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Und dennoch: Bitcoin!

Aus einer Blase raus sieht die Welt ganz anders aus: Schön, aber auch trügerisch. Bild von Teus Kappen via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es gibt vieles, wofür man Bitcoin kritisieren kann. Und zwar zu recht. Dennoch überwiegen die Vorteile die Nachteile. Denn Bitcoin gibt Hoffnung.

Vor einigen Tagen hat der einigermaßen bekannte deutsche Bitcoin-Kritiker Jürgen Geuter aka tante eine interessante Frage gestellt:

„Immer wenn ich einen Aspekt von Bitcoin kritisiere, werde ich als ahnungslos, uninformiert und dämlich hingestellt. Also, Bitcoin Fans, was ist eure intelligente und gute Kritik an Bitcoin?“

Geuter hat recht: Viele Bitcoiner reagieren empfindlich, wenn man ihre Lieblingswährung kritisiert, und neigen dazu, Kritik damit abzuwatschen, dass sie dem Kritiker unterstellen, Bitcoin nicht zu verstehen. Sie wollen nicht glauben, dass jemand Bitcoin nicht zu 100 Prozent unterstützt, wenn er es einmal begriffen hat.

Dies verrät eine Position der Schwäche: So als würde die eigene Überzeugung platzen, wenn man nur eine Nadel des Zweifels hineinsticht. Wem es so geht, der hat meist mehr Geld oder Leidenschaft investiert, als gut für seinen Seelenfrieden ist, und ihm ist zu raten, beides herunterzuskalieren.

Denn tatsächlich können es sich Bitcoiner leisten, aus einer Position der Stärke aus auf Kritik zu reagieren. Eine Position der Stärke hat kein Problem damit, Kritik anzuerkennen oder auch selbst zu formulieren. Ein fest verwurzelter Baum steht auch im Sturm stabil.

Viele Bitcoiner operieren aus dieser Position. So kam es, dass Geuter mit „guter Kritik“ überflutet wurde. Ich habe auch einen Beitrag zu dieser geleistet:

Es gibt eine lange Liste von Kritikpunkten, die auch Bitcoiner teilen. Sechs davon möchte ich hier etwas ausführlicher darstellen. Betrachtet es als einen Test: Wer sie nicht erträgt, hat zuviel investiert

Über Christoph Bergmann (2319 Artikel)
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13 Kommentare zu Und dennoch: Bitcoin!

  1. Wieder mal „chapeau“ Christoph Bergmann für diesen Artikel wo beide Seiten ihr Fett weg bekommen der Bitcoin Maxi und der Bitcoin Kritiker. In der Sache „volle Zustimmung“ von mir.

  2. Hans Frosch // 5. Juli 2022 um 15:57 // Antworten

    zum Thema Vertrauen: Ich muss auch darauf vertrauen, dass die Miner ihren Job machen. So sicher bin ich mir da langfristig nicht, bedenkt man, dass der Block-Reward irgendwann wegfällt.
    Bitcoin ist zwar gut gemeint, wird aber von einer anderen Kryptowährung abgelöst werden. Ich wundere mich schon, warum Bitcoin im dunkelsten Bärenmarkt nur auf eine Dominanz von 42 % kommt, siehe coinmarketcap.com. Wie wird dies erst im nächsten Bullenmarkt aussehen? Und wenn Bitcoin erst mal eine unter vielen Kryptowährungen ist, ist er tot.

    • Christian Reichelt // 5. Juli 2022 um 16:56 // Antworten

      Bitcoin ist schon eine von 20000 Kryptowährungen und er ist nicht tot, weil 99,9 Prozent davon absoluter Müll sind. Bitcoin und einige andere gehören nicht dazu.

  3. Da ist ja auch noch das BSV Risiko

    • Was meinst du denn mit Risiko?

      BSV ist der echte Bitcoin, das erkennt mittlerweile jeder. Der funktioniert so wie Satoshi es für Bitcoin von Anfang an geplant hat. Nicht als teuren Goldersatz, sondern als weltweites digitales cash System für jedermann, mit günstigen Gebühren, dabei sicher, schnell und skalierfähig. Es gibt bereits ein großes Ökosystem, das immer weiter wächst und spätestens mit der IPv6 Integration wird es die Basis für den modernen, werbefreien Internetverkehr.

