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USA verhängt Finanzsanktionen gegen russische Krypto-Börse

Moskau im Herbst. Bild von Loris Silvio Zecchinato via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die USA hat zum ersten Mal Finanzsanktionen gegen eine Krypto-Börse verhangen. Der russischen Börse Suex.io wird vorgeworfen, Ransomware-Hackern dabei zu helfen, ihre Erlöse zu wechseln. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf einen Teil des Krypto-Standorts Russland.

Zwischen Wort und Tat liegen oft nur wenige Tage. Mitte September gab die Regierung Biden bekannt, dass das Finanzministerium im Begriff steht, mit neuen Sanktionen auf Ransomware zu reagieren. Dies solle es, so ein Bericht von Reuters vage, „Hackern schwieriger machen, durch digitale Währungen von Ransomware zu profitieren.“

Kurz darauf wurde klar, was die US-Regierung gemeint hatte. Das US-Finanzminsisterium setzte die russische Börse Suex.io auf die Liste der „Specially Designated Nationals And Blocked Persons“ des Amtes zur Kontrolle von Auslandsvermögen“ (OFAC). Individuen, Unternehmen, Institutionen oder ganze Länder auf dieser Liste werden mit Finanzsanktionen bestraft. Es ist US-Bürgern strengstens untersagt, finanzielle Transaktionen mit ihnen zu unterhalten, und die Regierung nimmt für sich in Anspruch, die Sanktion auch in anderen Ländern durchzusetzen, etwa durch Druck auf Dollar-Banken.

Schon in den letzten Jahren schafften es Bitcoin-Adressen auf diese Liste, etwa Drogenhändler aus China oder Hacker aus dem Iran. Wenn aber eine Börse aus Russland mit Sanktionen belegt wird, ist dies etwas neues. Erstmals setzt die US-Regierung eine im Ausland ansässige und dort legale Krypto-Börse in dieselbe Kategorie wie Drogendealer und Terroristen.

160 Millionen schmutzige Dollar

Der Großteil der Aktivität mit virtuellen Währungen sei legal, erklärt das US-Finanzministerium die Sanktion, doch zum Teil werden virtuelle Währungen für illegale Aktivitäten missbraucht. „Auch einige Börsen für virtuelle Währungen werden von Kriminellen missbraucht. Andere jedoch, in diesem Fall Suex, befördern illegale Aktivitäten für ihre eigenen illegalen Profite.“ Suex habe die geholfen, die Erlöse von mindestens acht Ransomware-Varianten zu waschen; laut Analysen haben 40 Prozent aller Transaktionen von Suex eine kriminelle Quelle.

Der Blockchain-Analyst Chainalysis erklärt stolz dass seine Werkzeuge in den Ermittlungen gegen Suex geholfen haben. Suex habe seit 2018 mehr als 481 Millionen Dollar in Kryptowährungen bewegt, vor allem in Bitcoin, Ether und Tether.

Ein großer Teil davon stamme aus illegalen oder Hochrisiko-Quellen. Allein in Bitcoin haben Adressen von Suex mehr als 160 Millionen Dollar von Ransomware-Hackern, Betrügern und Betreibern von Darknetmärkten erhalten. Genauer:

  • Mehr 13 Millionen Dollar stammen von Ransomware-Betreibern, etwa Ryuk, Conti und Maze,
  • über 24 Millionen Dollar von Betrügern, etwa von Finiko, einem gigantischen Ponzisystem, das in Russland und der Ukraine zwischen Dezember 2019 und August 2021 mehr als 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin eingesammelt hatte, und
  • mehr als 20 Millionen aus Darknet-Märkten, vor allem Hydra.

Darüber hinaus flossen über 50 Millionen Dollar in Kryptowährungen zu Suex, die aus dem Bestand von BTC-e kamen, einer ehemaligen Börse im russischen Raum, die für Geldwäsche berüchtigt war. Über die restlichen 50-60 Millionen Dollar hüllt sich Chainalysis leider in Schweigen, ebenso darüber, wie Finiko die verbliebenden 1,476 Milliarden Dollar gewaschen hat. Ist Suex nur ein kleiner Fisch im Gewässer der osteuropäischen Krypto-Geldwäsche?

Keine Börse, sondern ein OTC-Händler

Suex ist in Tschechien registriert, operiert aber von Russland aus unter dem Dach einer estländischen Mutterfirma. Die Manager von Suex haben wohl Verbindungen zu einem russischen Telekommunikationsanbieter sowie einer tschechischen Investmentgesellschaft.

