, bräuchte man für das Onboarding der Menschheit durch den Bedarf an Onchain Transaktionen länger als Bitcoin überhaupt existiert…
        3. Ständig variierende Gebühren sind durchschnittlichen Menschen nicht vermittelbar, denn anders als Unternehmer, die oft Spot-Preise für diverse Dienstleistungen bezahlen, sind durchschnittliche Menschen daran gewöhnt, immer einen Festpreis zu bezahlen, egal ob für eine Überweisung, Porto, Sprit oder Lebensmittel. Die Preise können durchaus leicht schwanken (was man wohl am ehestem beim Sprit sieht), aber eher nicht von 10 Cent auf 10 Euro (und womöglich wieder zurück) in einem Zeitraum weniger Tage. Und damit schließe ich sogar Kursschwankungen (zu Fiatwährungen) aus, denn die Volatilität würde sich deutlich legen, wenn Bitcoin tatsächlich als Geld genutzt werden würde.
        4. Lange Bestätigungszeiten von durchschnittlich 10 Minuten, was eben 20 Minuten bedeuten kann. Im Vergleich zu einer Banküberweisung eher kurz, für den Einzelhandel kaum akzeptierbar. Die Einführung von RBF ist da nicht alleinig schuldig, denn als Miner habe ich ohnehin keine Motivation, eine früher aufgetauchte „konkurrierende“ Transaktion mit dem selben Input aufzunehmen, als eine stärker dotierte. Bei Visa/MC & Co. übernehmen das Risiko in der Regel die Mittelsmänner (oder wälzen es gekonnt auf ihre Merchants ab).
        5. „Be your own bank“ ist zwar ein schöner Spruch aber leider auch nicht viel mehr. Menschen schaffen es nicht, ihre eigenen Geräte ordentlich vor Fremden zu sichern, im Falle von Bankbetrug gibt es meist ein Zeitfenster, in dem man Gelder einfrieren / zurückfordern kann oder es bleibt der Klageweg. Das alles ist bei „be your own bank“ eben weg, mit allen Konsequenzen. Egal, ob man selber für ein unsicheres Passwort verantwortlich ist oder ob es eine Sicherheitslücke in der genutzten Software oder auch Hardware gab, gewollt oder ungewollt. Auch Vererbung stellt das Individuum vor sehr hohe Hürden und wenn man sich nicht darum kümmert, gibt es für Erbberechtigte keinen (rechtlichen) Weg daran zu kommen.
        6. Bitcoin hat keinerlei Privatsphäre, man kann sie nur mit erheblichem Aufwand und Wissen in das System „reinhacken“, die meisten User dürften daran scheitern und irgendwann öffentlich damit konfrontiert werden, dass sie mal etwas im Darknet oder Beate Uhse gekauft haben. Die anfängliche Pseudonymität schwindet mit zunehmender Nutzung zur kompletten Transparenz und die Tools dafür werden immer populärer und zugänglicher. Auch wenn das aktuell noch als „Big Data“ recht teuer gehandelt wird, ist es nicht wesentlich komplexer als die Verknüpfung bei einer Telefonnummern Rückwärtssuche. Die meisten Menschen wollen das nicht und obwohl sie ihr tägliches Mittagessen in Social Media mit aller Welt teilen, tun das die wenigsten mit Rechnungen oder gar Kontoauszügen. Vielleicht ist Skandinavien die Ausnahme, die die Regel bestätigt, aber auch da gibt es klare Grenzen…
        7. Die Sicherheit des Netzwerks ist langfristig nicht mehr durch den Base Reward gesichert, der aktuell bei 6,25 BTC pro Block liegt, sondern muss alleine durch Gebühren getragen werden, spätestens nach dem übernächsten Halving wird das einen enormen Einfluss auf die Sicherheit haben. Aktuell gibt es Peaks, in denen Blöcke bereits mehrere BTC an Transaktionsgebühren zusätzlich zum Base Reward generieren, sind es in den meisten deutlich unter 10%. Da die Bezahlung der Miner aber noch hauptsächlich über den Base Reward funktioniert, schaltet niemand sein Mining Equipment ab, wenn nicht ausreichend hochpreisige Transaktionsgebühren abzustauben sind. Das wird sich in Zukunft mit Sicherheit ändern und ein relativ hoher Minimalpreis einpendeln, zu dem man überhaupt noch irgendwann in einen Block aufgenommen wird. Solange nicht genügend solcher Transaktionen im Mempool warten, werden rational agierende Miner auch keinen Strom „verschwenden“, da der potenzielle Output zu gering ist und Blöcke könnten wieder sehr variierende Zeiten haben, die deutlicher als heute von den angestrebten 10 Minuten abweichen.
        8. Zentralisierung des Minings auf wenige Player. Es ist egal, ob aktuell 30 oder 80% des Minings auf China konzentriert sind, wenn die Hardware dafür zu 90% von Bitmain kommt, welches einem autoritärem Regime untersteht. Ich kenne zwar noch ein paar Leute, die ein paar alte Miner besitzen, aber ich kenne persönlich keine einzige Person, die heute noch Bitcoin mined und ich würde mich als jemanden bezeichnen, der in der Krypto-Blase lebt und daher dürfte es entsprechend wenige Menschen geben, die das noch individuell tun. Ganz sicher kenne ich mehr Menschen, die aktiv VPNs oder sonstige Verschlüsselung nutzen, auch wenn diese auf die Gesamtbevölkerung rar sein dürften…