      Anwendungen bringen den Wert einer Blockchain, nicht Spekulation.

      • spätestens mit der IPv6 Integration wird es die Basis für den modernen, werbefreien Internetverkehr.

        Bitte erläutern, wozu braucht BSV IPv6 dafür? Abgesehen davon, dass IPv6 bereits von den meisten Providern unterstützt wird, von fast 50% der Nutzer auch bereits standardmäßig genutzt wird:
        https://www.google.com/intl/de/ipv6/statistics.html#tab=ipv6-adoption
        In Deutschland sind wir schon bei 2/3.

        Anwendungen bringen den Wert einer Blockchain, nicht Spekulation.

        Da bin ich ganz bei Dir, trotzdem kann ich das Projekt abseits dem ganzen Fuckup um CSW und CA auch technisch nicht Ernst nehmen, denn ganz ohne Limitierung des Block Wachstums können spieltheoretisch die schwächsten Nodes ganz einfach ausgebootet werden, bis irgendwann nur noch einer übrig bleibt. Dass man als Hashrate-schwächste Chain trotzdem auf sha256 setzt, schlägt dem Projekt den Kopf ganz ab, denn 0,2% der BTC Miner (worüber etliche einzelne verfügen sollten können das Projekt beliebig manipulieren). Dazu kann ist das ganze Konstrukt mit praktisch 0-Fees noch weniger nachhaltig als Bitcoin selbst, in den Blöcken sieht tendiert die Fee/Base-Reward Relation gegen 0, während Bitcoin es konstant auf 1-2% bringt.

      • Hannes // 6. Juli 2022 um 13:51 //

        >Bitte erläutern, wozu braucht BSV IPv6 dafür?

        Beides ergänzt sich wunderbar. IPv6 Adressen in Verbindung mit SPV Clients und der Realisierung des „402 Payment Required“ HTTP Status führt zu echten P2P device payments ohne Mittelsmänner.

        Nicht nur für den simplen Käufer/Verkäufer Anwendungsfall. Stell dir all die Möglichkeiten vor, wenn du deine (IOT) Geräte im Prepaid Stil mit Bitcoin auflädst und jeglicher HTTP Transfer bezahlt/belohnt wird. Das bringt völlig neue Anwendungen/Szenarien/Verdienstmöglichkeiten für jeden einzelnen Menschen hervor. Auch die Sicherheit nimmt zu, da es für Angreifer wesentlich teurer wird als bisher.

        >… in den Blöcken tendiert die Fee/Base-Reward Relation gegen 0, während Bitcoin es konstant auf 1-2% bringt.

        Das ist nur eine Frage der Zeit … die Halving Uhr tickt bereits. Durch die BTC Blockbegrenzung verdienen Miner nur wenn die Preise weiter steigen. Das kann nicht ewig so weiter gehen.
        BSV ist geduldig, da steigt der Verdienst mit der Anzahl Transaktionen, welche mit der Zeit zunehmen, da das Ökosystem/Benutzerbasis weiter wächst.

      • Stell dir all die Möglichkeiten vor, wenn du deine (IOT) Geräte im Prepaid Stil mit Bitcoin auflädst und jeglicher HTTP Transfer bezahlt/belohnt wird. Das bringt völlig neue Anwendungen/Szenarien/Verdienstmöglichkeiten für jeden einzelnen Menschen hervor.

        Ich höre da so ein wenig IOTA raus… Wie gesagt, IPv6 ist in Deutschland schon bei 2/3 aller Anfragen in Nutzung, die Verfügbarkeit dürfte wahrscheinlich bei 80-90% liegen, denn nur alte nicht mehr mit Updates versorgte Router fallen raus. Für solch neue Technologien, bin ich mir also ziemlich sicher, dass jeder Potenzielle Nutzer bereits IPv6 hat. Ob man will, dass der Temperaturmesser für den Thermostat am Netz hängt und dafür 2 Cent Revenue im Monat einbringt, bleibt einem selbst überlassen.

        Das ist nur eine Frage der Zeit … die Halving Uhr tickt bereits. Durch die BTC Blockbegrenzung verdienen Miner nur wenn die Preise weiter steigen. Das kann nicht ewig so weiter gehen.

