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Maker DAO diskutiert, Staatsanleihen in die Schatzkammer aufzunehmen

Ausschnitt eines Gewandes aus dem 12. Jahrhundert, das in der Wiener Schatzkammer liegt. Bild von John W. Schulze via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Maker DAO gibt mit den DAI-Dollar den erfolgreichsten algorithmischen Stablecoin heraus. Nun möchte die Dezentrale Autonome Organisation auch Staatsanleihen als Deckung verwenden. Sowohl für die DAO als auch DeFi wäre dies ein Meilenstein. Doch es ist nicht ganz so einfach …

Die Maker DAO ist ein faszinierendes Gebilde, das sich von einer relativ geradlinigen DAO zu einem wuchernden Geflecht von Gruppen und Smart Contracts entwickelt hat.

Einer der spannendsten aktuellen Vorschläge lautet, dass die DAO in kurzfristig fällig werdende Staasanleihen investieren soll. Damit intensiviert sich die Verbindung zwischen DeFi und CeFi, zwischen DAO und Aktiengesellschaft, zwischen Token und Wertpapier.

Der Vorschlag stammt von einer Schweizer Firma, die „Backed Finance AG„. Sie bringt Wertpapiere als zu 100 Prozent gedeckte Token auf die Ethereum-Blockchain. Im Forum der Maker DAO schlägt sie nun vor, dass User tokenisierte ETFs auf kurzfristig fällig werdende Anleihen als Kollateral verwenden können, um sich bei der Maker DAO DAI-Dollar zu leihen.

Die Backed Finance AG reagiert damit auf den kürzlich verabschiedeten Vorschlag einer Arbeitsgruppe für „Real World Assets“ (RWA), in kurzfristige Anleihen zu investieren. Diese sollen dieselbe Stabilität wie Stablecoins aufweisen, welche mehr als 50 Prozent der Schatzkammer der DAO ausmachen, aber, anders als diese, auch Zinsen abwerfen.

Mit der Backed Finance AG bietet eine vollständig regulierte Schweizer Firma an, diesen Vorschlag zu erfüllen. Indem die AG Wertpapiere wie Anleihen, ETFs und Aktien tokenisiert, kann die Maker DAO in diese investieren, ohne selbst am traditionellen Kapitalmarkt aktiv zu werden. Für Backed Finance dürfte darin die Chance liegen, zu beweisen, welchen Mehrwert die Tokenisierung von Wertpapieren haben kann.

Bei dem Wertpapier, dass die Backed Finance vorschlägt, handelt es sich um den vom Vermögensverwalter Blackrock herausgegebenen „Backed iShares $ Treasury Bond 1-3yr UCITS ETF„. Dieser ETF ist durch niedrig verzinste kurzfristige US-Staatsanleihen gedeckt. Der Smart Contract für dieses existiert bereits auf der Ethereum-Blockchain, auch wenn offenbar noch keine Token geprägt wurden.

In der Maker DAO rennt Backed Finance damit gegen teils offene und teils verriegelte Türen. Der Vorschlag sei ein „Gamechanger“, jubeln mehrere Mitglieder der RWA-Arbeitsgruppe, sowohl für die Maker DAO, als auch für DeFi überhaupt. Aktien und Token verschmelzen, eine DAO investiert in Staatsanleihen. Wie kann man das nicht wollen?

Andere Mitglieder stellen skeptische Fragen: Wird die DAO damit Staatsanleihen unreguliert in Umlauf bringen? Wird die Maker DAO vom Herausgeber eines Stablecoins damit zum Market Maker für Staatsanleihen? Werden die den Token unterliegenden Assets in jedem Fall liquidierbar sein? Setzt das Verfahren die Maker DAO rechtlichen und regulatorischen Risiken aus?

Und überhaupt: Kann man von echtem Besitz reden, wenn die Assets, die einem Token unterliegen, im Besitz einer Firma sind? Gibt es ausreichend zuverlässige Preis-APIs, die man auf die Blockchain bringen kann? Solche Zweifel sorgen bisher dafür, dass die Maker DAO noch keine Entscheidung über den Vorschlag getroffen hat und diesen weiter diskutiert.

Zugleich öffnet sich die Maker DAO immer weiter für die Integration von Banken, etwa die französische Societe Generale oder die US-amerikanische Huntington Valley Bank. Diese Banken können mithilfe der DAO Dollar-Token erzeugen. Die meisten Mitglieder der DAO blicken dieser Verschmelzung mit dem traditionellen Finanzwesen mit Freunde und Spannung entgegen; manche jedoch fürchten, der DAO damit regulatorische Risiken aufzuladen, die ihre Existenz an sich bedrohen können.

Die Aufnahme von „Real World Assets“, also Assets, die ihren Ursprung nicht wie Token auf der Blockchain haben, scheinen die unvermeidbare Zukunft der Maker DAO zu sein. Damit wird diese zu einer merkwürdigen, dezentralen Organisation, die an der Schnittstelle von Blockchain und traditionellem Finanzwesen operiert, vielleicht könnte man auch sagen, zu einem Investmentfonds mit einem Stablecoin als Token.

Doch dies ist alles andere als einfach oder geradlinig. So hat vor kurzem Pando Climate, ein Fonds, der sich auf Investitionen in erneuerbare Energien fokussiert, um ein Darlehen von 220 Millionen Dollar geworben und dafür Solaranlagen im Gegenwert von 250 Millionen Dollar als Deckung angeboten. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt, weil er zu riskant ist.

Die Maker DAO muss offenbar noch ihren Kurs im Umgang mit echten Assets finden. Schon jetzt aber dient sie als Katalysator bei der Tokenisierung von Assets der echten Welt.

Über Christoph Bergmann (2351 Artikel)
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