        Jenseits von Bitcoin gibt es für einige der Probleme Lösungen, für einige sind mir keine bekannt…
        1. Die wahrscheinlich stärkste Kryptowährung, die tatsächlich fungibel ist, ist Monero. Durch standardmäßige Privatsphäre für jede einzelne Transaktion kann es mir wie bei Bargeld egal sein, ob die Coins, die ich rechtmäßig erhalten habe zuvor durch kriminelle Wallets geflossen sind oder nicht. Geld stinkt nicht, Monero stinkt auch nicht. Für die meisten mit Privatsphäre beworbenen Blockchains gilt das nicht, denn diese ist meist optional und damit bereits verdächtig – „kein normaler Mensch verschleiert seinen Traffic über ein VPN oder verschlüsselt seine Mails“ – Coins, die zuvor mit Mixing / Hidden Pools in Berührung waren, sind also grundsätzlich verdächtig.
        2. Nielsen’s Law der Steigerung der Bandbreite geht von 50% jährlich aus, für Bitcoin würde das seit Anfang 2009 also 1,5^12 und ca. 130 bedeuten, wenn man davon absieht, dass das 1MB Limit erst irgendwann 2011 oder so eingeführt wurde. Bitcoin müsste demnach also statt aktuell ~200k Transaktionen pro Tag bereits 26M verarbeiten können und läge bei 300 Tx/s, VISA schafft laut eigenen Angaben maximal 24k Tx/s. Ich war natürlich ignorant bezüglich bisheriger Optimierungen der Signaturen, Batching & Co. – Die Blockchain würde natürlich stärker wachsen als sie das aktuell tut und womöglich statt der aktuellen ~350GB bereits 5TB groß sein. Nicht tragisch angesichts Festplattenkosten von ~20$ pro TB und der Möglichkeit, einen Großteil der Blockchain zu „prunen“ für diejenigen, die das nicht komplett vorhalten wollen oder können. Hier hat Ethereum sogar noch mehr Nachsehen mit dem Ansatz, eine Eier legende Wollmilchsau zu sein, denn das skaliert halt noch weniger auf den einzelnen Nodes und man müsste die Blockchain „sharden“, was aber nicht soooo trivial ist. Auch Monero skaliert auf den ersten Blick schlechter, weil simple Transaktionen zeitweise sogar über 13kB waren, bis man die Verschlüsselungsalgorithmen optimieren konnte und heute ca. 1,4kB im Vergleich zu 200B bei Bitcoin liegen. Allerdings hat man sich überlegt, wie die Blocksize nachhaltig vergrößert werden kann und Miner können gegen eine „Strafgebühr“ die Blockgröße um bis zu 100% des Medians der letzten Blöcke vergrößern… Muss sich noch beweisen 😉
        3. Bei einer starren Blocksize wird es immer stark schwankende Gebühren geben, auch in Ethereum. Es gibt Kryptowährungen, die komplett auf Gebühren verzichten wie IOTA oder Rai, aber ob diese bei entsprechender Nutzung genügend Anreize schaffen, einen Node zu betreiben, wage ich zu bezweifeln. Bei Monero hat man sich nach langen Diskussionen für eine dynamische minimale Gebühr pro Byte entschieden, die sich am aktuellen Block Reward und der aktuellen Größe orientiert. Je größer die Blöcke also werden, desto kleiner wird die Gebühr pro Byte. Einen Anreiz zum Mining bringt die Tail Emission, die für immer 0,6XMR pro Block betragen soll.