        Tatsächlich sehe ich mittlerweile immer mehr Stimmen unter Bitcoinern, die mir darin zustimmen, was ich bei 25 BTC Block Reward schon kritisiert habe. Aber ist es realistisch, dass die heilige Kuh der 21M geschlachtet wird? Ich habe sogar Vorschläge gehört, man sollte alte Coins, die seit >10 Jahren nicht bewegt wurden, dafür verwenden…

        BSV ist geduldig, da steigt der Verdienst mit der Anzahl Transaktionen, welche mit der Zeit zunehmen, da das Ökosystem/Benutzerbasis weiter wächst.

        Das basiert aber auch auf den gleichen Marktmechanismen. Aktuell verdient ein BSV Miner umgerechnet ~300 Dollar pro Block, davon im Schnitt weniger als 1 Dollar aus Fees von ca. 10.000 Transaktionen und einer Größe von ~20MB. Falls die Fees also den Base Reward übernehmen sollten, müssten es jeweils Blöcke von ~6GB sein, um alleine die aktuelle Sicherheit und den entsprechenden Reward zu stemmen. Aktuell dürfte der Traffic beim Betreiben eines halbwegs vernünftig vernetzten Nodes bei mindestens 100MB / 10 Minuten, 14.400MB am Tag liegen, was mit einer schnellen Leitung machbar ist. x300 sind aber 30GB / 10 Minuten und würde mindestens eine nicht limitierte 500Mbit/s Leitung benötigen, um auf Stand zu bleiben. Fürs Mining, um nicht erst paar Minuten später anfangen zu können also 10Gbit/s, um Spitzen abzufangen. Das kann sich nicht nachhaltig entwickeln. Und wir reden hier von rund 0,2% von Bitcoins Hashrate, die ohnehin nahezu beliebig durch einen der großen Miner angreifbar ist, bei relativ niedrigen Kosten. Egal, ob dieser leere Blöcke mined und das Netzwerk zum Stillstand bringt, oder extrem große mit vorbereiteten Transaktionen, um schwache Nodes auszubooten und die Chain in einen Status zu bekommen, der es praktisch unmöglich macht, einen neuen Node zu bootstrappen.

        Versteh mich nicht falsch, ein ähnliches Problem hat Monero mit der theoretisch unendlichen Block Size. Aber glaub mir, wir machen uns dazu extrem viele Gedanken und obwohl das Wachstum bereits stark limitiert ist, wurde ein Angriffsvektor „Big Bang“ genannt entdeckt und ausführlich diskutiert und auch eine akzeptable Lösung implementiert, sodass die Minimum-Fee in der neuen Hard Fork im August auf x5 steigt. Für eine Standard-Transaktion wären das 1-2 Cent bei heutigen Kursen:
        https://github.com/monero-project/monero/pull/7819
        Dort ist in einer der ersten Antworten auch das PDF verlinkt, was genau verändert wird und warum.

      • Hannes // 6. Juli 2022 um 15:43 //

        >…bin ich mir also ziemlich sicher, dass jeder Potenzielle Nutzer bereits IPv6 hat

        Ja das ist auch die Voraussetzung damit BSV sein Potential entfalten kann. Niemand sagt, dass IPv6 ohne BSV nicht funktioniert. Es geht nur um die eindeutige Zuordnung zu Geräten, weil das mit IP4 nicht gewährleistet ist.

        Von deinem IOT Beispiel der Temperaturmessung mal abgesehen, es geht auch um die Art und Weise wie das Internet in Zukunft funktioniert, z.B.
        1. Webseiten, die dir erst dann Content liefern wenn du unter der Http-Haube mit micro payments dafür bezahlt hast. Werbefrei (Danke der Einnahmen deines Thermometers)
        2. Inhalte, die du erstellst gehören dir und du bestimmst, wer sie konsumieren darf und was es kostet. Keine Mittelsmänner die daran mitverdienen.
        3. Social Media Dienste bei denen du dich nicht gläsern machst und mit Troll-Toll Funktion. (Experimentelle BSV Apps wie Twetch zeigen in welche Richtung das geht,
        https://bsv.guru/welcome-to-twetch-explainer/)
        4. Blockchainbasierte Single Sign-On Mechanismen
        usw.

