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Was passiert mit Bitcoins bei der Scheidung?

Rechtsanwalt Niklas Clamann. Bildrechte bei Herrn Clamann.

Wenn Bitcoin immer mehr zum verbreiteten Eigentum wird, verbreiten sich auch die typischen Fragen zum Eigentum. Eine davon ist, wie es sich mit Kryptowährungen verhält, wenn sich eine Ehe auflöst. Ein Rechtsanwalt beantwortet diese Frage.

von Rechtsanwalt Niklas Clamann

Kryptowährungen haben in den letzten Jahren einen regelrechten Hype ausgelöst. Bitcoin ist die prominenteste und weltweit marktstärkste unter den Kryptowährungen und hat einigen vorausschauenden Investoren sehr hohe Gewinne beschert.

Doch was passiert eigentlich mit meinen Bitcoins wenn ich mich scheiden lasse? Muss ich die Hälfte meiner Gewinne dann an meinen Ex-Ehegatten abgeben? Zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir uns zunächst mit dem Verfahren des Zugewinnausgleichs auseinandersetzen.

Was bedeutet Zugewinnausgleich?

Vorab ist zu klären, was Zugewinnausgleich denn eigentlich bedeutet. Beim Verfahren des Zugewinnausgleichs geht es darum, den während der Ehezeit erwirtschafteten Zugewinn beider Ehegatten zum Ende der Ehe auszugleichen.

Um einen eventuellen Zugewinn zu berechnen, wird das Gesamtvermögen eines Ehegatten zum Anfangszeitpunkt, also zum Datum der Eheschließung, und zum Endzeitpunkt, also zum Datum der Zustellung des Scheidungsantrags an den anderen Ehegatten, in einem Vermögensverzeichnis aufgestellt und zusammengerechnet. Die Differenz zwischen dem zu beiden Zeitpunkten errechneten Vermögen ist der Zugewinn.

Vereinfachtes Beispiel: Ehegatte A hatte zum Datum der Heirat 1.000,00 € auf dem Konto und verfügte ansonsten über kein Vermögen. Zum Datum der Zustellung des Scheidungsantrags an den anderen Ehegatten hat Ehegatte A 5.000,00 € auf dem Konto und einen PKW im Wert von 6.000,00 €, also insgesamt 11.000,00 €. Die Differenz des Vermögens zu beiden Stichtagen, also 10.000,00 €, bilden den Zugewinn des Ehegatten A.

Zugewinnausgleich bedeutet nun, den Zugewinn beider Ehegatten gegenüberzustellen und auszugleichen. Die Differenz des Zugewinns beider Ehegatten wird hälftig geteilt und an den Ehegatten mit dem geringeren Zugewinn überwiesen. So wird der Zugewinn beider Ehegatten ausgeglichen, beide haben am Ende der Ehe nach durchgeführtem Zugewinnausgleich einen Zugewinn in gleicher Höhe.

Vereinfachtes Beispiel: Der Zugewinn von Ehegatte B beträgt nach Berechnung der Differenz zwischen Anfangs- und Endzeitpunkt 5.000,00 €. Der Zugewinn des Ehegatten A übersteigt den des Ehegatten B. Die Differenz beträgt hier 5.000,00 €. Die Hälfte von der Differenz, also 2.500,00 €, sind vom Ehegatten mit dem höheren Zugewinn, also von Ehegatte A, an den Ehegatten mit dem geringeren Zugewinn, also Ehegatte B zu überweisen. Ehegatte A hat von seinem Zugewinn in Höhe von 10.000,00 € also 2.500,00 € abgegeben und ihm verbleibt noch ein Zugewinn in Höhe von 7.500,00 €. Ehegatte B hat zu seinem Zugewinn in Höhe von 5.000,00 € von Ehegatte A noch 2.500,00 € überwiesen bekommen und somit am Ende ebenfalls eine Zugewinn in Höhe von 7.500,00 €.

Bitcoins werden beim Zugewinnausgleich berücksichtigt

Grundsätzlich gilt: Bitcoins werden genau wie Bankguthaben, PKW, Immobilien, Wertpapiere, Versicherungen, Lottogewinne, Luxusgüter oder Unternehmensanteile dem Vermögen hinzugerechnet. Vermehrt sich mein Vermögen im Laufe der Ehezeit, erwirtschafte ich also einen Zugewinn, so wird dieser beim Zugewinnausgleich berücksichtigt.

Nach der obigen Erklärung wissen wir jetzt, dass alles, was ich zum Zeitpunkt der Eheschließung besitze, meinem Anfangsvermögen hinzugerechnet wird und somit nicht als Zugewinn zählt. Besitze ich also am Tag der Eheschließung Bitcoins im Wert von 50.000,00 € und sind diese am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags noch immer 50.000,00 € wert, so habe ich zumindest hinsichtlich meiner Bitcoins keinen Zugewinn erwirtschaftet.

