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Sind Malaysia und Honduras die nächsten Länder, die Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen?

Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. Bild von Khalzuri Yazid via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es gibt Anzeichen, dass Malaysia und Honduras mit der Idee spielen, Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu ernennen. Rückt die globale Währungsunion langsam in Sichtweite? Und wird Lateinamerika das Bitcoin-Zentrum dieser Welt?

Seit El Salvador Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel gekürt hat, beherrscht eine Frage die Bitcoin-Szene: Wer kommt als nächstes? Welches Land wird El Salvador nachfolgen?

Die derzeit heißesten Kandidaten sind Malaysia und Honduras.

Beginnen wir mit Malaysia. Das südostasiatische Land grenzt an den Stadtstaat Singapur, hat gut 30 Millionen Einwohner und ein Bruttosozialprodukt von rund 365 Milliarden Dollar. Vor kurzem hat nun Zahidi Zainul, stellvertretender Minister für Kommunikation und Multimedia, gemeint, sein Land solle Bitcoin und andere Kryptowährungen zum gesetzlichen Zahlungsmittel ernennen.

„Wir hoffen, die Regierung kann dies erlauben“, sagte er dem Parlament.

Oder darf’s doch eine CBDC sein?

Sehr viel mehr Informationen sind aber nicht bekannt. Wie hat das Parlament reagiert? Wie sieht Premierminister Ismail Sabri bin Yaakob die Sache? Gibt es schon konkrete Vorschläge? Sind das Ministerium für Wissenschaft, Technik und Innovation sowie das Finanzministerium in etwaige Pläne involviert?

Beobachter schätzen, dass Malaysia weniger auf Bitcoin und andere Kryptowährungen setzen wird als auf eine CBDC – eine „Central Bank Digital Currency“, also eine von der Zentralbank herausgegebene digitale Währung. Erst im September 2021 hat das Land für diesen Zweck eine Partnerschaft mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich begonnen, und im Januar verkündete die Zentralbank, an einem Proof of Concept zu arbeiten.

Allerdings sind auch hier die Hinweise auf Fortschritt sehr dünn – wie generell bei CBDCs.

Da der malaysische Ringgit eine im Verhältnis zu Euro und Dollar relativ stabile Währung ist, besteht zumindest was die Inflation angeht kein unmittelbarer Handlungsdruck, eine andere Währung zu übernehmen.

So gesehen dürfte die Neuheit im Falle Malaysia vor allem sein, dass bereits Spitzen in Ministerien darüber nachdenken, Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel zu machen, und dies auch dem Parlament vorschlagen. Die Idee wurde salonfähig.

Etwas konkreter scheint die Sache in Honduras bestellt zu sein.

Ist Honduras schon einen Schritt weiter?

Honduras ist ein zentralamerikanisches Land, das unter anderem eine Grenze zu El Salvador unterhält. Mit rund 10 Millionen Einwohnern leben in Honduras nur ein Drittel so viele Menschen wie in Malaysia, und mit 25 Milliarden Dollar erwirtschaften diese nicht mal ein Zehntel des Bruttoinlandproduktes des südostasiatischen Landes.

Honduras ist bekannt für seinen Naturreichtum – aber auch für extreme Kriminalität, eine agrarisch geprägte Wirtschaft und viel Armut.

Präsidentin Xiomara Casto hat nun kürzlich angekündigt, Bitcoin bald zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu ernennen. „Wir dürfen El Salvador nicht erlauben, das einzige Land zu sein, das der Dollar-Hegemonie entkommt,“ so Castro, „Honduras hat das Recht, sich zum Erste-Welt-Land zu entwickeln.“

An sich und den Artikeln gemäß sollte Castro Bitcoin bereits gestern zum gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht haben. Zumindest war es so angekündigt. Warum verspätet sie sich? Ist dies ein Symptom der „Manana“-Mentalität Lateinamerikas? Rudert sie nun doch noch zurück, vielleicht, weil internationale Organe wie Weltwährungsfonds oder Weltbank Druck gemacht haben? Oder ist es schlicht der Übersetzung geschuldet nur noch nicht bekannt geworden?

Ein Projekt der Präsidentin?

Auch für Honduras mangelt es an weiterführenden Informationen. Die Währung des Landes, der Lempira, ist ebenfalls relativ stabil, weshalb die eigene Währungsschwache auch hier kein Anlass für Eile darstellen dürfte.