        >… Aber ist es realistisch, dass die heilige Kuh der 21M geschlachtet wird?

        Was BTC in Zukunft macht ist egal, es handelt sich schon lange nicht mehr um Bitcoin.

        >… 500Mbit/s Leitung … der es unmöglich macht, einen neuen Node zu bootstrappen.

        Deine Rechnerei in allen Ehren, aber es geht nicht darum das jeder xbeliebige einen Full Node betreibt. Wozu? Nur Miner oder wenige spezielle Serviceanbier brauchen das.

        Um das mal mit Satoshis Worten zu kommentieren:
        „The current system where every user is a network node is not the intended configuration for large scale. That would be like every Usenet user runs their own NNTP server. The design supports letting users just be users. The more burden it is to run a node, the fewer nodes there will be. Those few nodes will be big server farms. The rest will be client nodes that only do transactions and don’t generate.“

        https://bitcointalk.org/index.php?topic=532.msg6306#msg6306

      • Niemand sagt, dass IPv6 ohne BSV nicht funktioniert. Es geht nur um die eindeutige Zuordnung zu Geräten, weil das mit IP4 nicht gewährleistet ist.

        Ich kann Dir aus eigener Erfahrung versichern, dass IPv6 ohne BSV prächtig funktioniert, seit Jahren! Andersrum gibt es diverse Mapping-Möglichkeiten, in der Regel sind alle Geräte im Haus an einen Router angeschlossen, der knapp 50.000 Ports zur Verfügung hat und diese entsprechenden Geräten zuordnen kann. Hat nebenbei den Vorteil, dass der Router als eine Art Firewall fungiert und z.B. bei IOT Geräten gerne „vergessene“ ssh Ports mit Standard-Login verhindert. Klar, funktioniert nicht bei mobilen Geräten, wenn man Wetterdaten in der Pampa erfassen will, aber wie gesagt: IPv6 ist bei allen mir bekannten Mobilfunkprovidern bereits implementiert, die Frage ist eher ob sie das tatsächlich statisch mappen oder weiterhin dynamisch (letzteres hat für die Privatsphäre „normaler“ User durchaus Vorteile).
        Eine weitere Möglichkeit ist ein DynDNS Anbieter Deiner Wahl, der minütlich die aktuelle IPv4 (bei Anfrage) broadcastet. HannesSeinTemperatursensor.dyndns.org wäre denkbar und machbar, sogar dual-Stack per IPv4 & IPv6.
        Hat aber eigentlich nichts mit dem BSV Protokoll zu tun, es ist nur eine Möglichkeit, einen Sensor direkt anzufragen, dass er mir Daten liefert. Ob das per BSV, IOTA, BTC oder XMR passiert ist kein Unterschied, solange er den Zahlungseingang verifizieren kann. Wie gesagt, ich halte den Bedarf für überschaubar, die potenziellen Sicherheits- & Privatsphäre-Einbußen für eklatant. Klar könnte man mit der Übertragung der GPS-Daten aller Autos Staus schneller erkennen, was einschlägige Anbieter schon tun. Aber muss das so öffentlich sein? Ganz sicher nicht, denn wenn jemand meine (sorry meines Autos) IPv6 Adresse kennt, weiß er jederzeit wo ich bin. Ich sehe nach all den Jahren keinen sinnvollen Anwendungsfall, den IOTA konstruiert hat, aber gut zu wissen, dass BSV mit der nicht vorhandenen Nachfrage konkurrieren will.

        Aha, also MicroNano-Payments im Internet. Dafür ist die Blockchain beim besten Willen die ineffizienteste Methode. Dafür halte ich Konzepte wie Brave sogar für sinnvoller, ggf. etwas wie private Channels bei Lightning zu einem Empfänger, von dem man öfter etwas bezieht, komplett ohne den Routing Overhead und die Transaktionen alle paar Minuten, wenn Du auf OnlyFans unterwegs bist 😛

        Those few nodes will be big server farms. The rest will be client nodes that only do transactions and don’t generate.

