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Justin Sun kauft vermutlich die Krypto-Börse Huobi

Die Sonne. Bild von flowcomm via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mit Huobi wechselt eine der größten und ältesten Krypto-Börsen den Besitzer. Nun gibt es Hinweise, dass hinter dem Kauf niemand Geringeres steht als Tron-Gründer Justin Sun. Es wäre nicht das erste Mal, dass der 1990 geborene Chinese im Ökosystem auf Einkaufstour geht.

Bankraub sei ein „Unternehmen von Dilettanten“, während „wahre Profis“ eine Bank gründeten, sagte der Schriftsteller Berthold Brecht. Ich frage mich oft, was er heute sagen würde. Vielleicht, dass die Dilettanten heute Banken und die Profis Währungen gründen.

Der vielleicht größte Profi der Krypto-Szene könnte demnach Justin Sun sein. Der junge Chinese wurde 2015 zum ersten Studenten der Lakeside University von Alibaba-Gründer Jack Ma. 2017 gründete er die Kryptowährung Tron. Diese galt zwar als unkreativer Abklatsch anderer Kryptowährungen, setzte sich aber weit genug durch, um Justin eine finanzielle Basis im zweistelligen Millionenbereich zu verschaffen. Durch kluges Investieren und Halten machte er in den folgenden Jahren daraus ein Vermögen.

Oft erweckt Justin Sun den Eindruck, so reich zu sein, dass er nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld. Mal gibt er Millionen aus, um mit Investment-Legende Warren Buffet zu Abend zu essen, dann bietet er eine halbe Million Dollar für ein NFT. Dazwischen übernimmt er die Kryptowährung Steem (die sich aber dagegen wehrt) sowie die Börse Poloniex.

Nun gibt es Hinweise, dass Justin Sun auch der wahre Käufer der Börse Huobi ist, eine der größten (ehemals) chinesischen Kryptobörsen. Darüber berichtet Colllin Wu in seinem Newsletter.

Am 8. Oktober hatte Huobi bekannt gegeben, dass alle Anteile an der Börse an einen Fonds namen „About Capital“ überwiesen wurden. About Capital ist ein Vermögensverwalter in Hongkong, über den relativ wenig bekannt ist. Aufgrund früherer Partnerschaften wird eine enge Verbindung zu Junglin Assets vermutet, dem größten Beteiligungsfonds Chinas, weshalb man zunächst annahm, dass Jinglin nun der neue Eigentümer von Huobi sei.

Doch auf Nachfrage erfuhr Collin Wu, dass Jinglin nicht in die Übernahme involviert war und About Capital eher eine „Brücke“ für Justin Sun gwesen sei. Laut Insiderinformationen sei der Grund für diesen Umweg, dass der Gründer von Huobi, Li Lin, befürchte, Ärger mit der Regierung zu bekommen, wenn er die Börse an Justin Sun verkauft. Denn gegen Sun laufen bereits seit 2018 Ermittlungen der chinesischen Regierung, weshalb er die karibische Insel Grenada zu seiner neuen Heimat gemacht hat.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn Justin Sun Huobi kauft. Er hätte ein Interesse und das nötige Kleingeld. Allerdings operiert Wu eher mit Vermutungen und Gerüchten anstatt tatsächlichen Hinweisen. So erklärt er etwa, dass Justin vor kurzem, auf der Token2049 in Singapur Ende September, unter der Belegschaft von Huobi auftrat. Dort habe er auch gemeinsam mit dem CFO der Börse FTX öffentlich darüber geredet, Huobi aufzukaufen.

Justin Sun erklärte zwar, dass er nicht an der Übernahme beteiligt gewesen sei. Doch zugleich gab er bekannt, nun globaler Berater für Huobi zu sein.

Falls Justin Sun tatsächlich der Käufer von Huobi ist, hat er sich ein strategisch interessantes Stück Tafelsilber der chinesischen Krypto-Wirtschaft angeeignet. Die Börse wurde bereits 2013 gegründet. Bis 2017 / 2018  stieg sie zur größten Börse Chinas und zu einer der größten Börsen der Welt auf, konnte aber niemals den Verdacht abschütteln, von chinesischen Geldwäschern massiv missbraucht zu werden.

Zugleich demonstrierte der Gründer Li Lin Loyalität zu seiner Heimat.  Während andere Börsen ihr Heil im Ausland suchten, blieb Huobi auch dann in China, als die die Kommunistische Partei zunehmend schärfer gegen Kryptowährungen vorging. Selbst nachdem er im Jahr 2020 vorübergehend verhaftet wurde, blieb Li in China. Huobi schloss die Accounts chinesischer User und konzentrierte sich auf das Geschäft mit ausländischen Kunden, etwa in Japan, Korea oder den USA, ohne China vollständig zu verlassen.

Der Verlust chinesischer User führte wohl zu massiven Umsatzeinbußen, denn Huobi begann, Mitarbeiter zu entlassen. Dies schließlich dürfte mit ein Grund sein, weshalb Li Lin die Börse verkaufte. Der Preis ist nicht bekannt, Schätzungen reichen von einer bis drei Milliarden Dollar.

Über Christoph Bergmann (2408 Artikel)
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