        4. Die Bestätigungszeiten sind eine harte Nuss, denn fast alle mir bekannten Ansätze sind mit Einbußen bei der Dezentralisierung verbunden. In einem wirklich dezentralen Netzwerk, das der Nakamoto Konsens erst ermöglicht hat sind 0-Conf Transaktionen eigentlich nur machbar, wenn sie vom potenziellen Miner nicht unterscheidbar und keinen Vor-/Nachteil bringen. Die Risikoabwägung liegt leider beim Merchant.
        5. Custodial Wallets, aber dann sind wir wieder bei bankenähnlichen Konstrukten, die noch schlimmer sind, da sie noch weniger Regulierung / Sicherheiten besitzen. Ich behaupte, die meisten Menschen heute sind nicht im Stande, ihre Keys sicher zu verwahren und Kryptowährungen sollten im nicht bombensicheren offline Wallet nur in solchem Umfang gehalten werden, den man in form von Bargeld in der täglichen Geldbörse mit sich trägt.
        6. Neben Monero gibt es einige mehr oder weniger sinnvolle Ansätze, die für Privatsphäre sorgen. zk-Snarks bei Zcash sind technisch zwar noch exzellenter als RingCT Signaturen bei Monero, aber erfordern leider ein „trusted setup“ der Keys, bei dem alle Teilnehmer ihren „toxischen“ Abfall löschen müssen. Man kann auch auf „trusted setups“ von RSA & Co. aufbauen, aber ob ich diesen mehr vertraue als z.B. zooko? Ich persönlich nicht und daher vertraue ich den technisch weniger eleganten Ring Signaturen, die aber immer ausgeklügelter werden… Vielleicht sehen wir in einigen Jahren eine optimale Lösung? Ich würde es begrüßen.
        7. Auch hier gibt es unzählige Ansätze, den meisten dürfte der Proof of Stake bekannt sein, von dem ich allerdings nicht viel halte. Warum? Er ist vergleichbar mit heutigen Banken, denn diejenigen mit dem größten Stake bekommen auch den größten Reward, ohne Arbeit. Vermögen zentralisiert sich also automatisch immer weiter, ohne dass die Gewinner einen wirklichen Beitrag dazu geleistet haben. Der Nakamoto Konsens war deswegen bahnbrechend, weil er tatsächlich einen Beweis geleisteter (Rechen-)Leistung erfordert hat. Leider hat eine moderne CPU mittlerweile weniger als einen Bruchteil eines Promilles Leistung beim Bitcoin Mining im Vergleich zu spezialisierten ASICs und der Konsens wurde auf den Kopf gestellt. Bei einigen Coins wie Doge oder Monero setzt man auf eine „ewige Inflation“ für den Block Reward, die bei Doge deutlich höher ausfällt als bei Monero, prozentual fällt sie in der Regel mit der Zeit. Bei Monero werden das in einigen Monaten 0,3XMR pro Minute sein und damit weniger als 1% der Gesamtmenge jährlich. Die Transaktionsgebühren für den gesamten Block werden sich entsprechend einpendeln, dass sie maximal 100% des Block Rewards zusätzlich betragen, denn sonst lohnt sich auch eine Erhöhung der Blockgröße für den Miner und den anteiligen Verlust des Block Rewards.
        8. 1 CPU, 1 Vote war zwar eine naive Vorstellung, aber Ethereum wird bis heute mit handelsüblichen GPUs geschürft, Monero Dank der RandomX Entwicklung sogar auf CPUs. Anders als ASICs hat sowas (fast) jeder zu Hause / auf Arbeit und anders als Spezialchips kann die Verbreitung / Einfuhr / Ausfuhr und Nutzung dieser kaum beschränkt werden.

