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OK Boomer: Kryptowährungen sind im Mainstream angekommen

Eine globale Umfrage mit rund 50.000 Teilnehmern offenbart, wie sehr Kryptowährungen bereits Mainstream geworden sind. In den USA sind sie ebenso üblich wie Sparbriefe und fast so üblich wie Aktieninvestments. Gerade bei den jüngeren Generationen sind Bitcoin und Co. nicht wegzudenken – auch in Europa.

Die Beratungsgesellschaft Morning Concult veröffentlichte vor kurzem den Quartalsbericht über „The State of Consumer Banking and Payments“ (über den Status von Kundenbanking und Zahlungen). Dieser Bericht beruht auf einer Umfrage von etwa 50.000 Erwachsenen in Nordamerika, Europa und der asiatisch-pazifischen Region.

Der Bericht informiert über Trends in Banking und im Zahlungswesen, und er evaluiert, welche Veränderungen in welcher Weise Bedeutung für die Branche haben. Dank der großen Basis der Befragten bietet er laut den Herausgebern fundierte „Einblicke in die Kundenbeziehung von Banken, Zahlungsdienstleistern sowie Finanzdienstleistern.“

Ein Fokus des Berichts sind die Millenials (Generation Y), also die zwischen 1980 und den späten 90ern Geborenen. Ein anderer sind, dazu passend, Kryptowährungen. Denn diese, so der Bericht, seien „im Mainstream angekommen“. Dies ist keine Prognose und keine Vermutung – sondern eine Tatsache.

Denn „der Anteil von Erwachsen US-Amerikanern, die berichten, Kryptowährungen zu halten, entspricht etwa dem Anteil, der berichtet, Sparbriefe zu halten, und er ist nicht weit von dem Anteil entfernt, der berichtet, ein Konto bei einem Broker zu haben.“ Bitcoin und andere Kryptowährungen wurden also so selbstverständlich wie Sparbriefe. Das ist eine erstaunliche, beeindruckende Feststellung.

Die konkreten Zahlen: 24 Prozent der Befragten geben an, Kryptowährungen zu halten. Das sind zwei Prozent mehr als noch im Juli. Am höchsten ist die Quote in Lateinamerika, wo etwa in Argentinien beinah 50 Prozent in Kryptowährungen investiert sind. Am geringsten ist die Rate mit etwas unter 20 Prozent in Deutschland und Frankreich. Doch auch hier ist sie in den vergangenen sechs Monaten signifikant gestiegen.

Am häufigsten besitzen in den USA gut verdienende männliche Millenials Bitcoins – nämlich beinahe 50 Prozent. „Gut verdienend“ meint dabei ein Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Dollar.

Auch die Generation Z, deren Mitglieder zwischen 1997 und 2012 geboren sind, besitzen laut des Berichts häufig Kryptowährungen. Die Generation X – die zwischen den späten 60ern und frühen 80ern Geborenen – schon viel weniger häufig, und die Baby Boomer, die in den Nachkriegsjahrzehnten geboren sind, ziemlich selten.

Während die nachfolgenden Generationen im letzten halben Jahr vermehrt in Kryptowährungen investiert haben, stagniert der Anteil bei den Boomern weitgehend. Für diese Generation scheint das Thema schon durch zu sein oder sie reagieren, vielleicht auf Basis einer größeren Lebenserfahrung, weniger sensibel auf Trends.

Generell steigt die Wahrscheinlichkeit eines Investments in Krypto mit dem Einkommen. Klar, wer wenig hat, investiert wenig, und wer viel hat, macht sich mehr Gedanken über Investments und Inflation. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Kryptowährungen zu halten, mit dem Alter.

Die wohl optimale Schnittmenge dieser beiden Tendenzen findet man derzeit bei den Millenials. Diese sind jung genug, um offen für Krypto zu sein, und alt genug, um ein investierbares Vermögen aufgebaut zu haben. Die nachfolgende Generation Z zeigt tendenziell ein noch größeres Interesse, ermangelt aber dem Kapital, um sich Kryptowährungen zu kaufen. Vermutlich wird sich das Verhältnis Jahr für Jahr etwas zugunsten der Generation Z verändern. Die Zeit arbeitet klar für Krypto.

