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Zehn Grundsätze einer Bitcoin-Ethik

Ma'at, die altägyptische Göttin der Wahrheit, Gerechtigkeit und Weisheit. Bild von TYalaA via wikipedia. Lizenz: Creative Commons

Es gibt keine allgemeine „Bitcoin-Ethik“. Aber es sollte einige Grundüberzeugungen geben, auf die sich die meisten Bitcoiner verständigen können. Ein Versuch.

Ich möchte hier einige ethische Grundlagen skizzieren, für die Bitcoin meiner Meinung nach steht.

Bitcoin ist für mich, muss ich voraussetzen, eine Technologie, die verschiedene Axiome der Freiheit verkörpert. Dies geht weit über die Währung „Bitcoin (BTC)“ hinaus, und mir ist klar, dass dies eine Ansicht ist, die nicht jeder mitträgt. Dennoch meine ich, dass die weitere Bitcoin-Szene, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, einige ethische Überzeugungen teilt.

1.) Meinungsfreiheit ist besser als Zensur: Bitcoin schützt Meinungsfreiheit, indem es Zensur verhindert. Ein freier Diskurs ist die beste Art der öffentlichen Meinungsbildung, und es ist schädlich, abweichende Meinungen zu unterdrücken.

2.) Dezentralisierung ist besser als Zentralisierung: Wenn es möglich ist, sollten Funktionen dezentral erfüllt werden. Dezentrale Strukturen sind dauerhaft, resistent und zuverlässig, während zentrale Mittelsmänner Single-Points-of-Failure, Abhängigkeiten und Reibungen schaffen. Wenn es möglich ist, Mittelsmänner zu entfernen, sollte dies geschehen.

3.) Wettbewerb ist besser als ein Monopol: Ein freier Markt von konkurrierenden Anbietern ist effizienter und fairer als ein Monopol oder Kartell. Auch Geld sollte im Wettbewerb stehen.

4.) Freie Entscheidungen sind besser als Zwang: Wenn sich Menschen selbst für etwas entscheiden, anstatt gezwungen zu werden, machen sie dies glücklicher, motivierter und effizienter. Freie Entscheidungen von Individuen erlauben auch, etwas NICHT zu tun, und können damit irrationale, unmenschliche Operationen blockieren.

5.) Freie Märkte sind besser als Staaten: Wenn es möglich ist, sollten Dienstleistungen und Güter durch den freien Markt gestellt werden. Der Staat sollte nur leisten, was der Markt nicht leisten kann, und so wenig wie möglich in diesen eingreifen.

6.) Mehr Autonomie ist besser: Individuen und Kleingruppen sollten so autonom und unabhängig wie möglich sein. Wenn es technisch möglich ist, die Autonomie des Einzelnen zu stärken, sollte dies geschehen.

7.) Mehr Privatsphäre ist besser: Individuen sollten den höchstmöglichen Datenschutz genießen. Sie sollten frei entscheiden können, welche privaten Daten sie preisgeben. Massenüberwachung muss verhindert werden.

8.) Mehr Transparenz ist besser: Öffentliche Institutionen sollten so transparent wie möglich sein. Die Einzelnen, die ihre Handlungsmacht an Vertreter des Kollektivs abgeben, sollten in der Lage sein, deren Arbeit zu beobachten und zu verifizieren.

9.) Inklusion ist besser als Exklusion: Soziale Systeme sollten inklusiv sein. Sie sollten nicht ausgrenzen, sondern offen für jeden sein.

10.) Leistung ist besser als Autorität: Es kommt nicht darauf an, wer man ist, sondern was man macht. Die Verfügung über Entscheidungsgewalt sollte nicht aus Autorität, sondern aus Leistung geschehen. Eine Meritokratie ist besser als eine Aristokratie, Proof of Work besser als Proof of Authority.

Bitcoin ist eine Technologie, die diese zehn Grundsätze befödert. Die Kryptowährung ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um diese Ziele zu erreichen.

Dies geschieht mittlerweile über Bitcoin, die Währung, hinaus: etwa wenn auf Ethereum Finanzdienstleistungen dezentralisiert werden, wenn Monero die Privatsphäre ausbaut oder wenn das Krypto-Ökosystem einen freien Markt von Kryptowährungen und Stablecoins schafft. All dies ist, in einem ethischen Sinne, Bitcoin.

Über Christoph Bergmann (2410 Artikel)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder ---

8 Kommentare zu Zehn Grundsätze einer Bitcoin-Ethik

  1. Ja klar…
    Ethereum ist in einem ethischen Sinne Bitcoin. Monero ist in einem ethischen Sinne Bitcoin. Stablecoins sind in einem ethischen Sinne Bitcoin.
    Was soll diese Begriffshuberei? Merkst Du eigentlich noch, was Du da schreibst? Reicht es nicht, dass Hans-Otto und Eva-Normal Bitcoin vom ganzen Rest nicht unterscheiden können? Muss man die Bezeichnungen auch noch ganz gezielt verwischen, wenn man vorgibt, Begriffsarbeit zu leisten?
    Einfach absurd.

    • Die Liste ist doch wunderbar, danke Christoph dafür.

      Ethereum ist weder dezentral noch zensurresistent.

