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Nein, die 140.000 Bitcoins aus Mt. Gox landen in dieser Woche nicht auf dem Markt

Schwertschlucker aus China. Bild von motohakone via flickr.com. Lizenz: Öffentliche Domäne

Am Wochenende machte die Meldung die Runde, dass der Insolvenzverwalter von Mt. Gox 140.000 Bitcoins freigibt. Dies sorgte für Schrecken – ist aber falsch. Zumindest noch.

Es wäre der perfekte Sturm gewesen. So perfekt, dass manche ihn vielleicht sogar herbeigewünscht haben. Der Markt ist sowieso unter Druck, die Fed kündigt eine Erhöhung der Zinsen an, die EZB wird bald auch nachziehen – und dann strömen rund 140.000 Bitcoins auf den Markt, die der Insolvenzverwalter der gehackten Börse Mt. Gox freigibt.

Man hört förmlich, wie die Kurse auf den Boden plotzen.

Mt. Gox war die mit Abstand größte Bitcoin-Börse der Welt. Anfang 2014 wurde sie jedoch gehackt, wobei mehrere Hunderttausend Bitcoins entwendet wurden. Die Börse aus Tokio ging pleite, ihr Gründer Mark Karpeless musste etwas später in ein japanisches Gefängnis. Die konkreten Ursachen des Hacks sind im Dunklen geblieben, wie auch die Identität des Hackers. Immerhin gelang es dem Insolvenzverwalter, etwa 141.000 Bitcoin zu retten, die in einem relativ komplexen und langatmigen Verfahren an die Gläubiger zurückgezahlt werden sollen.

Im November 2021 erklärte der Konkursverwalter Nobuaki Kobayash, man werde die geretteten Bitcoins an die Gläubiger auszahlen. Er nannte allerdings kein Datum.

Diese Woche soll es, hieß es am Wochenende aus verschiedenen Quellen, soweit sein. 141.000 Bitcoins, das wären fast drei Milliarden Euro, oder knapp ein halbes Jahr Blockreward. Es wäre, hieß es, „der größte schwarze Schwan des Bitcoin-Ökosystems.“

Tatsächlich wäre es fatal, wenn in dieser Marktlage so viele Bitcoins auf den Markt strömen. Zwar bedeutet die Auszahlung der Gläubiger nicht zwingend, dass diese die Coins sofort verkaufen. Allerdings hatte ein Bitcoin damals einen Preis von einigen hundert Euro. Durch das erzwungene Hodlen stieg er um etwa das 50-Fache an. Bei solchen Profiten dürften auch viele überzeugte Langzeit-Hodler schwachen werden.

Die gute Nachricht ist aber, dass die schlechte Nachricht eine Ente war. Zahlreiche Gläubiger haben schon in den sozialen Medien erklärt, dass sie nichts von einer Auszahlung wissen. Den Todesstoß gab der Fake News aber der Twitter-Account von WizSec Research, jenen Blockchain-Analysten, die mit der Bergung der Coins beauftragt waren.

Sobald die Auszahlung der Coins näherkomme, werde man dies auf der Webseite mtgox.com erfahren. Man darf also aufatmen – noch. Denn irgendwann wird der Moment kommen, in dem die 141.000 Bitcoins auf den Markt strömen.

Das Schwert des Damokles hängt weiter über dem Markt. Man kann nur hoffen, dass er bereit ist, es ohne Verletzung zu schlucken, wenn es fällt.

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1 Kommentar zu Nein, die 140.000 Bitcoins aus Mt. Gox landen in dieser Woche nicht auf dem Markt

  1. Nach dem, was ich weiß, ist sich Insolvenzverwalter Kobayashi sich des Problems natürlich bewusst, außerdem wird sich der Prozess schon aus organisatorischen Gründen lange hinziehen, – wie alles in diesem Verfahren. Auch die Besitzer der Coins werden strategisch handeln und nicht zu Tiefstpreisen verkaufen. Außerdem hat der Markt inzwischen ein Volumen, das die anfallenden Mengen leicht aufnehmen kann – man denke nur daran, wie unmerklich Elon Musk seine Milliarde untergebracht hat.
    Also höchst wahrscheinlich ein Nicht-Ereignis.

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