        Sure. Problem ist dann eine Willkür der verlangten Fees durch wenige Miner, was jetzt eigentlich schon ein Problem bei Bitcoin selbst ist. Die Angriffsfläche hat damals noch niemand vorausgesehen, aber sie ist real: Ich erlange über 50% der HR, baue in einer Woche 1.000 x 10GB Blöcke und jeder außer mir wird out of sync sein. Den Sync von mir drossle ich dann schön runter, sodass nie jemand wieder auf den neuesten Stand kommen kann und ich kann ab sofort die Blöcke selber minen.

  4. Wow, Christoph, seit wann Multi-Page Artikel? Du produzierst Content schneller als man ihn lesen kann, vielleicht auf Podcasts umstellen, die man sich im Schlaf anhören kann? 😛

    Für meine Kommentare solltest Du auch langsam Multi-Page einführen 😀

    Ich stimme Dir in den meisten Punkten weitgehend zu, möchte hier aber meinen Senf beitragen…

    1. Die Gefahr für den sozialen Frieden
    Eigentlich hat Satoshi ja mit der dezentralen Geldschöpfung „One CPU, one vote“ einen ganz guten Mechanismus eingebaut, der aber spätestens mit ASICs ad-absurdum geführt wurde, weil vielleicht 1% der Einwohner in bereits reichen Staaten theoretisch Zugang dazu haben könnten und dann sind da noch die Stromkosten… RandomX über p2pool inklusive eingebauter Tail Emission mildern das Problem etwas, aber sind wahrscheinlich auch nicht optimal, muss sich im Gegensatz zu Bitcoin auf größerer Skala beweisen. Immerhin erfolgen Auszahlungen aktuell ab ca. 0,0002 XMR / 0,03 USD für Shares der letzten 6 Stunden, das schafft jedes halbwegs aktuelle Smartphone. Könnte bei starken Auswüchsen der Difficulty aber angepasst werden, p2pool ist eine Sidechain von Monero und kann sich selbst anpassen, es gibt auch zwei Pools um die extremen Unterschiede zwischen Geräten abzubilden.

    2. Die Einrichtung einer finanziellen Massenüberwachung
    In der Tat halte ich das aktuell für das größte Problem bei Bitcoin, noch weit vor der Skalierbarkeit. Da bin ich sogar scheinbar einer Meinung mit Leuten, die ich eigentlich meide wie Tone Vays oder Jimmy Song. Wenn man das Grundprotokoll nicht verändert, sondern auf einem transparenten Ledger irgendwelche mehr oder besser funktionierenden „Lösungen“ wie LN oder MimbleWimble aufsetzt, wird das zu selektiven Blockaden durch zentralisierte Services wie Börsen, Payment Anbieter oder Custodial Wallets führen wie bereits durch viele Börsen geblockte Bitcoin CoinJoins oder bei Litecoins MWEB zu sehen.

    3. Vertrauen in eine kleine Gruppe von Experten

    Nur eine kleine Gruppe von Menschen ist in der Lage, überhaupt zu verstehen, worum es bei dem Problem geht. Eine noch kleinere Gruppe kann bewerten, wie sicher dies wirklich ist.

    Schafft ggf. Arbeitsplätze, auch generelle IT (Sicherheit) ist etwas, was die meisten Firmen heute nicht handhaben können, sonst hätten wir keine Malware Wellen. Wenn man dann an der Sicherung seiner Funds sparen würde, müsste man dem Angreifer nicht manuell etwas überweisen, er hätte Vollzugriff. Macht man ggf. nur einmal. Für viele Privatpersonen werden non-Custodial Wallets aber tatsächlich zu einem Problem, weil sie sich keine Sicherheitsabteilung leisten können/wollen und Gefahr laufen, einem „Experten“ aufzulaufen wie es sie heute schon bei „Handwerkern“ gibt.

    4. Das Problem der Skalierbarkeit

    Die Kapazität von Bitcoin ist gut genug für den aktuellen Bedarf, aber weit davon entfernt, die ganze Welt aufzunehmen.

