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„Wenn man ein NFT lange genug mit sich selbst handelt, kann man den Floor-Preis anheben.“

Schwerpunkt NFT

Vijay Pravin Maharajan ist CEO von bitsCrunch aus München. In einem kurzen Interview erklärt er, wie er Wash Trading bei NFTs erkennt – und wie groß dessen Umfang ist.

Hallo Vijay, erzähl‘ unseren Lesern kurz, wer du bist und was du machst.

Ich komme aus Indien, lebe in München und habe für verschiedene große Unternehmen wie Siemens gearbeitet, bevor ich 2021 bitsCrunch gegründet habe. Wir verarbeiten Daten über NFTs und nutzen dabei Blockchain-Analytik und Künstliche Intelligenz. Wir sind also eine Consulting- und Analyse-Firma, in etwa vergleichbar mit Chainalysis, Dune oder Nansen.

Vijay Pravin Maharajan, Bild von bitCrunch, für dieses Interview zur Verfügung gestellt.

Mit unserem Produkt haben wir bereits mehrere Risikokapitalgeber überzeugt, etwa Coinbase Capital oder Crypto Capital. Auch MasterCard hat uns in sein Partnerprogramm aufgenommen und plant nun, unsere Software zu benutzen. Anders gesagt: Wir sind dabei, das „Data Oracle“ für die Welt der NFTs zu werden.

Welches Problem löst ihr?

Das Kernproblem auf NFT-Marktplätzen ist aktuell Wash Trading. Wash Trading meint, dass man mit sich selbst oder einem Freund NFTs handelt, um ein Handelsvolumen und eine Nachfrage zu simulieren, die eigentlich überhaupt nicht existiert.

Beispielsweise prägst du ein NFT. Dann sendest du es an deine Freunde, die es kaufen, und du gibst ihnen das Geld dafür. Du hast nichts verloren – im Gegenzug steigt aber der Preis deines NFTs. Am Ende brauchst noch nicht mal Freunde dazu, da du mit Metamask und anderen Wallets beliebig viele Accounts generieren kannst, um mit diesen auf Marktplätzen wie OpenSea zu handeln. Genau das ist es, was auf dem NFT-Markt aktuell passiert und unsere Lösungen helfen, genau das zu verhindern.

Woher weißt du, dass das passiert?

Wir haben ein KI-Datenmodell, das die Handelsaktivitäten analysiert und bewertet. Wir schauen uns die Daten zu jedem einzelnen NFT-Kauf an. Unsere Software erstellt dann einen Score von der Wallet, dem User und dem NFTs.

In diesen Score fließen mehr als 60 Indikatoren ein. Zum Beispiel: Ist das NFT frisch geprägt? Gibt es einen Holder oder hunderte? Wie lange wird das NFT gehalten? Ist ein Wallet neu? Wie viele andere Token verwendet es? Was ist über den Smart Contract zu sagen?

Ich will natürlich nicht zu viele Details verraten. Aber wir sehen, dass unser Algorithmus Wash Trading effektiv erkennt.

Auswertung der Daten zu einer Wallet.

Wie viel Trades im NFT-Bereich sind Wash Trading?

Das kommt immer auf den Marktplatz an. Wenn du auf Marktplätze wie LooksRare gehst, sind es mehr als 70 Prozent.

Auf OpenSea ist es deutlich weniger, aber immer noch zu viel. In Zahlen sind es etwa 30 Prozent. Insgesamt ist Wash Trading also extrem weit verbreitet und es sollte gehandelt werden. Zum Schutz der Marktplätze und zum Schutz der Käufer.

Welchen Einfluss hat Wash Trading auf die Preisbildung bei NFTs?

Es ist offensichtlich, dass es einen Effekt hat. Soweit wir es sehen, geschieht Wash Trading aus zwei Gründen.

Erstens, man erhöht dadurch den Preis. Wenn man ein NFT lange genug mit sich selbst handelt, kann man den Floor-Preis anheben. Ich will nicht allen Kollektionen vorwerfen, das zu tun, aber sehr viele machen es. Damit kann man den Preis auf das Zehnfache erhöhen, und wenn dadurch eine Rally ausgelöst wird, noch deutlich mehr.