        Das war wieder ein ziemlich Monero-lastiges Posting und wurde länger als gedacht. Disclaimer: Ich bin seit 2015/2016 Mitglied der Monero Community, wurde bislang noch nie dafür bezahlt oder sonstige Benefits erhalten, aber aktuell bin ich an einer Übersetzung von Content, die per Crowdfunding gesponsort wurde. Zur Information, ob ich aktuell Monero halte, bitte ich einen entsprechenden Block Explorer zu bemühen 😉
        Bitcoin halte ich aktuell nicht, da die Richtung sich gegen meine Prinzipien entwickelt hat und ich halte auch kein Ethereum. Ich halte eine Rückkehr zu Bitcoin für durchaus möglich, wenn entsprechende Dinge umgesetzt werden sollten. Das deckt sich sogar leicht mit dem ehemaligen Haupt-Maintainer der Code-Repositories bei Monero, Riccardo Spagni / fluffypony, der Monero eigentlich als Testnet für künftige Bitcoin Entwicklungen gesehen hat, aber mittlerweile nicht mehr wirklich tut. Im Gegensatz zu mir und den meisten anderen „Überläufern“ ist er aber noch weiterhin ein starker Verfechter des Bitcoins 😀

      • Andres // 8. Juni 2021 um 22:39 //

        Hui, da hab ich ja was angestossen. Ich muss dazu sagen ich lese Deine Kommentare sehr gerne, Paul, da sie immer sehr gut durchdacht sind, und Du offensichtlich schon viel mehr über diese Dinge nachgedacht hast als ich.

        Allerdings denke ich, die beste Technik ist nicht alles entscheidend. Wenn immer der technisch beste Coin gewinnen würden, wäre das Geld ja ständig in Bewegung von einem Coin zum Nächstbesseren. Und wie bei Software, die wir eigentlich ständig updaten müssten, aber doch eher selten tun … Das wäre sehr wenig Geldwertstabil und definitiv nichts für meine Gespartes im hohen Alter.

        Aber Geduld – wenn Monero – oder ein anderer Coin – wirklich um Längen besser ist – wird er seine Chance bekommen, z.B. in dem Moment in dem Bitcoin mal – wie von Dir vorrausgesagt – substantiell schwächelt. So ist das doch mit Startups. Wenns schiefgeht, gehts halt schief. Dann ist es immer gut, ein paar alternative StartUps im Portfolio zu haben. Und wenn es nicht schief geht, ist’s auch gut.

        Ich bewerte Deine Aussagen zu Monero mal nicht. Dazu kenn ich mich da einfach zu wenig aus. Im Moment entscheidet der Markt so wie er’s tut. Zum Glück bin ich, was die BlocksizeKriege angeht, eher ein Spätgeborener.

