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Großbank BNY Mellon eröffnet Treuhand-Plattform für digitale Assets

Die "1 Wall Street" ist das Hauptgebäude von BNY Mellon.

Die Bank of New York Mellon ist laut eigener Angabe die größte Treuhand-Bank der Welt. Nun erlaubt sie ihren Kunden, auch Kryptowährungen zu kaufen und zu halten – und schielt entschieden auf DeFi, Staking und tokenisierte Wertpapiere.

Gestern, am 11. Oktober, kündigte die BNY Mellon an, dass ihre „Digital Asset Custody Platform“ in den USA live gegangen sei.  Ausgewählte Kunden können von nun an „Bitcoin und Ether halten und überweisen.“ Dieser „Meilenstein“ unterstreiche das Bekenntnis der Bank, „die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen, die sich einen vertrauenswürdigen Dienstleister für sowohl traditionelle als auch digitale Assets wünschen.“

Bitcoin und Ether sind, daran lässt die Pressemitteilung keinen Zweifel, nur der Anfang. Das zeigt eine Umfrage der Großbank unter 271 institutionellen Investoren aus der ganzen Welt.

Auf der einen Seite zeigt die Umfrage ein solides Interesse an Kryptowährungen. 41 Prozent halten bereits welche, weitere 15 Prozent haben vor,  sie im Lauf der kommenden fünf Jahre in ihr Portfolio aufzunehmen.

Doch die Institutionellen wünschen sich weit mehr, als nur Kryptowährungen zu halten. Sie wollen Blockchains produktiv nutzen. 77 Prozent möchten Zinsen für Krypto-Assets durch Staking-Pools einfahren. 88 Prozent sind bereit, „digitale Repräsentationen von Cash auf einer Blockchain“ zu benutzen, also Stablecoins. 91 Prozent interessieren sich dafür, in tokenisierte Produkte zu investieren, und satte 97 Prozent stimmen zu, „dass Tokenisierung das Asset Management revolutioniert“ und „gut für die Branche“ ist.

Die Institutionellen öffnen sich für Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen. Doch das, worauf sie vor allem schielen, sind tokenisierte Assets. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind eher die Treppe, die zu diesen führt.

Mit der Plattform könnte BNY Mellon also eine doppelte Rolle spielen: Auf der einen Seite hilft sie den institutionellen Investoren und Privatanlegern, die noch keine Kryptowährungen halten, diese zu kaufen und zu speichern. Auf der anderen Seite ebnet sie einer weit umfassenderen Tokenisierung, von Aktien, Anleihen und mehr, den Weg, durchaus mit der Bereitschaft, diese in Staking und DeFi zu integrieren.

Über die Plattform selbst ist bisher wenig bekannt. Die Methoden, um Kryptowährungen mit einem extrem hohen Grad an Sicherheit zu speichern, sind längst etabliert: Cold Wallets, die die privaten Schlüssel niemals mit dem Internet in Verbindung bringen, und Multisig-Verfahren, bei denen eine Transaktion von mehreren Personen bzw. durch mehrere Schlüssel signiert werden muss.

Das einzige, was die Pressemitteilung über die Plattform mitteilt, ist, dass die Bank „eng mit führenden Fintech-Unternehmen“ zusammenarbeite. Mit der technischen Infrastruktur ist wohl Fireblocks beauftragt, ein Anbieter für Software und Dienstleistungen rund um Kryptowährungen und digitale Assets, zu denen auch die Infrastruktur gehört, durch die Banken ihre digitalen Assets selbst verwahren können. Sicherheit und Flexibilität schafft Fireblocks, indem es „die neuesten Durchbrüche in der Multi-Party-Computation-Kryptographie mit geheimer isolierter Hardware kombiniert.“

Der andere beauftragte Anbieter ist Chainalysis, der, wenig überraschend, hilft, „den gegenwärtigen und künftigen Auflagen der Regulierung“ gerecht zu werden.

Mit den Arbeiten an der Plattform hat BNY Mellon erst 2021 begonnen. Dass eine Großbank innerhalb von ein bis zwei Jahren eine technisch reife, sowohl sichere als auch regulatorisch solide Platttform aufsetzen kann, ist mehr als ein Detail. Die technisch-rechtliche Integration von Kryptowährungen und digitalen Assets ins Bankwesen ist mehr oder weniger abgeschlossen. Banken müssen nun nur noch zugreifen.

Mit BNY Mellon geht dabei ein Schwergewicht im internationalen Finanzwesen voran. Das New Yorker Finanzinstitut gilt als eine von 30 Banken der Welt, die zu groß und systemrelevant sind, um scheitern zu dürfen. Mit 43 Billionen Dollar verwalteter Assets – also Werte aller Art – in treuhänderischer Verwahrung und 1,9 Billionen Dollar unter aktivem Management ist BNY Mellon der größte Vermögensverwalter unter den Banken.

Das Zeitfenster, in dem kleine, aufstrebende Banken sich mit Kryptowährungen in einer Nische positionieren können, schließt sich nicht. Es ist mittlerweile offiziell geschlossen.


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