    Das sehe ich absolut nicht so. Bitcoins aktuelles Transaktionsvolumen ist mit Schuld daran, dass wir sehr viele Custodial „Lösungen“ haben, weil Onchain bereits bei den ersten größeren Preisanstiegen 2017 kläglich versagt hat. Seither sehen wir tatsächlich kaum Fee-Pressure bei Bitcoin, aber m.M. nur deswegen, weil Bitcoiner „ihre“ Coins einfach auf der Börse ihres Vertrauens halten, um sie dann ggf. auch schnell verfügbar zu haben. Bei Ethereum sieht das weiterhin anders aus, da Smart Contracts tatsächlich oft noch eine non-Custodial Wallet benötigen, bei Monero gibt es auch bei einem plötzlichen Anstieg der Transaktionsmenge um mehr als 100% an einem Tag nur wenig Fee Pressure, denn die Eiligsten bezahlen die Vergrößerung der Blocksize. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass wir viel mehr Transaktionen bei Bitcoin sehen würden, wenn die Block Größe nicht so extrem limitiert wäre, siehe Litecoin als das erste OnChain Spiel 2020 released wurde.

    5.Die schwierige Monetarisierung von Wallets
    Multicoin Wallets lösen das Problem. An jedem Swap verdient der Anbieter mit, aber wenn man es nicht zuuuuu komplex veranstaltet wie z.B. Lightning, dann finden sich auch genügend OpenSource Developer, die das in ihrer Freizeit oder durch Spenden finanziert entwickeln. Gerade wenn es um Geld geht, sollte ein spendenbasiertes Funding guter Entwicklungen möglich sein, siehe Monero mit dem CCS und all seinen Seitenprojekten wie Monerujo Wallet, wo jeder Features vorschlagen kann, die man tippen kann, bis es jemand claimed.

    6.Bitcoin ermöglicht Verbrechen
    Messer auch. Das Argument zieht nicht, denn das No. Crime-Geld ist weiterhin unangefochten der US-Dollar als Cash oder über seine mehr oder weniger regulierten Banken, die gerne wegschauen, wenn es um größere Beträge geht. Auch Shops für gefälschte Produkte, illegale Generika & Co. verwenden heute PayPal oder herkömmliche Überweisungen über gestohlene Konten oder auch Fake-Identitäten oder Strohmänner. Das Processing ist etwas teurer, da sie mit Ausfallquoten rechnen müssen, aber bei Ransomware wäre ein Aufschlag von 20% auch nichts Ungewöhliches, muss man aktuell schon bezahlen, wenn man auf Bitcoin statt Monero beharrt. Wenn man mit denen spricht, wäre PayPal oder Überweisung (gestückelt) bestimmt auch machbar, mit eben noch höherem Aufschlag.

    Das ist das, womit viele Bitcoiner ein Problem haben. Sie sind sehr aufgeschlossen für präzise und konstruktive Kritik – für eine Kritik, die man auflösen kann, indem man etwas verbessert.

    Sehe ich leider auch nicht (mehr) so. Ich habe noch lange bevor ich irgendwann Monero entdeckt habe, versucht mich bei Bitcoin konstruktiv einzubinden. Vergeblich. Kenne auch niemanden persönlich, der die letzten Jahre bei Core einen PR im Git durchgebracht hat. Wenn, dann passiert die offene Entwicklung im LN, welches sich aber meiner Meinung niemals auf einem kaputten Base Layer entwickeln kann. Mittlerweile sehe ich NgU als das durchschlagende Argument, immerhin ist es nun bei sub-20k ruhiger darum geworden…

    Weil Bitcoin Hoffnung ist

    Das mag für viele ein Argument sein, aber von den von Dir aufgeführten düsteren Gegebenheiten löst Bitcoin eigentlich nichts.

    Auf Seite 7 listest Du gute Gründe auf, wir sind durch die massive Regulierung (siehe Punkt 2) gerade dabei, viele davon durch die Hintertür wieder abzugeben. Falls Überweisungen mit klassischen Dienstleistern in bestimmte Länder entweder nicht möglich oder mit horrenden Gebühren, dann wird durch die Travel Rule auch das unterbunden werden, weil man jetzt bei custodial Wallets wie Coinbase oder Crypto.com jeweils den Empfänger, die Anschrift und den Grund angeben muss. Glaub mir, das kommt für non-Custodial Empfänger auch, ggf. bekommt dieser dann eine E-Mail vom Custodial Anbieter und muss KYC durchführen. Bitcoin aus DEX wie Bisq werden regelmäßig eingefroren oder gar beschlagnahmt, sobald sie der Empfänger an seine CEX (oder eben custodial Wallet) schickt.