        Ich habe mitgenommen, dass es Satoshi im Wesentlichen darum ging, der hochspekulativen – mit großen systemischen Risiken behafteten – Hochfinanz von 2008 überhaupt mal einen Konkurrenzmodell vorzusetzen.
        Nicht, diese gleich vollkommen abzuschaffen.
        Hm Mist, jetzt hab ichs auch gemacht. Ich hab Satoshi interpretiert. Und das ohne das Whitepaper wirklich richtig gelesen zu haben. Und all die ganzen Mails danach. Naja egal, im Wesentlichen ist mein Gedanke, dass eine Evolution, besser ist als eine Revolution mit den damit verbundenen Tumulten – siehe z.B. die vergangene historische Revolutionen.

        Was am Ende rauskommt, wissen wir jetzt alle noch nicht, wir stehen erst am Anfang und keiner kann in die Zukunft sehen. Wir leben definitv in sehr interessanten Zeiten. Augen offen halten und mit der neuen Technik Geduld bewahren wären da meine 5 cent (leider noch Fiat).

      • Paul Janowitz // 9. Juni 2021 um 2:18 //

        Ich muss dazu sagen ich lese Deine Kommentare sehr gerne, Paul, da sie immer sehr gut durchdacht sind, und Du offensichtlich schon viel mehr über diese Dinge nachgedacht hast als ich.

        Lieber Andres, vielen Dank für das Feedback, welches mich persönlich sehr ehrt und ich liebe die Diskussion mit Dir und anderen tatsächlich Interessierten hier, wenn sie mir zeitlich möglich ist, da auch wenn ich Bitcoin oder andere Coins technisch durchaus überblicken kann, bin ich sicherlich auf den sozioökonomischen Aspekten kein Experte und lerne täglich dazu.

        Allerdings denke ich, die beste Technik ist nicht alles entscheidend. Wenn immer der technisch beste Coin gewinnen würden, wäre das Geld ja ständig in Bewegung von einem Coin zum Nächstbesseren. Und wie bei Software, die wir eigentlich ständig updaten müssten, aber doch eher selten tun … Das wäre sehr wenig Geldwertstabil und definitiv nichts für meine Gespartes im hohen Alter.

        Dessen bin ich mir im Leben mehrfach bewusst geworden, dass Technologie noch keine Marktführerschaft ausmacht, sonst gäbe es kein Microsoft mehr. Dennoch behaupte ich, dass die meisten Menschen zumindest ihre Smartphones (auf denen sich ihr Leben abspielt) ziemlich regelmäßig updaten. Aber da sind wir auch wieder bei meinem Punkt 5 von der eigenen Bank und der sicheren Verwahrung seiner Schlüssel, die in der heutigen Gesellschaft einfach nicht gegeben sind, egal ob man Deutschland, Polen, Frankreich, die USA, Singapur oder Kenia anschaut.
        Es gibt bei Bitcoin einen sozialen Konsens, der lautet in etwa, dass alle 10 Minuten 50 BTC in einem neuen Block generiert werden und dies alle 4 Jahre halbiert wird. Soweit eigentlich genial, zumindest in der Theorie. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass einige Miner gar keine oder nur wenige Transaktionen trotz vollem Mempool aufgenommen haben, weil es sich einfach nicht gelohnt hat. Diesen Mechanismus sollte man analysieren und möglichst verbessern, möglichst ohne den sozialen Konsens der neu geschürften Coins zu verändern, denn das wäre ein Vertrauensbruch ohne Vergleich (im Krypto-Universum lassen sich tatsächlich einige davon finden, aber das ist dann schlicht Scam, spontan fällt mir als Beispiel dazu Dash ein).
        Falls Du tatsächlich Geldwertstabilität in Bitcoin siehst, dann bist Du naiv. Natürlich kann Bitcoin auch über 100k oder von mir aus 1M steigen, aber genauso gut unter 10k oder dann halt 1k, wenn es keine reale Anwendung gibt. Die Geldmenge allein macht nicht den Geldwert aus, zumindest nicht bei einer dezentralen Währung, die nicht auf einer einzigen Volkswirtschaft basiert. Wenn Venezuela z.B. die Geldpressen in drei Schichten drucken lässt, gibt es offensichtlich einen Geldwertverlust. Wenn China aber 10% jährlich dazu druckt, während die Wirtschaftsleistung sogar noch schneller steigt, gibt es eine Deflation… Kryptowährungen kann man nur bedingt damit vergleichen, da sie durch keine Wirtschaft „gedeckt“ sind und (im Falle PoW) selbst der aufgewendete Strom nicht mehr den gleichen Preis haben muss, geschweige denn der Output aus diesem Strom durch Halvings usw.