Anders sieht es jedoch aus, wenn sich die Bitcoins im Wert steigern. Sind meine Bitcoins zum Endzeitpunkt 100.000,00 € wert, so habe ich allein durch meine Bitcoins einen Zugewinn in Höhe von 50.000,00 € erwirtschaftet, der im Rahmen des Zugewinnausgleichs berücksichtigt wird.

Mache ich durch meine Investition in Bitcoin jedoch Verluste, sind meine Bitcoins also zum Endzeitpunkt nur noch 40.000,00 € wert, so sind mir diese 10.000,00 € von einem eventuell ansonsten erwirtschafteten Zugewinn abzuziehen.

Wie sichere ich meine Bitcoins?

Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, nach der bei jeder Scheidung immer auch das Vermögen beider Ehegatten aufgeteilt wird, findet der Zugewinnausgleich tatsächlich nur statt, wenn dies einer der beiden Ehegatten beantragt. Eine automatische Durchführung des Zugewinnausgleichs mit dem Ehescheidungsverfahren, wie es etwa beim Versorgungsausgleich der Fall ist, findet beim Zugewinnausgleich nicht statt. Das bedeutet, dass Sie auch Ihre durch Bitcoin eventuell erwirtschafteten Gewinne trotz Ehescheidung behalten können, wenn weder Sie noch Ihr Ehegatte einen Antrag auf Durchführung des Zugewinnausgleichs stellen.

Wer sich also trotz Scheidung mit seinem Ehegatten noch gut versteht und sich einig ist, dass keine Ansprüche gegen den jeweils anderen geltend gemacht werden sollen, der muss sich auch nicht um seine Bitcoins sorgen.

Zudem können Sie sich auch absichern, indem Sie und Ihr Ehegatte einen notariellen Ehevertrag oder aber eine notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung abschließen, in der die Durchführung des Zugewinnausgleichs für den Fall der Ehescheidung modifiziert oder ganz ausgeschlossen wird. Alternativ kann der Zugewinnausgleich im Ehescheidungsverfahren durch einen Vergleich vor Gericht modifiziert oder ausgeschlossen werden, wenn beide Ehegatten im Ehescheidungsverfahren anwaltlich vertreten sind. Eine Modifikation kann beispielsweise sein, dass beide Ehegatten vereinbaren, dass Bitcoins beim Zugewinnausgleich nicht berücksichtigt werden sollen.

Kann ich meine Bitcoins beim Zugewinnausgleich verstecken?

Wer jetzt auf die Idee kommt, seine Bitcoins im Falle der Durchführung des Zugewinnausgleichs einfach vor seinem Ehegatten zu verstecken, sollte diese ganz schnell wieder verwerfen. Macht ein Ehegatte gegen den anderen Ehegatten im Rahmen des Zugewinnausgleichsverfahrens seinen gesetzlich festgestellten Auskunftsanspruch hinsichtlich des Vermögens geltend, so hat der beanspruchte Ehegatte sein gesamtes Vermögen offenzulegen. Verschweigt er dabei Teile seines Vermögens, begeht er Prozessbetrug. Damit macht er sich unter Umständen strafbar.

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4 Kommentare zu Was passiert mit Bitcoins bei der Scheidung?

  1. Du brauchst deine Bitcoins nicht zu verstecken, es kann alles offen liegen, welche wallet, wieviel BTC da drauf ist usw.

    Wenn du dein Passwort zu dieser wallet „vergessen“ hast, bist du nicht mehr der Besitzer.
    Alle können drauf schauen, keiner kann es bewegen.
    Wenn dir das Passwort in 2-3 Jahren wieder einfällt, na dann…:)

  2. Genau mein Gedanke.
    Wer den privKey hat verfügt und wer ihn vergisst der verfügt eben nicht mehr.
    Da kann man halt nichts machen.
    ¯\_(ツ)_/¯

  3. Flux Compensator // 4. Oktober 2021 um 20:27 // Antworten

    Oder Du must dem Finanzamt Verlust des Schlüssels beweisen, und wirst andernfalls einfach veranlagt. Wahlweise auch einfach nachträglich für mehrere Jahre sobald sich Deine Werte wieder bewegen.

    Da kann man dann auch nichts mehr machen.

    Wenn es massiven (echten oder auch nur so empfundene) Missbrauch gibt, lassen sich Gesetze ausserdem ändern. Und mit solchen Kommentaren versorgt man Menschen, die das ändern möchten, auch mit guten Argumenten dafür.

  4. „Oder Du must dem Finanzamt Verlust des Schlüssels beweisen, und wirst andernfalls einfach veranlagt. Wahlweise auch einfach nachträglich für mehrere Jahre sobald sich Deine Werte wieder bewegen.“

    dann muss aber erstmal die genau Adresse wo die Bitcoin drauf liegen bekannt sein.
    Was ist wenn man die nicht mehr zur Hand hat?
    Was ist wenn ich eine Adresse angebe wo ich nur 500 Euro an BTC halte?

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