Eventuell plant Präsidentin Castro sich durch Bitcoin zu profilieren. Die Regierungschefin ist erst seit Ende 2022 im Amt; sie ist ihrer Herkunft nach eher konservativ-liberal, vertritt aber einen demokratischen Sozialismus und verspricht, eine partizipativere Demokratie in der Verfassung zu verankern.

Laut Reuters plant allerdings auch die Zentralbank von Honduras eine eigene CBDC. Darüber allerdings ist nur bekannt, dass das Projekt noch in der Analysephase steckt und dass diese noch eine Weile dauern kann.

Je nach Ressentiment gegen die „Dollar-Hegemonie“ könnte es für Präsidentin Castro verheißungsvoll sein, sich dem Nachbarn El Salvador anzuschließen und Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen.

Lateinamerika als Krypto-Region

Insgesamt scheint Süd- und Zentralamerika die Region zu sein, in der sich Bitcoin am ehesten als offizielles Zahlungsmittel durchsetzt.

Ein Bericht in Americas Quarterly beschrieb vor kurzem ausführlich, wie sehr sich Kryptowährungen auf dem Subkontinent bereits etabliert haben. Gerade 2021 scheint hier ein Jahr der Meilensteine gewesen zu sein. Laut Chainalysis sei die „Cryptocurrency Adoption“ zwischen Juni 2020 und Juli 2021 um 880 Prozent gestiegen. Wie auch immer man das misst.

In jedem Fall vereinnahmt Lateinamerika angeblich 8-10 Prozent der gesamten Krypto-Aktivität. Dies ist etwas, aber nicht massiv höher als der Anteil der Region am globalen BIP, der laut Statista 7,3 Prozent beträgt.

Drei Gründe für Krypto

Kryptowährungen sind in Lateinamerika aus mehreren Gründen wichtig. Erstens, weil viele Menschen der Region im Ausland arbeiten und Geld zu ihren Familien in der Heimat schicken. Kryptowährungen – ob nun Bitcoin oder ein Stablecoin – erlauben es, dabei Gebühren zu sparen. Laut einem Startup sei die Nutzung von Kryptowährungen im sogenannten Remittance 2021 um 900 Prozent gestiegen.

Zweitens befördern auch die politischen Krisen der Region Kryptowährungen. So haben etwa fünf Millionen Venezolaner ihr Land verlassen, das weiterhin in einer tiefen hyperinflationären Tragödie steckt. Die meisten von ihnen leben in Kolumbien, und auch sie müssen Geld nach Hause schicken, um ihre Familie zu versorgen. Auch für sie sind Kryptowährungen essenziell.

Schließlich schützen sich drittens viele Lateinamerikar durch Kryptowährungen vor der Inflation. Dies trifft nicht nur auf Venezuela zu, sondern auch auf das wesentlich größere Argentinien.

Lobby für Bitcoin

Kryptowährungen haben also in Lateinamerika große Chancen. Die Voraussetzungen sind gut: schwächelnde nationale Währungen, die große Rolle von Gastarbeitern im Ausland, die oft miserablen finanziellen Verbindungen, die Zahlungen ins Nachbarland erschweren, sowie ein verbreitetes Ressentiment gegen die Dollar-Hegemonie.

All dies könnte den perfekten Hintergrund dafür bilden, dass sich hier die erste Bitcoin-Währungsunion der Welt bildet. Aus diesem Grund fokussiert sich Samson Mow vermutlich auf diese Region, um die Regierungen für Bitcoin zu gewinnen.

Samson Mow hat vor kurzem bei Blockstream gekündigt, um sich ganz und gar auf dieses Projekt zu konzentrieren. Er reist durch die Länder, spricht mit Regierungsangehörigen, wirbt dafür, Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel zu machen, beantwortet Fragen, stellt Partnerschaften mit Blockstream durch Mining oder die Sidechain in Aussicht und so weiter.

Auch hier fehlt es an ernstzunehmenden Details. Samson postet ein Foto von einer Tasse Kaffee und schreibt dazu, dass guatemalischer Kaffee „so gut“ sei. In einem Interview erklärt er, dass Mexiko auf seiner Liste von verheißungsvollen Ländern sei. Aber all das sind eher Spekulationen und Mutmaßungen anstatt echte Nachrichten.

Über Christoph Bergmann (2354 Artikel)
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