    Bei der Frage, ob man Bitcoin liebt oder hasst, schwingt immer die uralte Frage nach Freiheit und Tyrannei mit.

    Ich bin fern davon, Bitcoin zu hassen. Es ist immer noch der erste Proof of Concept, dass man ein Geldsystem komplett dezentralisieren kann. Mit zunehmender Regulierung und Überwachung ist es aber nicht mehr als das, wenn es nicht weiterentwickelt wird. Bald wird man sagen können, Bitcoin ist das MS-Dos des Geldes, immerhin war das die Grundlage für alle Wintendo-Systeme für viele Jahre, wurde mittlerweile aber auch ersetzt. Manche werden als Grundlage Doge nehmen, manche werden ihren Horizont vielleicht erweitern.

  5. Ein sehr guter und ausgewogener Artikel. Bei „Tante“ besteht leider keinerlei Interesse an einer echten Diskussion bzw. einem Meinungsaustausch.

    Ich hatte mir vor einiger Zeit einmal die Mühe gemacht seine Polemik „Krypto skaliert nicht“ konstruktiv zu beleuchten (siehe: https://lukasbrausch.wordpress.com/2022/05/30/the-third-web-addressing-technological-criticism/). „Tante“ fühlte sich leider nicht verpflichtet zu antworten und damit war die Diskussion beendet bevor sie je beginnen konnte. Sehr schade und enttäuschend.

  6. Schön das wirklich fundamentale Kritik an Bitcoin aus den eigenen Reihen kommt. Das signalisiert, dass man Kompromisse sucht und sich nicht bloß auf den Bitcoin Elfenbeinturm und „Satoshis Vermächtnis“ zurückzieht. Am Ende muss das Kryptoökosystem als Ganzes für alle funktionieren und mehr Probleme lösen, als es aufreisst. Das kann man nur gemeinsam hinkriegen.

    Also mehr davon, vielleicht kommt dann auch irgendwann mehr konstruktivere Kritik von der anderen Seite. Kritik mit der man was anfangen kann.

    Auch nur eine Anmerkungen zu einem einzigen Punkt von mir:

    3. Vertrauen in eine kleine Gruppe von Experten

    Wenn man ehrlich ist gilt das für alle Bereiche des modernen digitalen Lebens, auch nicht bloß für den elektronischen Zahlungsverkehr jetzt schon ganz stark.
    Wer weiss heute schon wie die Maschine im Innern wirklich funktioniert, und wessen Interessen sie dient. Wir bewerten Dinge die wir nicht mehr verstehen (können) mehr darüber wie hübsch und formschön sie gestaltet sind als was sie tatsächlich machen.

    Meine Hoffnung wäre, dass bei Bitcoin, die Tatsache das Kryptobetrug echten potentiellen Wert- (aka Geldverlust) bedeutet, zu einer höheren Motivation aller führt, am Ende auch zu verstehen, wie man sich wirksam besser schützt und uns hier am Ende alle (mehr) zu Experten macht.

    Meine zweiter Gedanke: die Entwicklung von der meisten Kryptoprotokollen (vor allem Bitcoin) erfolgt offen und kann jederzeit geforkt werden. Natürlich bedeutet das Forken nicht, dass einem die Mehrheit hinterherstiefelt nur weil man das (leicht) bessere System hat. Aber alleine die Option zum Forken verhindert effektiv, dass ein Einzelner das System so umgestaltet dass es auschliesslich den eigenen Zwecken dient.

    Ganz ohne Verteidigen von Bitcoin, sieht man, geht es auch bei mir nicht. Bei den anderen Punkten, vor allem bei Punkt „1. Die Gefahr für den sozialen Frieden“, finde ich aber, dass Du absolut valide Punkte anführst, die wir technikverliebten Bitcoiner gerne mal übersehen, weil wir uns sehr auf die technische Lösung fokussieren.

    Über diese Punkte sollten wir viel mehr sprechen, als darüber ob Bitcoin ein Ponzi ist oder irgendwann mal mehr Strom verbraucht als die weltweite Nutzung von Microsoft Produkten.

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