Ein weiterer, seit langem bekannter Fakt der Verbreitung von Kryptowährungen ist der, dass vor allem Männer in sie investieren: Beinah 35 Prozent der männlichen Befragten halten Kryptowerte, aber nicht einmal 15 Prozent der Frauen. Diese Kluft zwischen den Geschlechtern ist signifikant, wenn auch weniger deutlich als es Befragungen auf unserem Blog vermuten lassen. Eventuell wird diese Kluft desto enger, je weiter Kryptowährungen im Mainstream ankommen.

Auf den ersten Blick überrascht dagegen die Feststellung, dass sich Kryptowährungen und Banking nicht ausschließen. Man sollte meinen, Krypto-User meideten Banken und andere Intrmediäre. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sie beanspruchen mehr Finanzdienstleister und vor allem häufiger digitale Banken und innovative Fintech-Produkte. Der Grund dürfte einfach sein: Diejenigen, die sich für Krypto interessieren, interessieren sich auch stärker für Finanzen und Technologie im Generellen, und sie sind eher bereit, sich auf Neues einzulassen. Innovationen im Bankwesen und Kryptowährungen sind keine Frage des „entweder – oder“ sondern des „sowohl als auch.“ Sie ergänzen sich.

All das bedeutet, folgert Morning Consult, dass Kryptowährungen 2022 einen weiteren Boom erleben werden. Der Bericht fordert die Leser auf, auf die „weitergehende Verbreitung von Kryptowährungen und den damit verbundenen Marken zu schauen, wobei die jüngere Generation den Wandel vorantreiben wird.“

Kryptowährungen haben bewiesen, „dass sie mehr als eine vorübergehende Mode sind. Sie werden 2022 weiterhin die Aufmerksamkeit der Konsumenten und einen Teil ihres Vermögens auf sich ziehen.“ Banker und leitende Manager in traditionellen Finanzinstituten sollten „sich bemühen, die Zukunft von Kryptowährungen zu verstehen und welche Rolle sie selbst darin spielen. Sie sollten die Gewohnheiten und Haltungen der gegenwärtigen Kryptowährungs-Besitzer genau erkennen und nach Wegen suchen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.“

Am Ende bleibt nur die eine, große Frage: Werden die Sparkassen-Bosse den Bericht auch lesen? Oder werden sie ganz dem nun auch statistisch bestätigten Klischee des Boomers gerecht, der wahlweise ignorant oder resistent gegen kurzfristige Moden ist?

Über Christoph Bergmann (2350 Artikel)
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3 Kommentare zu OK Boomer: Kryptowährungen sind im Mainstream angekommen

  1. Soweit ich verstanden habe, ist das nicht richtig: Es handelt sich nicht um den Anteil der Anteil der US-Befragten, die nach eigener Aussage halten, sodern der Anteil der Amerikaner, die angeben, dass jemand in ihrem *Haushalt* Krypto halten.

    Selbst dann scheinen mir 24% (noch) arg hoch gegriffen, aber gut.

  2. Dieses armselige Land ohne Zukunft wird zum größten Teil von Alten, Kinderlosen und ganz besonders kinderlosen Alten bewohnt. Deutschland hat mehr Hunde als Kinder unter 14 Jahren. „Sparkassen-Bosse“ richten sich nach ihrer alten, kinderlosen Kundschaft, die auf dem Weg zur Sparkasse ihren Hund auf den Gehweg kacken lassen, um anschließend einen muffigen Überweisungsträger auszufüllen.

  3. Pillenknicker // 18. Februar 2022 um 17:40 // Antworten

    Solide Filterblase. Boomer sind einfach zuviele, ums zu kapieren.

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