      Und Hans-Otto versteht doch auch nicht, wo die Probleme bei FIAT und EZB sind. Er wird sie schon bald verstehen, versprochen. Aber bis dahin wird ihm Bitcoin suspekt oder bestenfalls egal sein.

  2. Axiome. Nur wegen dem ist der Artikel nicht Hirni.
    Christoph for Olifant!

  3. Holla gebrauchsspur, da sehe ich aber Kritik an Deinen Ausführungen als angebracht. Eine Begriffs- und Gedankenwelt durch Formulierungen mit Grundsatzcharakter abzugrenzen und damit einen Definitionsraum fuer etwas zu schaffen, das zur Zeit noch vorwiegend von Technikern und „Eingetauchten“ beherrscht wird, das ist ein dringend erforderlicher Schritt. Bitcoin „Gläubiger“ sind sicher der Meinung, dass alles Uebel in der Welt verschwindet mit „Bitcoin an die Macht“ – Fehlgedacht. Menschen sind in verschiedenen Welten beheimatet. Verständigung gibt es erst, wenn grundsätzliche Verstaendnisse angeglichen werden. Jeder Schritt dorthin ist wertvoll. Also nix „absurd“…

  4. Vielen Dank Christoph für diesen Artikel, der in Erinnerung ruft, dass das Fundament und die Grundüberlegungen, die zu Bitcoin geführt haben, viel tiefer liegen, als es sich für viele darstellt, die sich erst seit den Preishypes mit Kryptos beschäftigen. Klar, wirst Du von vielen Deiner sozialistischen Blogleser Kritik ernten, für die es nur Staat, Staat, Staat gibt und Freiheit ein Fremdwort ist. Diese sollte aber an Dir abperlen.

    Eine wichtige Grundüberzeugung hast Du aus meiner Sicht vergessen, nämlich das Recht auf EIGENTUM. Gerade in Zeiten, in denen das Kollektiv die Menschen über Steuern und Inflation beraubt, Meinungen unterdrückt, Kriege schürt und ihm sogar das Recht auf das Eigentum am eigenen Körper abspricht, zeigt Bitcoin eine Alternative, die viele dieser Exzesse unmöglich machen würde.

    • Ich finde das doch etwas harsch so zu verallgemeinern.
      Kriege schüren, ja wer denn? Das sind eher einige wenige die da seltsame Vorstellungen haben wie Putin oder die KP in China.
      Der Rest sind Konflikte die schon ewig brodeln wo die Leute den Blick auf die Lösung verloren haben. Aber die Aussage oben ist zu allgemein und dürfte nicht die Mehrheitsmeinung wiedergeben.
      Meinungsunterdrückung, wo genau? In der westlichen Welt hab ich eher den Eindruck dass nur die besonders Laut sich beschweren deren Ansichten und Einstellungen nicht mehrheitsfähig sind und total jenseits der Realität und die dann zu Recht irgendwo rausgeflogen sind.

      Ein funktionierender Staat braucht Einnahmen um Dienstleistungen für seine Bürger anbieten zu können. Steuern als Diebstahl zu diffamieren zeugt eher von Egoismus als einem altruistischen Weltbild in der Leute zusammenarbeiten und füreinander einstehen. Ich möchte von der Allgemeinheit profitieren mich aber nich beteiligen.

      Recht an Eigentum am Körper, wo wird hier eingegriffen?
      Ich finde es auch nich gut dass in Polen und USA Hardliner Abtreibungen strafbar machen, aber ich glaube in dem Kontext ist das hier nicht gemeint, oder?

  5. Solch ein Manifest ist ein voller Erfolg, wenn es Begriffe gut voneinander abgrenzt und trotzdem von allen Seiten unterschiedlicher Coleur mit unterschrieben werden kann. Insofern finde ich gerade die Formulierung „ist besser als“ schön, da es eine Einordnung auf einer Skala möglich macht.

    Insofern glaube ich nicht, dass sozialistische geneigte Blogleser mit dieser Liste irgendein Problem hätten, ausser vielleicht mit Punkt 5). Die Formulierung würde man vermutlich eher umdrehen. Aber gerade die Punkte 8) und 9) können Sozialisten bestimmt gut unterschreiben.

    Punkt 2) Dezentralität: Single-Point of Failures sind zu vermeiden, würde ich eher an Platz 1 der Liste stellen, da Bitcoin vor allem aus der „Too Big to Fail“ Erkenntnis der Lehman Brother Krise seine Initialzündung gewonnen hat. So wie Sozialisten vielleicht „Alle sind gerecht versorgt“ noch vor der Meinungsfreiheit sehen, so sehen Bitcoiner Dezentralität und Resilienz vielleicht ein minimalen Prozentpunkt vor der Meinungsfreiheit. Wichtig sind natürlich trotzdem beide Punkte.

  6. Meinungsfreiheit ist ein schwieriger Punkt.
    Ich als Plattform möchte nicht gezwungen werden Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern, Nazis, Dikataturen und Trollen sowie sonstigen Störenfrieden , ein Zuhause bieten zu müssen und ihnen Reichweite zu verschaffen.
    Es gibt immer noch so Dinge wie Vertragsfreiheit und Hausrecht und Anstand.
    Wenn ich also sage diese Person zieht meinen Ruf mit runter, mit der möchte ich nich in Verbindung gebracht werden, sollte es mir möglich sein das Verhältnis einseitig zu beenden.

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