        Aber Geduld – wenn Monero – oder ein anderer Coin – wirklich um Längen besser ist – wird er seine Chance bekommen, z.B. in dem Moment in dem Bitcoin mal – wie von Dir vorrausgesagt – substantiell schwächelt.

        In der Tat. Ich bin auch kein „Coin-Hopper“, sondern war lange Bitcoin Maximalist, da mir die vermeintlichen „Verbesserungen“ von Litecoin & Co. als trivial erschienen und damit Trittbrettfahrer waren und es immer noch sind. Nach den Blocksize Kriegen und Chainsplits bei Bitcoin bin ich dann komplett ausgestiegen und erst durch Zufall 2015 auf Monero aufmerksam geworden und behaupte heute, dass die Mehrheit der Leute, die Bitcoin gekauft haben, meinen etwas wie Monero zu besitzen (zumindest kommt das wahrscheinlich der Wahrnehmung am nächsten). Aber ich persönlich bin entspannt, denn meine Zukunft hängt nicht an der Kursentwicklung von Bitcoin oder Monero.

        Ich bewerte Deine Aussagen zu Monero mal nicht. Dazu kenn ich mich da einfach zu wenig aus. Im Moment entscheidet der Markt so wie er’s tut. Zum Glück bin ich, was die BlocksizeKriege angeht, eher ein Spätgeborener.

        Les Dich bitte mal ein, denn Du scheinst doch ziemlich versiert zu sein. Auch der Vortrag „Monero Means Money“, denn Du bei Youtube findest ist ein guter Einstieg, den ich nicht zu 100% vertrete, da er eher aus der Spekulationsseite kommt, aber ich kann ihn trotzdem empfehlen und Daniel ist trotz Investmentbankings ein cooler Typ.

        Ich habe mitgenommen, dass es Satoshi im Wesentlichen darum ging, der hochspekulativen – mit großen systemischen Risiken behafteten – Hochfinanz von 2008 überhaupt mal einen Konkurrenzmodell vorzusetzen.
        Nicht, diese gleich vollkommen abzuschaffen.

        Damit öffnest Du eine neue neue Büchse der Pandora. Ich habe mir wahrscheinlich alle öffentlich verfügbaren Aussagen von Satoshi zu Gemüte geführt und interpretiere im Wesentlichen daraus eher das, was das Whitepaper als „Unterüberschrift“ führt heraus… „A peer to peer cash system“. Eine gute erste deutschsprachige Lektüre dazu ist Christophs Buch, aber sicher nicht die Spekulationshype Lektüren wie von Saifedan & Co.

        Was am Ende rauskommt, wissen wir jetzt alle noch nicht, wir stehen erst am Anfang und keiner kann in die Zukunft sehen. Wir leben definitv in sehr interessanten Zeiten. Augen offen halten und mit der neuen Technik Geduld bewahren wären da meine 5 cent (leider noch Fiat).

        In der Tat, das wird sich noch zeigen müssen. Was mich von Bitcoin irgendwann weggetrieben hat, war aber ganz klar die Technologie, die z.B. ein Satoshi selbst damals mit fehlender Privatsphäre verbessern wollte (aber nicht konnte) und das Dilemma um die Blocksize, welches es meiner Meinung nach nie hätte geben sollen…

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