Suex ist keine eigenständige Börse, sondern ein außerbörslicher Händler bzw. ein „OTC-Büro“ mit Filialen in Moskau, Sankt Petersburg, dem Mittleren Osten und eventuell weiteren russischen Städten. Die Kunden erscheinen in persona in den Büros, wo sie Geld gegen Kryptowährungen tauschen oder andersherum. Suex hat kein eigenes Orderbuch und verwaltet keine Coins, sondern operiert über Konten auf größeren Kryptobörsen, vermutlich Binance und Huobi, aber das ist nicht konkret bekannt.

Man kennt solche OTC-Büros aus China. Dort waren sie seit dem Verbot von Börsen eine der wenigen Möglichkeiten, Yuan in Kryptowährungen zu tauschen und über ausländische Börsen an den Kryptomärkten teilzunehmen.

OTC-Büros sind nicht per se illegal oder kriminell, aber oft der Ausgangspunkt für Geldwäsche, da sie meist laxer überwacht werden. Daher beobachtet Chainalysis sie sowohl in China als auch andernorts intensiv. Suex steht schon seit Jahren unter Beobachtung durch den Analysten, der erklärt, zahlreiche zu dem OTC-Händler gehördende Adressen identifiziert zu haben, die illegale Coins erhalten haben. Einige der Adressen sind auch Teil der „Rogue 100“, einer List von 100 OTC-Adressen, die zu den größten Krypto-Geldwäscher 2019 gehörten.

Ein guter Ruf in Russland

Im Westen ist Suex weitgehend unbekannt. Daher hat sich das Magazin Coindesk in den vergangenen Wochen intensiv bei russischen Tradern, Usern und Krypto-Unternehmern über den Händlern erkundigt.

In russischen Krypto-Kreisen ist Suex wohlbekannt und erfreut sich des Rufes, zuverlässig zu sein: Wenn man ihnen Geld gebe, rennen sie nicht mit diesem weg, so ein Startup-Gründer, sondern tauschen es wie gewünscht um. Ein anderer Gründer meinte, so gut wie jeder handelte irgendwie mit Suex, da der Händler in der Lage sei, zeitnah beinah beliebige Volumina zu tauschen.

Eine sehr interessante Info ist die, dass Suex den Kunden helfe, Geld mithilfe von Kryptowährungen auf die westlichen Finanzmärkte zu bringen. Das Geld fließe über Wallets, Fiat-Gateways und Krypto-Börsen auf europäische Bankkonten, etwa in der Schweiz. Solche Dienstleister gebe es, so eine andere Quelle, zahlreiche in Russland, doch Suex sei einer der Größten. „Dies ist die günstigste Methode, um Geld über die Grenze zu bringen.“

Bitcoin und Kryptowährungen erfüllen in Russland also durchaus einen Zweck, auch wenn dieser eher in einer Grauzone liegt.

Wussten sie von der kriminellen Herkunft der Gelder?

Von den Sanktionen ist die Szene in Russland überrascht. Gewöhnlich kontaktierten Regulierer die Börsen und Krypto-Unternehmen, um mehr über deren kriminelle Kunden zu erfahren. Wenn dies geschehe, kooperiere jeder, da keiner wolle, dass er beim nächsten Urlaub in Griechenland in die Hände der US-Polizei fällt. So erging es dem bekannten russischen Krypto-Geldwäscher Alexander Vinnik.

Die meisten von Coindesk Befragten zweifeln nicht daran, dass über Suex Geld gewaschen wurde. Viele bezweifeln aber, dass Suex davon gewusst hat. In der Regel würden größere Mengen schmutziger Coins zuerst onchain gewaschen werden, bevor sie bei Börsen und Händlern aufschlugen. „Als OTC bekommt man es unvermeidbar mit schmutzigem Geld zu tun,“ so eine Quelle, „aber du erfährst davon erst, wenn die Polizei morgens um 6 an deiner Türe klopft.“

Möglicherweise hätte Suex eine bessere onchain-Analyse betreiben können. Das sind Methoden, durch Werkzeuge, wie sie Chainalysis anbietet, den Kunden hinterherzuspionieren und verdächtige Geldströme zu erkennen. Aber eine Absicht vermuten die meisten nicht dahinter.

Andere dagegen meinen, dass die Suex-Mitarbeiter zumindest in einigen Fällen davon gewusst haben mussten, dass sie Geld waschen. Die Wahrheit dürfte vermutlich irgendwo dazwischen liegen.

Über Christoph Bergmann (2145 Artikel)
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