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Lemon Cash bringt Lightning zu mehr als einer Million User in Lateinamerika

Reife Zitronen ("Lemons") an einem Baum hängend. Bild von Simone Bosotti via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die beliebteste Krypto-Wallet Lateinamerikas erlaubt nun, Bitcoins auch per Lightning zu empfangen und zu versenden. Das ist großartig – lässt aber einen wichtigen Grundsatz von Bitcoin auf der Strecke.

Der südamerikanische Zahlungsdienstleister und Wechsler Lemon Cash integriert das Lightning Netzwerk in seine App. User der rasant wachsenden App können nun Bitcoins auch per Lightning empfangen und versenden.

Damit sparen die Gebühren, und die Transaktionen geschehen quasi in Echtzeit. Vor allem aber rüstet sich damit eine Säule der lateinamerikanischen Krypto-Ökonomie für Lightning, was beispielsweise für die Interoperabilität mit der Chivo-App von El Salvador entscheidend sein kann.

Im Hintergrund arbeitet dabei die Infrastruktur von OpenNode, einem auf Bitcoin und Lightning fokusierten Zahlungsdienstleister. Mit OpenNode und Lemon Cash treffen zwei junge, zeitgemäße und hungrige Krypto-Startups zusammen.

Lemon Cash wurde erst 2019 in Buenos Aires, Argentinien, gegründet. Der Dienstleister bringt in seiner App lokale Währungen mit Kryptowährungen und Stablecoins zusammen. User von Lemon Cash können sowohl Krypto- als auch Fiatwährungen einzahlen, in der App speichern und gegen zahlreiche andere Coins tauschen. Mit Bitcoins, Ether, einigen Stablecoins und weiteren Kryptowährungen kann man auch bis zu 13 Prozent Zinsen je Jahr verdienen.

Dieses Geschäftsmodell ist nicht ungewöhnlich, aber auch nicht ganz risikofrei, wie etwa die Tragödien um Celsius und BlockFi zeigen. Für Lemon Cash scheint es aber wunderbar zu laufen. Das Startup hat offenbar eine Art regionale Dominanz erreicht.

Lemon Cash ist nach eigenen Angaben „eines der am schnellsten wachsenden Krypto-Startups der Welt.“ Das Startup erreichte mittlerweile wohl mehr als eine Million User und expandierte im Herbst nach Brasilien. Weitere Expansionen in Lateinamerika sind geplant. Mit einem Investment von mehr als 17 Millionen Dollar durch vor allem US-amerikanische Risikokapitalgeber ist Lemon Cash bestens aufgestellt, diese starke Stellung zu halten und auszubauen.

Eine der jüngsten Errungenschaften von Lemon Cash ist die Aufnahme in ein Partnerprogramm des Kreditkartenanbieters VISA. Durch diesen kann Lemon Cash eine VISA-Karte herausgegeben, über die man mit Peso, Bitcoin, Ethereum und Tether-Dollar bezahlen kann. Für jeden Kauf bekommen User zudem ein 2-Prozent-Cashback in Bitcoin.

Open Node hingegen besticht durch einen Bitcoin-Only-Focus. Dieser erlaubt es dem Zahlungsdienstleister, seine Kapazitäten nicht darin zu verzetteln, immer neue Kryptowährungen aufzunehmen und für diese einen Node zu betreiben. Stattdessen kann es sich darauf fokussieren, die Zahlungserfahrung mit Bitcoin immer weiter zu verbessern.

Neben einer Lightning-API gehören dazu auch sehr kurze Intervalle der Auszahlung, die Möglichkeit, die Zahlung zu splitten sowie das Angebot, eingenommene Bitcoins ganz oder teilweise in Fiatwährungen zu konvertieren.

Sowohl Lemon Cash als auch OpenNode sind Treuhänder. Lemon Cash verwaltet die Schlüssel und damit die Coins der User, ist also eher eine Bankenapp als eine Krypto-Wallet; OpenNode vertreibt keine Software für Lightning, sondern einen API-Schlüssel, durch den Kunden wie Lemon Cash an der Liquidität von OpenNodes Lightning-Channels partizipieren können.

Wenn User von Lemon Cash also in Zukunft Lightning-Zahlungen mit der App ausführen, darf man dem zujubeln, da es der Verbreitung von Bitcoin und Lightning ohne Zweifel hilft. Es könnte auch als Beweis dienen, dass es möglich ist, Bitcoin mit Lightning zum Massenzahlungsmittel zu skalieren. Man darf sich aber nicht der Illusion hingegeben, dass dies irgendetwas mit dem hehren Bitcoin-Grundsatz zu tun habe, seine Schlüssel selbst zu verwalten. Denn zwischen Sender und Empfänger steckt nicht nur einer, sondern mindestens zwei Mittelsmänner.

Dass die Zahlungen dennoch schneller und günstiger sind als Banküberweisungen dürfte vielsagend sein.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
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