Zweitens geschieht Wash Trading vor allem auf Plattformen, die Token an User ausschütten, um sie für ihre Aktivität zu belohnen. Auf LooksRare bekommst der User etwa RARE-Token für seine Aktivität. Das Wash Trading ist in dem Sinne eine Art Token Farming.

Das hört sich nicht besonders gut an. Ist reines P2P-Trading von NFTs eine Sackgasse?

Möglicherweise ja. Man weiß nicht, mit wem man handelt, und es ist schwer, Wash Trading zu verhindern, da niemand daran gehindert werden kann, auf einer Blockchain zu handeln.

Was wir aber tun können, ist, Börsen und User gleichermaßen darüber zu informieren, bei welchen Token konkret Wash Trading in welchem Umfang vorkommt. Dafür haben wir die Seite unleashnfts.com gebaut. Diese schafft Transparenz und gibt eine Übersicht über aktuelle NFTs und zeigt, bei welchen Wash Trading vorkommt – und bei welchen nicht.

Für die öffentliche Ansicht müssen wir erst noch einige rechtliche Details klären, bevor wir anzeigen dürfen, welche NFTs besonders stark von Wash Trading betroffen sind. Unternehmen können dagegen schon jetzt mit unseren Lösungen arbeiten.

Unter den NFT-Marktplätzen gibt es entsprechend auch bereits reges Interesse. So arbeiten wir zum Beispiel mit dem Marktplatz Rarible zusammen; unsere Tools filtern für sie NFT-Transaktionen nach Wash Trade-Mustern. Auch Polygon Studios und der Künstlervertrieb One/Off nutzen unsere Dashboards.

Wir hoffen, dass wir unsere Lösungen in Zukunft auch in Wallets integrieren können. Beispielsweise könnte sich ein User mit seiner Wallet bei uns einloggen und erkennen, wie betroffen jene NFTs sind, die er bereits besitzt. Wir könnten ihn auch warnen, wenn er im Begriff steht, einen NFT zu kaufen, dessen Preis durch Wash Trading manipuliert wurde. Vielleicht kann man so reines P2P-Trading von NFTs retten. Aber es ist hart.

Ihr seid ja im Partnerprogramm von MasterCard. Habt ihr gemeinsame Pläne?

Ja, MasterCard ist an unseren Produkten interessiert. Es geht um Krypto-Fiat-Brücken im NFT-Bereich. In Zukunft soll man mit der Kreditkarte direkt NFTs kaufen können, und mit unserem Algorithmus möchte MasterCard prüfen, ob die Preise der NFTs auf legitimem Weg entstanden sind.

Vijay Pravin Gründer und CEO von bitsCrunch, einem Blockchain-Analyse-Unternehmen, welches 2021 mit der Vision gegründet wurde, sich als TÜV des NFT-Ökosystems zu etablieren. Pravin tritt regelmässig als Speaker auf, etwa auf der „Paris Blockchain Week Summit“, der NFT.NYC und der SmartCon 2022.

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2 Kommentare zu „Wenn man ein NFT lange genug mit sich selbst handelt, kann man den Floor-Preis anheben.“

  1. Ein ähnliches Phänomen konnte man vor Jahren mit den ganzen kleinen Altcoins beobachten, die eine sehr geringe Supply hatten, die frei gehandelt werden konnte, da deren Gründer sich oft selbst mit 70-95% ausgestattet haben und dann als „Market Maker“ die Preise praktisch diktieren konnten.

  2. Hm, um das effektiv zu verhindern müssten Transaktionsgebühren immer proportional zum versendeten Wert wachsen.

    Haben dann nicht alle Kryptos, deren Transaktionsgebühren anders zustande kommen (z.B. über die Bytesize), ein potentielles Problem mit Wash trading?

    Klar sind eine riesige Anzahl von Markteilnehmern wie bei Bitcoin ein guter Schutz dagegen. Ein geringes potentielles Risiko bleibt aber doch immer, dass Wale den Preis nach oben manipulieren können, oder sehe ich das falsch?

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